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Special: rappers.in Awards 2018: Künstler

veröffentlicht: Montag, 31.12.2018, 19:15 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi

Wieder einmal haben wir uns zusammengefunden und nach so einigen Ausführungen, Diskussionen, gerne gar Streitereien können wir unsere Highlights des Jahres küren. Dementsprechend haben wir für Euch national wie international in den Kategorien Videos, Tracks, Alben und Künstler unsere Top 5 des Jahres 2018 gewählt.

Was zeichnet einen Künstler des Jahres aus? Diese Frage war die am heißesten diskutierte, als die Redakteure bei Wasserpfeifen und Koks-Mintstäbchen im rappers.in-Tower zur Jahreskonferenz zusammensaßen. Einige sagten, ein Künstler des Jahres könne in diesem Jahr schlechterdings gestorben sein oder lange Haftstrafen antreten müssen – aber was tun, wenn der MC über genau diese Dinge die ganze Zeit positiv rappt? Andere wollten die Zahl an (nach welchem Maßstab!) gewonnen Beefs zu Rate ziehen, wieder andere die Qualität oder Quantität oder Verkaufszahlen des musikalischen Outputs. Wie so oft im Leben wurde es letztlich eine kompromissarische Mischpoke, die allerdings zur Kategorie passt. Denn der Künstler des Jahres, das merkten wir bei der Abstimmung sehr schnell, ist eine hochgradig subjektive Kategorie – macht die Augen zu und überlegt, wie euer Jahr in den Schuhen dieser Männer verlaufen wäre:

National:

Platz 5: Blokkmonsta

Blokkmonsta hat sich im Jahr 2018 keinesfalls auf die faule Haut gelegt. Das ganze Jahr über hat er stetig an neuer Musik gearbeitet; dabei entstanden sind ein Album, eine EP und einige weitere Songs mit verschiedensten Featuregästen.
Im Juli erschien das Kollabo-Album "Hirntot Originals" zusammen mit Perverz. Mit verschiedenen Featuregästen wie Rako, Schwartz und MC Bogy haben die Jungs ein wie für Blokkmonsta bekannt sehr hasserfülltes Album gefertigt.
Kurze Zeit später droppten Blokkmonsta und Olexesh den Song "DWDAS". Anders als vermutlich von vielen erwartet legt Blokk nicht seine aggressive, kratzige Stimme an den Tag. Dieser Song war ein etwas anderes Kaliber, was bei vielen Fans auf Verwunderung trifft, dennoch alles andere als ein Flop ist. Im August kam dann die EP "Ein Dadash kommt selten allein" mit KDM Shey. Auch dort ist Blokkmonstas Horrorcore-Stimme nicht präsent, was viele Fans zur Kritik anregt. Es wurden die Sorgen geäußert, dass Blokk durch die melodischen Beats und den Einfluss von Autotune wie viele andere zeitgemäße Rapper auf einen Zug aufspringt, um möglichst viele Hörer ins Boot zu holen. Dennoch ist Blokkmonsta sich inhaltlich treu geblieben, denn lyrisch ist seine Musik weiterhin alles andere als radiotauglich.



Platz 4: Rin

Nachdem Rin 2017 mit eingängigem, simplem Songwriting dafür gesorgt hatte, dass auch wirklich der letzte wusste, was Supreme, Gosha und Palace ist, und mit seinem melodischen, zeitgemäßen Sound innerhalb weniger Monate zu einem der aufstrebendsten Newcomer avancierte. 2018 veröffentlichte er im Juni sein Mixtape "Planet Megatron", das wie auch sein Debüt "EROS" einige Hits enthielt – seinen größten Erfolg aber landete er mit dem Loosie "Dior 2001", der auch in unserer Liste zu den besten Tracks des Jahres nicht fehlen durfte. Unkomplizierter Lifestyle-Talk gepaart mit eingängigen, hit-verdächtigen Vocal-Melodien und eine Visualisierung, die kaum mehr vor Rins markanter Ästhetik strotzen könnte, fungieren dabei nämlich fast als Allegorie für die Diskographie des Künstlers – und zeigen, dass der Hype um Rin noch lange kein Ende gefunden hat.



