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Special: rappers.in Awards 2018: Videos

veröffentlicht: Donnerstag, 27.12.2018, 19:20 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi

Wieder einmal haben wir uns zusammengefunden und nach so einigen Ausführungen, Diskussionen, gerne gar Streitereien können wir unsere Highlights des Jahres küren. Dementsprechend haben wir für Euch national wie international in den Kategorien Videos, Tracks und Alben unsere Top 5 des Jahres 2018 gewählt.

National:

Platz 5: Ahzumjot - "Wieder nicht dein Jahr"

Einen gelungenen Schachzug machte dieses Jahr Ahzumjot mit seinem Video zu "Wieder nicht dein Jahr", denn bei der Überlegung, wie man den Titel am besten visualisieren könne, kam ihm eine sehr interessante und gelungene Idee. Das Video ist nämlich ein Zusammenschnitt mehrer Clips, die auch unter dem Namen Fail-Compilation auf Youtube und anderen Sozialen Netzwerken bekannt sind. Ahzumjot ging es bei der Wahl der Clips aber nicht darum, die Zuschauer zwanghaft mit unlustigen Fails zum Lachen zu bringen, sondern viel mehr darum, den Titel und Inhalt des Songs hervorzuheben und ihn mit besagten Clips zu untermalen. Wie könnte man einen Track dieser Art denn besser untermalen als mit einer solchen Fail-Compilation, bei der die Betroffenen nun wirklich nicht ihren besten Tag erlebt haben dürften?



Platz 4: Casper & Marteria - "Supernova"

Dieses Video bietet nicht zuletzt eine extreme Unterhaltung. Indem sich die beiden Rapper als völlig over-the-top gestylte Tischtennis-Ikonen verkleiden und das Match des Jahres abliefern, liefern sie schon eine grandiose Show ab; die vielen namhafte Gäste, die im Publikum eskalieren oder andere Rollen übernehmen, fungieren dabei als lustige Easter-Eggs. Zugleich wird noch ein völlig übertriebener Personenkult und der Hype um jede noch so unbedeutende Angelegenheit (wie zum Beispiel ein solches Tischtennismatch) karikativ aufs Korn genommen und das alles schauspielerisch sehr gut umgesetzt.



Platz 3: Bonez MC & RAF Camora feat. Gzuz - "Kokain"

Das Video zu "Kokain" zählt dieses Jahr zu den qualitativ hochwertigsten Videos der kompletten Deutschrap-Szene, denn es hatte schon fast die Qualität eines kleinen Spielfilms, was natürlich auch daran lag, dass die Platin-Rapper sich professionelle Hilfe mit ins Boot geholt haben und Bonez MC, der sonst für die Musikvideos mit der typischen Street-Rap-Ästhetik verantwortlich ist, den Regiestuhl abgeben hat. Schon lange sind die Hamburger Rapper kein Geheimtipp mehr, das merkt man durchaus auch an der zunehmenden Professionalität, die sie an den Tag legen.
"Kokain " war eine Zusammenarbeit mit den Produzenten und den Schauspielern der Netflix-Serie Narcos; natürlich spielt auch der gelungene Schnitt, die Kamerafahrten, die Locations und die gesamte Atmosphäre des Videos eine große Rolle.



Platz 2: Fler - "Dieser Boy"

Fler präsentiert hier das Gegenteil eines typischen Labelbosses und verzichtet auf krasse Autos oder tanzende Models. Stattdessen zelebriert er die HipHop-Kultur, von der er gerne spricht. Dabei bedient er sich Videomaterial der Damagers – das seinem Label natürlich anonym zugesandt wurde – und zeigt dem Zuschauer damit etwas, was bisher in solchen Videos eher unterrepräsentiert war: Die Berliner Graffiti-Szene und die roughe Seite am Bemalen von Zügen. Mit diesem Video beschwor der Maskulin-Boss klassische Rap-Geister herauf, die sich fortan auch in seinen danach erschienenen Videos bemerkbar machten.



Platz 1: Kontra K - "Farben"

So lange ist es noch gar nicht her, dass Kontra K die Videoauskopplung zu "Farben" releast hat, und trotzdem hat uns das Video so überzeugt, dass es auf den ersten Platz gevotet wurde. Kontra K ist mittlerweile dafür bekannt, hochwertige Videos an den Start zu bringen; "Farben" stellt dabei aber den bisherigen Höhepunkt dar. Die Kameraführung, die Schnitte, die Locations und die "Farben" sind einfach on point und visualisieren den Inhalt des Songs nahezu perfekt. Kontra K hat sich den ersten Platz auf jeden Fall mit seinem eindrucksvollen Video zu "Farben" verdient.



(Indijana & J-boy800)

International:

5. Platz: Kanye West & Lil Pump - "I Love It"

Eines der definitiv lustigsten Musikvideos des Jahres 2018 kommt von Kanye West und Lil Pump. Gemeinsam sieht man die beiden in Kostümen performen, die aussehen wie übergewichtige Minecraftcharaktere. Dabei werden sie von Adele Givens überwacht, was zu sehr witzigen Szenen führt, die eigentlich jedem ein Lachen entlocken sollten. Kein Wunder also, dass die Visualisierung des Songs in unzähligen Memes aufgegriffen wurde.
Dank einer super eingängigen Hook gepaart mit einem extrem unterhaltsamen Video und zwei der charismatischsten Rappern der USA landet "I Love It" auf dem fünften Platz!



