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Special: rappers.in Awards 2018: Tracks

veröffentlicht: Freitag, 28.12.2018, 18:20 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi

Wieder einmal haben wir uns zusammengefunden und nach so einigen Ausführungen, Diskussionen, gerne gar Streitereien können wir unsere Highlights des Jahres küren. Dementsprechend haben wir für Euch national wie international in den Kategorien Videos, Tracks und Alben unsere Top 5 des Jahres 2018 gewählt.

National:

Platz 5: Gzuz - "¿Was hast du gedacht?"

Mit "¿Was hast du gedacht?" läutete Gzuz die Promophase seines "Wolke 7" Albums ein. Er präsentierte sich damit auf dem Worldstar Hip Hop-Channel und sorgte so für einen von vielen Momenten in diesem Jahr, in dem sich alle Augen auf ihn richteten. Außerdem schaffte er es, den Street-Rap-Vibe, den seine Gang seit jeher vertritt, in diesem Video zu komprimieren und international vor zu präsentieren. Auf dem Song lieferte der Hamburger den klassischen 187-Sound mit einer modernen instrumentalen Untermalung, die sich typischen Trap-Elementen bedient. ab und setzte so den Leitfaden für die folgenden Veröffentlichungen von ihm und seinen Kollegen.



Platz 4: Capital Bra - "Berlin lebt"

Berlin. Wohl keiner anderen Stadt haben Deutschrapper mehr Hymnen gewidmet. Kein Wunder, gilt die Hauptstadt doch nach wie vor als Hochburg des Raps und beheimatet das Gros der hiesigen Szene. Auch Capital Bra lieferte mit dem Track "Berlin lebt" auf seinem gleichnamigen Album den Beweis, dass sich an der Vormachtstellung der Hauptstadt in Sachen Rap wenig geändert hat. Auch wenn "Berlin lebt" keine klassische Ode an die Heimatstadt darstellt, stellt der Track genau dar, wofür Berlin steht: Rougher, kompromissloser Battlerap direkt in die Fresse. Auch wenn der Output von Capital Bra langsam überhand nimmt und beim neuen EGJ-Mitglied Quantität langsam immer mehr vor Qualität geht, bleibt "Berlin lebt" ein Song, der nicht nur in Berlin noch länger rotieren wird.



Platz 3: OG Keemo - "Vorwort"

OG Keemos "Vorwort" ist das Intro aus seinem Album "Skalp", das auch für uns in der Redaktion eines der Tapes des Jahres ist. Auf einem an Mobb Deeps "Shook Ones Pt. 2" angelegten Instrumental von Funkvater Frank erzählt OG Keemo einiges aus seinem Leben und geht besonders auf seinen bisherigen Karriereweg ein. Zwar ist die Message, mit der Musik durchstarten zu wollen und seine kriminelle Laufbahn hinter sich zu lassen, keineswegs neu oder besonders originell, jedoch sorgt Keemo durch die Authentizität seines Seelenstripteases für absolutes Gänsehaut-Feeling. Wer den Track einmal hört, wird es nicht bei diesem einen Mal belassen, da jede Line ihre Daseinsberechtigung hat und Filler absolute Fehlanzeige sind. Abgerundet wird der so schon hervorragend funktionierende Track noch mit einem Video, das Zeile für Zeile noch einmal besonders hervorhebt und zeigt, dass 2019 mit Zonkeymob-Chef zu rechnen ist.



Platz 2: Rin - "Dior 2001"

Lifestyle-Talk und eingängige Autotune-Melodien spielten sowohl in der HipHop-Szene hierzulande als auch in Übersee eine absolut dominante Rolle. Wer mit der Entwicklung von Rap in diese Richtung kein Problem hat, dürfte bei "Dior 2001" voll auf seine Kosten kommen. Auf einem Flötenbeat von Alexis Troy repräsentiert Rin all das, was eine junge Generation der HipHop-Szene als Lifestyle-Gepflogenheiten an den Tag legt. Weed, Diamanten und fünftausend Euro-Schuhe. „Dior 2001“ ist ein Paradebeispiel dafür, dass tiefgründige Texte gerne vernachlässigt werden können, wenn der Vibe stimmt. Atmosphäre hauptsächlich über Musikalität und Flows zu vermitteln, können in Rap-Deutschland die wenigsten MCs so gut wie Rin. Und wenn der Text zum Mitsingen/Mitrappen anregt, der Beat den Kopf zum Nicken bringt und das Gesamtpaket gute Laune vermittelt, fehlt es ja eigentlich an nichts.



Platz 1: Samra - "Rohdiamant"

Trotz des kontrovers diskutierten Signings von Capital Bra war der Künstler, der dieses Jahr bei EGJ am heißesten gehandelt wurde, ein anderer - und zwar Samra. Mit "Rohdiamant" lieferte er nach den Features mit seinem Labelkollegen den Beweis ab, dass er alleine mindestens genau so überzeugen kann. Dazu noch ein wunderbar, atmosphärischer Oldschool-Beat und Rap, der sich durch Skill und nicht durch Effekthascherei auszeichnet, ergibt einen Song, der bei vielen zurecht Lust auf mehr vom noch relativ unbeschriebenen Blatt neben Bushido geweckt und somit einen kleinen Hype um ihn ins Leben gerufen hat.



