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Interview: Sam ("Kleinstadtkids", Technik, Feedback) – Text

veröffentlicht: Montag, 13.03.2017, 10:21 Uhr
Autor: kollin


Samson und Chelo finden für mich in der HipHop-Szene irgendwie nicht so sehr statt, aber gehören dennoch dazu. Komische Beschreibung. Aber tendenziell ist das gut, denn dadurch hatten sie das Privileg, zwei Jahre lang mit ihrem Debütalbum Live spielen zu dürfen. Für die Fans ist das auf der einen Seite zwar auch ziemlich cool, auf der anderen Seite mussten sie sich deshalb aber drei Jahre auf das neue Album gedulden. Jetzt, wo ihr zweites Album über Chimperator im Handel ist, haben wir uns das zum Anlass genommen und mit den beiden Brüdern über die verschiedensten Themen gequatscht.


rappers.in:
Hey Samson, hey Chelo! Danke, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt. Wie geht es euch?

Samson:
Sehr gut tatsächlich. Es kann endlich wieder losgehen!

rappers.in:
Es gibt bisher echt wenige Interviews zu eurem Album. Bin ich früh dran oder habt ihr tendenziell dieses Mal nicht so die Motivation dafür?

Chelo:
Gute Frage, um ehrlich zu sein.

Samson:
Wir haben schon ein paar gemacht, aber die kommen alle noch. Du bist aber natürlich auch gut vorbereitet und früh dran!

rappers.in
Ihr habt schon drei Videosingles veröffentlicht. Seid ihr bisher zufrieden? Seid ihr dann auch Menschen, die sich sämtliche Kommentare durchlesen, oder lasst ihr das eher sein?

Samson:
Ich finde, es ist sehr gut angekommen. Ich habe nichts Schlechtes gelesen und das meiste war eher nach dem Motto "Hey, das ist ziemlich gut". Ich habe auch ein wenig erwartet und gehofft, dass es so sein wird, weil wir diesmal viel Arbeit reingesteckt haben.

rappers.in:
Bei welchem Track konntet ihr die Stimmung am besten festmachen?

Chelo:
Ich denke, bei "Wach auf" hatten wir das meiste Feedback. Das war aber auch der erste Song in der Promophase. Das Video war dope und der Track ist natürlich auch mega. Bei "Alles" ist es aber auch sehr, sehr positiv. Das ist aber auch ein gutes Video und ein super Song.

rappers.in:
Ihr wart musikalisch auch ewig verschwunden: Zwischen euren Releases liegen ungefähr drei Jahre, was für Deutschrap-Verhältnisse ziemlich lange ist. Habt ihr einfach so lange am Album gearbeitet oder euch einfach mal eine Auszeit gegönnt?


Samson:
Wir haben 2014 unser Album veröffentlicht und hatten einfach das Glück, dass wir mit diesem zwei Jahre lang live spielen durften, was ziemlich ungewöhnlich im Deutschrap ist. Das liegt uns auch einfach mega gut und da hatten wir einfach nicht so die Zeit, uns vom Alten zu verabschieden und zu sagen "Komm, wir machen nun was Neues".

rappers.in:
Alle im Chimperator-Camp sind generell ziemlich gut live unterwegs. Ihr geht nicht alle unbedingt auf die Eins, aber die Tourneen sind immer gut besucht.

Chelo:
Live machen die auf jeden Fall richtig gute Arbeit, das stimmt!

rappers.in:
Kommen wir zum Album: Musstet ihr bei den Arbeiten viele Kompromisse treffen und Tracks verwerfen, weil es einem nicht gefallen hat?

Samson:
Nein, so extrem ist das nicht. Wenn, dann war es so, dass ich mal einen Text geschrieben habe und Chelo meinte "Mach es doch mal anders, so ungefähr". Dann habe ich das auch so gemacht und das war auch besser. Es sind immer nur Kleinigkeiten, die geändert werden, weil der andere einen Verbesserungsvorschlag hat. Aber der Fall, dass es ein Song gar nicht schafft, weil er einem nicht gefällt, kam nicht vor. Die Musik entsteht generell auch in beiden Köpfen bei uns.

rappers.in:
Ihr streitet euch generell eher weniger, oder?

