Remember me

Special: Mortis One – "...weil ich's kann!"-Mixtape

veröffentlicht: Sonntag, 02.05.2010, 19:55 Uhr
Autor: lupa

Ich war lange nicht mehr so stolz darauf, ein Exclusive zu präsentieren. Was sicher nicht nur daran liegt, dass es wahrscheinlich mit Abstand das größte Exclusive ist, was wir auf rappers.in je hatten: Ein 18-Tracks starkes Mixtape vom Hannoveraner Freestyle-Talent Mortis One. Gemixt von Da Kid der Cutcannibalz, als Features keine Geringeren mit dabei als u.a. Morlockk Dilemma, Abroo und Dra-Q (auch bekannt als die "Antihelden") sowie Sabac Red von Non Phixion. Mortis One sollte dem fleißigen rappers.in-Leser spätestens seit unserer Review zum "Volume Up"-Sampler (von Vitamin C, Peter Oase und eben Mortis One) ein Begriff sein. Und aller, aller spätestens ab... ehm: Jetzt! Deswegen empfehlen wir, flink auf "Download" zu klicken und die Wartezeit mit unserem Interview zu überbrücken. Genau das Richtige für einen verregneten Sonntag-Abend im Mai. Viel Spaß!




Zum Download einfach auf das Cover klicken oder sich über folgenden Link freuen:
http://www.rappers.in/download/Mortis_One.php

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rappers.in: Was wäre die beste einleitende Frage für ein Mortis One-Interview?

Mortis One: Hmm... Ich würde mich fragen, wieso ich mit so vielen "bekannten" Leuten rumhänge, mein Name immer wieder überall auftaucht und sich trotzdem kein Schwein für mich interessiert... (lacht)

rappers.in: Dann sag doch mal: Wieso hängst du mit bekannten Leuten rum? Wieso taucht dein Name immer mal wieder auf? Und warum will dich trotzdem keiner sehen?

Mortis One: Dein Plan ist, dass ich das Interview mit mir selbst führe, wa! (lacht) Ist 'ne gute Frage. Mag zum einen daran liegen, dass ich bis vor einem halben Jahr eine ziemlich schlechte Arbeitsmoral hatte, aber auch zum andern, weil in Deutschland neben den Rappern, mit denen ich zu tun habe, extrem wenig Leute Ahnung von Musik, Rap und Gefühl haben. Also ist die Schnittmenge an qualitativ hochwertiger Meinung ziemlich gering. Und mit den Leuten häng' ich rum, weil ich HipHop bin... mich noch freestylend in Cyphers stelle, fünf Stunden fahre, um vor 20 Leuten aufzutreten und darüber hinaus ein respektvoller Mensch bin.

rappers.in: Naja, gut, aber es gibt ja heutzutage auch nicht allzu viele "bekannte" Leute mehr, die jetzt freestylen vor fünf Mann im Juz...

Mortis One: Stimmt, aber ich bin da schon sehr Karma-orientiert. Und ein Abroo oder Morlockk Dilemma bemerken diese Hingabe einfach. Zumal ich die meisten dieser Rapper auf eben solchen schlecht besuchten Veranstaltungen kennengelernt habe und dann kommt man eben in's Gespräch, zeigt sich Zeilen... Ach, und übrigens: Auch ein Laas Unltd. ist immer noch ein Freestyle-Monster!

rappers.in: Welche von allen Lines, die du je verfasst hast, beschreibt dich den Menschen am besten, die noch nie etwas von dir gehört haben und warum?

Mortis One: Okay. Ich muss jetzt mal in mich gehen. (wenige Minuten später) Mann! Ich bin da auch so ein ekliger Perfektionist. Jetzt such' ich 'ne Line, die textlich und inhaltlich burnt... Ich würd' da, glaub' ich, meinen Refrain aus "Straßenköter" nehmen: "Ein Mann ohne Haus, ohne Frau ist kein Mann – er bleibt traurig und krank, wie ein Straßenköter. Er bleibt draußen so lang, wie er laufen kann, jeder schaut ihn an, wie 'nen Straßenköter. Er geht freiwillig nicht raus, diese Freiheit frisst ihn auf, weil er alleine ist da draußen, wie ein Straßenköter. Er erfüllt keinen Sinn und Zweck und beschäftigt sich mit nichts, außer seinem dicken Fell, wie ein Straßenköter". Das beschreibt mich und diese generelle Rastlosigkeit, mit der ich mich rumschlagen muss, ziemlich genau.

rappers.in: Inwiefern stellt dich das denn jemandem vor?