(Wossap & Nicht im Chor)

International:

Platz 5: XXXTENTACION - "Moonlight"

Während sich XXXTentacion im Jahre 2017 noch als unbelehrbarer Bad-Boy und Jungspund, der vor Beef mit niemandem zurückschreckte, präsentierte, zeigte er sich besonders auf seinem letzten Album "?" auch von seiner nachdenklichen Seite. „Moonlight“ ist ein smoother Lovesong, der von einem Mädchen handelt, welches von XXXTentacion verehrt wird. Weiter versucht X, auch seine mentalen Probleme zu verarbeiten, die ihn trotz seines Erfolges heimsuchen. Obwohl das Video zu „Moonlight“ erst nach XXXTentacion tragischen Todes veröffentlicht wurde, war es schon lange davor Teil der US Billboard Charts. Inzwischen sprechen Doppel-Platin in den USA sowie Platin in Kanada, Frankreich und Neuseeland für sich.



Platz 4: Drake - "God's Plan"

Drakes größter Hit dieses Jahres fiel insbesondere durch die positiven Vibes auf, die der Song vermittelt. Das in höchsten Tönen gelobte Video zeigt den Interpreten selbst, wie er fast eine Million Dollar verschenkt beziehungsweise spendet und die glücklichen Gesichter der Empfänger präsentiert. Diese Wohltat visualisiert einen typischen Drake-Hit samt melodischem, eingängigem Trap-Beat und einer Ohrwurm-Hook – ein Konzept, das so gut funktioniert, dass das Video allein auf YouTube knapp eine Milliarde mal angeklickt wurde und so in diesem Aspekt unseren anderen Kandidaten um eine Wellenlänge voraus ist. Der Einstieg auf Platz 1 in den Charts und der gebrochene Spotify Rekord für die meisten Aufrufe eines Tracks in den ersten 24 Stunden nach Release machen "God's Plan" zu Drakes erfolgreichstem Solo-Song.



Platz 3: Juice WRLD - "Lucid Dreams"

Für den Newcomer Juice WRLD war 2018 wohl das Jahr seines Lebens. Nachdem seine Ende letzten Jahres erschienene EP dieses Jahr durch die Visualisierungen von Cole Benett großen Hype erlangte, war "Lucid Dreams" die Krönung seines rasanten Anstiegs. Kaum jemand hat den wahrscheinlich größten Ohrwurm des Jahres nicht gehört: 270 Millionen Klicks auf YouTube, über 125 Millionen Plays auf SoundCloud und über 50 Millionen Streams in der ersten Woche. All das für einen Lovesong, in dem Juice WRLD zweifellos singend das Ende seiner Beziehung und den damit verbundenen Schmerz auf einem melancholischen Instrumental verarbeitet. Doch einen großen kommerzielle Erfolg brachte ihm der Hit nicht ein; zumindest nicht, wenn man den Worten seines Producers Nick Mira Glauben schenkt. Dieser tweetete im November, dass Sting, dessen Sample auf dem Song verwendet wird, satte 85% der Einnahmen des Liedes absahnt. Juice WRLD gab sich jedoch gelassen und sagte nur, dass ihm das Geld nicht so wichtig sei wie die vielen Menschen, die er mit der Message des Songs erreicht und denen er eventuell geholfen hat.



Platz 2: Sheck Wes - "Mo Bamba"

"I got hoooooeeeees caaaaaaaaalliiiing"! Wer die letzten Wochen oder Monate in HipHop-Clubs verbracht hat, dürfte genau wissen, welche Energie "Mo Bamba" von Sheck Wes mit sich bringt. Der Song, der Mohamed Bamba, einem NBA-Spieler der Orlando Magic, gewidmet ist, steht sinnbildlich dafür, wie schnell aus einem ursprünglich auf Soundcloud hochgeladenen Track ein absoluter Hit wird. Ein aggressiver Bass und unsauberer Gesang, der sich aber im Club, im Auto und auf Konzerten wunderbar nachahmen lässt, brachten Sheck Wes nicht nur über 100 Millionen Klicks auf Youtube oder auf den NBA 2k-Soundtrack, sondern vielmehr auf die Karte der Hip Hop-Landschaft. Es kann sein, dass "Mo Bamba" lediglich ein One Hit Wonder wird; das aktuelles Album "Mudboy" zeigt allerdings, dass Sheck Wes eben noch viel mehr drauf hat als "nur" "Mo Bamba".



Platz 1: Travis Scott & Drake - "SICKO MODE"

Dass die dritte Kollaboration von Drake und Travis Scott dieses Jahr eine erfolgreiche werden würde, war, euphemistisch gesagt, nicht unwahrscheinlich. Aber dass Monate nach seinem ersten Nummer-1-Album "SICKO MODE" auch seine erste Nummer-1-Single werde, damit hatte Travis selbst wohl auch nicht zwingend gerechnet. Mehrere Faktoren sorgten dafür: Zum einen ist da das exzellent eingebaute Notorious BIG-Sample und das schöne Harmonieren der klassisch gespitteten Parts mit der gesungenen Bridge von Swae Lee, zum anderen die Tatsache, dass jeder der drei einzelnen Beats seinen eigenen Vibe vermittelt und für sogar allein für sich stehen könnte. So schnell wird der Hype um "SICKO MODE" deshalb wahrscheinlich nicht mehr abflachen, womit der Song sinnbildlich für das erfolgreiche Jahr von Travis Scott, in dem er all seine bisherigen Erfolge um ein Vielfaches übertroffen hat, steht.



(Wossap & Vincentbl3003)

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