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    ..faiáh Avatar von honoshi
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    Artistpage von honoshi

    Beitrag Anfängerhilfe für Beatbauers \ FAQ

    Hip Hop Beats – Einstieg in die Welt der Beatproduktion
    Klingen eure Hip Hop Beats noch nicht so fett, wie ihr es euch vorgestellt habt? Habt ihr bisher nur Songs aus anderen Musik-Genres produziert und möchtet euch jetzt einmal im Hip Hop ausprobieren? Oder ist das Beat-Producing vielleicht sogar noch komplettes Neuland für euch? Dann soll euch dieser Artikel ein paar Praxis-Tipps geben, um klassische Fehler bei der Produktion von Hip Hop Beats zu vermeiden
    1. Die Auswahl der richtigen Software (DAW – Digital Audio Workstation)
    DAW Hersteller für Hip Hop Beats
    Durch das digitale Zeitalter gab es ein Wandel in der Musikbranche. Für den Einen Fluch, für den Anderen Segen, denn plötzlich hatten viele Musiker die Möglichkeit, ihre musikalischen Ideen zu verwirklichen. Man war nicht mehr auf die teure analoge Technik der großen Tonstudios angewiesen. Heute könnt ihr mit einem PC oder Laptop und der richtigen Software kostengünstig in die Produktion von Hip Hop Beats einsteigen. Mittlerweile existiert eine Vielzahl von Audio-Software-Herstellern. Welcher der Richtige für euch ist, hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

    – Wie viel Budget habt ihr für die Software?
    – Welche Benutzeroberflächen wirken für euch intuitiv?
    – Wie stabil läuft die Software bei extremen Spuranzahlen und Effekten?
    – Wie erfolgt die Integration mit euren vorhandenen Controller und eurer Hardware?
    – Passt die vorhandene Sound-Library grundsätzlich zu euren musikalischen Ideen?
    – Welche Möglichkeiten habt ihr, die Software zu erweitern (z.B. durch VST-Plugins)?
    – Habt ihr die Möglichkeit verschiedene Module kreativ miteinander zu verbinden?
    – Wie ist die Community der User?
    *Ich persönlich habe vor über 13 Jahren mit Magix Music Maker angefangen Hip Hop Beats zu produzieren, da die Software sehr einfach aufgebaut war und für Anfänger sehr geeignet schien. Kurze Zeit später lernte ich dann Fruity Loops kennen. Fruity Loops war ebenfalls sehr intuitiv und ist in der aktuellen Version eine vielseitige und mächtige Audio-Software. Viele mir bekannte Hip Hop Produzenten arbeiten auch heute noch mit Fruity Loops, unzählige Youtube Tutorials für Hip Hop Beats bestätigen diesen Eindruck. Irgendwann schwärmte ein damaliger Schulkollege von den individuellen Möglichkeiten in Propellerhead Reason und so entschied ich mich für diesen schwedischen Software-Hersteller. In der Version 2.5 gab es noch keine Recording-Möglichkeiten (dafür habe ich parallel Steinbergs Cubase verwendet) und der Einstieg war recht komplex. Aus meiner heutigen Sicht zeichnen folgende Besonderheiten Reason Propellerhead aus:

    – der unglaublich warme Sound des Mastering Bus
    – der digitale Mixer als eine Emulation der legendären analogen SSL 9000k Mixing-Konsole
    – die Stabilität der Software
    – die Möglichkeit alle Devices kreativ mit virtuellen Kabeln zu verbinden

    In der aktuellen Version von Propellerhead Reason 6.5 werden keine VST-Plugins unterstützt (es existiert ein eigener Shop mit sogenannten „Rack Extensions“) und die interne Sample-Auflösung ist nicht höher als 24bit (aus meiner Sicht vollkommen ausreichend). Ein umfangreicher Vergleich aller DAWs war für mich aus zeitlichen Gründen nicht möglich, da man als User oft mehrere Wochen benötigt, um die Stärken und Schwächen einer Software richtig „kennenzulernen“. Ich vermute einige Produzenten haben sich für eine Audio-Software entschieden, weil ein Bekannter gerade das passende Image illegal gedownloadet hat.


    Verpasse nie wieder ein Tutorial von Beatbrücke. Jetzt liken!





