Angemeldet bleiben?

Review: Spongebozz – Planktonweed

veröffentlicht: Mittwoch, 13.05.2015, 19:11 Uhr
Autor: Cuttack





01. Intro
02. A.C.A.B.
03. Che Guevara Flow
04. Killa
05. Bikini Bottom Gangster
06. Planktonweed
07. City of God
08. Vertrau Niemandem
09. No Cooperacion Con La Policia
10. JFK
11. Streetfighter
12. G.T.A. Bikini Bottom
13. Kleinkrimineller
14. Zeit ist Geld
15. Drive by Shooting
16. Hasta La Vista!


Ich schätze, denjenigen, die diese Review nun vor sich liegen haben, muss man nicht mehr erklären, um was es sich bei Spongebozz handelt. Von einigen Parteien konsequent ignoriert, von anderen himmelhoch bewundert, war es doch nahezu unmöglich, den enorm polarisierenden Hype um den rappenden Schwamm zu umschiffen. Demnach dürften nun auch die meisten mit einer schon sehr festgefahrenen Meinung an diese Review herantreten, vermutlich in der Hoffnung, ebendiese bestätigt zu sehen. Neben den zahllosen, schier zelotisch feiernden Fans ist eine nicht zu kleine Gruppe der HipHop-Community nämlich auch absolut kontra dem Imagerap, gegen die Art und Weise des Tiefseebewohners und tritt ebenso voreingenommen an das "Planktonweed" betitelte Erstlingswerk heran. Ich möchte mich vorab von beiden Gruppen distanzieren und spreche mich für eine unvoreingenommene Herangehensweise aus, auch nach dieser Review; fassen wir doch erstmal die Tatsachen, das Potential zusammen. Wer auch immer der Rapper hinter der comichaften Fassade denn nun auch sein mag, er beherrscht sein Handwerk. Er flowt routiniert und hat eine ziemlich reich gefüllte Trickkiste an Rhymepattern in der Hinterhand. Desweiteren zeichnet mit Digital Drama ein durchaus fähiger Produzent für den Klangteppich des Longplayers verantwortlich. Und nicht zuletzt: Ich schäme mich nicht, mich dazu zu bekennen, der Generation anzugehören, die mit Spongebob Schwammkopf aufgewachsen ist, und zu Zeiten, als die Serie auf und ab im TV ausgestrahlt wurde, konnte ich die frühen Folgen quasi auswendig mitsprechen. Warum also nicht? Der gelbe Inbegriff eines popkulturellen Phänomens hätte als Burgerbrater, Schokoladenverkäufer, Aufsichtsperson und Superheld schon einige andere berufliche Umschulungen hinter sich gebracht, warum sollte ein humorvoller, musikalischer Ausflug in die Gefilde des Gangster-Raps da nicht eine durchaus unterhaltsame Sache sein? So betrachtet gibt es für mich eigentlich keinen Grund, besonders wenig oder viel von Spongebozz zu erwarten. Lassen wir das Album für sich sprechen: "Planktonweed"? I´m ready!

"Volles Magazin/
Die Gun ist scharf wie Mexican Salsa oder Jessica Alba/

[...]
Sieh mich an, ich bin der realste in dem Business/
Rapper, redet über Kokain und ich vertick es/
"
(Spongebozz auf "Intro")

Es dauert leider nicht zu lang, bis meine eingangs erwähnte Hoffnung vernichtend niedergeschlagen wird. Das Problem: Spongebozz nimmt sich zu ernst. Wirklich – viel zu ernst. Mir stellt sich schnell die Frage, was er denn jetzt eigentlich sein will: Ein Gangster? Wohl kaum, ein Gangster trägt kein Spongebob-Kostüm. Eine Parodie? Realsatire? Das wäre so mein eigentlicher Gedanke gewesen und das hätte auch eine gute Sache werden können – der rappende Schwamm, der auf humorvolle Art und Weise deutschen Rap vorführt und sich über die Image-Kultur lustig macht, doch auch hierfür fehlt ein elementarer Bestandteil: Der Witz. Es ist fast schon dreist, wie unfassbar uninspiriert und langweilig die Texte auf "Planktonweed" vor sich hinplätschern. Außerdem frage ich mich ganz ehrlich: Warum nimmt man sich als Vorlage für das Image überhaupt Spongebob, wenn man offensichtlich nie auch nur eine Folge davon gesehen hat? Lässt man die Begriffe "Spongebozz Gunshot", "Patrick Bang", "Bikini Bottom Mafia", "Planktonweed" und "Krabbencoke" außen vor, bleibt nur noch ein Gangster-Aufguss mit nervtötender Stimme. Auch sein Sidekick Patrick Bang ist eine derart dümmliche Hommage an "Banger Musik"-Oberhaupt Farid Bang, dass ich ganz froh war, dass er im Gegensatz zu Spongebobs echtem besten Kumpel kein Dasein als Star frönt (ja, kein Applaus, danke). Statt humorvollen Inhalten oder sonstiger kreativer Gestaltung werden Leute mit diversen Waffentypen getötet, Drogen vertickt und Polizisten doof gefunden. Endlos uninteressante Gangster-Klischees in sehr lauwarm aufgegossen also, dazwischen immer wieder redundante Vergleiche, um seine Reime irgendwo in den Text zu packen und eine Vorlage für den nächsten seelenlosen Kauderwelsch zu bieten. Doch ohne jegliche Art von inhaltlicher Substanz, irgendeinen Witz oder jeglicher guten Line bringt auch die immer wieder hochgelobte Technik keinen Mehrwert. Warum zum Henker sollte ich denn eine komplett willkürliche und sinnbefreite Aneinanderreihung von Reimen (die darüberhinaus nicht ansatzweise auf dem Niveau sind, das ihnen immer zugesprochen wird) unterhaltsam finden? Wo ist die Kreativität? Wo ist die Aussage? Sechzehn Tracks ohne auch nur eine gute Line, ohne irgendetwas, das positiv im Gedächtnis bleibt, ohne den geringsten Clue, was dem ganzen denn nun die Daseinsberechtigung verleiht.

