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Interview: Steasy ("Statussymbol", Neustart, Politik) – Text

veröffentlicht: Mittwoch, 20.09.2017, 13:56 Uhr
Autor: Max



Fotos: Gunnar Dethlefsen

Wer hätte das gedacht: Nach fast vier Jahren Wartezeit und Ankündigungen dürfen wir uns nun tatsächlich auf ein Steasy-Album freuen. Schnell also ans Handy, schreiben und ein Treffen zum Interview in unser beider Heimatstadt Kiel arrangieren. Als ich ihn in der "Alten Mu" treffe, wirkt er gestresst, muss vorher noch einmal wegen des Trubels um sein kommendes Release telefonieren, bevor wir uns zu einer Rhabarberschorle setzen und uns ausführlich über "Statussymbol" unterhalten – wurde auch Zeit.

rappers.in:
Herzlich Willkommen, freut mich, dich kennenzulernen. Wir haben uns heute in der Alten Mu in Kiel getroffen. Das ist eine ehemalige Kunsthochschule, in der sich viele Künstler und Kleinunternehmen angesiedelt haben, um kreativ zu sein. Hier finden sich verschiedenste, meist nachhaltige, Ideen und Visionen eingekreist von einem 4-Sterne-Hotel, einer Bank und kleinen Kanzleien, Wirtschaftsberatungsgesellschaften etc. – also ein ganz besonderer, fast isolierter Ort hier in der Stadt. Was ist deine Verbindung zu diesem Ort?

Steasy:
Wir haben hier jetzt seit letztem Winter, also nicht ganz ein Jahr, ein kleines Studio.

rappers.in:
Ach, dein Studio ist jetzt auch direkt hier?

Steasy:
Genau, aber in einem anderen Trakt. Ich war jetzt eine Woche im Urlaub beziehungsweise Arbeitsverlagerung auf einer sehr schönen, spanischen Sonneninsel und währenddessen war ZarteLust dort, ich weiß also nicht, wie das da drinnen aussieht. Deswegen treffen wir uns heute hier und nicht direkt im Studio (lacht). Außerdem haben ein paar meiner Jungs hier nebenan ein Büro, in dem ich auch ab und an arbeite und meine Videos teils selbst schneide. Die sind selbstständig und machen Videokram und haben sich daneben dann noch einmal ein Foto- und Videostudio gebaut.

rappers.in:
Wurde hier auch das Album aufgenommen?

Steasy:
Teils.

rappers.in:
Ansonsten ist das hier aber dein kreativer Fixpunkt?

Steasy:
Voll. Also das meiste habe ich nicht hier geschrieben, weil es einfach schon letztes Jahr vorher entstanden ist. Einige Songs habe ich aber hier geschrieben und aufgenommen, zwei, drei davon sind auch auf dem Album. Hier kann man schon sehr kreativ sein. Ansonsten habe ich noch einiges in Hamburg aufgenommen oder einfach zuhause.

rappers.in:
Mittlerweile ist ja auch einiges an Zeit ins Land gegangen, wir alle haben schon relativ lange gewartet. Ich habe mal ein bisschen recherchiert und du hattest 2013 schon während des VBT-Hypes in einem Interview erzählt, dass bald ein Album kommt. Danach noch einmal 2015 angekündigt, nachdem ab und an mal was gekommen war. Dieses Jahr kam wieder eine Ankündigung und ich hatte das Gefühl, dass es diesmal etwas wird. Gibt es einen Grund für die Wartezeit? War das eher spontan, warst du lange Zeit nicht zufrieden oder kam dir einfach immer etwas dazwischen?

