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Review: Trippie Redd – LIFEʼS A TRIP

veröffentlicht: Donnerstag, 23.08.2018, 15:52 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi





01. Together
02. Taking A Walk
03. Wish feat. Diplo
04. Missing My Idols
05. Forever Ever feat. Young Thug & Reese LAFLARE
06. Bird Shit
07. BANG!
08. How You Feel
09. Dark Knight Dummo feat. Travis Scott
10. UKA UKA
11. Shake It Up
12. Oomps Revenge
13. Gore
14. Underwater Flyzone

Was wurde noch Anfang des Jahres über Trippie Redd geschwärmt: Der damals gerade mal 18-jährige Newcomer galt als vielversprechender Kandidat für die Freshman-Class, es wurden Features mit Drake und Lil Wayne angekündigt und dass er 2018 den Sprung auf die vorderen Plätze der Billboard-Charts schaffen wird, war ohnehin schon besiegelt. Ganz so grandios sind die letzten Monate für den 19-jährigen aber doch nicht gelaufen: Feature-Deadlines wurden verpeilt, bei der Freshman-Class hinterließ er einen schlechten Eindruck und seine Beefs mit 6IX9INE und XXXTENTACION gingen nach hinten los. Kurz gesagt — Trippie Redds Karriere stagniert seit Monaten. Sein lang erwartetes Debütalbum "LIFEʼS A TRIP" wird wahrscheinlich darüber entscheiden, ob Trippie weiter in Richtung Irrelevanz versinkt oder doch noch die Wende schafft. Anfangs sollte das Projekt noch 26 Songs enthalten, jedoch wurde die Tracklist kurz vor dem Release auf 14 Anspielstationen gekürzt — eine deutlich Debütalbum-freundlichere Länge. Wären 26 Tracks ohnehin zu repetitiv und monoton gewesen oder wurde die Laufzeit nur aus der Angst, die Hörer mit neuer Musik zu übersättigen, gekürzt?

Mit dem Intro "Together" startet das Projekt mit einem ruhigen, melancholischen Track, der ganz auf zartbittere Gitarren-Riffs und Trippie Redds einzigartigen Stimmeinsatz ausgerichtet ist. Eine klare Song-Struktur lässt auf sich warten, stattdessen wirkt der gesamte Track wie eine halbfertige Song-Skizze; als hätte er im Studio mögliche Melodien vor sich hingemurmelt. Dieses vollständige Konzentrieren auf Vibes hat zugegebenermaßen seinen Reiz, aber scheitert im Verlauf des Albums an Trippies gesanglicher Eindimensionalität. Zwar kann man keineswegs behaupten, dass "LIFEʼS A TRIP" in allen Belangen monoton ist — die Instrumentals wechseln zwischen grunge-esquen Gitarren-Riffs ohne Drums, aggressiven Trap-Bangern, entspannten BoomBap-Beats und poppigen Produktionen, die (spät)sommerliche Vibes versprühen —, aber Trippie Redds Melodien bleiben stets vorhersehbar und wirken ab einem gewissen Punkt sogar redundant. Mit jedem langgezogen AdLib steigt die Vermutung, dass der Rapper eine bestimmte Anzahl an geschrienen "Yeahs" und "Woahs" sowie Oktavierungen seiner Stimme auf jedem einzelnen Track abhaken muss. Sobald er jedoch von einem starken, ereignisreichen Instrumental begleitet wird und der Track nicht vollständig auf seinen Stimmeinsatz ausgelegt ist, schafft er es, mit seinem Händchen für eingängige Melodien musikalisch deutlich interessantere Songs mit massenhaft Hit-Potential zu produzieren. Beispiele dafür gibt es auf "LIFEʼS A TRIP" viele, aber der größte Standout-Track ist wohl "Dark Knight Dummo": Dank der düsteren Baseline, einem Feuerwerk an dreckigen Synth-Bässen und der Hook, die einem wochenlang nicht mehr aus dem Kopf geht, ist der Song nicht nur ein Highlight des Debütalbums von Trippie Redd, sondern einer der stärksten Trap-Banger der letzten Monate. Abgerundet wird das Ganze mit einem von Travis Scotts energischsten Features, das sich mit den aggressiven Vocals des Rappers nicht nur nahtlos in das Soundbild einfügt, sondern dieses bereichert und damit alles andere als ein generisches Prestige-Feature — das in den letzten Monaten bei Travis zur Normalität wurde — ist.

