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Starke Ähnlichkeiten – ist Childish Gambinos "This Is America" geklaut?

veröffentlicht: Dienstag, 26.06.2018, 23:57 Uhr | Autor: No My Name Is Maxi


Childish Gambino war jahrelang eher als Kritikerliebling in der HipHop-Welt bekannt – von einer beachtlichen, treuen Fanbase und Musikjournalisten zwar geliebt, aber von einem Einzug in den Mainstream weit entfernt. Besonders sein letztes Album namens "Awaken, My Love!", das sich von seinem üblichen HipHop-Stil entfernte und eher an eine Mischung aus RnB, Funk und Psychedelic-Rock erinnert, traf auf viele positive Rezensionen. Als vor knapp eineinhalb Monaten aber nach einer längeren musikalischen Abstinenz sein neuer Song "This Is America" erschien, änderte sich Donald Glovers Bekanntheitsgrad schlagartig: Platz 1 auf den Billboard Top 100 und über 300 Millionen Aufrufe auf YouTube sprechen für sich. Besonders in Verbindung mit dem Video konnte der Track über Waffengewalt, die aktuelle Situation der afroamerikanischen Bevölkerung und Polizeigewalt nicht nur Conscious-Rap-Fans, sondern auch ein Mainstream-Publik begeistern.



Alles wirkte so, als hätte Childish Gambino endlich seinen längst überfälligen Erfolg dank seines einzigartigen Song- und Videokonzepts erreicht – bis am Wochenende ein Reddit-User einen Thread erstellte, in dem er auf die Ähnlichkeiten von "This Is America" mit dem Track "American Pharaoh" des unbekannten Untergrund-Rappers Jase Harley hinwies. Und tatsächlich – einige Übereinstimmungen sind nicht abzustreiten. Der starke Kontrast zwischen der fröhlichen, melodischen Hook und düsteren, bedrohlichen Trap-Parts, das markante Vocal-Sample in der Hook, die grundsätzliche Thematik und vor allem die Drum-Grooves – vieles wirkt zu ähnlich, als dass man es als Doppelschöpfung bezeichnen könnte.



Dennoch rudert Donald Glovers Manager Fam Rothstein zurück und behauptet in einem inzwischen gelöschten Tweet, der Song sei bereits drei Jahre alt, was mit Pro-Tools-Files belegt werden könne (danach beleidigt er noch alle Kritiker, deren Mütter und ihre zukünftigen Föten). Nun wird spekuliert, ob die Löschung des Tweets eher als Art Schuldgeständnis zu werten ist.
Und was hat der Interpret des angeblichen Originals zu der ganzen Situation zu sagen? Er bleibt locker und stellt klar, dass er sich freue, eine so große Inspiration auf eines der bedeutendsten Werke unserer Zeit zu sein. Lediglich Credits von Childish Gambino habe er sich gewünscht. Gleichzeitig merkt er aber auch an: All die Plagiatsvorwürfe sollten nicht von der Wichtigkeit der Thematik beider Songs ablenken.



Quelle

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Die neuesten 5 Beiträge:

lionxx schrieb am 27.06.2018 um 12:52 Uhr:
Kann deinen Standpunkt verstehen, aber in diesem Fall nicht nachvollziehen.
MMn ist die unheimlich aggressive, laute und direkte "Schaut her!"-Attitüde, mit der Glover das Thema verarbeitet hat genau richtig gewählt. Wir hatten schon so viele politisch aufgeladene Songs aus den USA in den letzten Jahren, da brauch es so etwas um aufzufallen und in Erinnerung zu bleiben. Zugegebenermaßen höre ich den Song nicht besonders regelmäßig (Glover hatte schon deutlich bessere Songs, wie bspw. Redbone), aber sehr gut finde ich ihn dennoch.

Fiber schrieb am 27.06.2018 um 05:48 Uhr:
Ist das jetzt die Schuld vom Künstler oder ist das Problem nicht vielmehr, dass die Thematik halt immer noch aktuell ist und deshalb auch in Songs verarbeitet werden darf?