4. Platz: XXXTENTACION - "Moonlight"

Als vor zwei Monaten das Video zu "Moonlight" veröffentlicht wurde, war die Freude groß, denn für einen Großteil der Fanbase zählte der Track zu den besten Songs des Albums "?". In der Visualisierung sieht man Personen, die alle in schwarz gekleidet in einem Wald stehen, der nur vom Mondlicht erhellt wird, während XXXTENTACION mit gesenktem Haupt durch die Massen läuft. Oft sieht man ihn lachend in der Menschenmenge, konträr zur Atmosphäre des Videos und der Stimmung des Liedes. Auch die Lyrics sind wie gewohnt sehr harmonisch und kreieren in Verbindung mit dem eher melancholischen Setting des Videos eine sehr stimmiges Gesamtprodukt.



3. Platz: Mac Miller - "Self Care"

"Swear the height be too tall, so like September I fall“ - eine Line, die vermutlich für viele wässrige Augen und Trauerstimmung sorgt. Am 7. September diesen Jahres ereilte uns die plötzliche Nachricht, dass Mac Miller gestorben sei; ungefähr einen Monat, nachdem sein fünftes Album namens "Swimming" erschienen ist.
Bereits im Juli gab es die erste Videoauskopplung des Albums. Mit "Self Care" hat Mac Miller ein Video der Extraklasse veröffentlicht, das atmosphärisch perfekt zum Song passt. Man erlebt eine kleine Geschichte, in der Mac Miller in einem Sarg aufwacht, sich befreien kann und ausbricht bis hin zu Szenen, in denen man denkt, die Welt um ihn herum gehe unter. Gespickt mit exzellenten Partikeleffekten, beeindruckenden Slow-Motion-Aufnahmen und Explosionen mangelt es dem Video nicht an Action. Damit gehört "Self Care" definitiv zu den besten Musikvideos von Mac Miller und steht zurecht auf dem dritten Platz.



2. Platz: Travis Scott & Drake - "SICKO MODE"

Während "This Is America" mit Inhalt und Gesellschaftskritik punktet, schlägt Travis Scotts und Drakes "SICKO MODE" in eine ganz andere Kerbe. Hier hat man sich ein Drehbuch gespart und das Geld in die Visual-Effects gepumpt. Das Ergebnis: Ein surreales Video, das vor allem durch viele Locations, viele Outfits und wie gesagt viele Effekte besticht. Kaum eine Einstellung zeigt die Welt, wie wir sie kennen. Seien es extreme Farbanpassungen, Travis' riesiger Astroworld-Schädel, rappende Graffiti oder (besonders trippy) eine Performance, bei der Travis und Drake ständig ihre Größe ändern.
Unter der Regie von Dave Meyers und Travis Scott höchstselbst werden auf jeden Fall alle technischen Register gezogen. Eine konkrete Storyline ist nicht zu erkennen, aber die braucht das Video zu "SICKO MODE" auch gar nicht. Aus Angst, den nächsten beeindruckenden Effekt zu verpassen, kleben die Augen sowieso schon am Bildschirm. Dazu bräuchte es vermutlich nicht einmal den Song, der Travis Scotts erste Nummer-Eins-Single ist.

"IT’S LIT" *Travis-Voice*



1. Platz: Childish Gambino - "This Is America"

Childish Gambino alias Donald Glover ist kein Newcomer im Rapgame, trotzdem erscheint er für einen großen Teil der Öffentlichkeit im Mai dieses Jahres das erste Mal auf der Bildfläche. Grund dafür: Der Song "This Is America" mitsamt Video ist erschienen. Innerhalb kürzester Zeit geht das Video viral und wird binnen zwei Wochen über 100-Millionen-mal auf YouTube angesehen. Der Song geht dadurch in den USA sofort auf die Eins.
Das Video setzt nicht nur Beat und Lyrics des Songs gekonnt in Szene, sondern vereint auch bildsprachlich die paradoxe Dimension schwarzer Lebenswirklichkeit im zeitgenössischen Amerika. Regisseur Hiro Murai gönnt den Zusehenden zwischen den rasch wechselnden Darstellungen von Rassismus, viralen Tanzbewegungen, Polizeigewalt, Hedonismus und Amokläufen keine Pausen. Noch beim zehnten Mal Ansehen sind neue Details zu entdecken, die sich häufig nur im Hintergrund abspielen.
Schon deshalb ist das Video sehenswert. Doch was es zu dem herausragenden Video des Jahres 2018 macht, sind die Querverweise auf symbolischer Ebene. Das behutsame Einpacken der Schusswaffen, nachdem mit ihnen im Video getötet wurde, ein Verweis auf das krampfhafte Festhalten an der Freiheit des Waffenbesitzes in Amerika. Die Haltung von Childish Gambino, wenn er zu Beginn des Video dem Mann mit der Gitarre in den Hinterkopf schießt, ist angelehnt an die Karikatur des stereotypischen schwarzen Mannes Jim Crow. Die Hose, die Glover trägt, eine Referenz zu Soldatenuniformen im amerikanischen Sezessionskrieg. Gesellschaftskritik befindet sich in jeder Zeile des Songs und vor allem jedem Frame des Videos.
Fast 450 Millionen Klicks auf YouTube und etliche Auszeichnungen (unter anderem drei MTV VMAs) später ist "This Is America" auch unser Video des Jahres auf internationaler Ebene.



(care9 & TommyTerific)

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