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Review: Rick Ross – Rather You Than Me

veröffentlicht: Sonntag, 23.04.2017, 16:13 Uhr
Autor: DealerThomasHeck





01. Apple Of My Eye feat. Raphael Saadiq
02. Santorini Greece
03. Idols Become Rivals feat. Chris Rock
04. Trap Trap Trap feat. Young Thug, Wale
05. Dead Presidents feat. Future, Yeezy, Yo Gotti
06. She On My Dick feat. Gucci Mane
07. I Think She Like Me feat. Ty Dolla Sign
08. Powers That Be feat. Nas
09. Game Ain’t Based On Sympathy
10. Scientology
11. Lamborghini Doors feat. Meek Mill, Anthony Hamilton
12. Triple Platinum feat. Scrilla
13. Maybach Music V feat. DeJ Loaf
14. Summer Seventeen feat. Yo Gotti

Es folgt eine spontan zusammen gewürfelte Liste an Dingen, die 2009 wichtig waren: Barack Obama wird als neuer Präsident der USA vereidigt. Michael Jackson stirbt unter genau den dubiosen Umständen, die seinem turbulent geführten Leben gerecht werden. In Berlin jährt sich zum 20. Mal der Fall der Berliner Mauer. Doch am wichtigsten: 50 Cent und Rick Ross haben Beef. Bis heute. Dabei hätte es damals unter Berücksichtigung der Fakten und ein wenig gesunden Menschenverstandes nur einen Sieger geben dürfen. Der Multi-Millionen-Dollar-Mogul auf der einen Seite, der mit "Get Rich or Die Tryin'" ein genredefinierendes Klassikeralbum ablieferte, welches auf Rang 10 der am meisten verkauften Rap-Alben aller Zeiten steht (USA). Eine Maschine, die Erfahrung darin hat, wie man Karrieren zerstört (Ja Rule). Das Synonym der rags-to-riches-Story. Auf der anderen Seite ein übergewichtiger Traumtänzer, der darüber fabuliert, in Luxuskarren/-yachten/-hubschraubern unterwegs zu sein, während wunderschöne Wunschfrauen seine Schultern kneten und es Champagner vom Himmel regnet. Ein Schauspieler, der es meisterhaft versteht, in die Rolle eines Paten zu schlüpfen und Storys zu entspinnen, in denen er Escobar'sche Mengen an illegalen Substanzen verschifft, während Feinde kurzerhand entsorgt werden.

Uh, paintings on the wall, you never know the cost/
You bangin' on the boss, the boy'll be a corpse/
I'm steppin' through the door, my back against the wall/
My pockets fat enough to catch a nigga if I fall/
Love to see a pretty bitch rollin’ a wood leaf/
Phone ringin', smilin’ like I got some gold teeth

(Rick Ross auf "Lamborghini Doors")

Während man von 50 Cent nur noch sporadisch hört oder man ihn schlimmstenfalls in unterdurchschnittlich bis untermenschlich schlechten Filmen sehen muss, hat Rick Ross sein mittlerweile neuntes Album veröffentlicht und ist relevant wie eh und je. Nicht relevant im Sinne von Top 5 Rapper Alive oder der Anzahl der Klassiker aus seinem Albumkatalog. Aber relevant im Sinne von Entertainment. Die Liste an Prunkaufzählungen: unüberschaubar. Die Schönheit seiner Sexualpartnerinnen: unüberbietbar. Die Differenzen mit anderen Rappern: unüberbrückbar. Dabei dachte so ziemlich jeder von Miami bis Mannheim, dass sein Stern im Zuge der Enthüllungen über seine Vergangenheit verglühen sollte. Wer hört einem Ex-Gefängniswärter schon gerne dabei zu, wie er seit jeher Kilos vertickt? Doch falsch gedacht. Wenn man Fifty im Zusammenhang mit der klassischen "Vom Drogendealer zum Millionär" - Geschichte bringt, dann muss es für Rick Ross auch eine geben. Eine, die seiner Vergangenheit und seinem Ego Tribut zollt. Vom Officer zu legendär.

