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Vergegenwärtigter Instagramchick? – "ROMEO & JULIET" von Mozzik x Loredana

veröffentlicht: Freitag, 01.02.2019, 01:13 Uhr | Autor: EZRA


Pop war schon immer und stets ein Ereignis. Doch wie sieht das Prinzip suggerierter Intimität in der konsumtauglichen Praxis aus? Welche identifikatorischen Merkmale bedingen den kommerziellen Erfolg eines Musikers oder einer Musikerin?

Aktuell vermag wohl kaum eine Person den Zusammenhang zwischen Instagramästhetik, Playlistkonformität und Straßenraprhetorik vergleichsweise so gut zu illustrieren, wie die Rapperin und Influencerin Loredana. Sie ist nicht nur eine der wenigen weiblichen Stimmen in der deutschsprachigen Hip-Hop-Szene, sondern darüber hinaus das Sinnbild einer Verschmelzung von künstlerischer 'Realness' und kalkulierter Selbstentblößung.

Nun veröffentlichte die gebürtige Schweizerin ihre mittlerweile vierte Single "ROMEO & JULIET prod. by Miksu & Macloud" – und lässt tief blicken. Denn genauso wie uns Loredana einen weiteren Einblick in ihr musikalisches Wirken – abseits von Hörproben und Konzertmitschnitten – gewährt, lässt sich das charakteristische Soundbild von "ROMEO & JULIET prod. by Miksu & Macloud" im Kontext der zuvor veröffentlichten Singles als Ausblick auf ein wahrscheinlich geplantes erstes Soloalbum der Musikerin interpretieren.

"ROMEO & JULIET prod. by Miksu & Macloud" bezeichnet eine Kollaboration zwischen Loredana und dem Rapper Mozzik, bei welchem es sich bekanntermaßen um den Lebenspartner der Anfang Zwanzigjährigen handelt.

War man als (populärer) Musiker schon immer zwangläufig mit einer gewissen Sphäre des Öffentlichen konfrontiert – schließlich findet die Musik in und durch die öffentliche Wahrnehmung überhaupt erst resonanzfähig statt –, drängt es jüngst immer mehr Influencer vornehmlich in den Bereich der Rapmusik. So sorgte etwa Shirin David – maßgeblich über YouTube bekannt geworden – mit ihrer Single "Orbit" erst kürzlich für Aufsehen.

Wie man es richtig – also richtig erfolgreich – macht, bewies nicht zuletzt Loredana Zefi – besser bekannt lediglich unter ihrem Vornamen –, als sie am 15. Juni 2018 ihre Debütsingle "SONNENBRILLE prod. by Miksu & Macloud" veröffentlichte. Zwar trat die Rapperin zuvor schon in vergleichbaren Zusammenhängen – etwa im Musikvideo zum Song "TI AMO" von VEYSEL und MOZZIK – in Erscheinung, doch generierte sie durch ihre eigene Debütsingle auf Musikportalen wie YouTube und Spotify in kurzer Zeit eine enorme Reichweite und horrende Klickzahlen. Das Trendpotenzial schien schier unbegrenzt und lässt sich rückblickend vielleicht am ehesten mit der Aufmerksamkeit vergleichen, die dem Rüsselsheimer MERO momentan zuteil wird.

rappers.in berichtete ausführlich über seine Hitsingle "HOBBY HOBBY":
http://www.rappers.in/de/news-22175-...by_Hobby_.html

Allerdings handelt es sich bei der Kollaboration von Loredana und Mozzik nicht um die erste Zusammenarbeit des Duos. Mit "BONNIE & CLYDE prod. by Miksu & Macloud" erschien im September des vergangenen Jahres ihr erster gemeinsamer Track, der – ähnlich wie ihre Debütsingle – obschon kontrovers diskutiert, überwiegend interessiert aufgenommen wurde.

Der Song sowie das Musikvideo zum Song "MILLIONDOLLAR$MILE prod. by Miksu & Macloud" wurde von Loredana schließlich gegen Ende des letzten Jahres herausgebracht. Infolge der abermals kritischen, teilweise polemischen Rezeption seitens der Hörerschaft sah sich die Musikerin – und Influencerin – auch vermehrt Hatekommentaren über diverse Social Media Kanäle ausgesetzt.