Gut, da sich das Album schon inhaltlich auf einem absoluten Nullniveau befindet, sollte wenigstens die musikalische Komponente stimmen, um die lyrische Leistung zu rechtfertigen. Ich nehme es vorweg: Das tut sie nicht. Zwar hat Digital Drama einen durchaus passablen Beat zur Stimme des Rappers konstruiert, Trap- und Dubstepelemente, harte Synths und triefend pathetische Orchester- und Chorsamples Hand in Hand für den besonders intensiven Gangster-Film gezimmert, so dass es zwar für den wirklich fesselnden Mafia-Style entschieden am Flair fehlt, aber trotzdem insgesamt ein hörbares Produkt bildet. Ein solider Beat für einen Representertrack, nur problematisch, dass er diesen Beat gleich sechzehn Mal gebaut hat und Spongebozz sechzehn Mal den selben Track darauf gerappt hat. Die gleichen Flowpattern, die gleichen Inhalte, die gleichen Phrasen. Skippt man in jede Anspielstation hinein, stellt man fest: Alles klingt gleich. Es präsentiert sich dem Hörer ein unfassbar monotones und langweiliges Klangbild und es beweist einfach, dass das Konzept Spongebozz nicht auf Albenlänge funktioniert: Die ersten beiden Titel mag man vielleicht noch in Ordnung finden können, drei oder vier Tracks später wird es langweilig, und ab der zweiten Hälfte der Platte beginnt es zu nerven. Tierisch zu nerven. Da muss einfach um Welten viel, viel mehr Variation rein, musikalisch wie inhaltlich.

"KILLA KILLA KILLA KILLA/
Ich bin ein motherfucking/
KILLA KILLA KILLA KILLA/
Finger am Trigger ich bin Killa/
"
(Spongebozz auf "Killa")

Fazit:
Irgendwie wundert es mich nach Konsum von "Planktonweed" kaum noch, warum der gewaltige Hype aus so ziemlich allem resultiert ist – Beef, Gossip, Gerüchte, Social Media – außer der Musik. Denn wo eigentlich rein von den Fähigkeiten die Rohstoffe für ein gutes Tape vorhanden wären, wurde hier in aller Offensichtlichkeit ein Album für eine schnelle Mark absolut lieblos zusammengewürfelt. Digital Drama liefert sechzehn Mal den selben Beat, Spongebozz rappt sechzehn mal den gleichen Text, spult den gleichen Flow ab und bedient sich der gleichen Klischees, die man schon vor einer Dekade als ermüdend empfunden hätte. Da hilft ihm auch keine überschätzte Technik und kein eigentliches Talent. "Planktonweed" ist in jeglicher Hinsicht ein komplett belangloses, seelenloses, uninspiriertes, langweiliges, monotones und sinnloses Endprodukt einer Marketingkampagne, das rein musikalisch nichts bietet, außer lauwarmen Phrasen von Klischeegangstern aus dem Jahre 2000, Beats von der Resterampe und einer nervigen Stimme. So sehr ich mich bemüht habe, mich darauf einzulassen, die guten Dinge darin zu sehen, so blieb es mir doch unmöglich, ein gutes Haar an diesem lassen. Das Meisterwerk der Juliensblogschen Promoarbeit schlug zuletzt zwar kommerziell ein wie eine Bombe und sicherte sich die Pole Position der Charts, doch in Zeiten, in denen auch Y-Titty, LionT und Die Lochies regelmäßig die Hitparaden erklimmen, sollte man sich vom Gedanken langsam aber sicher verabschiedet haben, dass diese Zahlen noch irgendetwas über musikalischen Wert auszusagen haben.


Cuttack



Bewerte diese CD:

Diese Review wurde 32553 mal gelesen
130 Kommentare zu dieser Review im Forum