Mortis One: Insofern, als dass da die Musik von einem Menschen in deiner Anlage läuft, der etwas im Leben durchgemacht hat und sich mit essentiellen Dingen auseinander setzt. Wenn auch nur mit seinen eigenen. Ich kann es ja nicht als selbstverständlich ansehen, dass andere Menschen über Frauenprobleme, Zukunftsangst oder Rastlosigkeit genau so denken, wie ich. Ich meine, irgendwelche P-Lines kann ich dir immer um die Ohren hauen.

rappers.in: "P-Lines"?!

Mortis One: Punchlines.

rappers.in: Wer bitte hat das denn erfunden? Das sagt doch kein Mensch!

Mortis One: Taktlo$$! Naja, ihr seid ja 'ne andere Generation im Internet.

rappers.in: Taktlo$$ also. Der war's. Der hat das Wort "P-Line" etabliert?

Mortis One: Die ersten "BRP"-Tapes und so... für mich schon. Meine Homes und ich haben das immer verwendet, weil es so trendy und groovy klingt. (lacht)

rappers.in: Na gut. Du bist jetzt Texter einer Werbeagentur und sollst das Produkt "Mortis One" innerhalb einer Anzeige bewerben. Auf dem Bild mit pinkem Hintergrund sieht man einen blonden Jungen mit Pausbacken und eine Sprechblase im Comicstyle. Was steht in dieser Sprechblase?

Mortis One: "Arbeitest du noch oder lebst du schon?" oder optional: "Tanz den KAAS im Club". (grinst)

rappers.in: Vor kurzem erschien ja erst der Sampler "Volume Up" von dir, Peter Oase und Vitamin C. Wie kam eure Zusammenarbeit zustande? Soweit ich weiß, seid ihr ja alle aus Hannover – kanntet ihr euch also schon länger bzw. beruht der Sampler zum Beispiel auf einer langjährigen Freundschaft? Oder geht ihr – außer musikalisch gesehen – eigentlich getrennte Wege?

Mortis One: Also, beim ersten Battle von Peter Oase und mir haben wir uns gegenüber gestanden und ich hab' ihn besiegt. Soweit der erste Kontakt. Dann waren die beiden Jungs beim Label "Souldjah Entertainment". Die haben da ihr Ding gemacht und ich meins. Ich war dann jahrelang ziemlich auf meinem Ignoranz-Hater-Film und hab' die Musik kein Stück gefeiert. Man hat sich nur sporadisch "Hallo" gesagt. Irgendwann war mein Homie DNice bei denen gesignt... "Gesignt" – wie behindert. (lacht) Checkt den mal auf YouTube beim One on One-Battle! Naja, und über ihn bin ich dann anfangs mit zu den Freestyle-Sessions von denen gegangen. Man hat sich immer mehr angenähert und mit fortschreitendem Alter haben die Jungs ja auch ihren musikalischen Weg immer mehr gefunden – so, wie ich meinen. Mittlerweile hab' ich Peters und Vitas Drei-Zimmer-Wohnung übernommen und "Souldjah" gibt's nicht mehr... zerberstet und ausgemerzt. Nein, Scherz. Ansonsten treffen wir uns oft und haben privat mehr zu tun, als musikalisch. Parties, Trinken, Chatroulette-Sessions – das Übliche. Das sind einfach Menschen, mit denen man über den normalen Musikerkosmos hinaus auch mal über ernstere Dinge reden kann und deren Meinung mir am Herzen liegt. Natürlich hat jeder seinen Geschmack. Aber jeder weiß auch, wovon er redet und blendet nicht mit gefährlichem Halbwissen.

rappers.in: Wie passt das zusammen, dass du eben sagtest, du seist ein respektvoller Mensch und auf der anderen Seite aber die Jungs jahrelang ignoriert hast?