Steasy:
Es gibt viele Gründe – die jetzt alle aufzuzählen, das würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen. Das sind verschiedene Sachen: Zum einen hatte ich nach dem Hype erst einmal Urlaub gemacht, danach war noch eine Tour mit Weekend. Hinzu kam, dass ich noch meinen Master gemacht hatte; es war mir wichtig, mein Studium abzuschließen. Daraufhin habe ich mich erst ans Album gesetzt, mich zurückgezogen und ausschließlich daran gearbeitet, auch das hat noch ein wenig gedauert. Ein Großteil war dann eigentlich schon im letzten Jahr fertig, aber das ist dann wiederum an so verschiedenen Dingen gescheitert, sodass es erst dieses Jahr kommt. Zum Beispiel ist mein Mischer vom Studio in Hamburg umgezogen, dann war er auf Tour, teilweise war ich auch noch nicht zufrieden, das ist dann so ein bisschen meinem Perfektionismus geschuldet.

rappers.in:
Du bist ein Perfektionist?

Steasy:
Ich denke, ich habe das in letzter Zeit ein wenig abgelegt, sonst wäre das Album wahrscheinlich immer noch nicht da. Letztendlich haben da einfach viele Faktoren mitgespielt, sodass ich froh bin, dass es jetzt kommt.

rappers.in:
Also ist es fertig?

Steasy:
Es ist fertig, ja, ich habe es abgegeben.

rappers.in:
Und kommt dann auch am 17.11.? Du drückst dich gerne über Hashtags aus und man weiß nicht immer genau, was gemeint ist, vielleicht ist das ja auch gewollt.

Steasy:
Genau, wird jetzt auch noch einmal angekündigt, 17.11.

rappers.in:
Würdest du sagen, dass der ganz große Hype von 2013 abgeschwächt ist? Welche Erwartungen hast du daraus resultierend an die Resonanz des kommenden Albums? Oder gehst du einfach davon aus, dass alle, die dich damals gefeiert haben, auch jetzt das Album auf dem Schirm haben oder backst du kleinere Brötchen?

Steasy:
Nee, ich backe noch viel größere Brötchen (beide lachen). Der Hype ist auf jeden Fall vorbei, keine Frage, aber Qualität setzt sich durch. Da das Album Qualität hat, wird es sich auch durchsetzen.

rappers.in:
Ist es denn ein anderes Level als früher? Da kamen ja immer so ein paar EPs, mal ein bisschen was auf Soundcloud. Bist du da jetzt mit einem anderen Anspruch herangegangen?

Steasy:
Definitiv, ja. Gerade die Themen sind vielfältiger: Ich hatte ja auch vorher schon so ein paar persönliche Dinger, aber da sind jetzt auch noch einmal ein paar in die Richtung auf dem Album. Natürlich kommt der Poser-Rap nicht zu kurz, das ist es im Prinzip. Um noch einmal auf diese Hypegeschichte zurückzukommen: Der ist vorbei, für mich ist das hier ein Neuanfang. Ich sehe mich hier als Newcomer, "Statussymbol" wird ein Neustart. Klar sind noch Fans da: Ich habe beispielsweise gestern das Cover gepostet und die Resonanz war echt nice. Ich bin einfach gespannt und weiß noch nicht, wo die Reise hingehen soll. Dennoch habe ich jetzt Bock, bin motiviert und das Album steht auf jeden Fall in keinem Vergleich zu alten Songs, die ich bisher herausgebracht hatte. Da ist meiner Meinung nach jeder einzelne Song vom Album stärker.

rappers.in:
Erwartet uns denn mehr Persönliches auf dem Album? Denn sonst habe ich das immer nur so ein paar Male durchblitzen sehen: Der Diamonds-Remix war ja relativ beliebt. Gibt es in dieser Richtung jetzt auch mehr, gibt es da einen roten Faden?

Steasy:
Es blitzen immer wieder persönliche Dinge auf, oft vermischt mit diesem Poser-Rap-Ding. Der rote Faden ist schon eher das Selbstgefällige, definitiv. Die Persönlichkeit dahinter wird jedoch auch ein Thema sein. Das persönlich-persönliche Album kommt dann erst danach.

rappers.in:
Das Marius-Album? Du meintest tatsächlich einmal, du seiest in echt weitaus bodenständiger, als du dich gibst.