Lambo drive like a dragon (skrrt, skrrt, ooh)/
Canʼt fall asleep at night 'cause they attackin', yeah/
I, hop in the coupe, go insane/
I, disappear, go David Blaine

(Travis Scott auf "Dark Knight Dummo")

Auch "Forever Ever" sticht aus den 14 Songs heraus: Ein entspanntes, sommerliches Instrumental trifft auf Vocals von Trippie Redd, Young Thug und Reese LAFLARE — was sich nach dem Hören als eines dieser Features entpuppt, mit denen man zwar nicht gerechnet hat, die aber trotzdem hervorragend funktionieren. Mit gewohnt exzentrischem Stimmeinsatz murmelt Young Thug die Hook ein, die sich irgendwo zwischen Ohrwurm-Potential und weirdem, sperrigem Slurring einpendelt. Zwar funktioniert auch hier Trippie Redds Part wieder nach demselben Schema, das man auf dem Album auf nahezu jedem Track hören kann, aber durch die starke Synergie, die durch die recht ähnlichen Stimmfarben der beiden entsteht, stört das nicht weiter und gerät zumindest für vier Minuten in Vergessenheit.
Die stärksten Momente hat das Album aber dann, wenn sich Trippie Redd auf konventionelle Songstrukturen konzentriert. Zu oft bewegt er sich auf einem schmalen Grat zwischen dem Konzentrieren auf entspannte Vibes, die durch den Verzicht auf konventionelles Songwriting sowie simplen, das Spotlight auf Trippies Stimmeinsatz lenkenden Instrumentals erreicht werden sollen, und der willkürlichen Aneinanderreihung von Vocal-Melodien, die stellenweise so überzogen wirken, dass sie beinahe wie eine Parodie auf den charakteristischen Gesangsstil des Künstlers klingen. Legt er aber erstmal den Fokus auf Songwriting und Lyricism, wirkt das im Album-Kontext nicht nur erfrischend, sondern zeigt auch eine weitere, viel zu selten angewandte Stärke von Trippie Redd auf: Auf "Missing My Idols" und "Oomps Revenge" gibt es weder langgezogene AdLibs noch abrupte Gesangsregisterwechsel, sondern stattdessen überraschend starke Flows, kreative oder selbstreflektierte Lines und ausproduzierte Instrumentals samt souligen Vocal-Samples. Warum er diesen Stil aber auf zwei Tracks beschränkt und ihn nicht dazu nutzt, seine gesangliche Eindimensionalität auf anderen Songs auszugleichen, bleibt ein Rätsel.

But nowadays I really miss my fucking idols, so thatʼs the title/
I grab a bible, pray for my rivals/
Dead on arrival, I swear this shit to me like a cycle/
Bodies in piles, blood rivers resemble Niles

(Trippie Redd auf "Missing My Idols")

Denn obwohl "LIFEʼS A TRIP" mit knapp 45 Minuten Laufzeit recht kurz ist, plätschert es spätestens nach der ersten Hälfte nur so vor sich hin. Das ist besonders enttäuschend, weil Trippie Redd durchaus beweist, dass er das Potential für ein großartiges Album besitzt, denn auf dem Papier stimmt eigentlich alles: Ein stringent verfolgtes Sound-Konzept, das sich durch das ganze Projekt zieht, starke Features, die das angestrebte Soundbild stets bereichern, und Einflüsse aus verschiedensten Genres, die Diversität versprechen — und einzeln betrachtet sind so gut wie alle Songs auch gut. Hört man "LIFEʼS A TRIP" aber am Stück, verläuft sich das Album schnell in Vocal-Melodien, die so wirken, als hätte man sie im Song zuvor schon gehört, mangelndem Songwriting und teilweise zu ereignislosen Instrumentals — dem Projekt fehlt es schlichtweg an Dramaturgie. Nach 45 Minuten Trippie Redd ist man am Ende nur noch darüber erleichtert, dass die Tracklist wenigstens auf 14 Songs gekürzt wurde.


(Maximilian Krupp)



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