Mortis One: Naja, nicht ignoriert... Gefrontet. Provoziert. Grenzen übertreten. Ich mag Reibung... Bei so was diplomatisch Aalglattem krieg' ich das Brechen. Aber im Gegenzug kann ich mir auch immer wieder eingestehen, wenn ich übertrieben habe. Wieso sollte das auch nicht zusammenpassen? Ich bin einer der höflichsten Menschen mit super Umgangsformen und Manieren und habe Respekt vor allem, was Leute machen. Aber es spricht doch nichts dagegen, das auch mal in Frage zu stellen. Mit etwas unorthodoxen Methoden.





rappers.in: Ich hab' gehört, dass ihr drei neben dem Sampler auch deutschlandweit Workshops gegeben habt. Magst du mir kurz etwas darüber erzählen?

Mortis One: Das machen wir auch immer noch. Der Slogan dazu ist "Verbal statt brutal". Im Endeffekt kommen wir dahin mit Equipment und nehmen einen Track mit den Leuten auf. So in's-kalte-Wasser-mäßig. Wir brainstormen, helfen bei den Zeilen und beim Aufnehmen und fertig. Dann sind die meisten Kiddies richtig angefixt und wollen gleich noch einen Track machen. So kann man aktiv vorbeugen gegen dieses verblendete Bild, das die Jugend von HipHop hat. Von wegen Geld, Autos... Dann machen sie's mal nur des Spaßes wegen und beschäftigen sich ein wenig mehr mit der Materie.

rappers.in: Wo finden die Workshops denn statt und in welchem Alter sind die Teilnehmer?

Mortis One: Von 11 bis 20 Jahren war schon alles dabei. Die meisten Workshops geben wir in Süddeutschland und Österreich... in Jugendzentren und Schulen. Und in Crackhöhlen.

rappers.in: Na, das klingt doch super... Noch mal kurz zurück zum Sampler: Wie fiel denn das Feedback aus? Seid ihr zufrieden?

Mortis One: Die Jungs schon. Wir haben gerade auch ein Video zu "Messerschießerei" gedreht, das wird ganz cool. Ich persönlich? Würg, brech... Super Reviews gab's. Aber Mann, wir schenken den HipHop-Internet-Kiddies ein wirklich gutes Produkt mit krassen Features wie Dilemma und Abroo und ich krieg' am Ende zehn Mails von Leuten, die ich sowieso schon seit Jahren kenne. Was ist nur los bei euch? Wo ist denn da die Wertschätzung? Ein paar tausend Leute saugen es und nicht einer sagt "Danke". Ich wurde da definitv anders erzogen. (lacht) Aber am Ende bin ich mit dem Produkt und der Resonanz von anderen Rappern sehr zufrieden.

rappers.in: Und warum waren die beiden anderen dann dennoch grundsätzlich so zufrieden?

Mortis One: Ich kann für niemanden sprechen, aber ich glaube, meine extreme Leidenschaft geht da immer etwas mit mir durch. Die Jungs feiern das Produkt und die Resonanz darauf sehr. Ich denk' mir: "Super, Kritiker feiern, und nicht eine Person schreibt mir bei MySpace oder so und sagt: 'Cooles Ding, danke!'"

rappers.in: Verstehe. Abroo war ja auch auf dem ein oder anderen Track mit dir vertreten und du wiederum bist momentan ein Antihelden-Feature. Wie kam's denn dazu? Wird es in Zukunft noch mehr von euch beiden zusammen geben?

Mortis One: Ganz weit ausgeholt: Ich hab' Abroo schon seit dem ersten Separate-Tape gefeiert, "Überleg dir, was du sagst". Eines Tages kam Smo an und hat mir 'nen Track mit Abroo gezeigt, bei dem die connectet hatten – warum auch immer. Irgendwann bin ich auch in's Studio gekommen, als Abroo in Hannover war und schwupps, haben wir 'nen Track gemacht. Ist ja auch ein überumgänglicher Typ. Aber was mich am meisten überrascht hat, war, dass ich ja nur seine Musik kannte und dachte: "Shit, der feiert ja nur so 'ne Synthie-Scheisse und so was." Aber er ist über Duckdown, 9th Wonder, Non Phixion-Fan. Also sind wir in Kontakt geblieben, ich hab' ihn nach Hannover zu 'nem Gig eingeladen, wo ich vor Heltah Skeltah gespielt habe. An dem Abend ist auch der Track mit Termanology entstanden, der dann in der JUICE gelandet ist. Wir haben uns von Anfang an textlich und Beat-mäßig gefeiert. Aber vor allem menschlich. Super Saufkumpan mit Plan vom Leben!

rappers.in: Und wie ist es zur Zusammenarbeit mit Morlockk gekommen?

