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Review: Vega – V

veröffentlicht: Mittwoch, 04.04.2018, 08:27 Uhr
Autor: El-Patroni





01. Intro
02. Ein Schluck
03. Winter in Frankfurt
04. Delorean
05. Lass sie reden
feat. Casper
06. Für Vinko
07. Was ihr wollt
08. Sag den Pissern
feat. Face
09. Standby
10. Deshalb lieb' ich dich
feat. Moses Pelham & Credibil
11. Unser Lied
12. S6chsdr3i
feat. Face
13. Outro

Vega kommt mit Soloalbum Nummer 5 an und wenn es sich schon anbietet, seinen Spitznamen mit der simplen Nummerierung des Releasekataloges zu vereinen, sollte man es natürlich auch tun.
Ob ich den Frankfurter hier wirklich vorstellen muss, bezweifle ich, denn die einen sind bereits Fans, feiern mehr oder weniger bedingungslos den Output rund um Vega und seine Freunde von Niemand, während die anderen nicht so ganz verstehen können, worin die Faszination der Gruppierung liegt. Da zweitere mit ziemlicher Sicherheit ohnehin nicht weiter lesen werden, können wir ja auch gleich beginnen:

Seitdem ich denken kann, wollt' ich dieses Album schreiben/
Besser als die Zukunft und besser als die alte Scheiße/

(Vega auf "Intro")

Das "Intro" startet auf einem ruhigen, sich langsam entwickelnden Beat mit lyrischem Blick in die Vergangenheit, der sich instrumentell wie auch stimmlich immer mehr zu einem dieser Vega-typischen monumentalen, vor Pathos nur so triefenden Opener entwickelt und schon mal klar zu machen scheint, wo "V" hinsteuern könnte: Nämlich in den altbekannten Hafen. Und ja, genau das macht Vega. Er folgt exakt dem Kurs, der ihn mit "Kaos" schon vor drei Jahren zur Chartspitze führte. Einige Songs kommen sogar wie Rekonstruktionen von Stücken des Vorgängeralbums daher. Aus "1312" wird "Ein Schluck" aus "Hip-Hop & Rap" wird "Was ihr wollt", aus "Kosmos" wird "Für Vinko" und aus "Ich will Raus mit dir" wird "Delorean". Was sich jetzt liest wie unausstehliche Langeweile, ist in der Praxis zum Glück bei weitem nicht so schlimm, denn die Tracks entpuppen sich mehr als Weiterentwicklung denn als Kopie.

Ich schwör, ihr habt mein Herz gebrochen/
Ich dachte wirklich, dass die Autos euch gehören, ihr Fotzen/

(Vega auf "Unser Lied")

"Für Vinko" behandelt auf extrem emotionale Art den Tod eines Familienmitglieds (ich vermute, der Schwiegervater) und birgt neben dem "Outro" einen von zwei Songs mit tatsächlichem Gänsehautpotential. Auch die Gute-Laune-Nummer "Was ihr wollt" weiß auf ihre ganz eigene Art und Weise zu überzeugen. Vegas Glanzmomente stellen aber auch auf diesem Album wieder die stimmungsgeladenen Battletracks dar: Die Randale-Hymne "Unser Lied" beinhaltet die wohl besten Lines der Platte, während es auf "Lass sie reden" den straightesten Casper Rap-Part der letzten Jahre zu bestaunen gilt. Negativ fällt vor allem die kürzlich veröffentlichte Single ins Auge: Der nach weichgespülter Radiotauglichkeit gierende Song "Delorean" samt Vega-Gesangseinlage in der Hook dürfte dem typischen FvN-Fan in etwa so viel Freude bereiten wie ein Montagsspiel der Eintracht auswärts. Die für das Beatgerüst verantwortlichen Timo Krämer, The Cratez und Johnny Illstrument pendeln sich irgendwo zwischen ruhigen Melodien und Monumentalfilmsoundtrack, zwischen Pianopassage und dumpf dröhnendem Bass, zwischen Radiokompatibilität und klassischem Straßenrap ein. Genau durch dieses Hin und Her gelingt es ihnen, das bisher abwechslungsreichste Vega-Album zu schaffen, auch wenn wohl nicht alle Fans glücklich damit sein werden.


Fazit:
Kaos 2? Ein Nachfolger soll "V" wohl definitiv sein und qualitativ stecken viele Songs das Vorgängeralbum locker in die Tasche. Leider wirkt das Konzept bestehend aus eine Hymne für die Stadt, eine Nummer fürs Radio, bisschen was Trauriges, bisschen was zum Randalieren und bloß nicht die Jungs vom Fußball vergessen, sonst könnte jemand sagen, man sei abgehoben, sehr konstruiert und stellenweise etwas gewollt. Dieser Umstand, gepaart mit einigen wenigen Tracks, die mir so gar nicht ins Ohr wollen, sorgen eben dafür, dass "V" trotz großartiger Produktionen, hochkarätiger Gastbeiträge und insgesamt einer soliden Leistung des Protagonisten zwar ein sehr gutes, aber eben nicht das bisher beste Vega-Album ist, was es aber durchaus hätte werden können.

Eins noch: Auf "Delorean" kennt Vega den eigenen Vater nicht und nur wenige Minuten später schenkt er ihm dann plötzlich ein Auto. Außerdem gab es auf "Nero" doch dieses Lied, in dem die Plattensammlung des Vaters mehrfach thematisiert wird. Ja was denn nun, Vega?


El-Patroni (David)



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