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Unknown Kings: Unknown Kings: Erstes Quartal 2015

veröffentlicht: Sonntag, 26.04.2015, 19:40 Uhr

Autor: Cuttack



Wer kennt sie nicht? Die Werbung, mit der gefühlte 13 Millionen Amateurrapper in Form von Privatnachrichten in hiesigen Internetforen, Profilkommentaren auf Facebook oder Massenmails im Instant Messenger täglich unschuldige Konsumenten befeuern: "Hey, ich habe mein Album fertiggestellt! Es ist vielseitig, individuell und hebt sich von allen anderen ab." Es wäre schön, wenn jedes Release qualitativ so hochwertig wäre, wie angekündigt, aber bei der Masse an Rappern, die seit Beginn des Internetzeitalters rumgeistern, ist das nahezu unmöglich. Die Folge: Der enttäuschte Raphörer bleibt bei Altbewährtem – da kann er ja (meistens) nichts falsch machen – während viele Releases, die bei weitem mehr Aufmerksamkeit verdienen, in der Masse untergehen. Mit dieser Rubrik haben wir uns das Ziel gesetzt, Releases an die Öffentlichkeit zu bringen, die unserer Meinung nach (!) mehr Aufmerksamkeit verdienen. Hier werden weder die Releases überhypter Internetgrößen zu finden sein noch Marketingspezialisten, die nach ihrem zweiten geschriebenen Text schon ein eigenes Label, eine Webseite mitsamt Promoteam und ein von Papi im Hinterhof gefilmtes Musikvideo besitzen. Es geht ausschließlich um die Qualität der Musik, um das Produkt.



P.Tah, Mirac & Testa – Xanax

Für die meisten hier dürften die Namen P.Tah, Mirac und Testa wohl keinen Begriff darstellen. Anders könnte es hingegen aussehen, sollte der Leser aus Österreich stammen, denn der Szene unseres alpinen Nachbarlands konnte sich das Trio bereits einen gewissen Namen machen und konnten in ihrer zum Label avancierten Künstlerplattform "Duzzdownsan" schon das ein oder andere Release unter Leute bringen. Mit ihrer aktuellen Platte, der fünf Songs plus Instrumentals starken "Xanax EP" sollte allerdings der Grundstein gelegt sein, sich einen größeren Absatzmarkt zu sichern. Denn das fast durchgehend von P.Tah und Mirac produzierte Miniwerk wartet mit einem individuellem Gefühl für Atmosphären und Soundbildern auf. Die basslastigen Instrumentals grenzen teilweise an den Trap-Bereich und liefern einen wunderbar dystopischen und melancholischen Klangteppich, um der inhaltlichen Palette um verschiedene Facetten der Thematik Angst gerecht zu werden. Auch wenn die Texte teilweise ein wenig ins kitschige abdriften, sollte allein das unglaublich ausgereifte Klangbild und die Musikalität des Trios für Freunde von synthlastigem HipHop einen genaueren Blick wert sein.

Xanax auf Bandcamp hören und kaufen



Wronghouse – Chapter I: The Door

Mittlerweile gehören sphärische Klänge so ziemlich zum Repertoire von beinahe jedem aktuellen Produzenten. Es ist schlichtweg kein Geheimnis, dass verträumte und melodische Synths und Klanggerüste einen Beat und damit auch einen Song aufwerten können, egal, ob sie dezent oder vordergründig eingesetzt werden. Genau diese musikalische Komponente ist wohl das Expertengebiet der Formation Wronghouse, die mit ihrer jüngst erschienen EP "Chapter I: The Door" mehr als unorthodoxe Klangbilder zum Besten geben. Denn die nur stellenweise mit Vocals bestückte Instrumentalplatte trumpft allen voran durch ihre atmosphärische Vielfalt und minimalistische, beinahe psychedelische Art und Weise auf. Der von Lubaz, Bleak Amethyst und DRWN geknüpfte Klangteppich kommt unterm Strich nicht pompös oder aufdringlich daher, aber die Melancholie und Andersartigkeit ergeben insgesamt ein sehr rundes Gesamtbild. Die musikalisch sehr passenden Gastbeiträge von Laura Catalina und Bambus tun ihr übriges, um "Chapter I: The Door" zu einer äußerst interessanten und hörenswerten EP machen, die allen Freunden von subtiler und eigenwilliger Musik wärmsten Herzens empfohlen werden kann.