Steasy:
Habe ich das gesagt? Ja, natürlich. Wäre schlimm, wenn nicht.

rappers.in:
Noch eine Standardfrage, schließlich ist das das erste Interview zum Album: Features?

Steasy:
(Überlegt) Es geht hauptsächlich um mich auf dem Album, deswegen gibt es auch nicht viele Features. Aber es wird ein, zwei, drei Features geben, die ich später bekannt gebe.

rappers.in:
Nun sind ja viele, oft ehemalige, Weggefährten den weiteren Weg mit einem Label zusammen gegangen. Gab es bei dir diesen Gedanken auch mal oder gibt es tatsächlich schon einen Deal, der verkündet wird?

Steasy:
Das kann ich jetzt so sagen. Also ich hatte die Möglichkeit, diesen Labelweg zu gehen, gerade direkt nach dem VBT, da kamen viele Anfragen. Ich saß halt bei einem Major und habe mit denen geschnackt, zu der Zeit konnte ich es mir jedoch nicht wirklich vorstellen, gerade auch mit einem Major. In letzter Zeit hatte ich dann in Anbetracht des kommenden Releases noch viel verhandelt, mich mit vielen unterhalten und habe für mich dann festgestellt: Warum soll ich das mit einem Label rausbringen, also einem "Label-Label", und denen 70% oder noch mehr abgeben, obwohl ich alles bisher alleine gemacht habe?

rappers.in:
Du hast tatsächlich alles alleine gemacht?

Steasy:
Ja. Ich habe mein Geld, das ich verdient hatte, in das Album reinvestiert, habe mir nirgendwo einen Vorschuss geholt oder sowas, habe alles selbst bezahlt, die komplette Produktion. Warum soll ich dann irgendjemandem das fertige Produkt geben, der das dann für mich vielleicht halbherzig herausbringt? Dementsprechend habe ich jetzt einen eigenen Weg gefunden, das herauszubringen, zusammen mit Believe Germany als Vertrieb und mit Marc Leopoldseder, den wahrscheinlich die meisten hier auch noch kennen.

rappers.in:
Sonst hättest Du wahrscheinlich auch aus Kiel wegziehen können oder sogar müssen. Kam dir dieser Gedanke schon mal?

Steasy:
Ich fühle mich hier auf jeden Fall wohl. Klar, ich spiele immer mit dem Gedanken, nach Hamburg zu ziehen.

rappers.in:
Haben ja auch einige deiner Kollegen aus Schleswig-Holstein gemacht.

Steasy:
Echt?

rappers.in:
Scotch zum Beispiel.

Steasy:
Ja, gut. War der nicht auch zwischendurch noch in Berlin? Klar, Hamburg ist immer noch ein Thema, wenn es um Musik geht, ist Berlin natürlich das Ding. Aber nö, ich fühle mich hier wohl, hab' meine Leute, mein Umfeld – kein Grund, wegzugehen.



rappers.in:
Wir haben noch eine Schnellfragerunde. Ich stelle dir ein paar Fragen und du gibst am besten eine möglichst kurze Antwort. Gibt es bei dir jetzt eine Silvester-Tradition, kommt immer an Silvester was Neues?

Steasy:
Nein, keine Tradition.

rappers.in:
Lieblingsrapalbum?

Steasy:
Puh, schwierig, ich muss kurz nachdenken. Ich will nicht "Illmatic" sagen. Steasy – Statussymbol.

rappers.in:
Hast du einen Lieblingsfilm?

Steasy:
Ja, Goodfellas.

rappers.in:
Schafft Holstein diese Saison den Aufstieg in die 1. Bundesliga oder erst nächste?

Steasy:
Boah, das wär killer. 2045 international auf jeden Fall. Sagen wir mal nächste.

rappers.in:
Schönste Stadt in Deutschland außer Kiel?

Steasy:
Plön.

rappers.in:
Merkel oder Schulz?

Steasy:
Schulz.

rappers.in:
WG oder Pärchen-Wohnung?

Steasy:
WG.

rappers.in:
Premium-Box Ja oder Nein?

