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Review: Silla – Die Passion Whisky (Premium-Edition)

veröffentlicht: Dienstag, 18.12.2012, 21:01 Uhr
Autor: Redaktion





01. Gewinner feat. Julian Williams
02. D.P.W.
03. Die Passion
04. Silla der Killa
05. Ali & Stavros Skit I
06. Zweiter Frühling
07. Genau wie du
08. Kurz vor dem Blackout
09. Sommer
10. Sag mir was du siehst
11. Geblendet vom Schein
feat. Moe Mitchell
12. Rap Casablanca feat. Fler & G-Hot
13. Herbst feat. David Pino
14. Ali & Stavros Skit II
15. Panik in der Disco
16. Auf Leben und Tod
feat. RAF Camora & MoTrip
17. Der erste Winter feat. Cassandra Steen
18. # KKK

Bonus-Tracks:
19. Navigation feat. MoTrip & JokA
20. M-A-S-KULIN feat. Fler, G-Hot & Moe Mitchell

Das Jahr 2012 war eine gleichermaßen produktive wie erfolgreiche Zeit für Silla. Die über das alte Label I Luv Money Records veröffentlichte "Monsterbox" verkaufte sich gut, als Neu-Signing bei Flers Label Maskulin gab's dann auch gute Charteinstiege mit "Südberlin Maskulin II" und dem "Maskulin Mixtape II". Am Ende des Jahres folgt mit "Die Passion Whisky" nun das erste Solo-Release über Maskulin und die wichtige Bewährung als Solokünstler. Die Erwartungen an das Album waren im Vorfeld so hoch wie diffus – gerade, weil Silla weder inhaltlich noch musikalisch in ein typisches Schema passte. Zumindest der letzte Punkt wird sich auch nach dem Album nicht ändern.

"Die Passion Whisky" ist trotz Namen und Cover weder musikalischer Drogenentzug oder Alkoholverherrlichung, noch christlich geprägte Erlösungslyrik. Die früheren Alkoholprobleme werden stellenweise noch thematisiert ("D.P.W."), prägen aber nicht das Gesamtkonzept. Vielmehr ziehen sich drei Themenkomplexe durch das Werk. Zum einen sind das Songs, in denen es mit einer optimistischen Grundhaltung um die Aufarbeitung der Vergangenheit, die Herausforderungen der Gegenwart und den Aufbruch in die Zukunft geht. Neben bereits genanntem "D.P.W." und der Single "Die Passion" trifft das in erster Linie auf den starken Opener "Gewinner" mit Julian Williams zu. Ein Song mit positiver Message, aber kein billiger "Du kannst es schaffen"-Kitsch amerikanischer Pathosfilme, sondern bei aller positiven Stimmung immer reflektiert und balanciert:

"Du musst die Welt versteh'n, dich orientier'n und über Grenzen geh'n/
Auch wenn du scheiterst, musst du mit den Konsequenzen leben/
Wer hätte gedacht, dass du noch stehst nach all den Rückschlägen/
All diese Zeit kann dir niemand mehr zurückgeben/
"
(Silla auf "Gewinner")

Selbstzweifel und Reflexion dominieren die zweite Stilrichtung auf "Die Passion Whisky". Frei nach jahreszeitlichen Themen sind "Zweiter Frühling", "Sommer", "Herbst" (feat. David Pino) und "Der erste Winter" (feat. Cassandra Steen) episodenhafte Reflexionen über menschliche Beziehungen, Schicksale und die Rolle von Verantwortung und die eigene Verarbeitung ebendieser. An manchen Stellen wird es sehr poetisch, mit gefährlicher Nähe zum Gefühlskitsch. Beispielsweise wenn David Pino auf "Herbst" singt: "Doch du bist weit, weit weg, durch Täler über gold'ne Hügel, fliegst mit Engelsflügeln immer weiter weg, ich werde immer Abschied nehmen, wenn die Blätter regnen." Aber letztendlich gleitet keiner der Songs in Richtung Kitsch ab. Silla verarbeitet diese Themen ohne weinerliche "Deepness", ohne simple Gefühlshascherei und ohne emotionale Missionierungsattitüde gegenüber dem Hörer. Ob man ergriffen ist, entscheidet sich auf der Basis eigener Erfahrungen, Lebensumstände und der Fähigkeit, die Texte vor einem persönlichen Hintergrund spontan zu erfassen. Silla bleibt immer angenehm distanziert, aber nie emotionslos. Besonders deutlich wird das in der Klavierballade "Herbst":

"Es ist Herbst, die Schmerzen haben nachgelassen/
Es fällt schwer, das beste aus jedem Tag zu machen/
Deine Tagträume rächen sich oft nachts/
Nach außen wirkst du froh, doch jedes Lächeln kostet Kraft/
"
(Silla auf "Herbst")

Der Großteil der restlichen Songs ist überwiegend stärker auf Representer-Rap ausgerichtet. Auf "Silla der Killa" wird Straßenattitüde zelebriert, "Geblendet vom Schein" fährt ein solides Magazin an Punchlines auf. Gleiches gilt für den Kopfnicker "Auf Leben und Tod" mit MoTrip und RAF Camora. Dagegen nervt "Rap Casablanca" mit einem miesen Refrain und sehr vakuumartigen Inhalt und auch der zweite Labeltrack "M-A-S-KULIN" mit Fler und G-Hot liefert trotz des elektronischen Beats von Djorkaeff und Beatzarre nicht mehr als der platte Titel verspricht. Die beiden "Ali & Stavros"-Skits sind derart überflüssig und gewollt, dass sie nur zum Skippen taugen. Das sind aber negative Ausreißer, die den Gesamteindruck nur bedingt trüben. Dazu hat auch die starke Produzentenriege beigetragen: Djorkaeff und Beatzarre, MMinx, Ilan und Produes haben die meisten Produktionen beigesteuert. Trotz einer Vielzahl von Produzenten ist der Stil des Albums erstaunlich einheitlich geworden. Einige Tracks mit 90er-Einschlag, an manchen Stellen Dirty South-Einflüsse, 808s und viele Samples und Cuts, ebenso wie reine Klavierballaden oder Elektrosounds.

Insgesamt lebt "Die Passion Whisky" von der Stärke Sillas, sich ganz auf seine Stimme und Inhalte zu verlassen. Alles wirkt authentisch, emotional und konzentriert, egal, ob Straßenrap oder deepe Klavierballade. Gerade die Selbstzweifel, die sich an vielen Stellen manifestieren, geben dem Album seine inhaltliche Ausgeglichenheit und verhindern eine zu einseitige Ausrichtung der Songs. Nirgends wird missioniert oder verkrampft irgendeine Message transportiert. Die großen Highlights fehlen, die große Innovation oder technische Brillanz ebenso. Aber das braucht es nicht, wenn das Niveau und die handwerkliche Qualität stimmen. Hier ist beides der Fall und das Potenzial reicht über das erfolgreiche Jahr 2012 hinaus. Ganz sicher.


(Philipp)



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