Chapter I: The Door auf der offiziellen Homepage von Wronghouse kostenfrei runterladen



Nugat - Beats, Beer & Green

Wenn wir schon bei Beattapes sind, bewegen wir uns doch einen Monat weiter und sehen, was sich dahingehend im März getan hat. Da konnte nämlich der aufstrebende Produzent Nugat durchaus von sich reden machen, dessen EP "Beats, Beer & Green" ihm nicht nur einige Livegigs, sondern auch einen Booking-Deal bei WSP Entertainment einspielen konnte. Das erklärt sich spätestens dann, wenn man das Miniwerk mal in aller Ruhe auf sich wirken lässt. Denn im Prinzip ist alles, was man über Nugat wissen muss, dass er verdammt gute Oldschool-Beats baut. Sphärisch und smooth – insbesondere die Drums sind ungewöhnlich gewählt – machen dafür aber eine umso stimmigere Figur und fügen sich gut ins Gesamtkonzept ein. Abgerundet wird das Ganze dann noch von Vocalsamples, denen der HipHop-Flavour förmlich aus den Poren trieft und zwei Rap-Features gegen Ende hin, namentlich ein Track mit einem mäßig aufgelegten Gold Roger und ein weiterer mit Füffi und Prey, die schon eine bissigere Figur machen. Alles in allem scheint das Dreiergespann aus Beats, Bier und Grünem dem jungen Herren eine gute Grundlage für seine musikalische Karriere zu bilden. Man darf also gespannt auf mehr sein!

Beats, Beer & Green auf Bandcamp herunterladen



Bambus - Wol Ra EP

Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine EP von Bambus über mich ergehen lasse. Im Gegenteil. Satte fünf Releases des Dortmunders tummeln sich bereits in meiner Mediathek und seine "Self-titled EP" hat es sogar zu einem Stammgast auf meinem Handyplayer geschafft. Grund genug also, mich auf "Wol Ra" zu freuen, und nach ausgiebigen Konsum meine ich mit Fug und Recht behaupten zu können, dass es sich um das bisher beste Werk von Bambus handelt. Auch wenn die Beats nicht ganz so eingängig daherkommen, wie auf vorhin erwähnter "Self-titled EP", bestechen die vorwiegend von Lubaz und Stiff.Scratch produzierten Instrumentals durch ihre gekonnt sphärische und psychedelische Art und Weise. Und genau das liefert das Grundgerüst für Bambus, der in seinem Sprechgesang das Motto Laid-Back wie immer so ziemlich auf die Spitze treibt und in einer Stimmlage zwischen Halbschlaf und Acidtrip über Gras, Rap und das Leben schwadroniert. Auch wenn dieser Stil natürlich nicht für Jedermann ist, lohnt es sich definitiv, "Wol Ra" eine Chance zu geben und sich darauf einzulassen. Denn sollte man den Draht zu Bambus mal finden, wird man nachhaltige Freude daran haben.

Zum Download von Wol Ra auf rappers.in

Du kennst jemanden (oder bist gar selbst der Meinung, dass du jemand bist), der dem Titel "Unknown King" gerecht werden kann? Diese Person hat erst vor Kurzem einen Tonträger oder Freedownload veröffentlicht, der eine Erwähnung in diesem Artikel wert ist? Schick eine Bewerbung mit dem Betreff "Kings – *Künstlername*" bitte ab sofort wieder an [email protected]. Bitte beachtet aber, dass wir nicht auf jede Anfrage persönlich antworten können. Ihr werdet sehen, ob das Release dann letztendlich seinen Platz in dieser Sammlung findet. Viel Erfolg!


(Yannik Gölz)

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