    2. Aufbau einer Sound Library für Hip Hop Beats

    Da Hip Hop Beats hauptsächlich von dem Sound der Drums leben, entscheidet die Qualität der Drum-Samples über Sieg oder Niederlage. Immer wieder höre ich Hip Hop Beats auf soundcloud.com, rappers.in oder soundclick.com, die melodisch sehr einprägsam und ausgearbeitet sind, aber leider nicht überzeugen, weil die Drums zu dünn und energielos wirken. Aus meiner Sicht macht es Sinn von Anfang an mit fetten Drumkits von externen Anbietern zu arbeiten. Für einen Einstieg kann ich euch folgende Seiten ans Herz legen. Achtet immer auf eine Sample-Auflösung von 24 oder besser 32 bit.

    http://hiphopdrumsamples.com/
    http://www.producerloops.com/
    http://www.mvploops.com/
    http://www.modernproducers.com
    http://www.loopbased.com

    Wenn ihr ausreichend Drum-Material für eure Hip Hop Beats in der Sound Library gesammelt habt, empfehle ich euch eine Ordner-Struktur nach Kick, Snare, Hihats, Cymbals, usw. vorzunehmen. Damit verkürzt ihr den Arbeitsaufwand beim Produzieren und Suchen von passenden Drum-Sounds. Um euren Drums eine eigene Note zu geben, könnt ihr z.B. mit sogenannten Field-Recordern alle denkbaren Sounds aus eurer Umgebung aufnehmen, mit Effekten bearbeiten und integrieren. Beatproducer Timbaland fügt oft eigene Vocal-Geräusche und mehrere Percussion-Spuren in den Rhythmus seiner Drums ein (zu hören in „Nelly Furtado – Say it Right“ oder „Aaliyah – Try Again“). Ein weiteres Beispiel für kreatives Sounddesign liefert Produzent und Rapper Tua mit seinem „Vodka Beat“
    3.. Takt, Tempo, Rhythmus und Groove von Hip Hop Beats

    Fast allen elektronischen Tracks liegt ein 4/4 Takt zu Grunde. Klassische Hip Hop Beats haben oft ein Tempo zwischen 80 und 100 BPM. House oder Dubstep Beats liegen eher über 120 BPM. Aus Sicht des Rhythmus befindet sich die Clap bzw. Snare fast in allen Fällen auf der 2 und der 4. Die Kick und Hihats variieren. Typisch für Hihtas im Hip Hop sind durchgängige 8tel oder 16tel Anschläge.
    #Es ist für mich oft leichter mit den Drums zu beginnen. So können die restlichen Elementen schon auf einen bestimmten Groove aufgebaut werden. Um den natürlichen Groove zu erhalten, empfehle ich euch, die Drums nicht per Programmierung eines Drum-Computers, sondern per Controller oder Drum-Pad einzuspielen. Der Controller „Akai MPD 18“ eignet sich dafür hervorragend, da er durch 16 Pads dem Feeling einer klassischen MPC sehr nahe kommt. Achtet darauf, dass ihr mit einer automatischen Quantisierung nur Takt-Fehler korrigiert und nicht den natürlichen Groove der Hip Hop Beats zerstört. Um einen „Laidback Effekt“ zu erzeugen, kann man die Claps oder Snares ein wenig nach hinten verlagern.
    4. Rhythmische Elemente in Hip Hop Beats

    Jeder kennt das Gefühl, bei manchen Songs zwanghaft mit den Kopf mitnicken zu müssen. Meistens sind durchgängig rhythmische Elemente in den Beats verantwortlich, die nicht immer im Vordergrund stehen müssen. Bei Eminem’s „Lose yourself“ wird dieser Effekt durch die E-Gitarren und die Bassline erzeugt. Bei Dubstep ist dieses stilistische Mittel das Hauptmerkmal des Genres, wie der Song „Katy B – Katy On A Mission“ deutlich zeigt.
    5. Melodien: Samplen oder Komponieren?

    Es existieren viele Mythen und Legenden um das Thema Urheberrechtsverletzung beim Sampling. Streicht schnell Sätze wie „Man darf nur eine Tonfolge bis 8 Noten samplen“ oder „Alles unter 2 Sekunden ist beim Sampling erlaubt“ aus eurem Kopf. Fakt ist, Sampling ist seit den Anfängen des Hip Hops ein fester Bestandteil des Genres (jüngstes Beispiel: „Cro – Easy“ verwendet Samples von „Bobby Hebb – Sunny„). Produzenten-Größen wie Dr. Dre und Timbaland greifen beim Hip Hop Beat Producing immer wieder auf ihre riesigen Plattensammlungen zu, die von Soul bis Orientalischer Musik alle Genres abdeckt. Grund dafür ist meistens nicht ein Mangel an Kreativität, sondern die Chance aus „alten Sound-Fundstücken“ einen unverwechselbaren, neuen Sound zu erschaffen. Dieser Sound ist mit selbst eingespielten Instrumenten schwer zu erreichen. Ob es sich dabei um eine Urheberrechtsverletzung handelt, ist immer eine Einzelfallentscheidung und hängt davon ab, ob das verwendete Sample im Song „erkennbar“ ein Teil des Originals ist. Als Beatproducer ergeben sich somit 4 Optionen:

