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Interview: Schote über WSP, Haterkommentare, DLTLLY & Fabian Römer

veröffentlicht: Freitag, 31.03.2017, 11:16 Uhr
Autor: Jahzumott


Das letzte Release "Neue Bars Sued" liegt nun gut zwei Jahre hinter uns und ab dem 31. März steht mit "SCHUSS" die neue Platte des Karlsruhers Schote in den Regalen zum Abholen bereit: Um vorab auch einmal unter den Lack des Civics zu kratzen, haben wir uns mit dem WSP-Rapper auf ein Pläuschchen getroffen, um mehr über sein Signing, DLTLLY, die Zukunft und natürlich Fabian Römer zu erfahren.



rappers.in:
'Nabend, Schote! Korrekt, dass du dir die Zeit genommen hast, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Schote:
Peng!

rappers.in:
Mit "SCHUSS" kommt kommende Woche dein zweites Release nach dem Signing bei WSP auf den Markt, nachdem du dich 2013 im VBT das erste Mal einem breiteren und unter Umständen kommerzielleren Publikum präsentiert und 2014 den zweiten Platz beim Moment of Truth vom Splash! Mag belegt hast: Wie siehst du deine eigene Entwicklung vom ersten Tape, das 2009 erschien, bis heute und was hat sich am meisten verändert?

Schote:
Ich glaube, wir sind insgesamt einen Tick professioneller geworden. Auch wenn wir immer noch gut verballert arbeiten, wird schon immer drauf geachtet, dass wir abliefern. Die auffälligste Veränderung ist örtlich. Seit zwei Jahren haben wir Studioräume, was alles bisschen upgesteppt hat. Inhaltlich habe ich mich wohl nicht groß verändert. Natürlich finde ich meine jetzigen Tracks viel besser als die früheren, aber das ist ja auch keine Überraschung – kennt man. Gut, bei Ferris MC ist es sicher andersrum.

rappers.in:
Kannst du denn mittlerweile von der Musik leben oder hat sich in diesem Punkt bei dir nichts merklich verändert?

Schote:
Es geht jetzt auch um Geld, klar. Um aber wirklich davon leben zu können, so richtig mit eigener Wohnung und so, müsste noch ein bisschen mehr gehen.

rappers.in:
Und wie erlebst du so den Musikeralltag seit dem Signing? Hat da überhaupt eine Veränderung stattgefunden oder bekommst du von dem ganzen Businesskram überhaupt nichts mit und machst einfach weiter Mukke – nur halt in den Studioräumen?

Schote:
Wir haben uns ja für ein sehr familiäres Label entschieden, daher hat man nie das Gefühl bekommen, jetzt in diesem Business stattzufinden. Im Universal-Gebäude herumzulaufen, ist immer noch gut verrückt, sicher. Aber das sind ganz kurze Ausflüge. Wir sind im Studio und machen geilen Scheiß, alles andere bockt gar nicht so.

rappers.in:
Du machst seit fast einem Jahrzehnt Musik mit Enaka. In der Vergangenheit habt ihr zusammen gewohnt und zu WSP hast du ihn auch direkt mitgenommen. Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit den anderen Künstlern wie zum Beispiel Mädness und Döll vorstellen? Besteht da überhaupt in irgendeiner Weise Kontakt?

Schote:
Schote ist im Prinzip Enaka und ich. Bei uns ist alles 50/50. Wer wen zu WSP mitgenommen hat, kann man gar nicht so genau sagen. Mit Mädness und Döll waren wir auf einer kleinen Tour und es wurde heftig was weggefreestylt. Ansonsten haben wir jetzt keinen großen Kontakt. Wenn man sich sieht, ist es geil, genauso mit Dexter und den anderen Boys. Waldo der Funker wohnt auch in Karlsruhe und ist ein guter Freund, sodass man schon ab und zu abhängt.

rappers.in:
Dann hast du vermutlich auch noch keinen wirklichen Draht zum neuen Signing Juicy Gay. Prinzipiell ist seine und die stilistische Ausprägung der anderen Rapper, die bisher bei WSP waren, ja eher unterschiedlich. Werdet ihr als Künstler des Labels in solche Entscheidungen eingebunden?

Schote:
Juicy habe ich kennengelernt, geiler Typ. Die Lazy Lizzard Gang ist ja jetzt auch bei WSP – die haben ihre eigene kleine Abteilung. In unserem Umfeld wird gute Mucke gemacht, da ist die Richtung an sich egal. Ich kann reinen Gewissens behaupten, dass ich eigentlich alles gut finde, was die anderen machen. Wir entscheiden zwar nicht über neue Signings als Künstler, aber man redet schon über sowas.



rappers.in:
Jetzt sind ja schon drei Videos als Vorgeschmack auf die neue Platte auf Youtube. Bist du mit der Resonanz bisher zufrieden?