Platz 3: Alligatoah

Rap braucht wieder einen Märchenerzähler – und hier ist er. Alligatoah hat das Jahr 2018 in ein wahres Theaterspiel mit verschiedensten Rollen verwandelt. Schon im Dezember 2017 gab der Rapper bekannt, dass er im Sommer 2018 Überstunden mache, er gehe auf Akkordarbeit-Tour. Anders als gewohnt finden diese Shows nicht ausschließlich in Konzerthallen statt. Auch diverse Festivals wie unter anderem das Deichbrand, Highfield und das One Race Human! Festival standen auf seiner Liste. Wie es sich für die Akkordarbeit-Tour gehört, hatte Alligatoah viele, viele Stühle im Gepäck und hat für seine Show auf dem Deichbrand kurzerhand das Festivalgelände bestuhlt. Im Juni folgt dann der offizielle Trailer zu "Schlaftabletten, Rotwein V", worauf kurze Zeit später die erste Single folgte. Zeitgleich kündigte der Wahlberliner auch seine "Wie Zuhause Tour" für das Frühjahr 2019 an, welche jetzt nahezu restlos ausverkauft ist. Mit dem "endgültigen Interview" schlüpft Alligatoah gleich in beide Rollen; in die des Journalisten und in die des Musikers. Das geschieht auf eine äußerst unterhaltsame Weise, indem er viele Fragen aufgreift, die ihm in seiner Laufbahn schon etliche Male gestellt wurden. Neben dem handelsüblichen Album gab es eine "StRw V Premium-Box" zu kaufen, dessen Inhalt sich deutlich von bisher erschienen Fanboxen abhebt. Statt T-Shirt, Poster oder Autogrammkarte hat Alligatoah die Fanbox in ein Gärtnerset verwandelt und spendierte seinen Fans einen Blumentopf, eine Gießkanne, Blumenerde sowie Blumensamen in exklusiver Alligatoah-Optik. Doch es gab auch noch etwas Musikalisches zu finden: Mit im Gepäck war ein Cover-Album, welches Alligatoah ganz allein im Wald aufgenommen hat.
"Schlaftabletten, Rotwein V" hatte viel zu bieten und platzierte sich direkt auf Platz Eins der Albumcharts. Zelebriert wurde das Release selbstverständlich auch – in Kenia. Am Erscheinungstag des Albums gab es einen Livestream von seinem Auftritt mitten in der Savanne Kenias. Die einzigen Zuschauer waren verwunderte Tiere. Zusammengefasst war es für Alligatoah und seine Fans ein sehr facettenreiches Jahr und hinterlässt Vorfreude auf die kommende Tour!



Platz 2: Samra

Nach dem langen Hin- und Her über Samras Labelzukunkft gewann Ersguterjunge schließlich das Tauziehen um den 23 jährigen Berliner. Dass von diesem Deal beide Seiten profitieren, zeigte sich früh. Samras erste Single namens "Rohdiamant", die diesen April erschien, zeigte das große Potenzial auf. Die raue Stimme gepaart mit einem aggressiven, düsteren Flow und die thematische Fokussierung auf das Leben auf den Straßen Berlins erinnern stark an den jungen Bushido. Mit dem als Labelboss/Ziehvater lief der Rest des Jahres für Samra traumhaft und auch die nächsten Singles kamen hervorragend an und so verwundert es nicht, dass Bushido ihn eine EP aufnehmen lies, die es nur durch den Kauf von dessen Box zu hören gibt. Als letzten Song des Jahres erreichte "Cataleya" durch ein interessantes lyrisches Konzept und eine starke musikalische Umsetzung Hitstatus. Man darf gespannt sein, was es nächstes Jahr von Samra zu hören geben wird.



Platz 1: Capital Bra

Niemand hat Deutschrap 2018 so geprägt wie Capital Bra. Dass daran niemand Zweifel hat, liegt an vielen Gründen, die auch zeigen, wie sehr Rapstars im Jahr 2018 zu Popstars werden und wie sich das auf den Sound auswirkt. Über 2,5 Millionen Follower auf Instagram, mit "Berlin lebt" das meistgestreamte Album 2018 veröffentlicht, mit seinem Hit "Neymar" 5,4 Millionen Streams in der ersten Woche erreicht und andauernder Erfolg trotz wöchentlichen Realeses – die Zahlen sprechen für sich, aber besonders für ihn. Dem Berliner mit ukrainischen Wurzeln wurde ein baldiger Abstieg prophezeit, nachdem er Team Kuku Mitte des Jahres verließ, um bei Ersguterjunge den nächsten Schritt zu machen, doch Capi strafte die Kritiker Lügen und lebte dieses Jahr auf einer Hype-Welle, die deutschlandweit ihresgleichen sucht. Die Musik hat einen stark poppigen Beigeschmack bekommen, Straßenrap und melodische Sing-Sang-Hits wechseln sich ab und obwohl manche hier und da mal Sellout unterstellen, ist die Akzeptanz für diese Zweigleisigkeit in der Szene so hoch wie noch nie. Sogar starke Fehltritte wie einen absolut überflüssigen Disstrack gegen Fler werden ihm nicht übel genommen. Auch wenn manche einen Verschleiß des Hypes durch den ständigen Output sehen, den Fleiß und die Freude an der Musik hat er offensichtlich nicht verloren und die haben ihn schließlich auch so weit gebracht.