    Option 1: Ihr könntet Samples mit wiedererkennbaren Teilen verwenden und euch um ein Sampling-Clearing kümmern, sprich mit den Urhebern einen Lizenzvertrag für die Nutzung der Samples vereinbaren (siehe „Kool Savas – Aura“ und „Hans Zimmer – Time„)

    Option 2: Ihr könntet Samples mit wiedererkennbaren Teilen verwenden und euch nicht um ein Sampling-Clearing kümmern, was zu einer Urheberrechtsverletzung führt. Der Ärger kommt von alleine, wenn der Song erfolgreich ist!

    Option 3: Ihr könntet kurze Samples verwendet, die ihr so bearbeitet, zerschneidet und verändert, dass Niemand (nicht einmal der Urheber) auf das Original schließen könnte. Wo kein Kläger, da kein Richter!

    Option 4: Ihr verzichtet auf Samples, komponiert alle Melodien selbst und spielt diese ein bzw. spielt nicht erkennbare Samples mit eigenen Instrumenten nach.

    Falls ihr euch für eine Variante mit Sampling entscheidet, versucht nur von hochauflösenden Medien wie Vynyl oder CD zu samplen. MP3 Soundtracks aus dem Netz fallen somit raus. Oft findet man exotisches, unbekanntes und altes Sampling-Material bereits ab 1 € auf Flohmärkten. Verwendet dann für eure passenden Samples in euren Hip Hop Beats Effekte wie z.B. Hall, Delay, Pitch, EQ oder Distortion, um euren charakteristischen Sound zu finden. Auch aus dem Umkehren (Reverse) der Sounds und der Kombinationen aus mehreren Sampling-Quellen können sehr individuelle Hip Hop Beats entstehen. Ich verwende für meine Samples sehr gerne einen Pitch, etwas Hall und den „Propellerhead Reason Pulsar“, um den Samples einen eigenen Rhythmus einzuhauchen. Mit der Zeit entwickelt jeder Produzent seinen eigenen kreativen Sampling-Prozess. Für eine eigene Bass-Spur ist es oft nötig, den Bass der Samples mit einen Equalizer komplett rauszufiltern. Wenn ihr eure Melodien selbst komponieren und einspielen möchtet, sollte ihr darauf achten, dass eure eingespielten Instrumente eine natürliche Anschlagsdynamik haben. Pianos und Streicher wirken oft sehr künstlich, wenn jede Note mit 100 % Anschlag in die DAW „reingeklickt“ wird.

    6. Panorama, Effekte und Equalizing

    Wenn ihr alle Elemente nach eurer Vorstellung eingespielt habt, könnt ihr mit einigen kleinen „Schönheits-Eingriffen“ den Sound eurer Hip Hop Beats optimieren (jetzt beginnt bereits der Mixing-Prozess). Arbeitet mit dem vollen Stereo-Panorama. Am Besten lasst die Kick und den Bass in der Stereo-Mitte. Andere Percussion-Elemente und Instrumente können dann nach links und rechts verteilt werden, so wirkt der Beat präsenter. Verwendet möglichst keinen Hall auf der Kick und den Bass. Alle anderen Elemente wie Claps, Hihats, Snares oder Synthies wirken durch einen Hall lebendiger. Zur Zeit kann man in vielen Songs Kicks hören, die mit Sub-Bässen „angefettet“ wurden (z.B. „Kendrick Lamar – Bitch, don’t kill my vibe„).

    Einen gesonderten Blog-Artikel zum Thema Kick und Bass Mixing findet ihr hier: https://www.beatbruecke.de/mixing-kick-bass/

    Auch mein Artikel über Parallelkompression von Drums könnte euch bei der Sound-Optimierung helfen: https://www.beatbruecke.de/mixing-dr...elkompression/

    Sollte euer Mix zu sauber und steril klingen, kommen Effektgeräte wie „Audimatic“ zum Einsatz. Damit können den Drums oder der Summen-Spur beispielsweise ein Vinyl-Effekt hinzufügt werden. Aber vorsichtig, man sollte diese Effekte auf der Summen-Spur nicht übertreiben.