Schote:
Grundsätzlich bin ich zufrieden, aber es darf schon ruhig mehr Resonanz geben. Haterkommentare sind immer willkommen. Ich mag es, wenn Menschen dumm sind. Aber natürlich freut man sich auch, wenn jemand das, was man macht, gut findet.

rappers.in:
Bei der Premiere auf HipHop.de hat dein Song "Turbo" bisher eher negative Stimmen laut werden lassen und auch das Verhältnis von Likes und Dislikes ist eher negativ ausgefallen. Glaubst du, das liegt an HipHop.de als Plattform oder am Song selbst? Und wie wichtig ist die Platzierung der Singles auf der richtigen Plattform für die Promophase?

Schote:
Ja, das Video auf HipHop.de ist quasi eine Bewerbung für DISSLIKE. Ich denke schon, dass es an der Community liegt. Vielleicht ist das aber auch mein erster Track, der ein bisschen polarisiert. Grundsätzlich ist mein Style gut arrogant und irgendwie habe ich das Gefühl, die Kids denken, das dürfen blonde Boys nicht. Also wenn man den Penis gelutscht haben will, lädt man Videos auf einem eigenen Channel hoch, aber da fehlt dann die Competition.

rappers.in:
Viele Rapper, die in den letzten Jahren ansatzweise erfolgreich waren, sind mit der Zeit "erwachsen geworden" und widmen sich "ernsthafterer Musik", sodass sich der Sound über die Jahre schwer verändert hat. Was hältst du von solchen Leuten?

Schote:
Ach, solange das nicht kalkuliert rüberkommt, ist das legitim. Niemand will 20 Jahre immer dasselbe machen.

rappers.in:
In der Vergangenheit hast du aber einen Song releast, der sich voll und ganz dem früheren RBA-Rapper F.R, heute Fabian Römer, widmet, der selbst gut als Paradebeispiel einer solchen Entwicklung dient. Gibt es dazu eine lohnenswerte Geschichte oder entstand das aus einem spontanen Moment heraus? Was war die Referenz oder der Auslöser dafür?

Schote:
Mir ist nur mal aufgefallen, dass er ziemlich steril ist. Den Gedanken wollte ich weitergeben. Das ist alles.

rappers.in:
Dein eigener Sound hat sich dagegen über die Jahre eher pointiert verändert und fußt noch immer auf kräftigen Instrumentals, Stimmgewalt und zwei riesigen Eiern – und trotzdem wirst du immer erfolgreicher. Ist es ein schmaler Grat zwischen sich treu bleiben und künstlerischer Stagnation? Wie bewältigst du diesen Umstand?

Schote:
Stagnation würde ich das nicht nennen. Sich selbst treu zu bleiben, schließt ja mit ein, dass man sich verändern darf, wenn man Bock drauf hat. Ich denke, ich mache genau das, was ich machen will. Bestimmt wird sich mein Geschmack auch mal ändern.

rappers.in:
Dass du true zum Game bist, hast du dadurch bewiesen, dass du trotz des Labeldeals noch immer bei Don't Let The Label Label You am Start bist und dich dem direkten Zweikampf im Cypherkreis stellst – zum Beispiel nächsten Monat in München gegen Jack Dragon. Hegst du in Zukunft Titelambitionen oder bleibt DLTLLY eine willkommene Abwechslung?

Schote:
Ich bin großer Fan von der Plattform. Ich suchte den Scheiß – nur logisch also, da ab und zu mal zu battlen. Jack Dragon nervt, das muss jetzt auch mal gesagt werden. Wenn das Ganze nicht so verdammt zeitaufwendig wäre, würde ich das häufiger machen, aber erstmal bleiben das Ausflüge. Die Priorität liegt schon auf der Mucke.

rappers.in:
Und wenn du dir einen Wunschgegner aussuchen könntest, egal wie fame – wer wäre das?

Schote:
Natürlich Ercandize. Ich will ja auch mal gewinnen.

rappers.in:
Eine letze Frage noch: Was kommt nach "SCHUSS" und dem Battle gegen Jack Dragon auf uns zu? Was ist geplant oder eventuell noch eine Wunschvorstellung?

Schote:
Ich habe vor, jetzt erstmal ein lockeres Tape rauszuballern. So ein Album ist immer sehr anstrengend. An den Tracks feilt man lange und am Ende muss alles stimmen und so. Das ist irgendwie auch Arbeit und das sollte Musik an sich nicht sein. Zumindest sollte die Arbeit nicht überwiegen. Und im Grunde will doch jeder einfach nur guten Rap machen.

rappers.in:
Danke für das Interview!

Schote:
Ey, Danke dir!



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Autor: Falk Vogel

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