We all make mistakes, let’s not be to specific/
You rather be a killer than be statistic/
I never fold, no, I never ran/
On my soul I’ll roll like an avalanche/
I thank the lord I got some great friends/
That’s why every bottle I open I say "Amen"

(Rick Ross auf "Apple of my Eye")

Rick Ross ist immer dann am besten, wenn er seine übertriebenen Geschichten auf opulenten, prachtvollen Instrumentals serviert. Das ist auf den letzten beiden Platten "Hood Billionaire" und "Black Market" leider etwas verloren gegangen, als Ross versuchte, auf den Trap-Zug aufzuspringen. Auf "Rather You Than Me" zeigt er aber wieder, dass er ein großartiges Gehör für Beats hat. Auch wenn die Produzentenriege namentlich nicht zu den ganz Großen gehört, sind mit unter anderem BINK! und The Olympicks zwei bekannte Namen dabei, die direkt für mehrere Albumhighlights verantwortlich zeichnen. Los geht's aber mit dem von Major Nine produzierten "Apple of my Eye", dem meiner Meinung nach stärksten Opener aller seiner bisherigen Platten. Der Beat wird dominiert von einem immer nur kurz einsetzenden Bläsersample und einer im Hintergrund seufzenden Frauenstimme. Währenddessen droppt Rick Ross Lines darüber, wie er beim letzten Super Bowl im dritten Viertel einen Herzstillstand hatte. Oder darüber, in das Weiße Haus eingeladen gewesen zu sein, die Taschen voller Gras. Garniert werden diese Zeilen von einer von Raphael Saadiq eingesungenen Hook, die sich innerhalb kurzer Zeit in den Gehörgang fräst. Kurzum: Es ist großartig. Es folgen das nicht minder imposante "Santorini Greece" und die Birdman-Abrechnung "Idols Become Rivals", mit der wunderbar beschriebenen Enttäuschung darüber, dass der in der Anfangszeit zur Schau gestellte Reichtum von Lil Wayne und Stunna nur Fake sei:

I used to see you niggas on my TV screen/
And wondered what was life like, was it all a dream?/
And then I met you out on LiveNation dates/
Came to the realization that your watch was fake/
Damn ... you nearly broke my heart/
I really thought you niggas really owned them cars

(Rick Ross auf "Idols Become Rivals")

Leider scheint man im MMG-Camp immer noch der Meinung zu sein, Rozay würde auf Trap-Beats eine gute Figur machen (Pun intended). Anders kann ich mir kaum erklären, dass auf den folgenden drei Tracks Crackküchengeruch aus den Boxen steigt. Das Problem dabei: Miami ist nicht Atlanta und Rick Ross ist zu monoton in seiner Vortragsweise, das typische "UGGH" als einzige Adlib auf Dauer zu ermüdend. Immerhin kann sich die Feature-Liste sehen lassen. Mit Young Thug, Future, Gucci Mane und Co. ist fast jeder dabei, der heutzutage auf fast jedem Album dabei sein muss. Showstopper sind deren Beiträge aber nicht. Dafür hat Rick Ross ja Nas. Dessen Part klingt wieder gleichzeitig so mühelos UND zwingend, dass es eine Freude ist. Die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach. Wie Rick Ross es immer wieder schafft, derartig viele A-Listen-Künstler auf seine Alben zu holen, ist beeindruckend. Die restlichen Tracks pendeln zwischen gut hörbar ("Scientology", "Triple Platinum"), solide ("I Think She Like Me", "Game Ain’t Based On Sympathy") und belanglos ("Lamborghini Doors", "Summer Seventeen"). Erwähnenswert ist aber noch der fünfte Teil der Maybach-Music-Reihe. Wer bisher dachte, dass sich die J.U.S.T.I.C.E. League bis in alle Ewigkeit für die Produktion verantwortlich zeigen würde, muss hier kurz schlucken. Mit Buda & Grandz liefern zwei, zumindest mir, unbekannte Produzenten einen guten Job ab, können aber nicht mit den Hochglanzproduktionen früherer Tage mithalten. Mit DeJ Loaf holt der Bawse außerdem kein Kaliber der Marke Erykah Badu in die Booth.

Fazit:
Mit Rick Ross Alben ist es wie mit Videospielen von Ubisoft. Bombastische Aufmachung und einfache Zugänglichkeit werden konterkariert durch fehlende Innovation und Substanz. Es macht ohne Zweifel Spaß und man freut sich auf jeden neuen Teil. Nach drei Hörgängen war ich der Meinung, es mit seinem bis dato besten Album zu tun zu haben. Diese Euphorie ist mittlerweile verflogen. Trotzdem muss man festhalten, dass Rick Ross eine bewundernswerte Phantasie hat und in jedem Song in der Lage ist, sagenhafte Lines zu fabrizieren. Ich hatte mehrfach WTF-Momente und dafür kann man diesen Typen eigentlich nicht nicht mögen. Wer Rap nicht zu ernst nimmt und seine Königsgarnelen gerne im vergoldeten Jacuzzi gereicht bekommt, ist hier richtig.


DealerThomasHeck



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