    Propellerhead Reason Audiomatic für Hip Hop Beats

    7. Arrangement – Keep it simple!

    Wenn ihr mit dem Sound eures Hip Hop Beats zufrieden seid, könnt ihr euch abschließend um das Arrangement kümmern. Versucht die Spannung bis zum Refrain aufzubauen und lasst euch die Highlights für den Refrain. Vor der Hook könntet ihr die Drum-Spur rausnehmen und beispielsweise einen Fade-In Effekt nutzen. In der Hook kommen meistens besondere Percussion-Elemente und Melodien hinzu. Oft weist die Hook auch ein größeres Stereo-Panorama auf als die Verse. Das Wichtigste: Keep it simple! Der Durchschnitts-Hörer kann meistens nicht mehr als drei neue Elemente auf einmal verarbeiten. Sollten eure Beats zu überladen und komplex sein, wird es außerdem für die Sänger und Rapper schwierig, ihre Vocals passend zu platzieren. Eine kleine Anekdote am Rande: Als wir vor einiger Zeit an einem Oldschool-Track für das Projekt „Daily Biz“ gearbeitet haben (der Beat bestand nur aus einer Drum-, Sample- und Bass-Spur), dachten wir, dass bei einem so minimalistischen Aufbau, kein Element zu keiner Zeit im Arrangement fehlen sollte. Wir kamen beim Mixing aus Versehen auf die Löschtaste und löschten vor der Hook die Samplespur. Plötzlich erzeugten wir dadurch zufällig ein bestimmtes „Oldschool Flavour“, da zeitweise nur die Drums und die Vocals zu hören waren. Weniger ist manchmal mehr!

    Ich hoffe ich konnte euch einen guten Einstieg in die Thematik bringen und freue mich auf Feedback! Es existieren mit Sicherheit noch hunderte weitere stilistische Elemente und Tricks. Welche praktischen Handgriffe habt ihr für eure Hip Hop Beats parat
    Hier findet ihr eine kleine Auswahl der gängigsten DAWs. Schaut euch am Besten die Produktvideos an und nutzt die Demoversionen auf den Hersteller-Seiten, um einen guten Einblick zu bekommen:

    Ableton Live https://www.ableton.com/de/
    Avid Pro Tools: http://www.avid.com/DE/products/family/pro-tools
    Cakewalk Sonar: http://www.cakewalk.com/products/sonar/
    ImageLine FL Studio: http://www.image-line.com/documents/flstudio.html
    Steinberg Cubase: http://www.steinberg.net/en/products/cubase/start.html

    quelle: beatbrücke.de

    Mixing<bass> <drum>^
    Mixing
    Die 5 Kriterien beim Abmischen





    Hat man erstmal ein Projekt mit 50-100 Spuren vor sich, die alle bearbeitet werden müssen, wobei einem noch über 100 Plug-Ins zur Verfügung stehen, so kriegen viele eher Lust wegzurennen statt mit der Arbeit zu beginnen…

    In diesen Prozess möchte ich etwas Struktur reinbringen: In vielen Tontechnik-Büchern wird von drei Dimensionen gesprochen, in derer ein Signal bearbeitet wird. Das ist auch völlig richtig. Jedoch lässt sich nicht jede Bearbeitung konkret in eine dieser drei Dimensionen eingliedern, sprich es gibt noch Bearbeitungsmöglichkeiten außerhalb dieser Dimensionen.

    Zudem bemühe ich mich stets um simple Formulierungen. Daher benennen wir das Kind doch einfach beim Namen: Vereinfacht ausgedrückt geht es beim Mixing darum jedes Signal hinsichtlich fünf Kriterien optimal einzustellen: Lautstärke, Dynamik, Frequenzgang, Stereoposition und Effekte!





