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BrainBro

Literatur-Challenge: Rede

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Verehrte Zuhörer, Freunde und Verbindungsbrüder, wie es bei uns zum guten Ton gehört, möchte ich meine Rede mit einer unserer Doktrin einleiten:

„posh hooliganism“

Unter diesem Leitsatz residierten wir viele Jahrelang, verborgen vor dem Auge der Gesellschaft, eingepfercht in einem Palast der verdrehten Weltanschauung. Wir vegetierten dahin, nach Dekadenz stinkende Geldaristokraten, jede Pore unseres sterblichen Leibes dünstet den Gestank von schwäche, Lethargie und Borniertheit aus. Wir bildeten die Stützpfeiler des Ignorantentums. Wir waren das Fundament, wir stützten die Lasten eines Tempels erbaut für einfältige, alte Edelmänner und ihre Perversionen.
In dieser distinguierten Lebensart haben wir, in unserem blinden Hedonismus, ein Monster, abstoßend wie wenige zuvor, emporwachsen lassen.
Nachfolgend möchte ich unseren Antagonisten ein Gesicht geben, ein Gesicht für den Niedergang unserer Zivilisation.


Vor nicht allzu ferner Zeit verlebte ich, vom Glück liebkost und stets maliziös lächelnd, mein Dasein in einer Ära, von der ich annahm sie möge niemals Enden.
Gentleman, diese Ära musste jüngst einen Rückschlag erleiden und wurde unsanft auf die Probe gestellt. Ein Schicksalsschlag - so grausam und mit mirakulösen Kräften befähigt, dass nur der Teufel selbst zum Schlag ausgeholt haben konnte.
Und doch war es kaum mehr als ein flüchtiger Moment der in mein Leben schlich. Ein Moment verschleiert in harmlos wirkenden Banalitäten, vorgetragen mit Dichters Zunge. Ein Diskurs wie ihn jeder Mann, unabhängig vom Stand und Bildung, schon geführt haben mag.
Und während ich mit spitzfindig formuliertem Geistigen Eigentum flanieren ging, vernahm mein vortreffliches Gehör ein sanftes flüstern.

„Schlampe“

Nun, uns ist dieser Term durchaus geläufig. Aber ich spreche hier vom marginalen Geschlecht. Von einem auf die Spitze getriebenen Weibsbild und ihrer orgiastischen Lebensart. Ich spreche hier von renitenten und frevelhaften gehabe, ein Phänomen das zweifelsfrei ein Emporkömmling, ja ein Filius der Emanzipation sein muss.
Man ist geneigt derlei teuflisches Gedankengut auf animalische, redundante Triebe zurückzuführen und sie als Kern einer Fiktion, die einem verwirrten Geiste entsprungen sein müsse, abzutun. Doch diese deplorable Welt, in der aus Frauen Schlampen werden, ist eine leibhaftige.

Anfangs hatte die Betitelung als Schlampe keinerlei sexuelle Konnotationen. Sie bezog sich einzig auf die Haushaltsführung bzw. auf ein unordentliches, ungepflegtes Erscheinungsbild.
Doch geht es heute nicht etwa um banale Äußerlichkeiten. Die Bezeichnung Schlampe steht heute mehr denn je für Frauen, die ein reales oder zumindest angenommenes promiskuitives Dasein fristen. Bei weiteren Recherchen stoß ich zudem inflationär oft auf den Zusatz: billig.
Die Vokabeln „billig“ und „Schlampe“ scheinen demnach untrennbar miteinander verworren zu sein. Sinn und Zweck dieser Neuschaffung ist eine Steigerung der Diffamierung, so dass der Gebrauch von billig, zusätzlich zum Terminus Schlampe, die betroffene Person noch stärker und persönlicher abwertet, in einem Ausmaß, wie es die für sich stehende Expression Schlampe nicht bewerkstelligen könnte. Allein die Notwendigkeit, ein negativ behaftetes Wort steigern zu müssen, zeigt in welch prekärer Lage wir uns befinden.
Gab es zuvor den alles umfassenden und alle Spaten abdeckenden Begriff Schlampe, so wird heute differenziert. Es gibt die Thekenschlampe, die Bordsteinschlampe, die Ökoschlampe oder auch die Büroschlampe. Heute ist das Schlampentum einer pharisäischen Bewegung gleichzusetzen, etwa mit der Religion. Es ist ein Lebensstiel, ein strebsamer Pfad für Frauen ohne Talente. Die dabei gelebte Affektiertheit, mit der Frauen auftreten, ist anstößig, penetrant und barbarisch.

Gentleman, all das klingt inhuman. Doch wir dürfen nicht in Defätismus verfallen. Angesichts dieser beunruhigenden Entwicklung warne ich jedoch davor, voreilig zu denunzieren. Wer unvorsichtig Handelt, handelt wie ein Hasardeur.
Denn der Mann von Welt kennt sein Weib. Er kennt ihren störrischen und widerspenstigen Geist, welchem Einhalt zu gebieten ist. Er kennt die Abgründe die sich auftun, und einmal offen für Jahre einen feuerspuckenden Schlund freigeben. Einen Schlund, der es vermag, auch den stählernsten Mann hinabzuziehen.
Es wäre der Anfang vom Ende. Der eine Schritt zu viel, der Schritt hinein in eine kafkaeske Welt.


So bleibt einem nur sich dem Fait accompli zu fügen, doch tun wir dies auf unsere Art.
Wir nutzen den Ausdruck Schlampe von nun an ausschließlich pejorativ und postkoital. Wir leben unsere Tradition, die Tradition unserer Väter und Vorväter weiter und werden uns so exzessiv betrinken, dass wenn man uns fragt, was wir am heutigen Tage gegen vorliegende Missstände unternommen haben, wir retrospektiv an heute denken und nichts anderes als Titten, Alkohol und Drogen vor unserem geistigen Auge aufzutauchen scheinen.

Und so beende ich meinen Vortrag wie ich ihn begonnen habe, mit erhobenem Trinkgefäß und sakrosankt geltender Aussage: „posh hooliganism“

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Kommentare

  1. Avatar von PeasOut
    wack
  2. Avatar von BrainBro