In musikalischer Hinsicht bot eine via Instagram bereits im Dezember veröffentlichte Hörprobe von Loredana und Mozzik einen Eindruck der charakteristisch melodiösen Hook von "ROMEO & JULIET prod. by Miksu & Macloud".

Aber der internationale Musikmarkt ist ein dezentralisiertes Organ ohne festen Sitz. Die Möglichkeiten – auch für bis dato kaum populäre Artists –, lokale Grenzen zu überschreiten und den persönlichen Content mit dem Spektrum einer (potenziell) globalen Zuhörerschaft zu 'teilen' sind allgegenwärtig präsent. Zwar gibt es Institutionen – seien es Produktions- und Plattenfirmen, Streamingdienste oder Social-Media-Plattformen –, sowie Ballungszentren der Musikindustrie, welche – maßgeblich dadurch, dass sie als Dienstleister fungieren – das künstlerische Ausdrucksrepertoire im Rahmen von verkaufsstarken Trends umgrenzen, quasi lokal binden und beeinflussen, doch steht den Musikern selbst eine Vielzahl von Mitteln zur Verfügung, innerhalb dieser in weiten Teilen vorgegebenen Infrastruktur gewissermaßen zu Knotenpunkten zu avancieren.

Loredana taugt diesbezüglich als hervorragendes Beispiel. So taucht unter anderem auch ihr Freund Mozzik regelmäßig in ihren Instagram Storys auf. Welches Verständnis von Intimität dieser Form der medialen Inszenierung zugrunde liegt und inwiefern ein bestimmtes Verhalten tatsächlich von Authentizität zeugt, darüber kann freilich nur gemutmaßt werden. Aber freilich liegen (Selbst-)Repräsentation und Marketing hier nah beieinander. Die Instagram Storys von Loredana selbst zählen mitunter über sechshunderthausend Aufrufe. In dieser Hinsicht rangiert sie bereits in einer Liga mit Stars, wie Capital Bra oder Bonez MC.

Ist die Rede von kommerziell erfolgreicher Musik, meint der öffentliche Tenor zumeist den US-amerikanischen Musikmarkt. Im speziellen Fall des Hip-Hop-Genres ließen sich hier eventuell noch die französischsprachige – und mittlerweile auch die deutschsprachige – Rapszene anschließen.

Nicht zuletzt der Blick auf die globale Popmusikkarte offenbart, dass unter anderem längst auch Musiker albanischer Herkunft zu den etabliertesten Acts zählen. Doch ein Blick auf die Popgiganten dieser Tage, wie Dua Lipa, Rita Ora oder Bebe Rexha zeigt ebenfalls, dass die albanische Identität – im Sinne einer ethnomusikologischen Beeinflussung – kaum mehr eine wesentliche Rolle gegenüber standardisierten Soundmerkmalen primär in englischer Sprache spielt.

Anders verhält es sich im deutschsprachigen Raum. So definiert sich das Vokabular der Hip-Hop-Szene hierzulande zunehmend auch durch unter anderem arabische, türkische, russische und eben auch albanische Einflüsse. Neben diversen Newcomern zählen AZET und Mozzik zu den populärsten Interpreten, die sowohl stilistisch als auch sprachlich auf Aspekte albanischer Musik verweisen. So profitiert der Track "ROMEO & JULIET prod. by Miksu & Macloud" abermals ausdrücklich von der speziellen – bisweilen aber gewöhnungsbedürftigen – Betonung von Mozzik.





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17 Kommentare zu dieser News im Forum



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Die neuesten 5 Beiträge:

Madvillain schrieb am 09.02.2019 um 17:38 Uhr:
Fresse

Wie kann man eigentlich einen Haufen Scheiße haten? Der ist doch so schön braun...

WurstVitali schrieb am 09.02.2019 um 13:48 Uhr:
Wie kann man den Track bitte haten? Der macht gute Laune, ist technisch zwar nichts anspruchsvolles, aber auch nichts hingeschissenes, und der Vibe von dem Ding stimmt einfach

DerBalkan schrieb am 09.02.2019 um 13:06 Uhr:
hört sich wie jeder deutschrap track an verstehe hate nicht

RockyRac schrieb am 09.02.2019 um 11:30 Uhr:
Junge, seine Mutter kann man sich nicht aussuchen...

Madvillain schrieb am 09.02.2019 um 11:10 Uhr:
Da würde ich mir mal über meine Peergroup und damit natürlich auch über mich selbst ein paar ernsthafte Gedanken machen.

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