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Review: Sonny Black & Frank White – CCN2

veröffentlicht: Donnerstag, 17.09.2009, 12:47 Uhr
Autor: holi





01. Intro
02. Reloaded
03. Carlo Cokxxx Flashback
04. Zwei Turntables und ein Mic
05. Eine Chance
06. Ich wollte eigentlich nur rappen
07. Der Song lacht
08. Komm klar, Spast!
09. Sonny Black – Ich war noch nie wie die
10. Zukunft Pt. II
11. Unsterblichkeit
12. Die Krähen kreisen
13. Frank White – Albtraum
14. Vorbild
15. Highlife
16. Ich rap für
17. Zu Gangsta

Premium Edition:
18. Zeiten ändern sich Pt. II
19. Wie ein Tattoo
20. Straßengangsound
21. Ich rap für RMX
feat. Kay One

"Das ist der Carlo Cokxxx Flavour – ihr wisst bescheid!" verkündet das Intro und schickt einen direkt in die Zeit des ersten "Carlo Cokxxx Nutten" zurück, wenn eine aggressive Frauenstimme ankündigt, dass es der Rapszene wieder an den Kragen geht. Und auch der erste echte Track macht allein mit seinem Titel deutlich, egal, ob er nun "Reloaded", "Die Zwei Türme" oder "Die Kammer des Schreckens" lauten mag: Hier geht es genau da weiter, wo beim ersten Teil aufgehört wurde. Was auch sicher alle einstigen CCN-Fans – abgesehen von Saad vielleicht – erfreuen dürfte. Diese "Carlo Cokxxx Flashback"s gibt es über die volle Distanz des Longplayers jedoch eher selten und schnell wird klar: Sonny und Frank wissen, wo sie heute sind und machen keinen Hehl daraus, dass sie mittlerweile das sogenannte Establishment bilden, gegen das sie im Jahre 2002 noch lautstark rebellierten.

"Ich bin jetzt oben, auf einmal pass' ich in das Bild/
Und mein Buch, auf einmal wird das Ding verfilmt/
"
(Sonny Black auf "Ich war noch nie wie die")

Aus "wir werden es schaffen" wird also "wir haben es geschafft". Betrachten wir weiter das Themenspektrum, stoßen wir zunächst auf "Ich wollte eigentlich nur rappen", zwei separate Storytellings über die Schattenseiten des Erfolgs. Direkt im Anschluss "Der Song lacht" – eine Hommage an Jay-Zs "Song Cry", wie schon am Titel zu erkennen – über das harte Leben auf der Street. In eine ähnliche Kerbe schlägt (oder besser: sticht) "Wie ein Tattoo", wenn auch mit etwas melancholischerer Grundstimmung. Auf "Highlife" schließlich wird mit allen Frauen "...ausser Mutti" abgerechnet, aufgebaut aus Segmenten der Hook des "Vom Bordstein bis zur Skyline"-Klassikers "Drecksstück".

"Nimm deine sieben Sachen, deine sieben Taschen/
Heute wirst du nur gefickt, damals war es Liebe machen/
"
(Frank White auf "Highlife")

Den Höhepunkt für eingefleischte Fans dürfte jedoch "Zukunft Pt. II" darstellen. Auf einem leider nicht mal ansatzweise an Bushidos einstigen instrumentalen Ausflug in die fabelhafte Welt der Amélie heranreichenden Beat findet hier die dreieinhalbminütige Aussprache der beiden Protagonisten über die persönliche Streiterei nach Bushidos Weggang von Aggro Berlin statt. Die schöne Stimmung des einzigen Thementracks auf dem Album, den es so noch nicht gab, wird leider von einem etwas überzogen kitschigen Outro leicht ins Lächerliche gezogen. Aber, wen diese Thematik wirklich interessiert, der kann sich bestimmt auch damit anfreunden. Den Fehler, in Frage zu stellen, wie relevant es für die Deutschrap-Szene nun ist, ob die beiden wieder BFF sind oder einfach nur Kollegen, die ein Rapalbum zusammen aufnehmen, werde ich an dieser Stelle nicht machen.

"Erklär mir bitte, was da schief gelaufen ist/
Erklär's mir, warum hat uns dieser Traum gefickt?/
"
(Sonny Black auf "Zukunft Pt. II")

Der Rest des Albums handelt so ziemlich das Standard-Rapper-toire eines anständigen unanständigen Albums ab. Selbstverherrlichung, fiktive Feinde ficken und so weiter. Was will man mehr, mag sich der ein oder andere fragen. Und hier liegt auch das Hauptproblem: Man findet einfach keine wirklichen Höhepunkte. Man hat fast alles schon einmal ähnlich gehört, ohne dass eine raptechnische Steigerung stattfindet. Aber Bushido und Fler sind nun mal Bushido und Fler, ganz gleich, wie sie sich nennen mögen. Und so ist "Carlo Cokxxx Nutten 2" auch genau das geworden, was es nur werden konnte – und wird Hater genauso wenig bekehren wie Fans enttäuschen...

"Keiner in ganz Deutschland kann mich nachahmen/
Ich hänge deine Schwester auf an ihren Arschhaaren/
"
(Sonny Black auf "Reloaded")

Wer jedoch sehr wohl enttäuscht wird, sind vermutlich die paar Objektiven irgendwo dazwischen, die sich vor allem auf die Instrumentals gefreut haben. Denn wir erinnern uns: Siegesgewiss kündigte ein für sämtliche Produktionen verantwortlich zeichnender Bushido in den spärlich gesäten Interviews im Vorlauf an, wie grandios die neuen Beats werden würden, welche sogar komplett ohne Samples entstanden seien, ohne dass man dies überhaupt merke. Tja... Wunderbärchen, möchte man da meinen. Zumindest, bis man die erste Hälfte des Albums hört und von da an hofft, dass die zweite doch bitte nicht genauso klingen möge. Denn zugegeben: Anis Ferchichi hat eine eigene Note, was seine Stücke angeht, und immer wieder ein echtes Glanzstück in der Hinterhand, aber ganz ohne Samples wirken seine Beats sehr uninspiriert und klingen einfach alle zu ähnlich. Für sich allein genommen sind keine wirklichen Totalausfälle vorhanden, aber alle am Stück zu hören, verursacht bei mir ein schreckliches Klingeln in den Ohren. Hits wie "Unsterblichkeit" oder "Zu Gangsta" und wenige weitere Ausnahmen will ich an dieser Stelle nicht tot reden, aber gerade beim kritischen Abgleich mit dem, was die beiden Berliner fortsetzen wollten ("Carlo Cokxxx Nutten" und "Vom Bordstein bis zur Skyline"), kann man weder große Ähnlichkeiten noch eine ähnlich gute Qualität der musikalischen Untermalung ausmachen. Und ob sie nun Außenseiter oder die Meistverdienenden der Szene sind, gerade diese Untermalung hat nunmal einfach einen Großteil des "Carlo Cokxxx Flavour" ausgemacht und selbige macht den Nachfolger nun lediglich zu einem soliden Kollabo-Album...


holi (Nico Mönnig)



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