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Review: Summer Cem – Endstufe

veröffentlicht: Freitag, 31.08.2018, 13:19 Uhr
Autor: Vincentbl3003





01. 200 Düsen
02. Alles vorbei
03. Follow me

04. Casanova feat. Bausa
05. Maison Margela
06. Santotini
feat. Veysel
07. NMM feat. Elias
08. Anders
09. Molotov
feat. Raf Camora
10. TMM TMM
11. Chinchilla
feat. KC Rebell&Capital Bra
12. Let's do it
13. Weg Weg Weg
14. Shukran für nix
15. Kein Respekt
feat. 18 Karat

Nach dem erfolgreichen KC-Rebell-Kollaboalbum meldet sich Summer Cem für "Endstufe" zurück. Wohin das angekündigte "Meisterwerk", so beschrieb es zumindest Label Chef Farid Bang, geht, war schwer zu erahnen. Summer, der als technisch versiertester Banger Artist gilt und Alben wie "Hak" und "Cemesis" mit Wortspielen und Punchlines auf knalligen Beats füllte, hatte schon auf "Maximum" angefangen, mit der Zeit zu gehen und so wurde die Kollabo eine gelungene Mischung aus neuzeitlichen Hits, auf denen auch Autotune und BoomBap-Beats eine gleichberechtigte Rolle spielten. Jetzt sind wir bei der "Endstufe" angekommen und stellen uns damit der Frage, ob wir einen ausgereiften Sound zu hören kriegen werden – oder ob der 35 jährige Cem denkt, sich musikalisch neu erfinden zu müssen, um der Zeit gerecht zu werden.

Egal, wo ich hingeh', ich werd' erkannt/
Fragt mal, warum, weil ich bin bekannt/

(Summer Cem auf "Tmm Tmm")


#JederSongEinHit. Das war die vollmundige Ankündigung für Summer Cems "Endstufe". Und zumindest die Singleauskopplungen gingen dem nach: "Casanova", ein Schema F Bausa-Song, zu dem Summer Cem nur einen bescheidenen Part beisteuert, "Chinchilla", ein eingängiger Capital Bra Song, auf dem er sich mit KC ebenfalls dem funktionierendem Muster eines Capi-Hits unterordnet, mit "Tmm Tmm" ein gelungener Clubtrack, auf dem Summers tiefe Stimme angenehm mit fast nur aus Bass bestehendem Beat von Miksu harmoniert und zu guter Letzt: "Santorini", ebenfalls ein Track, der vom Feature, in diesem Fall Veysel, wesentlich geprägt wird. Ja, auch ein paar Songs ohne Feature wurden in der Promophase veröffentlicht, aber wenn man den Erfolg dieser Eigenproduktionen wie "200 Düsen" (1,7 Millionen Klicks) oder "Crew" (3,5 Millionen Klicks) mit den erwähnten Kollaborationen "Casanova" (22 Millionen Klicks) und "Chinchilla" (19 Millionen Klicks) vergleicht, fällt auf, warum es von letzteren deutlich mehr gibt.

Zieht sich diese erzkommerzielle Spur durch das Album? Ja, aber anders, als man es erwarten könnte. Das letzte, was man von diesem routinierten Punchlinerapper erwarten könnte, ist seelenloser Trap, aber genau das bekommt man auf "Endstufe" leider viel zu oft. Es ist ein sehr vielseitiges Album, was aber zum großen Kontra wird. Die 15 Tracks starke Platte weiß weder soundtechnisch noch inhaltlich genau, wo sie hin möchte. Das beste Beispiel dafür ist "Bad Boy"; ein Track, in dem sowohl Farid Bang als auch Summer Cem sich den Autotunesound auf so ungeschickte Weise aneignen wollen, dass Farid einen unglaublich unmusikalischen Part zum besten gibt und mit Summers in Autotune ertränkte Tonspuren ein schlimmes Klangbild kreieren. Die Trap Songs haben stark schwankende Qualität, was mit Produktion und Features mehr zusammenhängt als mit Summer Cem selbst. "NMM" kreiert einen durchaus eingängigen Sound, was an den gut platzierten Drums und der überzeugenden Performance von Featuregast Elias liegt, der den von Summer angepeilten Sound um einiges besser hinbekommt als dieser selbst. Ähnlich gut fällt "Maison Margela" aus, das vom einem powervollen Trapbeat lebt, auf dem Summer mit sehr energischem Rap überzeugt. Das von Fler als bester Song der letzten Jahre bezeichnete "Follow me" bleibt Durchschnitt, da vom Interpreten zwar nichts großartig falsch gemacht wird, dafür aber schon lange dagewesene Flows auf einem belanglosen Beat sauber zum besten gegeben werden. Seine Stärken, wie den technisch versierten Rap mit druckvollem Flow und Punchlines, hört man leider viel zu selten. "200 Düsen" und "Kein Respekt" bleiben Ausreißer nach oben, als Tracks mit authentischer Energie. Der traurigste Teil dieses Albums sind die BoomBap/Dancehall Songs wie "Weg weg Weg", der von einer passablen Hook mal abgesehen die These bestätigt, dass "Endstufe" ein durch und durch kommerzielles Werk ist. Natürlich gehört dann auch Raf Camora aufs Album, der den seit zwei Jahren in der Szene omnipräsenten Sound auf "Molotov" mal wieder hochwürgt wie ein Wiederkäuer. Ein Wort abschließend zu den Texten, Summer Cem thematisiert auch noch mit 35 die gleichen Inhalte wie Rapper, die halb so alt sind wie er. Es geht um Geld, Bitches, Markenklamotten und die eigene Geilheit. Teilweise sind die Reime noch innovativ und die Machosprüche noch lustig, weil Summer Cem seinen Labelkollegen an Eloquenz um einiges voraus ist und schon oft gehörte Floskeln dadurch witzig verpacken kann, aber im Großteil ist es langweilig.

Mach die scheiß Tür auf, Besuch ist da/
Superstar-Bonus wie Bruno Mars/

(Summer Cem auf "Chinchilla")

Fazit
Das Album ist qualitativ nicht schlecht, neigt jedoch zum bereits oft proklamierten Sellout und wirkt hier und da seelenlos. Neben den angesprochenen Fiaskos sind auch starke Songs dabei, nur hat Summer bei den meisten davon wenig Anteil am Gesamtwerk. Es ist traurig, dass das Soundbild so wirr ist, dass man denken könnte, hier performt ein junger Rapper, der versucht, sich musikalisch selbst zu finden und kein Mitte 30-Jähriger, der nach einer langen Rapkarriere seinen Sound nicht nur gefunden, sondern auch perfektioniert haben könnte. Letztendlich ist es aber die Platte, die man bewertet und auch wenn viele der angesprochenen Hits keiner Eigenleistung des Künstlers entsprechen, sind sie doch sehr gelungen: Wenn man diese gelungenen Tracks gegen die Fiaskos und die textliche Eindmensionalität hält, ist "Endstufe" durchschnittlich.


Vincent Busche



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