    1. Lautstärke

    Bevor Sie irgendetwas anderes am Mix machen, ist es sinnvoll, zunächst die einzelnen Spuren von der Lautstärke her untereinander abzustimmen. Die Lautstärke entscheidet grundlegend darüber, ob ein Signal mehr im Hintergrund des Mix liegt oder ob es im Vordergrund steht. Sie können nicht einfach alles aufdrehen. Das Ergebnis ist dann nicht, dass man alles gut hört, sondern dass man nichts mehr richtig auseinander halten kann. Der sprichwörtliche Klangbrei entsteht…

    Vielmehr sollten Sie dafür sorgen, dass eine vernünftige Staffelung entsteht. Das bedeutet, dass einige Signale mehr im Hintergrund des Mix liegen und einige im Vordergrund. Nach vorne gehören natürlich die für den Mix wichtigeren Signale. Bei Songs ist das z.B. der Gesang; dieser gehört am lautesten.

    Browne Akustik

    Sehr wichtig ist auch der Rhythmus, als die ursprünglich erste Form von Musik. Letztlich haben wir alle den „Rhythmus im Blut“ (der einer mehr, der andere weniger). Stellen Sie daher auch das Schlagzeug nicht zu leise.

    Ein häufiger Fehler beim Mischen ist eine zu hohe Basslautstärke. Besonders Anfänger neigen dazu, den Bass lauter zu stellen als nötig. Hört man sich aber mal eine moderne Profiproduktion an, die man als besonders bassreich empfindet, so wird man oft feststellen, dass der Bass eigentlich gar nicht so laut ist. Vor allem auf Monitorboxen kommt hier „die Wahrheit“ recht schnell ans Licht. Häufig sind es einfach die im Konsumbereich üblichen Anlagen plus eventuelle Klangregelungen, die für den extremen Basssound sorgen.

    Die Hi-Hat wird auch gern zu laut gestellt. Diese liegt in einem sehr hohen Frequenzbereich, der bei Konsumanlagen ebenfalls verstärkt wird. Im Allgemeinen muss die Hi-Hat aber auch gar nicht so laut sein, da sie sich aufgrund ihres perkussiven – oft schon metallischen – Klangs ohnehin recht stark von den anderen Instrumenten absetzt und dadurch deutlich zu erkennen ist.

    Streicher und Flächen setzen sich auch bei niedriger Lautstärke durch, da sie kaum Lautstärkeschwankungen aufweisen und so recht präsent klingen. Diese können Sie im Vergleich also leiser drehen.

    Tendenziell gehören Melodie- und Soloinstrumente lauter als hintergründige, die lediglich den Rhythmus unterstützen sollen oder Harmonien spielen.





    2. Dynamik

    Nach der Kanallautstärke wenden wir uns nun dem sehr verwandten Thema Dynamik zu. Letztlich kommt es vor allem auf die empfundene Lautstärke an: Haben Sie ein Signal mittels Kanalfader aufgedreht, heißt das noch lange nicht, dass es für den Hörer nun auch extrem laut klingt. Für unser Gehör ist letztlich nur der Durchschnittspegel wichtig. Solange dieser nicht entsprechend hoch ist, wird das Signal weiterhin vergleichsweise leise klingen.

    Genau hier schafft der Kompressor Abhilfe. Mittels Komprimierung können Sie die Lautstärkeschwankungen eines Signals eindämmen, sprich die Dynamik eingrenzen. Warum das notwendig ist, haben wir ja bereits unter dem Thema "Effekte > Kompressor" geklärt. Sollten Ihnen die Ausführungen dort nicht reichen, so finden Sie im Praxis-Leitfaden EFFEKTE sowie dem dazugehörigen Video-Tutorial eine noch tiefergehende, aber dennoch simpel gehaltene, Erklärung.

    Dass Sie die Prinizipien der Komprimierung verstanden haben ist in der Musikproduktion unerlässlich. Ist das bei Ihnen der Fall, so können Sie nun überlegen, welche Signale Sie in Ihrem Mix komprimieren möchten und wie stark. Natürlich ist das auch von Geschmack und Genre abhängig. Einige Tipps und Grundsätze möchte ich Ihnen dennoch an die Hand geben.

    Die Lautheit ist letztlich bloß ein enger Verwandter der Lautstärke. Es wurde bereits erwähnt, dass die Stimme im Vordergrund stehen sollte. Und dazu muss sie eben auch eine entsprechende Lautheit aufweisen: Es nützt nichts, den Gesang mittels Kanalfader endlos weit aufzudrehen, wenn dieser sich aufgrund einer zu hohen Dynamik dennoch nicht gegen die Lautheit der Instrumente durchsetzen kann.

