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Review: Teesy – Wünschdirwas

veröffentlicht: Samstag, 06.08.2016, 15:01 Uhr
Autor: PeasOut





01. Wünschdirwas
02. Beim zweiten Mal
03. Elisabeth
04. Jackpot
feat. Cro
05. Draußen
06. Böse
07. Ohne dich
08. Nie mehr
09. S.C.G.A.
10. Wen rufst du nachts an
11. Blind
feat. Cro
12. VW Bus feat. Mag Wolfskin
13. Ein Wort
14. Hol es nach Haus


Es müsste jetzt knapp einen Monat her sein, dass ich von Max, unserem Chefredakteur, den Link zum neuesten Werk von Teesy bekam. Zwei Jahre ließ der Berliner nach der Veröffentlichung von "Glücksrezepte" musikalisch nichts Neues von sich hören und da sein Debütrelease eine Zeit lang einen festen Platz im CD-Spieler meines Autos besaß, war ich dementsprechend gespannt, was mich erwartet. Und nun möchte ich mit Euch ein Stück in die Vergangenheit reisen, aber nicht allzu weit, nur zu dem Punkt, an dem ich "Wünschdirwas" das erste Mal hörte. Ich saß also auf der Couch, rechnete mit Gute-Laune-Songs, Ohrwurmhooks und musikalischen Einflüssen aus allerlei Genres. Kleiner Spoiler an dieser Stelle, ich wurde nicht enttäuscht. Aber genug geredet, ich glaube, wir sollten jetzt ein wenig tiefer in die Materie eindringen und die Einleitung eine solche sein lassen.

Und was bedeutet bitte Glück? Oh, ich erinner' mich/
Es bedeutet, dass du niemals der Gewinner bist/
Denn du denkst, dein ganzes Leben ist ein Hindernis/
Wenn du 'n Leben lang im Sommer in dei'm Zimmer sitzt/

(Teesy auf "Jackpot")

"Wünschdirwas" beginnt direkt mit seinem Titeltrack und man kann ahnen, worauf man sich wohl bei den 13 darauf folgenden Songs einstellen darf, denn Teesy bleibt seiner Linie treu und lässt die Instrumente größtenteils live einspielen; so bin ich mir ziemlich sicher, innerhalb der ersten zehn Sekunden melodisch zwischen Gitarre und Klavier unterschieden zu haben. Ich merke spürbar, wie ich mit dem kompletten Körper leicht hin- und herwippe, und bin zu diesem Zeitpunkt fest davon überzeugt, dass mich das Album musikalisch komplett in seinen Bann ziehen wird. Einen ersten absoluten Höhepunkt hat das Album bereits beim dritten Song "Elisabeth"; hier hielt mich bereits nach kurzer Zeit nur noch wenig auf der Couch, ich musste einfach durch die Wohnung tanzen und ein Gefühl von Glück durchströmte mich. Das ist genau die Art von Musik, die ich vom Berliner hören will. Die Instrumentierung ist in ihren Grundzügen angenehm zu hören und wird mit verschiedenen Akzenten, die zum Beispiel durch Blasinstrumente eingebaut wurden, optimal verfeinert, dazu kommt eine Hook, die mitreißt, und Parts, die den Unterschied zwischen gut und exzellent ausmachen. Direkt darauf folgt allerdings eine Überladung von Glücksgefühlen, die einem goldenen Schuss der Euphorie gleichkommen. "Jackpot", auf dem auch Teesys Labelkollege Cro musikalisch etwas beisteuert, ist einfach ein wenig zu viel von allem, ich möchte den Song nicht als schlecht bezeichnen, kann ihm persönlich allerdings auch nur sehr, sehr wenig abgewinnen, was mich immerhin wieder meinen Platz auf der Couch einnehmen lässt. Und diesen verlasse ich die nächsten zwei Songs auch nicht mehr, ich erwische mich sogar dabei, wie meine Hand nach meinem Smartphone greift, da sowohl "Draußen" als auch "Böse" komplett grundsolide Songs sind, die allerdings auch keine richtigen Höhepunkte liefern. Doch das Ende der ersten Hälfte des Langspielers lässt mich direkt zu Beginn aufhorchen, denn hier ist etwas anders. "Ohne dich" ist bei aller Liebe nicht die Art von Song, die ich erwartet habe. Kein glückseliges Intro in den Song, keine mitreißende Melodie. Ein ganz simpler Beat und ein Künstler, der das erste Mal wirklich als Rapper auftritt und dem Beat seine ganz eigene Note aufdrückt. Teesy wirkt hier unglaublich bedacht und schafft es durch ganz einfache Mittel, ein mulmig-trauriges Gefühl in mir zu erzeugen, welches mich dazu bewegt, die Knie anzuziehen, die Augen zu schließen und das Ganze auf mich wirken zu lassen. Nach meinem persönlichen Höhepunkt der Platte flacht es allerdings etwas ab, die drei darauf folgenden Songs sind weder schlecht noch gut, Teesy zeigt uns eine Hörprobe seiner Gesangsfähigkeiten in verschiedenen Genres, so ist "Nie Mehr" rockig angehaucht, während "S.C.G.A" und "Wen rufst du nachts an" in die Pop-Kerbe schlagen. Die Songs Nummer zehn und elf sind meiner Meinung nach ein weiterer Höhepunkt der Platte und neben einem zweiten Gastpart von Cro tritt auf "VW Bus" mit Mag Wolfskin auch ein eher unbeschriebenes Blatt in Erscheinung. Auf "Blind" setzen sich Toni, wie der Künstler sich selbst immer wieder nennt, und der Rapper mit der Pandamaske vor allem mit der Problematik der heutigen Gesellschaft auseinander, dass ein Großteil der Kommunikation in soziale Netzwerke verlegt wird, und untermalen dies mit einer Hook, die zum Mitsingen einlädt. "VW Bus" hingegen ist für mich nahe an der Inkarnation eines Sommerhits, die Instrumentierung sprüht geradezu vor guter Laune, während sich auch hier die Hook zwischen den Ohrmuscheln festsetzt, dazu haben wir hier zwei wunderschön gerappte Parts, die für die nötige Abwechslung sorgen.

