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Special: Special: Digged That! VBT – Lieblings-Vorrunden der Redaktion

veröffentlicht: Sonntag, 03.06.2018, 15:21 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi

Das VBT geht 2018 nach acht regulären Turnieren und Ablegern wie dem BLB oder VBT Splash! in die allerletzte Runde – doch anstatt in Wehmut zu versinken und dem größten Battleturnier Deutschlands hinterherzutrauen, sollte man sich lieber auf ein starkes letztes Turnier freuen. Denn auch wenn das Teilnehmerfeld am Anfang der Qualifikationsphase größtenteils aus Newcomern bestand, kamen im späteren Verlauf neue Einreichungen dazu, unter welchen sich viele Perlen und Veterane befinden, die für eins der interessantesten VBTs sorgen könnten. Auch die rappers.in-Redaktion verfolgt gespannt das Turnier und wird darüber berichten. Nachdem wir vor einigen Wochen unsere Lieblings-Qualifikationen preisgegeben haben, folgen nun unsere Top-5-Listen der Vorrunden.

5. x_X: VR3 vs. Stanley Montana



Auf x_X bin ich schon während der VR1 zufällig aufmerksam geworden, weil seine Runde durch die YouTube-Autoplay-Funktion gespielt wurde. Damals habe ich ihn für einen Standard-Vorrunden-Rapper gehalten, dessen Stil noch vollkommen unausgereift und uninteressant war – genau diese negativen Punkte sind in seiner aktuellen Runde aber nicht mehr wiederzufinden. Eher wirkt es so, als hätte der Newcomer von VR2 auf VR3 seinen Stil gefunden, was wohl nicht zuletzt am aggressiven, düsteren Instrumental von Kama liegt, auf dem er sich zum ersten Mal musikalisch richtig entfalten kann. Mit einem The-Purge-Sample beginnend, zieht sich diese Metapher als roter Faden durch die gesamte Runde und wird durch treffende Punchlines ergänzt. Sicherlich muss in den folgenden Runden nochmals eine Steigerung erfolgen, aber nach seiner VR3 ist er auf jeden Fall ein gefährlicher Gegner.

4. mRo: VR3 vs. Till Dean



mRo ist zwar nicht der außergewöhnlichste und interessanteste Rapper, aber ein durch und durch solider MC, der in früheren Turnieren oft genug bewiesen hat, dass er Runden auf konstantem Niveau produziert und ein gefährlicher Gegner sein kann. Auch in seiner VR3 gegen Tilli Dean beweist er das noch mal: mRo rappt mit entspanntem, routiniertem Flow über das klassische Laidback-Instrumental, kickt solide Lines und hat mit 2feels als Gasthook eine passende Wahl getroffen, die das Ganze abrundet. Wenn sich in den nächsten Runden die Videoqualität noch steigert, sollten wir uns über eine lange Teilnahme von mRo freuen können.

3. R3Z: VR3 vs. Anska



R3Z hatte ich bis zu seiner VR3 gar nicht auf dem Schirm, aber nachdem ich mir all seine Runden im diesjährigen VBT angeschaut habe, war ich erstmal beeindruckt: Obwohl – oder gerade weil – er anscheinend für viele eine der Favoriten ist, sind seine Runden durchgehend hochwertig produziert, sauber gerappt und lyrisch stark. Die VR3 ist bisher das Highlight: Das Videokonzept ist, gerade wenn man die kurze Frist bedenkt, sehr gut umgesetzt, R3Z flowt sauber über das eingängige Instrumental von jokobietz und sämtliche Lines sind humorvoll und treffen seinen Kontrahenten. Wer sich noch keine Runde von ihm angeschaut hat, sollte das schnellstens nachholen!

2. Engine Itano: VR3 vs. BlackJack



Zu Engine Itano muss wohl nicht viel gesagt werden: Schon während der Qualifikationsphase war er mein Top-Favorit und diesem Status hat er auch in den Vorrunden alle Ehre gemacht. Eigentlich könnte man hier jede beliebige Runde von ihm anführen, weil sie sich alle auf einem konstant hohen Niveau befinden, aber dank der melodischen Hook und des wundervollen Laidback-Instrumentals sticht seine VR3 dennoch noch mal heraus.