    Damit Sie den Gesang also in den Vordergrund des Mix bekommen, müssen Sie ihn komprimieren. Dabei gilt: Je druckvoller die Instrumente, desto höher muss die Lautheit der Stimme sein, damit diese sich durchsetzt. Bei Musikrichtungen wie Heavymetal, wo es ohnehin deftiger zu Werke geht, muss also auch die Stimme stärker komprimiert werden.

    Doch selbst bei Balladen wird man auf den Kompressor nicht verzichten können. Da der Gesang hier ohnehin ruhiger und weniger kraftvoll aufgenommen wird, macht es Sinn, dies mittels Kompressor auszugleichen, damit die Stimme nicht zu lasch klingt.



    An dieser Stelle höre ich Einwände: „Die Stimme soll doch bei Balladen auch ruhiger und gefühlvoller klingen.“ Natürlich soll sie das; Erstaunlicherweise hat der Kompressor auch gar keinen so starken Einfluss darauf! Mittels Komprimierung werden lediglich Lautstärkeschwankungen ausgeglichen. Für das Ruhige und Gefühlvolle ist aber nicht die Schwankung der Lautstärke entscheidend, sondern die Klangfarbe! Und diese bleibt von der Komprimierung unbeeinflusst. Der Gesang wird also lauter und druckvoller, jedoch weiterhin gleichermaßen gefühlvoll. Erst bei übertriebenem Einsatz wirkt die Stimme irgendwann echt leblos.

    Auch das Schlagzeug sollten Sie komprimieren, insbesondere Snare und Bassdrum (sofern es sich um eine echte Schlagzeug-Aufnahme handelt, nicht um Samples – die sind in der Regel schon fertig bearbeitet und komprimiert!).

    Der Bass wirkt durch Lautstärkeschwankungen schnell träge und kraftlos. Mittels stärkerer Komprimierung sorgen Sie für ein druckvolles und solides Bassfundament, ohne welches der Mix schnell lasch klingt.

    Verzerrte E-Gitarren werden durch die Verzerrung bereits ausreichend komprimiert. Nur beim Solo, wenn die Gitarre noch mehr in den Vordergrund rücken soll, wird eine noch höhere Lautheit benötigt, sprich u.U. etwas Komprimierung.

    Keyboards und Flächen erfordern normal keine Komprimierung, da sie kaum Lautstärkeschwankungen aufweisen und meist eher im Hintergrund spielen.





    3. Frequenzgang

    Die einzelnen Signale im Mix sollten sich nicht gegenseitig überlagern, sondern sich zusammen zu einem ausgeglichenen Gesamtbild aufaddieren. Dazu sollte jedes Signal eine bestimmte Nische ausfüllen und mit keinem anderen Signal ins Gehege kommen, was insbesondere für den Frequenzverlauf einer Produktion gilt.

    Ziel bei der Frequenzbearbeitung ist demnach nicht, dass jedes Signal im Einzelnen möglichst breit und fett klingt, sondern dass diese im Zusammenspiel gut klingen, sich also ergänzen, und so ein insgesamt breiter und voller Klang entsteht.

    Dazu verteilen Sie die einzelnen Signale so über das Frequenzspektrum, dass jedes seinen eigenen Bereich hat!





    Beispiel für die Panorama- und Frequenzverteilung einer Rockproduktion.



    Haben Sie beim Arrangieren sauber gearbeitet, so liegt bereits eine grundlegende Trennung der Frequenzen vor. Mittels Equalizer erledigen Sie nun noch die Feinarbeit!

    Ihr Ziel dabei ist die Frequenztrennung sämtlicher Einzelsignale, sprich das Beseitigen von Frequenzüberlagerungen.

    Hierzu ist es zunächst sinnvoll zu wissen, welche Frequenzen der jeweiligen Signale für den Mix überhaupt relevant sind. Jedes Signal soll ja einen bestimmten Frequenzbereich einnehmen. Dabei wäre es natürlich gut, wenn die einzelnen Signale genau den Bereich einnehmen, der auch typisch für das Signal ist und in dem es auch gut klingt!

    Mittels des Verfahrens der Resonanzfrequenzsuche (unter "Effekte > Equalizer" beschrieben) ermitteln Sie bei jedem Signal den Frequenzbereich, wo dieses am besten klingt. Diesen Bereich heben Sie dann etwas an.

    Nun wissen Sie schon mal, wo welches Signal besonders gut klingt und haben diesen Bereich jeweils angehoben. Nur Verdeckungen beseitigt haben Sie dadurch noch nicht. Dies ist der nächste Schritt! Genau der Bereich, den sie eben angehoben haben, sollte bei anderen Signalen abgesenkt werden, sofern diese hier auch Anteile besitzen. Auf diese Weise schaffen Sie Platz im Mix und verhindern Frequenzüberlagerungen!