Steasy:
Wenn überhaupt, dann ne Überbox.

rappers.in:
Lieber entspannte Promophase und weniger verkaufen oder nervige Promophase und viel verkaufen?

Steasy:
Entspannte Promophase.

rappers.in:
Ab jetzt jedes Jahr ein Steasy-Album?

Steasy:
Nein, das wird weiterhin davon abhängig sein, wann ich mit etwas zufrieden bin und wann nicht.

rappers.in:
Das war's erstmal. Jetzt muss ich eine wichtige Sache ansprechen: Und zwar warst du beim Perfekten Dinner. Wie kam es dazu? War das eine spontane Idee, wolltest du das schon länger machen oder war das die Eröffnung der Promophase, die dann doch nicht losging?

Steasy:
Genau, das war der Anfang der Promophase, längste Promophase Deutschrap (lacht). Ich hatte einfach Bock darauf: Auf die Erfahrung Fernsehen und auf die Sendung, denn ich hatte mir gedacht, wenn Fernsehen, dann sowas. Das ist für mich schon ein Format, in dem sich die Kandidaten so geben können, wie sie sind und nichts verzerrt wird. So war es dann auch. Letztendlich war es eine coole Erfahrung.

rappers.in:
Ist ja tatsächlich auch eine der wenige Sendungen, in denen wirklich etwas geschaffen wird. Da wird sich nicht nur über Leute lustig gemacht oder über Fremde berichtet, sondern da machen eben die Personen auch selbst etwas. Würdest du das nochmal machen?

Steasy:
Jap, Promi Dinner halt. Bisher gab es nur eine Kandidatin, die beim normalen und beim Promi-Dinner mitgemacht hat, und zwar diese Dschungelkönigin, die auch Pornos gemacht hat, Melanie Müller. Das ist das Ziel: Promi-Dinner (lacht).

rappers.in:
Wird dann auf Tour, die es hoffentlich bald geben wird, auch gekocht?

Steasy:
Es wird eine geben, aber da werde ich nicht kochen. Ich kann noch nicht genau sagen, wann die sein wird, aber ich schätze irgendwann Anfang nächsten Jahres.

rappers.in:
Hast du viel Deutschrap gehört in letzter Zeit? Gibt es da etwas zu empfehlen? Du hast dich ja auch gern mal negativ über Deutschrap geäußert.

Steasy:
Ja, ich höre viel. Das meiste höre ich mir an, natürlich gerade die großen Sachen. Azzlack-Kram ist für mich gerade etwas viel, da bekomme ich nicht alles mit, sonst höre ich mir vieles an. Die großen Alben finde ich schon sehr stark, vor allem jetzt Cro und Casper. Ansonsten sind das immer so vereinzelte Tracks, es ist ja mittlerweile so, dass man ganze Alben kaum noch durchhört, sondern eher einzelne Songs. Von DCVDNS habe ich noch ein paar Sachen gefeiert, ich müsste auf mein Handy gucken, ich bin da schlecht und irgendwie nicht so spontan (holt sein Handy und schaut nach). Von Bausa habe ich einiges sehr gefeiert, "High Life" von den 187ers habe ich totgehört. Achso: Sero fand ich richtig nice, ist aber, glaube ich, ein bisschen untergegangen. Anscheinend wurde da irgendwie die falsche Strategie gewählt. Hat mir aber sehr gut gefallen.

rappers.in:
Lässt du dich davon dann auch inspirieren oder schaust du eher nach Frankreich oder Richtung USA?

Steasy:
Nee, von den neuesten Rapsachen habe ich mich eigentlich gar nicht inspirieren lassen. Hauptsächlich habe ich meinen eigenen Stil weiterentwickelt und bin dem weitestgehend treu geblieben. Klar: Die Beats sind ein bisschen zeitgemäßer, ansonsten würde mir nichts einfallen, wovon ich mich habe inspirieren lassen.

rappers.in
Glaubst du denn an eine Deutschrap-Blase?