-Nas schrieb am 27.06.2018 um 04:24 Uhr:
Den Vorwurf des critic baits (bzw. oscar baits) universell anzuwenden bzw. kategorisch jedes künstlerische Erzeugnis, das entsprechende Kriterien erfüllt unter den Generalverdacht des baits zu stellen ist natürlich Blödsinn. Darum geht es bei dem ganzen Argument ja auch eher nicht. Geht vielmehr um den schmalen Grat zwischen Authentizität und wahrgenommener Theatralik. Dass das Phänomen real ist, steht für mich persönlich außer Frage, was natürlich nicht zwingend die künstlerische Qualität des Endproduktes schmälert. Geht dabei ja weniger darum, dass ein Künstler Anerkennung für Qualität verlangt. Problematisch sind für mich nämlich weniger die Projekte, die qualitativ zu überzeugen wissen, als die die es nicht tun. Die Sache ist aber, dass so ein Bait eben in vielen Fällen für viele nunmal nicht authentisch ist, da er ein absoluter Subtilitäts-Killer ist und das Endprodukt vor Kalkül und "Tryharding" nur so trieft. Dadurch kommt dann letztlich auch die generelle Qualität für viele zu kurz und die Unzulänglichkeiten werden teilweise gerade durch den Bait heraufbeschworen bzw. entlarven selbigen schlussendlich vielleicht auch. Letztlich ist es also eher weniger die Idee des Baits an sich sondern das, was dieser häufig mit sich bringt und wie darüber hinweggesehen wird, weil eben die Grundsubstanz, der Cast oder das Thema (wie hier) größer als der eigentliche Song, Film, Performance, etc. ist und Leute daher übereilt überbewerten. Hier ist das Problem für mich halt, dass ich den Song an sich (auch ganz abgesehen von der thematischen Substanz) echt nicht soooo gut finde (eigentlich sogar nach dem ersten Hören ziemlich langweilig, hat halt diese einmalig interessante Dramaturgie, die nach dem zweiten Hören schon wieder völlig verraucht und mich auch höchstens mal kurz aufhorchen lässt, musikalisch find ichs auf Dauer irgendwie ziemlich sensationslos). Für mich überwiegt das Gefühl, dass hier pures Kalkül vorliegt einfach zu krass und mir ist das alles zu in-your-face-mäßig und vom Video her zu sensationalistisch aufgemacht. Ist finde ich schon ziemlicher Abturn. Ist natürlich nicht frei von Subjektivität diese Einschätzung und so dieses bait-Argument ist natürlich anfechtbar, kann halt deshalb nur persönlich die negativen Reaktionen nachempfinden.

lionxx schrieb am 27.06.2018 um 03:01 Uhr:
Klar ist das Kalkül, aber ich sehe da nichts schlimmes dran. Macht den Song künstlerisch nicht weniger wertvoll, unzählige Künstler wollten mit ihrer Kunst provozieren und in eine gewisse Kerbe schlagen. Dass es manche nervt kann ich auch durchaus verstehen, der Song ist halt die Spitze dieses Americadies/BLMjenes-Eisberges.
Aber das macht das Gesamtwerk nicht schlechter mMn. Und gerade so Aussagen wie "critic bait" finde ich billig, genau wie der Vorwurf des "Oscar baits" an Filme wie Moonlight oder unzählige andere, die ein dankbares Thema wählen. Ist der Film gut, ist er gut, Oscar bait hin oder her. Ein sehr hohles Argument (nicht im Sinne von dumm, sondern mehr als seine Hülle steckt da nicht hinter).
Aber ist auch Empfindungssache. Mich hat Song und Video direkt geflasht, auch weil ich das Augenzwinkern mit dem Glover an das Thema herangegangen ist, großartig finde. Er hat das ganze Thema extrem clever verarbeitet...und btw bin ich der Meinung, dass man in diesem Fall Song von Video nicht losgelöst betrachten sollte. Ohne das Video geht deutlich an Bedeutung verloren.

-Nas schrieb am 27.06.2018 um 02:28 Uhr:
Hmm, der Song wurde doch hier auch schon 1-2 Tage nach Release relativ gespalten aufgenommen, wenn ich mich recht entsinne - also schon auch bevor der so richtig durch die Decke gegangen ist. Finde das Video gut gemacht, aber der Song fällt dagegen ziemlich flach, weiß nicht. Kann auch verstehen, warum der vielen auf die Nerven geht. Ist eben extremer critic bait bzw. so Musik, die so eine unangenehme "Jeder muss das jetzt mögen"-Welle schlägt, da die Thematik ja ach so aktuell und wesentlich ist, was mich auch an der öffentlichen Wahrnehmung von Kendrick z.B. oft stört. Finde die Hochglanzaufmachung und die generelle Inszenierung des Videos unterstreichen das Kalkül auch noch ziemlich stark. Find den jetzt auch nicht schlecht, aber die Thematik heftig ausgelutscht und sehr dankbar gewählt. Dafür, dass da hinter der Hochglanzhülle dann aber eigentlich so wenig Neues und Erfrischendes in Bezug auf das Thema passiert find ich den Song auch ziemlich überhyped.

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