    Ein sehr gutes Beispiel ist die Frequenztrennung von Bass und Bassdrum. Diese liegen nämlich beide im Tiefenbereich und somit sehr nahe beieinander.

    Die erste Überlegung hierbei ist, welches Instrument die tiefsten Frequenzen der Produktion einnehmen soll. Meist nimmt die Bassdrum den untersten Bereich ein, während der Bass die darüber liegenden Frequenzen abdeckt. In diesem Fall spricht man auch davon, den Bass über die Bassdrum zu legen.


    Trennung_Bass-Bassdrum


    Im Bassbereich gibt es generell zwei Möglichkeiten: Entweder Sie siedeln die Bassdrum im Tiefbassbereich an und den Bass in den darüber liegenden Frequenzen (Abbildung links), oder umgekehrt (rechts).

    Bleiben wir bei dem Beispiel, dass Sie den Bass über die Bassdrum legen möchten. In dem Fall sollten Sie die Bassdrum im Tiefbassbereich etwas anheben.

    Dazu ermitteln Sie anhand der unter "Effekte > Equalizer" beschriebenen Resonanzfrequenzsuche vorab den charakteristischen Bereich der Bassdrum. Oft liegt dieser bei 50 bis 60 Hz.

    Der Bass hingegen sollte in dem Bereich nun gerade nicht so stark vertreten sein, da es sonst zu Überlagerungen kommt. Senken Sie daher genau die Frequenz beim Bass ab, die Sie eben bei der Bassdrum angehoben haben! Haben Sie die Bassdrum z.B. bei 50 Hz angehoben, so senken Sie den Bass bei 50 Hz ab!

    Der Bass nimmt jetzt die Frequenzen darüber ein. Durchfahren Sie auch hier das Spektrum mittels Sweeping ab etwa 90 Hz und heben Sie den ermittelten Bereich an. Typisch ist hier eine Bearbeitung bei 100 bis 120 Hz. Die ermittelte Frequenz senken Sie wiederum bei der Bassdrum ab!

    Wie Sie sehen, gilt beim Einsatz des Equalizers das Prinzip des Gebens und Nehmens: Möchten Sie einen Frequenzbereich eines Signals anheben, sollten Sie diesen zunächst bei anderen Signalen absenken, um Platz zu schaffen!

    Genauso wie bei Bass und Bassdrum gehen Sie auch bei allen weiteren Signalen vor! Ermitteln Sie die charakteristischen Frequenzen jedes Signals mittels Sweeping und heben Sie den gefundenen Bereich an, während Sie eben diese Frequenz bei anderen Signalen absenken, sofern diese hier ebenfalls Anteile aufweisen.

    4. Stereoposition

    Zur Festlegung der Stereoposition bietet jeder Kanal Ihres Sequenzerprogramms einen Panoramaregler. Drehen Sie diesen ganz nach links, wird das Kanalsignal nur auf der linken Box ausgegeben. Drehen Sie ihn ganz nach rechts, wird es nur rechts ausgegeben. Dazwischen sind sämtliche Positionen möglich. So können Sie das Signal z.B. auch nur leicht links stellen, wobei es dann auf der linken Box lediglich einen Tick lauter ausgegeben wird als rechts. Lassen Sie den Regler in der Mitte stehen, so wird das Signal von beiden Boxen gleichlaut ausgegeben und scheint somit mittig zu liegen.


    Panoramaregler eines Kanals in Cubase 6: Jeder Kanal eines Sequenzerprogramms verfügt über einen separaten Regler zur Änderung der Stereoposition.

    In diesem Beispiel ist das Signal 50% nach rechts gepannt. Darüber befinden sich im Übrigen der Lautstärkeregler und darunter eine Möglichkeit zur zeitlichen Verzögerung des Signals.



    Soll ein Signal so klingen, als ob es links vom Hörer wäre, drehen Sie den Panoramaregler nach links, umgekehrt nach rechts. So können Sie nacheinander alle Signale durchgehen und diese im Panorama aufteilen. Ein Instrument pannen Sie vielleicht ganz links, eines nur leicht links, wichtige Signale kommen in die Mitte, eines leicht rechts und eines ganz rechts. So klingt es für den Hörer in etwa so, als würde sich eine Band breit vor ihm im Raum verteilt befinden.