Mortis One: Ich hab' mir Anfang 2000, als ich noch gesprüht habe, die Tapes von NOK gekauft, Dilemmas alter Crew, und hab' das saulang gepumpt. Und irgendwann bin ich nach Hannover gezogen aus meinem kleinen Dorf im Südharz und hab' hier alle mit dem genervt, so vor knapp sechs Jahren. Alle haben das gehasst: "Viel zu hektisch und unverständlich", haben sie gesagt. Kennengelernt hab' ich Dilemma dann, als ich in Leizig auf 'ner Creutzfeld-Jakob-Jam war, zu der mich Lakmann eingeladen hat, weil ich den zu der Zeit auch grad kennengelernt hatte. Und der hatte ein Dilemma-Shirt an. Bis dato wusste ich nicht mal, wie Dilemma aussieht und laber' Lakmann die ganze Zeit voll, von wegen Dilemma und so. Und irgendwann hat dieser sich dann vorgestellt und wir haben uns unterhalten, Bier geklaut und einfach 'ne gute Zeit gehabt. Dann hab' ich ihn ein paar Wochen später mal besucht, er ist öfter in Hannover gewesen; wir haben überall Randale gemacht und Spaß gehabt. Aber den ersten Track haben wir erst letztes Jahr zusammen gemacht. Am Ende ist ja auch die Zeit, die man miteinander verbringt, wichtiger, als die Musik. Denn die sollte am Ende einfach das Gefühl transportieren, das man mit dem Erlebten verbindet. In unserem Fall war es "Dieser Beat" – eine Huldigung an Samples, Drumloops, Plattenknistern und verrückte Lyrics.

rappers.in: Mir hat jemand gesagt, du würdest ihn teilweise an Kamp und sein "Versager-Konzept" erinnern. Zum Beispiel mit deinem Track "Teufel im Nacken". Kannst du das in irgendeiner Art und Weise nachvollziehen? Was hältst du denn persönlich von Kamp bzw. dessen Musik?

Mortis One: Cool, dass du das fragst! Ich hab' mir das Album blind gekauft. Und als ich es gehört hatte, war mein originales Zitat: "Also, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, dann wäre mein Album vor drei Jahren genau so geworden!" Allein vom Sound her und den Lyrics. Da ich ja auch selbst produziere, sind meine einzigen Wermutstropfen die total bekannten Samples. Aber fuck that! Ich feier' diese tausendfach Reimketten, die null gezwungen wirken und dabei noch so viel Emotion vermitteln... Ich glaub', das ist auch 'ne große Stärke von mir. Ich kann das Komplizierte für Außenstehende sehr einfach erscheinen lassen. Und Leute wie Abroo sagen: "Du Geisteskranker! Ziehste jetzt diesen Tripplereim schon 20 Zeilen durch!" Außerdem ist Kamp genau so ein verrückter Partyhund. Als wir Anfang des Jahres in Wien waren, hab' ich mit ihm zusammen mit runtergelassener Hose vor der Polizei gestanden. Drunk as fuck... Am Ende ist dieses gesamte Versager-Prinzip ja das Logischste und Nachvollziehbarste der Welt. Suhl dich in deinem Selbstmitleid, rede von Ängsten und Situationen, in denen du gescheitert bist. Jeder kann es nachvollziehen und hat sofort einen Draht zu dir.

rappers.in: Du betätigst dich ja neben dem Rappen scheinbar immer mehr auch selbst als Produzent – zum Beispiel auch auf dem eben besprochenen "Volume Up"-Sampler. Woher nimmst du die ganze Inspiration für so viel Output?