Samson:
Das ist eine ziemlich gute Mischung bei uns, denn ich habe mehr die Lust, schöne Musik zu machen, und Chelo denkt dann immer in die Richtung "Wir brauchen das für die Live-Shows und es wäre doch geil, wenn das an der Stelle noch abgeht". Der Mix ist dann immer gut geworden.

rappers.in:
Bei "Kleinstadtkids" geht es ein wenig um eure Wurzeln und dass es nicht immer die große Stadt sein muss. Ist das Album demnach ein autobiographisches Werk von euch?

Samson:
Das Album ist schon sehr persönlich, da es von unserer Heimat handelt. Und wenn man über sein Zuhause spricht, ist es natürlich immer etwas Persönliches und daher ist es auch automatisch ein sehr persönliches Album geworden. Aber wir haben nicht gesagt "Wir machen nun was krass Persönliches", sondern ich wollte einfach das erzählen, was wir sind, und ich wollte bei den Texten einfach echt bleiben und das ist uns wohl gelungen. Deshalb kommt es den Hörern auch so persönlich vor.

rappers.in:
Wie kommt man auf so einen Albumtitel? Habt ihr euch da hingesetzt und euch ist das dann als Arbeitstitel eingefallen?

Samson:
Wir waren viel unterwegs und haben dann irgendwann gedacht, dass wir wieder mal ein neues Album machen sollten. Dabei haben wir einfach reflektiert, dass wir nun machen, was und wer wir sind. Dann ist uns einfach eingefallen, dass, wenn wir durch Berlin laufen, es zwar keiner versteht, aber im Innern sind wir voll die Ochsenhausener – Kleinstadtkids eben. So ist der Titel dann zustande gekommen.

rappers.in:
Kann man den Titel auch als Kritik gegenüber Menschen verstehen, die es momentan alle für "Projekte" nach Berlin oder in andere Großstädte zieht?

Samson:
Nein, wir sind ja selbst in die Großstadt gezogen. So ist das gar nicht gemeint, sondern eher, dass die in der Großstadt auch mal sehen, wie schön es in der Kleinstadt sein kann. Dass es nicht immer Berlin sein muss, um cool zu sein, sondern dass es einem auch viel mehr geben kann, wenn man in der Kleinstadt ist.

rappers.in:
Ihr habt ja mal ein Video in Tokio gedreht: Hat der Trip eure Meinung bestärkt?

Samson:
Tokio war damals krass. Sowas habe ich noch nie gesehen. Das war einfach zu groß. In so einer Stadt hätte ich zum Beispiel keine Lust zu leben, das ist einfach zu krass. Aber ich weiß nicht, das war einfach schon lange her. Ich glaube nicht, dass das noch so einen großen Einfluss auf das Album hatte.


rappers.in:
Wie würdet ihr euren Sound auf "Kleinstadtkids" beschreiben? Ich habe vorhin einen Beitrag über euch gelesen, in dem man euch in die Schublade "Pop-Mainstream" packt.

Samson:
So würde ich es nicht beschreiben. Ich würde sagen, wir machen Rap mit Pop-Einflüssen. Ich finde es schwer, so etwas einzugrenzen. Es ist diesmal aber auf jeden Fall sehr musikalisch geworden. Sehr echt, es wurden sehr viele Live-Instrumente eingespielt. Ich wüsste nun nicht, in welche Schublade ich es stecken soll.

rappers.in:
Auf eurem Album behandelt ihr das Thema, dass alles nicht so gut ist wie beim ersten Mal. Baut sich bei euch schnell eine Monotonie auf?

Samson:
Es gibt schon Dinge, die beim zweiten und dritten Mal besser sind, aber das erste Mal bleibt einem einfach immer im Kopf. Egal, was man macht, das erste Mal gibt einem dieses Gefühl, dass man so etwas noch einmal machen möchte oder keinen Bock mehr hat. Das ist einfach entscheidend daran.

rappers.in:
Gibt es einen Moment, den ihr noch einmal zum ersten Mal erleben möchtet?