    Diesen Effekt sollten Sie sich zunutze machen, sprich Sie sollten nicht einfach jedes Signal in die Mitte setzen! Dadurch wirkt das Klangbild einerseits dünn und vor allem undifferenziert – die Signale ließen sich schwieriger voneinander abgrenzen, da sie alle „auf der gleichen Stelle hocken“. Teilen Sie sie hingegen gleichmäßig im Panorama auf, klingt der Mix breitgefächert und klar.

    Beachten Sie dabei: Das Fundament des Mix gehört in die Mitte! Zum Fundament zählt die grundlegende Rhythmussektion, bestehend aus Bassdrum, Snare und Bass, wobei ich hier gleich erwähnen muss, dass tieffrequente Signale sich ohnehin kaum orten lassen. Daher macht es keinen Sinn, Bassdrum oder Bass nach außen zu pannen.

    Desweiteren sollten Sie auch das jeweils wichtigste Signal der Produktion in die Mitte setzen. Bei Songs ist das der Lead-Gesang. Im Falle eines Instrument-Solos gehört das jeweilige Instrument in die Mitte. Spielen zwei Solo-Instrumente, werden diese oft um die Mitte herum aufgeteilt.

    Browne Akustik

    Neben dem Fundament können Sie nun alle weiteren Signale gleichmäßig im Panorama verteilen! Die Hi-Hat kann z.B. entweder in die Mitte gepannt werden oder bis maximal halblinks bzw. halbrechts, wobei ich Ihnen in dem Fall empfehle, der Hi-Hat noch einen Gegenspieler auf der anderen Stereoseite gegenüberzustellen. Dabei sollte es sich ebenfalls um ein höhenreiches Instrument handeln, das einen ebenso durchgehenden Rhythmus aufweist. Setzen Sie die Hi-Hat z.B. halblinks, so stellen Sie dieser halbrechts eine rhythmische Akustikgitarre, Shaker, Tambourine, Glocken oder Ähnliches gegenüber. Auf diese Weise erzielen Sie ein ausgeglichenes Stereobild.

    Ebenso gehen Sie bei weiteren Signalen vor. Auf jeder Stereoseite sollten sich letztlich etwa gleich viele Signale befinden! Nur so erreichen Sie ein ausgewogenes Klangbild!





    Nochmals beispielhafte Abbildung der Panorama- und Frequenzverteilung einer Rockproduktion.

    5. Effekte

    Bisher haben wir die Themen Lautstärke, Dynamik, Frequenzgang und Stereoposition besprochen.

    Diese Faktoren stellen die bereits wichtigsten Unterscheidungsmerkmale eines Signals im Mix dar. Soll heißen: Wenn bei einem Signal die Lautstärke eingestellt ist, ggf. mittels Kompressor die Dynamik angepasst, das Signal einen eigenen Frequenzbereich zugewiesen bekommen hat und eine Stereoposition, dann wird es bereits gut von den anderen Klängen abzugrenzen sein, da diese sich in wenigstens einem, meist jedoch mehreren, dieser Punkte voneinander unterscheiden.

    Signale, die an der gleichen Stereoposition liegen, werden sich z.B. zumindest im Frequenzgang unterscheiden. So befinden sich Hauptstimme, Bass, Bassdrum und Snare allesamt in der Mitte, jedoch in einem jeweils unterschiedlichen Frequenzbereich.





    Anhand von Effekten lassen sich nun aber noch weitere Unterscheidungsmerkmale herausarbeiten. Die Betonung liegt hier auf Unterscheidungen: Bearbeiten Sie nicht zig Signale jeweils gleichstark mit ein und demselben Effekt. Dadurch erreichen Sie genau das Gegenteil: Die Signale ähneln sich klanglich immer mehr und sind schlechter voneinander abzugrenzen.

    Halten Sie sich beim Effekteinsatz generell an die zwei folgenden Grundsätze: gezielt und sparsam! Wenn Sie verschiedene Hallräume auf die Signale geben, ein oder zwei Signale mit einem Delay bearbeiten und eines mit einem Modulationseffekt, so erreichen Sie eine gezielte Akzentuierung einzelner Sounds und der Mix wird nochmals verfeinert! Mehr ist meist nicht nötig und oft auch nicht sinnvoll!

    7 Not allowed! Not allowed!
    Geändert von honoshi (09.12.2015 um 13:42 Uhr) Grund: mixin'

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