(Vincentbl3003, Indijana & No My Name Is Maxi)

International:

Platz 5: 6IX9INE

6IX9INE ist der wohl kontroverseste Rapper des Jahres – während er innerhalb weniger Monate mit seinem für viele ungewohnten Stimmeinsatz und den harten, aggressiven Trap-Instrumentals Millionen von Rap-Hörern in seinen Bann ziehen konnte, ist er für viele andere HipHop-Fans der Antichrist schlechthin. Doch egal wie viel Kritik davon nun berechtigt ist – dass 2018 von kaum einem Rapper so sehr geprägt wurde wie von ihm, ist unbestreitbar. Selbst wenn es mal nicht die Musik war, die für Kontroverse und damit Aufmerksamkeit sorgte, etablierte sich der Künstler, der Anfang des Jahres noch als Newcomer galt, als eine Art Instagram-Comedian und konnte mit seiner lustigen, einzigartigen Internet-Persona jeden Beef klar gewinnen.
Dass 6IX9INE auf dieser Liste landen muss, ergibt sich allein schon dadurch, dass dieses Jahr das einzige ist, in dem man den Rapper als einen der prägendsten Künstler des Jahres bezeichnen könnte: Im November wurde er festgenommen und befindet sich aktuell in Haft; ihm droht eine lebenslängliche Strafe. Ob er im Gefängnis weiterhin Instagram-Beefs anzetteln kann oder sich anderweitig bemerkbar machen kann, ist auf jeden Fall fraglich, aber den unfassbaren – und zumindest in dieser Ausprägung – überraschenden Erfolg kann wohl niemand leugnen.



Platz 4: Kanye West

Zuvorderst ist Kanye West ein Streber. Klar, Curren$y hat mehr Output und Jigga sowieso mehr Kohle, aber Ye weiß: Jedes seiner Releases ist gut und nicht wie der vorherige. Ye weiß: In jede seiner Produktionen flossen tausende und abertausende von Arbeitsstunden und das hört man. Und Ye weiß auch, dass jede seiner Aussagen geeignet ist, sämtliche Assads und Trumps dieser Welt von den sozialen Medienkanälen zu fegen wie Schmutz von einer Schulter. Und das lässt Ye dich spüren.
Dass er Nas aus der Versenkung geholt, Pusha zu neuen Höhen verholfen hat, mit Kids See Ghosts seine künstlerischen Visionen mit Cudi vorantrieb und mit "K.T.S.E." mal eben eines der R'n'B-Alben des Jahres aus dem Boden gestampft hat – geschenkt. Die Debatte um die Politikleere der schwarzen Bevölkerung angestoßen und (was deutsche Medien ob ihrer Dummheit gar nicht begreifen) en passant die Frage der Self-Slavery aufgeworfen (i feel like Pablo!!!) – geschenkt. Denn dann kommt er irgendwann im Herbst rum und kassiert 360 Millionen Views für ein Feature mit Lil Pump, den er mit seinen Part natürlich geradezu grotesk in den Schatten stellt. Wie sagen die jungen Leute – Standard. Der einzige Makel dieses Jahres: Das Album "Ye" erfüllte nicht das gewohnte Qualitätslevel.



