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Nonames "Room 25" ist das Jazz-Rap-Album, das wir brauchten

veröffentlicht: Freitag, 14.09.2018, 12:16 Uhr | Autor: Cuttack


Chicago ist seit längerem ein heißer Stein für die Entwicklung von Jazz-Rap. Auch über die offensichtlichen Namen wie Kanye West, Chance The Rapper, Common oder No.I.D. hinaus hat sich in der Stadt in den vergangenen Jahren ein Untergrund entwickelt, der sich sehen lässt. Mick Jenkins, Vic Mensa, Saba, Kami und Smoko Ono sind Namen, die sich aufdrängen, aber ganz besonders einer konnte in den letzten Jahren eine besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Noname. Mit "Telephone" veröffentlichte die junge Rapperin 2016 ein Mixtape, das aus dem Nichts in so manche Bestenliste vordringen konnte. Ein Follow-Up wurde also heiß ersehnt - und seit heute ist "Room 25" verfügbar. Ohne Single, ohne Promophase. Und die Platte hält, was sie verspricht.



"Room 25" ist ein wunderbar entspannter, aber thematisch bissiger und ambitioniert produzierter Volltreffer, der Stärken und Potential von Noname in bester Manier ausspielt. Bereits der Opener "Self" steckt voller bunter, lebhafter und bewegter Energie, die von der Protagonistin genutzt wird, um einen pointierten Rundumschlag gegen eine ignorante und verkopfte Szene vom Stapel zu lassen. Auf einem Song wie "Blaxploitation" heißt es dann:

Maybe I'm a hypocrite, maybe I'm hypochondriac/
I'm struggling to simmer down, maybe I'm an insomni-black/
Bad sleep triggered by bad government/
Put a think piece in a rap song the new age covet it/

(Noname auf "Blaxploitation")

Der Politik-Talk ist nicht nur Fassade, um sich auf die Fahne schreiben zu können, etwas Politisches gesagt haben. Es ist kein leeres "fick Donald Trump". Die Referenzen gehen links und rechts in die Tiefe, schneiden intellektuelle, akademische Themen genauso wie Konflikte schwarzer Kultur mit der Natur der Medienlandschaft an, ohne jemals predigend oder selbstgerecht zu klingen. Kleine Andeutungen zeugen von einem weiteren Hinterland, sich mit den besprochenen Themen auseinandergesetzt zu haben. All das auf eine vielschichtige Jazz-Produktion aus der Feder von einem gewissen Jon Pierre-Louis, zu dem sich allerdings keine genauere Information auftreiben lässt. Auch ein Noname, also. Aber die beeindruckend treibenden Basslines und die cineastische Qualität der Platte sprechen in dieser Hinsicht auch ohne Veteranen an den Reglern für sich. Ein Song wie "[B]Montego Bae[B]" mit Ravyn Lenae erinnert mit seinen filigran fließenden Piano-Lines ein wenig an das die Ästhetik von "Birth of Cool"-Ära-Miles Davis. "Room 25" ist die Steigerung zu "Telephone", wie ein jeder Musiknerd sie sich gewünscht haben dürfte. Und "Telephone" war schon ein fantastisches Projekt. Nur zur Erinnerung:





Quelle

1 Kommentare zu dieser News im Forum



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Die neuesten 1 Beiträge:

Lerm schrieb am 15.09.2018 um 13:06 Uhr:
ich weiß nicht, ob ich diesen thread hier dafür hijacken darf, aber da wir bei "jazz-rap" sind: ein album, das bei mir derzeit schwer rotiert, ist avantdale bowling club - avantdale bowling club.



bin da selbst nur sehr zufällig drauf gestoßen, deswegen mag ichs niemandem vorenthalten. ich finds unfassbar gut.



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