Steasy:
(Überlegt) Nö. Also ich hab' das Gefühl, dass der Markt gerade krass von Trap beziehungsweise Frankreich-inspiriertem Rap überschwemmt wird und dass das irgendwann platzt und die Leute da keinen Bock mehr drauf haben. An sich ist Rap jedoch so vielfältig geworden, da wird nichts mehr platzen.

rappers.in:
Bei dir wird es also nicht in die Trap-Richtung gehen?

Steasy:
Ich habe mich jedenfalls nicht aus Frankreich inspirieren lassen, auch nicht unbedingt aus den USA. Wie gesagt: Die Beats sind teilweise zeitgemäßer, gehen auch vereinzelt in diese Richtung, gerade die erste Single. Aber ich rappe nach wie vor so, wie ich es für richtig halte und nicht wie jemand aus Frankreich.

rappers.in:
Ich hab' mal ein Zitat aus dem VBT-Wiki herausgesucht: "Steasys zahlreiche Merkmale sind unter anderem Cap, Sonnenbrille und seine gerade Körperhaltung, bei der er seinen Kopf nach oben streckt, was ihm trotz Sonnenbrille einen 'hochnäsigen Blick' verleiht, sowie hochnäsiges Benehmen. Außerdem holt Steasy beim Rappen zwischendurch ziemlich oft und stark zwischen zusammengebissenen Zähnen Luft und verwendet ebenso wiederholt das Wort 'Motherfucker'. Auch bezeichnet er sich immer gerne selbst als 'viel zu dope für die Masse' und erwähnt immer seinen 'übertriebenen Style'." Beschreibt das das Album?

Steasy:
Mh, teilweise schon (lacht). Von wann ist das Zitat?

rappers.in:
Ich glaube, 2013.

Steasy:
Es beschreibt das Ganze schon, jetzt wird es aber ausgereifter, wobei ich "Motherfucker" nicht mehr so oft sage.

rappers.in:
Moralische Bedenken?

Steasy:
Nö, ist einfach abgedroschen. Aber ich sage es noch, keine Frage. (lacht)



rappers.in:
Es gibt da noch einen Vorwurf an dich. Wir haben nämlich geschaut, was an negativen Statements öfter über dich zu lesen war oder kommentiert wurde. Dabei wird oft behauptet, du seiest zu inaktiv und habest deinen Hype verspielt. Siehst du das ähnlich?

Steasy:
Mir war der Hype eigentlich immer egal. Ich droppe lieber ein vernünftiges Debütalbum als einen Schnellschuss, bei dem ich dann vielleicht mehr verkaufe, aber das Produkt einfach scheiße ist.

rappers.in:
Tatsächlich hat man ja auch bei einigen, die direkt was rausgehauen haben, gesehen, dass das schnell wieder abstürzen kann. Bei EstA war das ja teilweise der Fall.

Steasy:
Joa, gut. EstA droppt aber einigermaßen kontinuierlich noch was und hat seine Fanbase. Ich glaube aber daran, dass, wenn man es ein wenig ernster angehen und sich tatsächlich auch etablieren will, dann, klar: Ich hätte vielleicht auch früher was Ordentliches bringen können, halte ich den Vorwurf doch für komisch, schließlich kann es dem Fan egal sein, welchen Hype ich nutze und welchen nicht. Entweder du hast Bock auf ein gutes Album oder du willst ein schnell hingeficktes Album, was dann irgendwelche Hypes mitnimmt.

rappers.in:
Tatsächlich halten sich ja viele Fans und Mags für den besseren PR-Berater.

Steasy:
Klar, es wäre auf jeden Fall der einfachste Weg gewesen. Genauso gut hätte es aber dann auch jetzt schon wieder vorbei sein können. Von daher bin ich sehr zufrieden damit, wie es jetzt gelaufen ist. Vielleicht hätte ich es lieber noch ein Jahr früher herausgebracht, dafür ist es jetzt noch besser als vor einem Jahr.

rappers.in:
Was hältst du denn von Formaten wie "Straßenwahl"?