Mortis One: "Ich spiele nicht – ich bin es". Das ist einfach in mir. Ich mach' meine fünf Beats am Tag und schreib' Lines. Was mir all meine Ex-Freundinnen im selben Wortlaut gesagt haben: "Ich hab' das Gefühl, dass deine Musik über mir steht!" Damn right! Und ich bin inspiriert von allen Arten an Musik, Rap und Filmen. Text-mäßig extrem von Enttäuschungen auf freundschaftlicher Ebene und zwischenmenschlichen Erfahrungen. Beat-mäßig hingegen geh' ich mindestens einmal die Woche Platten diggen und los geht's. Das alles gibt genug Inspiration. Mal sample ich komplett, mal spiel' ich nach, mal jamme ich mit Musikern. Ich bin halt generell am Musikmachen interessiert.

rappers.in: Kannst Du dir denn auch vorstellen, für jemand anderes beispielsweise ein Album zu produzieren und dem Rappen eine Zeit lang eher fern zu bleiben?

Mortis One: Also komplette Alben zu produzieren auf jeden Fall. Aber ich hab' ja aus der Not heraus angefangen, zu produzieren. Ich bin Rapper. Am Ende kann ich vormittags Beats machen, abends Texte schreiben und nachts aufnehmen. Der Tag ist lang...

rappers.in: ...und zehn Alben die Woche raushau'n.

Mortis One: (lacht) Könnt' ich, aber im Monat...!





rappers.in: Stell Dir Deutschrap mal als einen absoluten Film-Klassiker vor, den Du jetzt gedanklich in deinen Videorekorder schiebst. Du hängst mit Bier und den Jungs auf'm Sofa und reißt immer noch bei jeder Szene staunend die Augen auf, obwohl Du jeden Dialog seit Jahren auswendig kannst... In welche legendäre Szene der letzten Jahrzehnte Deutschrapgeschichte würdest Du Dich am liebsten per Knopfdruck in den Film "beamen" können und live dabei sein? Warum ist gerade diese Szene für Dich etwas besonderes, vielleicht eine Art Meilenstein?

Mortis One: "Beatz aus der Bude". Das stand' für alles, was ich feier' und selbst erlebe. Bedarf auch keiner weiteren Erklärung.

rappers.in: Ehm, doch. Wovon zum Teufel redest du?!

Mortis One: Alter! Du kennst nicht "Beatz aus der Bude"?! Schande! Von DJ Lifeforce von DCS in's Leben gerufen – Freestyle-Session auf Tape. Alle großen Leute waren da drauf. Ab '99 war die Reihe. Savas, SD, Laas... damals noch Stammtisch. Ich als kleiner Junge hab' mir das Tape kopiert und das Cover im "Ihr Platz" durch den Schwarz-weiß-Kopierer gejagt. (lacht) Nachhilfestunde, wa?

rappers.in: Voll gut... "Beatz aus der Bude". Jetzt haben wir so lange über... auch wichtige Dinge geredet. Aber kommen wir mal auf den eigentlichen Grund zu sprechen, wegen dem du hier bist. Du veröffentlichst bei uns nun exklusiv dein Mixtape "... weil ich's kann!". Was hat es mit diesem Mixtape auf sich – was ist der Hintergrund? Wer war alles daran beteiligt?

Mortis One: Der Hintergrund: Ich bin eines Morgens aufgewacht, hab' mir gedacht, ich hab' 'ne Menge Texte seit Jahren rumfliegen. Hab' in Köln bei Rac von "Projekt Gummizelle" angerufen und dann innerhalb von vier Tagen alles ausgearbeitet, aufgenommen und arrangiert. Die meisten Texte sind in ihren Grundzügen auch schon um die vier Jahre alt. Mit dabei sind Abroo, Dra-Q, Sabac Red und Dilemma. Und natürlich die Jungs von "Projekt Gummizelle". Da Kid von den Cutcannibalz hat es gemixt. Also eher Alibi-mäßig, weil ich nicht wollte, dass es als Album gewertet wird. Es war eher ein Experiment. Was passiert, wenn ich mich alleine an 18 Tracks setze. Ich sehe das eher als Werkschau.

rappers.in: Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Mortis One: Ja. Es hätte am Ende ein besserer Sound und sauberer gerappt sein können. Aber jetzt weiß ich, was ich besser machen muss. Aus Fehlern lernt man – deshalb ein Mixtape. Es ist aber krass ausarrangiert wie ein Album.

rappers.in: Was sind denn deine drei absoluten Anspieltipps auf deinem Tape und warum? Und welcher Track ist in deinen Augen der gelungenste?