Chelo:
Ich glaube schon, dass es was Besonderes war, das erste mal auf der Bühne zu stehen und Live zu performen und das gleich vor 4000, 5000 Menschen. Davor hat man halt vor 20, 30 gespielt oder dem Freundeskreis. Das war definitiv etwas, was man nie vergessen wird. Die erste Tour war auch unfassbar. Es gibt echt viele Momente, die besonders waren.

Samson:
Die erste Tour mit Cro war auch krass.

rappers.in:
Ich habe mir heute auch mal euer erstes Album angehört und direkt danach die neue Platte. Ihr habt euch auf jeden Fall auch sehr gesteigert.

Chelo:
Ich finde einfach, da ist eine Entwicklung zu sehen.

Samson:
Das war das beste, was wir hätten machen können. Jetzt ist es einfach so, wir haben drei Jahre daran gearbeitet und haben uns entwickelt. Das hört man auch. Für den jetzigen Moment ist es das beste, was wir jemals gemacht haben, würde ich mal sagen.

rappers.in:
Eure Featurewahl ist auch sehr außergewöhnlich. Tatsächlich kenne ich nun niemanden der Gäste wirklich gut.

Samson:
Es sind nicht die bekanntesten Rapper, aber alles unsere Freunde, die wir kennen. Das war uns total wichtig, ich hätte nämlich keine Lust, einen Song mit jemanden zu machen, nur weil er erfolgreich ist, um mich an ihm hochzuziehen. Dann hätten wir auch einfach einen Song mit Cro machen können. Wir würden zwar nun nicht ausschließlich mit Freunden zusammenarbeiten, aber das jetzige Album heißt eben "Kleinstadtkids" und es geht da um unsere Heimat. Daher war es beim Album dann einfach so, dass wir mit Freunden arbeiten wollten, die es auch fühlen können.

rappers.in:
Jetzt, da das Album bereits im Handel ist: Gibt es Dinge, die ihr bereut?

Samson:
Nein, noch nicht. Noch bin ich sehr glücklich und wir haben sehr lange daran gefeilt. Es war schon fertig, aber wir haben dennoch an vielen Kleinigkeiten etwas verändert, haben noch mal darüber gehört, sind noch mal ins Studio gegangen, haben noch mal das Schlagzeug eingespielt ... Wir haben das Album so oft immer wieder verbessert, bis es dann perfekt war und wir gesagt haben "So, besser geht es nicht mehr, jetzt geben wir es ab."

rappers.in:
Ihr findet gar nicht so sehr in der HipHop-Szene statt, muss ich sagen. Ich finde, in den ganzen Foren oder Rap Diskussionen steht ihr immer ein bisschen im Abseits. Fühlt ihr euch als Rapper daher irgendwie unterschätzt?

Samson:
Nein, ich bin sehr froh, dass wir in diesem ekligen HipHop-Ding nicht gefangen sind. Wie gesagt, wir hatten dadurch die Möglichkeit, dass wir zwei Jahre mit unserem ersten Album live spielen konnten, weil wir eben nicht nur auf HipHop-Festivals gespielt haben. Ich bin ganz froh, dass wir sowohl im HipHop als auch in anderen Bereichen stattfinden. Und dieses ganze "Boah, die Technik ist krass!" und "Kollegah rappt 50 Silben in einem Satz" ist zwar cool, aber da muss ich nicht mitspielen.

rappers.in:
Euer Anspruch ist es auch gar nicht, dass die Technik immer stimmen muss, oder?

Samson:
Ich glaube, es ist wichtiger, dass der Text eine Message hat, aber natürlich auch nicht langweilig gerappt ist. Ich habe lieber die Message gut und deutlich erklärt, als dass ich eine krasse Technik habe, jedoch oft einen Satz sage, der gar keinen Sinn ergibt, nur damit die Technik besser ist.

rappers.in:
Danke für das Interview! Habt ihr noch ein paar Abschlussworte?

Chelo:
Danke auch! Die Platte ist sick on fire!



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Autor: Lukas Kollin

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