1. Blektro: VR2 vs. Jeyko



Blektro war schon in meiner Top-5-Liste der Qualifikationen vertreten, wo ich ihn noch für seine trashig wirkende Hook kritisiert habe. In seiner diesjährigen VR2, die wieder einmal von Sylvia Scholtes-Werny produziert wurde, hat er aber auch diese Schwäche abgelegt und überzeugt weiterhin durch seinen eigenen, unverwechselbaren Stil, der vor allem durch die synthesizer-lastigen Instrumentals und seinen druckvollen Stimmeinsatz besticht, und humorvolle, unterhaltsame Lines. Einzig und allein habe ich die Befürchtung, dass die Atmosphäre, die er im Einklang mit den Beats seines Hausproduzenten immer aufbaut und seine Runden trägt, verloren geht, sobald er nicht selbst sen Beat nicht picken kann. Wenn er sich aber auch da anpassungsfreudig zeigt, ist er ganz klar einer meiner Favoriten auf den Sieg.

(No My Name Is Maxi)


5. Blektro: VR2 vs Jeyko



Von all den Rappern, die mit originellem Stil gepunktet haben, ist Blektro unter den markantesten. Besonders die Vorrunde 2 liefert wundervollen Kopfnicker-Rap auf einem Instrumental, das so genauso gut in einer Soviet-Disco in den 80ern hätte laufen können. Auch der etwas eigenwillige Vocal-Filter in der Hook entpuppt sich als ziemlicher Grower, die Parts überzeugen mit wahnsinnig griffigem Flow und auch textlich muss sich dieser maskierte Dude nicht verstecken: "Zu deiner Stimme passt nur ein Effekt: Noise Reduction" ist bisher eine der kälteren Lines des Turniers.

4. NiksDa: VR3 vs ne0x



Ich hätte nicht umbedingt erwartet, 2018 Prenzelberg-Vibes wie in den frühen 2012er-Runden zu Gesicht zu bekommen. NiksDa ist ein Typ von YouTube, habe ich mir erklären lassen. Übersehe ich jetzt mal geflissentlich, weil die Runde trotz handwerklicher Unsicherheiten textlich unerwartet bissig und witzig daherkommt. "Deine Gang sitzt hinter dem Busfahrer" ist die Sorte Line, mit der man sich durch die Vorrunden prügelt, auch der Running Gag über ein gestohlenes Fahrrad und eine ganze Menge Tritte gegen das Maskenrapperdasein kommen souverän und lässig. Für Rapper dieser Sparte auf jeden Fall sehr, sehr stabil. Positive Überraschung.

3. Reison: VR2 vs Moses Legg



Reison ist wohl ein ziemlicher Edgeboy. Aber immerhin unterfüttert er all seine Edge mit stimmiger Ästhetik, einem sehr markanten Vocalstil und Bars, die allein durch Energie und Delivery eine ordentliche Wucht entwickeln. In der Runde gegen Moses Legg feuert er auf einem experimentellen Stiff.Scratch-Instrumental aggressive Lines und macht halb-ausversehen einen der cooleren Tracks der Vorrunden. Ein bisschen erinnert das an amerikanische Untergrund-Ästhetik, ein bisschen könnte man auch die Idee bekommen, dass dieser Typ Hollywood Hank sehr gut findet. Auf jeden Fall stilistisch interessant, starke Vocals und auch textlich nicht ohne.

2. Bernd Ohne Namen: VR2 vs Kedos



Handwerklich ist Bernd Ohne Namen natürlich kein Powerhouse. Aber kaum jemand reiht so treffsicher und verlässlich Pointe an Pointe aneinander. Als Bernd Balboa kloppt er in der zweiten Runde einen der verheerendsten Sechzehner des bisherigen Turniers gegen einen Gegner, der gegen so viel textliche Durchschlagskraft ziemlich chancenlos aussieht. "Es wirkt inklusive Rap eher wie inklusiver Rap" oder "sagen, dass du Durchschnitt bist, beleidigt 90% des Teilnehmerfeldes" sind gemein, fantastisch geschrieben und treffen ziemlich ins Schwarze. Wenn er diese Form aufrecht erhält, wird Bernd womöglich noch einmal auch ohne Flow eine ganze Menge Rapper schmeißen können.

1. Der Don: VR1 vs Wubong



Über den Kurs der Vorrunde setzt Der Don Maßstäbe dafür, was es bedeutet, von oben herab zu rappen. "Abendessen fällt aus", "du liest kein Book, dafür Zähne vom Boden auf" und "Nein Sohn, du darfst nicht ins Internet". Mit Bassrows Sprache und Delivery würde alles zu einer Punchline werden, aber dass er dazu noch wortwitzig und versiert textet und unglaublich flowt, macht ihn zu einer ziemlichen Macht im Teilnehmerfeld. Alle drei Runden sind Bretter, jede einzelne mit ihrer eigenen Auswahl an wunderbar absurden Representer-Lines, experimentellen Beats und einem Don im definitiven Favoritenmodus.

(Cuttack)

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