Mortis One: "Ich weiss" mit Abroo, "Steinwurf" und "Fresh". Aber "Teufel im Nacken" ist mein emotionalstes und "realstes" Lied. "Straßenköter" ist dann sozusagen die Fortsetzung. Also die Sachen, die mir innerhalb eines Monats passiert sind. Und "Teufel im Nacken" spiegelt quasi die Grundstimmung wider, die sich durch vier Jahre meines Lebens gezogen hat.

rappers.in: Ganz kurz, bevor wir zum Ende kommen: Was können wir denn in naher Zukunft noch von Dir erwarten?

Mortis One: Die "Hartz 4 Life"-EP, ein Album mit Abroo und 'ne Menge Produktionen auf den Alben eurer Lieblingsrapper. (grinst) Ansonsten noch ein paar Free-Online-Projekte. Zum Beispiel ein Remix-Projekt mit Ami-Acapellas und meinen Samplequellen. Wird sehr interessant!

rappers.in: Haben wir eine Frage vergessen, die du gern einmal beantworten möchtest? Wenn ja, darfst du sie dir jetzt stellen. Und beantworten. Oder ich beantworte sie dir... Wie du möchtest.

Mortis One: Zahlt sich Arbeit wirklich aus?

rappers.in: Soll ich dir das jetzt beantworten oder willst du's selber machen?!

Mortis One: Ich wär' an deiner Meinung interessiert. In Bezug auf Musik, Lebensumstände... Also, ob der eigene Anspruch, den man an seine Arbeit beziehungsweise Musik hat, überhaupt in dem Maße wertgeschätzt werden kann, in dem man die Sache selber betrachtet. Fazit: Gibt es genug Gleichgesinnte, die die ganze Mühe rechtfertigen, oder bleibt man einfach ein Steppenwolf?!

rappers.in: Ich finde, du hast da grad ziemlich viel gemischt. Aber ich fasse mal zusammen... Arbeit zahlt sich immer dann für einen selbst aus, wenn man diese Arbeit mit beziehungsweise aus Leidenschaft verrichtet. Dann ist es ja im Endeffekt auch keine Arbeit mehr. Leute sagen auch, Interviews führen ist Arbeit. Aber weil es mir unfassbar viel Spaß macht, dir Dinge aus der Nase zu ziehen und ich da sehr viel an Leidenschaft reinstecke, sehe ich das nicht wirklich als Arbeit an. Man erwartet immer gerne, dass Menschen vor den Dingen, die man aus Leidenschaft tut, sehr viel Respekt haben und das nachvollziehen können, wie wichtig einem das wäre oder die Arbeit einem ist. Das können sie aber gar nicht. Denn kaum einer macht exakt das selbe wie du, kennt die beziehungsweise deine persönlichen Hintergründe und hat genau das selbe Gefühl für diese Dinge und Deine ganz eigene Motivation, weshalb du eben diese Arbeit verrichtest. Wobei du ja das Thema eher von Arbeit weg hin zu Kunst gelenkt hast. Ich denke, es geht gar nicht darum, dass andere dir so viel zurückgeben für Dinge, die du tust, wie das, was du an "Arbeit" in diese Dinge steckst. Ich denke eher, es geht darum, hauptsächlich Dinge aus Leidenschaft zu tun. Weil einem das viel mehr gibt als die Props der anderen. Und dann ist es schön, wenn andere kommen und dir Respekt zollen, aber es ist nicht das Wichtigste.

Mortis One: Yo... (schweigt) Am Ende ist die Frage ja auch nur offen cool. (lacht)

rappers.in: Soso. Möchtest Du noch irgendwas sagen?

Mortis One: Bester Abschlusssatz: "Ich muss los, alle warten auf mich!" Danke für eure Zeit. Und Lupa ist die Bössin!

rappers.in: Das ist natürlich wundervoll. So sollte das immer enden. Danke für das Interview, Mortis.


(Florence Bader)

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