Hier möchte ich einen kurzen Sprung in die Gegenwart wagen, denn während ich die Platte nun während des Schreibens dieses Textes wieder höre, stelle ich fest, dass ich keinen weiteren Song gebraucht hätte. Wäre das Album nur zwölf Tracks lang, wäre es in meinen Augen ein absolut rundes Ding, das Stärken und Schwächen hat. Jedoch gehen wir noch einmal in die Vergangenheit zurück, da auf "Wünschdirwas" noch zwei weitere Lieder ausstehen. Ich sitze also wieder auf meiner Couch, wobei es mittlerweile eher ein Liegen ist, und frage mich, was wohl nun noch kommen wird. Leider kommen hier mit "Ein Wort" und "Hol es nach Haus" die schwächsten Songs des Albums; persönlich habe ich mit einem allerletzten Höhepunkt gerechnet, um die CD würdig ausklingen zu lassen, jedoch fehlt es in meinen Augen an einer zündenden Idee, um dies auf musikalischer Ebene zu erreichen. Und so sitze ich nun hier, der Titeltrack wiederholt sich im Hintergrund schon wieder und ich fühle innerlich ein leichtes Glücksgefühl. Das ist also Teesys neues Album, eigentlich gar nicht so schlecht, keine Aussetzer, das ein oder andere richtige Highlight und ein durchgehend hohes Level, was den Hörgenuss angeht. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, "Wünschdirwas" irgendwann einmal live zu hören, denn ich kann mir gut vorstellen, dass viele der Songs auf der Bühne noch einmal ein ganz anderes Feeling erzeugen. Ich vermute: Teesy wird in den nächsten Jahren seinen Platz in der Szene und auf den Festivalbühnen der Republik sicher haben.

Aber hey, nicht dramatisch/
Eher so dritter Weltkrieg in mir/
Ich tick, als gäb's 'nen Sinn für das alles hier/
Ich tu' 'nen Teufel und beklag' mich/
Ich geh zurück – seh' die Sonne aufgeh'n/
Der Tag macht grad so den Anschein, als würd' er nach 'ner Chance ausseh'n/

(Teesy auf "Ohne dich")

Willkommen zurück in der Gegenwart. Ich glaube, wir konnten zusammen einen guten Einblick in das neueste Werk Teesys gewinnen. Und bevor Ihr jetzt anfangt, rumzumeckern, dass Ihr nun vielleicht eine Idee davon habt, wie das Album klingt, Euch aber nicht vorstellen könnt, wie der inhaltliche Aspekt aussieht, hat das einen einfachen Grund. Teesy ist nicht nur Rapper, der in seinen Tracks den Text in den Vordergrund rückt. Nein – das Chimperator-Signing ist vor allem Musiker, sodass man auch gerne mal auf die komplizierteste Reimkette verzichten darf, solange am Ende der gewünschte Effekt auftritt. Genau an diesem Punkt rücken auch Inhalt und Aussage in den Hintergrund, sodass das Klangbild in meinen Augen die Hauptrolle übernimmt. Solltet Ihr allerdings auf lyrische Finessen warten, seid Ihr bei dem Berliner nicht ganz an der richtigen Adresse. Möchtet Ihr hingegen nur ein Album haben, dass man anmachen kann, während man an einem lauwarmen Sommerabend mit Freunden auf dem Balkon sitzt, oder das man einfach nebenbei hört, kann ich Euch "Wünschdirwas" nur herzlichst empfehlen.


Lasse Golenia



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