Steasy:
Ich wollte mir dieses Bushido-Ding noch anschauen, habe es bisher aber nicht geschafft. Was genau passiert da?

rappers.in:
Da treffen Spitzenpolitiker bestimmte Rapper, die oft auch in ihrer Meinung einen Gegenpol zu den politischen Ausrichtungen der jeweiligen Partei darstellen. Meist streiten die sich daher eher über einige Minuten und werfen sich irgendwas vor. Du hast davon also nichts geschaut?

Steasy:
Nein. Vielleicht werde ich es mir noch einmal anschauen, aber gerade ist einfach wegen des Albums viel los.

rappers.in:
Hast du denn angesichts der kommenden Wahl Sorge wegen der AfD? Du hattest dich ja schon mal gegenüber MZEE geäußert und erwähnt, dass bei dir schon eine gewisse Sorge vorhanden ist. Ist das jetzt angesichts des kommenden Einzugs in den Bundestag stärker geworden oder siehst du das eher entspannt und man sollte erstmal abwarten?

Steasy:
Mir bereitet das schon Sorgen, ich verfolge den Wahlkampf auch mit Spannung. Ich glaube tatsächlich noch ein bisschen an das Gute in den deutschen Wählern. Die werden schon in den Bundestag einziehen, aber ich denke, dass die nicht so viel Prozent bekommen, wie es aktuell erwartet wird. Zumindest hoffe ich das.

rappers.in:
Sollten sich HipHop-Magazine denn da stärker positionieren oder findest du das unangebracht?

Steasy:
Ich finde es nicht unangebracht, es sollte aber letztlich jedem selbst überlassen sein. Ich habe da auch noch was fertig, was ich aber, wenn überhaupt, erst nach der Wahl raushauen werde.

rappers.in:
Musikalisch?

Steasy:
Ja, aber auch visuell (lacht).

rappers.in:
Ich meine nur, ob du da jetzt ein Facebook-Statement raushaust.

Steasy:
Nein. Ich finde, Künstler sollten sich irgendwie auch künstlerisch ausdrücken, so bekommen sie mehr Aufmerksamkeit und werden einfach ernster genommen, als wenn sie da son Statement meinetwegen auf Facebook raushauen. Sowas finde ich teilweise schwierig. Ich halte es für wichtig, dass Leute mit großer Reichweite, die viele Menschen, teils auch dumme Menschen, erreichen, sich äußern. Ich will nicht sagen, dass das eine Pflicht ist, dennoch finde ich es wichtig. Wenn so ein Til Schweiger "fick die AfD!" oder "wählt nicht die AfD" postet, dann hat das, glaube ich, einen ziemlich guten Effekt. Wenn andererseits Marteria sowas postet, ist es vielleicht ein bisschen dünn, dafür würde der das dann eher künstlerisch machen.

rappers.in:
Was er ja auch schon des Öfteren gemacht hat, gerade mit dem letzten Album.

Steasy:
Genau. Dementsprechend finde ich es nice, wenn Leute mit großer Reichweite sich äußern.

rappers.in:
Und die Magazine? Sollten die Leuten keine Plattform geben, die sich problematisch äußern? Ist es dir zu viel Promomaschinerie geworden und würdest du dir generell mehr Kritik wünschen?

Steasy:
Ich finde es tatsächlich auch wichtig, den problematischen Leuten eine Plattform zu bieten und die zu Wort kommen zu lassen – es ist natürlich schwierig, da dann neutral zu bleiben, die Medien sollten auch kritisch mit dem Ganzen umgehen. Schwieriges Thema.

rappers.in:
Bist du denn ein problematischer Künstler?

Steasy:
Nein, was Politik angeht, zumindest nicht.

rappers.in:
Damit wären wir schon am Ende, vielen Dank für deine Zeit. Gibt es noch Worte an die Leser?

Steasy:
Ja, ich bin sehr erleichtert, dass das Album jetzt kommt und hoffe, es weiß zu gefallen. Wer also Bock hat, mich zu unterstützen, der hat jetzt zum ersten Mal die Chance. (lacht)


(Max)

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