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Review: Meek Mill - Championships

veröffentlicht: Montag, 24.12.2018, 01:28 Uhr
Autor: Vincentbl3003





01. Intro
02. Trauma
03. Uptown Vibes
feat. Anuel AA & Fabolous
04. On Me feat. Cardi B
05. What's Free feat. Jay-Z & Rick Ross
06. Respect The Game
07. Splash Warning
feat. Future, Roddy Ricch & Young Thug
08. Championships
09. Going Bad
feat. Drake
10. Almost Slipped
11. Tic Tac Toe
feat. Kodak Black
12. 24/7 feat. Ella Mai
13. Oodles O' Noodles
14. Pay You Back
feat. 21 Savage
15. 100 Summers
16. WTS
feat. Melii
17. Stuck In My Ways
18. Dangerous
feat. Jeremih & PnB Rock
19. Cold Hearted II


Meek Mill hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Nach seiner Verurteilung im Jahr 2017 kann er erst seit dem 24. April dieses Jahres wieder in Freiheit leben, aber hat noch immer mit einer Bewährungsstrafe zu kämpfen, die er mit gerade mal 19 Jahren verdonnert bekam. Die Umstände seiner diversen Verhaftungen und die tatsächlichen Vergehen sind allerdings hoch umstritten und Meek Mill sieht in seinem wiederkehrenden Inhaftierungen eine Ungerechtigkeit, die er sich mit Rassismus erklärt und gegen die er jetzt mit einer Initiative für eine Justizreform vorgehen will. Doch nicht nur damit schaffte es der 31-jährige aus Philadelphia stammende Lokalpatriot, der nur Motorradfahren mehr liebt als Rap, in die internationalen Medien. Die Trennung von Nicki Minaj, mit der er zwei Jahre lang liiert war, und die Versöhnung mit Erzfeind Drake gaben allerhand Gesprächsstoff und ließen die Vorfreude auf sein neues Album "Championships" hoch ansteigen.

Dieses ist ein wahrer Longplayer geworden. In 19 Songs spricht Meek Mill alles an, was ihm auf der Seele brennt, und schafft eine musikalische Vielfalt, die kaum jemand von ihm erwartet hatte. Mill fährt dazu musikalisch schwere Geschütze auf, Kodak Black, Jay-Z, Rick Ross, Fabolous, Cardi B und viele weitere große Namen unterstützen ihn tatkräftig. Doch nicht nur das erzeugt Abwechslungsreichtum. Auf Meeks viertem Studioalbum wird von "In the Air tonight" auf dem Intro bis zu "I was never there" auf dem Outro alles gesamplet, was den epischen Grundton ebnet. Der gereifte Meek Mill schwingt sich auf "Championships" überzeugend zum Spokesman der zu Unrecht hinter Gitter sitzenden schwarzen Bevölkerung Nordamerikas auf. So sind die Weichen gestellt für ein Album, das die Krönung von Meeks Karriere und eine der besten Platten des Jahres ist.

Die hohe, markante Stimme und der Flow, der sich immer ein bisschen neben dem Beat bewegt, dabei aber stets routiniert und gekonnt klingt, haben sich nicht verändert. Diese Kombination mit einer Emotionalität in der Stimme schafft auf "Trauma" schon früh einen ersten Gänsehaut-Moment, wenn Meek Mill , unterlegt von einem Mobb Deep Sample, über seine nie endenden Fehde mit dem Gericht erzählt und dabei Bezug auf den Football Spieler Colin Kapernick nimmt, der aus der NFL geschmissen wurde, da er während der Hymne ein Zeichen gegen Rassismus setzte. Dass die Stimmung danach oft kippt, ist Teil des Plans eines Albums, das sämtliche musikalische Facetten neben hochpolitischen und bewegenden Inhalten liefern will.

"Uh my mama used to pray that she'd see me in Yale/
It's fucked up she got see me in jail
"

(Meek Mill auf "Trauma")

So läutet ein langsamer Beat mit einem stark wummernden Bass ein Cardi B Feature ein, bei dem Meek Mill auf einer für ihn untypischen musikalischen Unterlegung eine gute Figur abgibt, neben einer in ihrer Wohlfühlzone erwartungsgemäß starken Cardi. Gleiches passiert auf "Going Bad", wo das Kriegsbeil zwischen Drake und ihm auf einem düsteren Trap-Beat begraben wird. "What’s Free" wird dem famosen Line Up bestehend aus Jay-Z, Meek Mill und Rick Ross als melancholischer, politischer Track, der mit substanzvollen Lyrics und einem oldschool ausfallenden Klangbild heraussticht, gerecht. Die Solotracks sind autobiographisch gehalten und schocken immer wieder mit detaillierten Erzählungen vom harten Kampf des Jungen aus den Straßen von Philadelphia, dessen Vater erschossen wurde, als Meek fünf Jahre alt war, und in dessen Viertel auch keine Polizeiwagen fahren, wenn sich blutrünstige Schießereien geliefert werden. Ob das sentimental ausfällt wie in "Respect The Game" oder energisch auf einem Upbeat gerappt wird wie auf "Championships", spielt für die Wirkung keine Rolle; jedes der Lieder geht unter die Haut. Ausfälle finden sich in den 19 Songs leider auch, was bei so einer Lauflänge erwartbar war. Auf "Splash Warning" wird deutlich, dass auch einem Ausnahmekünstler wie Meek nicht jede Musikrichtung liegt. So wird dieser Track, der unbedingt moderner Trap sein will und deshalb auch Future und Young Thug featuret, zu einem verkrampften Versuch, auf dem die furchtbare Hook durchschnittliche Parts begräbt. Eine Reihe ordentlicher Songs wie "Dangerous” und "24/7" bringen neue Facetten auf das Album, halten die hohe Qualität der vorherigen Songs aber nicht ganz aufrecht. Am Ende berührt das sentimentale Outro dann noch einmal und der Longplayer ist vorbei.

"I ain't have nobody to give me no hope/
I hope my mama ain't doin' no coke
"

(Meek Mill auf "Oodles O' Noodels")

"Championships" punktet mit einer Reihe herausragender Songs, die kulturelle und politische Probleme der Vereinigten Staaten aus der Sicht eines Opfers aufgreifen, das durch harte Arbeit und Talent zum Spokesman der Leute wurde, die das gleiche Schicksal teilen. Die musikalische Unterlegung ist zum allergrößten Teil fantastisch, da sich die Mühe gemacht wurde, Atmosphäre durch passende Samples aufzubauen und den einzigartigen Rapstil Meek Mills so gut wie möglich zu unterlegen. Die allermeisten Experimente funktionieren auch und bringen Abwechslung auf einem hohen Niveau. Auch wenn fünf bis sechs Lieder abfallen, bewegen sich die anderen auf einem Level von gut bis sagenhaft, und so ist "Championships" eine der Überraschungen des Jahres und Meek Mills persönliches Meisterwerk.

(Vincent Busche)



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