Platz 3: Post Malone

Post Malone hat 2018 wohl alles richtig gemacht, was man nur richtig machen kann – gut, die vielen neuen Facetats sind vielleicht etwas fragwürdig, aber ansonsten lieferte der Rapper, der eigentlich keiner sein will, ein makelloses Jahr ab. Zu Beginn des Jahres ruhte er sich erstmal auf dem Hype seiner beiden Singles "Rockstar" und "Psycho" aus, bevor im April sein zweites Album namens "beerbongs & bentleys". Dass damit der ein oder andere Rekord gebrochen wurde und es eines der meistverkauftesten Alben des Jahres ist, ist in Anbetracht seines enormen Hypes fast schon selbstverständlich. Im Sommer eroberte er dann mit "Better Now" die Spitze der Charts und landete mit "Lucid Dreams" von Juice WRLD und "In My Feelings" von Drake (die es beide ebenfalls auf diese Liste geschafft haben) einen der drei großen Sommer-Hits, während er Konzerte im Zuge seiner Welt-Tour spielte. Die Liste ließe sich noch länger weiterführen – aber wie sehr 2018 im Zeichen von Post Malone stand, sollte ohnehin jeder mitbekommen haben.



Platz 2: Drake

Kanadas zweiterfolgreichster Export ist umtriebig wie ein Biber: Doppelalbum, unzählige Features, mediale Dauerpräsenz (ohne inhaltlich viel zu sagen zu haben). Drake hat eine Kernkompetenz zur Perfektion entwickelt: Er verkauft sich unheimlich gut, wortwörtlich. Billboards Künstler des Jahres ist zu einem Leistungsträger der modernen Musikindustrie geworden. Das irrlichternde "Scorpion" legte dabei die künstlerische Grandezza eines "More Life" ab und blieb letztlich ein loser Rahmen für einige Singles. Aber was für welche, mit welchem Erfolg, alleine die Zahlen bei Spotify! An "God's Plan" gab es dieses Jahr kein Vorbeikommen, was für ein Messiasvideo samt Ringgeküsse; selbst Herr Blume in Gaza wirkte nicht einmal ansatzweise so peinlich und herablassend. Dass Pusha ihn mit Adidon in den Beef-Orkus geworden hat, dürfte auch klar sein, aber das ist nicht der quantitative Maßstab, mit dem man Drake messen muss. Die Klicks von "SICKO MODE", das ist seine Welt. Die tausenden Shiggy-Tanzvideos, die wiederum zu hunderttausenden Klicks führen, das ist sein Bestreben. So erklärt sich auch, warum er OVO vernachlässigt, das längst von GOOD überholt wurde: Drake macht seine Features lieber dort, wo sie ihm selbst den meisten Ruhm einbringen.
"I feel good, sometimes I don't" (Drake auf "God's Plan")– aber cashen tut er immer. Und hey, er brach ganz nebenbei den Twitch-Streamingrekord. Nicht schlecht für Schwiegermutters Liebling.



Platz 1: Juice WRLD

Es ist immer verlockend, sagen zu können, dass man einer der wenigen Leute war, die einen Künstler schon gehört haben, bevor er seinen Mainstream-Durchbruch hatte – aber Hand aufs Herz: Wer hat Juice WRLD im Januar schon gekannt? Wohl nur die allerwenigsten. Als dann aber Ende Februar auf Cole Bennetts Kanal das Video zu "All Girls Are The Same" hochgeladen wurde, begann in Kürze sein unvergleichbarer Aufstieg. Kaum hatten die ersten das Video gesehen und beim Durchhhören seiner Diskographie auch seinen älteren Song "Lucid Dreams" entdeckt, wuchsen die Zahlen seiner Follower auf den sozialen Medien in einem (gefühlten) Rekordtempo. Danach überraschte es wohl auch niemanden mehr, dass "Lucid Dreams" der am viert häufigsten gestreamte Song des diesjährigen Sommers war und der Rapper mit seinen früheren Idolen wie Future ein Kolllabo-Mixtape veröffentlichen konnte.
Ganz nebenbei freestylt er auch mal lässig über eine Stunde lang bei TimWestWoodTV und kann damit auch den Respekt derer Rap-Hörer gewinnen, die mit dem Emo-Trap des Künstlers (den er während seines Aufstiegs so mainstream-tauglich machte wie kaum ein anderer Vertreter des Sub-Genres) eher wenig anfangen konnten. Bleibt nur noch die Frage, ob Juice WRLD diesen Erfolg im nächsten Jahr auch noch halten kann oder in der Irrelevanz versinkt, wenn die Hits mal für kurze Zeit ausbleiben, wie es bei anderen Rappern, die ähnlich schnell ihren Hype erlangten wie ihm, passiert ist.



(No My Name Is Maxi & barau)

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