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Interview: Rapsta: "Gibʼs dir, alter, geh auf "Modus Mio" und gib dir Fastfood"

veröffentlicht: Samstag, 23.02.2019, 20:36 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi


Nachdem sich Rapsta nach drei Jahren wieder mit neuer Musik zurückgemeldet hat, sorgte er mit seinen bisher veröffentlichten Singles "Jason Park" und "D.I.P." für frischen Wind in der momentan doch ziemlich eintönigen Deutschrap-Szene. Wir haben mit ihm über sein kommendes Album, seine Meinung bezüglich der Deutschrap-Szene und seinem Rapstyle gesprochen.



rappers.in: Es war mehr als drei Jahre sehr still um dich und deine Person. Was hat dich dazu bewegt, wieder Musik zu machen?

Rapsta: Ich bin vor kurzem 28 geworden und komme aus einer Zeit, in der es wirklich krass war, wenn ein Album rauskam; in der sich Künstler mehrere Jahre für ein Album hingesetzt, sich mit Leuten getroffen, mehrere Songs gemacht und am Ende gesagt haben: "Okay, ich habe hier 60 Songs, ich mache daraus jetzt ein Album von 18 Tracks". Das ist die Zeit, aus der ich stamme. Es ist für mich also absolut normal, dass ich ein Album mit voller Intensität mache und auch versuche, neue Musik zu machen – also keinen Abklatsch. Ich finde, dass auch die Songs, die ich bis jetzt rausgebracht habe, natürlich Trap sind, so im Ursprung - aber es ist immer noch mein Flow, immer noch mein Style und das ist mir sehr wichtig.

rappers.in: Also bleibst du deiner Linie treu. Hat sowas für dich Priorität?

Rapsta: Es hat weniger mit Prioritäten zu tun, sondern mehr mit Perfektionismus. Also es gibt Leute, die machen ʼne Bolognese zum Beispiel und hacken das Fleisch nicht fein, sondern die hacken es einfach ein bisschen. Schmeißen dann das Hackfleisch rein und machen dann die Tüte so rein und hoffen dann, dass irgendwas bei rumkommt. Und dann gibtʼs Leute, die holen extra Wein, der auch für Bolognese gedacht ist, dann holen sie die extra Zwiebeln, dann Sellerie, Karotten und schneiden das alles extra. Holen noch Tomaten aus dem Garten, schälen sie nochmal und das ist halt eben mein Style. Wirklich eine Sache bis ins letzte Detail zu erforschen und dann seine Forschungsergebnisse preiszugeben.

rappers.in: Dein zweites Studioalbum ist in Aussicht. Kannst du schon was zum Releasedatum sagen?

Rapsta: Momentan ist es so, dass wir einfach Unmengen an Songs haben, bei denen ich einfach diesen Albumcode noch dechiffrieren muss und gucken muss: "Was mach ich jetzt, lass ich die Features drauf oder nehme ich sie alle runter?" Also es geht um die Ästhetik. Wir gucken einfach - genauso wie bei meinem Bologne-Beispiel -, dass es ästhetisch aussieht, wenn das Ding rauskommt; von der Trackanzahl und wie es auf einen wirkt. Und dafür möchte ich mir einfach noch Zeit lassen und deshalb habe ich das Label darum gebeten, das Releasedatum noch nicht bekannt zu geben, sodass wir da noch flexibel sind, aber trotzdem reagieren können, falls auf einmal voll der Hype da ist. Also wenn ich jetzt auf einmal 10 Millionen Klicks hab, kann ich sagen: "Ok, zack, Album kommt nächste Woche".

rappers.in: Apropos Features und Klicks, man kann also mit Features rechnen? Und bezüglich der Klicks, da ist schon eine krasse Anzahl innerhalb von wenigen Tagen auf dich zugekommen. Hast du damit gerechnet?

Rapsta: Sehr, sehr viele Rapper haben mir für Features zugesagt. Also ich würde sagen, technisch die Top fünf Rapper – da kann man sich überlegen, wer überhaupt die technischen Top fünf sind. Die haben mir auf jeden Fall allesamt zugesagt. Jetzt ist halt die Sache: Soll ich das alles abklappern und dann das Album rausbringen oder hau ich erst das Album raus und klapper es dann ab? Das ist jetzt eben so eine Entscheidungsnummer, die ich treffen muss. Je nachdem kommt entweder ein Solo-Solo-Album oder ein Album mit nur einem Feature. Aber das ist dann das Ultimate-Feature.
Wenn ich eine Wunschvorstellung von einem Album hätte, wäre es halt so, dass es ein komplettes Soloalbum ist, aber dann gibt es ein Ultimate-Feature. Das krasseste Feature, das man haben kann. Welches das ist, sollen die Leute für sich selber entscheiden. Bezüglich der Klicks bin ich der Meinung, dass sie nicht der Rede wert sind. Sie sind solide dafür, dass ich so lange weg war. Aber da muss noch eine Schippe drauf kommen, damit ich wirklich Lust bekomme, eine Tour in Angriff zu nehmen.

rappers.in: Wird sich das Album von deinem Debütalbum unterscheiden oder ist der "alte" Rapsta zurück?

Rapsta: Also ich habe versucht, auf jeden Fall eine bestimmte Sache aus meiner Musik chirurgisch zu entfernen und das ist das Nervige. Ich hab gar keinen Bock mehr, dass dich irgendeinen Song in irgendeiner Form von der Soundästhetik her nervt. Und ich hatte das Gefühl, dass ich immer sehr viele Representer gemacht habe und dadurch das Album (Ah!; Anm. d. Redaktion) so einen nervigen Charakter hatte und alles so hitlastig und groß aufgebaut war. Diesmal habe ich wirklich darauf geachtet, dass du vom Sound her beispielsweise deine Wohnung putzen kannst, nebenbei das Lied hörst und du hörst zu oder du hörst nicht zu. Es ist scheißegal. Du hörst einfach den Song und das catcht dich einfach. Du bist einfach in dem Vibe drin. Wie beispielsweise "D.I.P.". Ich finde, "D.I.P." ist ein sehr gut ausbalancierter Song.

rappers.in: Hast du dir für das Album irgendwelche Ziele gesetzt?

Rapsta: Eigentlich wollte ich mich mit dem Album als Künstler etablieren. Als ich aber jetzt die ersten ein, zwei Tracks rausgebracht habe, hat einfach jeder wirklich etablierte deutsche Rapper meine Sachen gepostet, geteilt oder kommentiert. Und daher würde ich sagen, dass ich jetzt schon etabliert bin (lacht). Dadurch dass es jetzt alles da ist und ich meinen Respekt habe, will ich einfach schauen, wie weit ich das Ganze reizen kann. Man ist ja irgendwie nie zufrieden, aber ich gucke und mach einfach weiter.

rappers.in: Was schätzt du momentan an der Deutschrap-Szene?

Rapsta: Eine komplette Katastrophe. Dafür habe ich auch keine Antwort. Ich finde einfach sehr, sehr vieles extrem wack. Ich verstehe teilweise die Welt nicht mehr. Was für eine Scheiße die Leute fabrizieren, nur um in einer Playlist stattzufinden. Ich finde, Rap hat auf gar keinen Fall Pop übernommen, sondern Pop ist gekommen und hat Rap in den Arsch gefickt. Dass die Rapper dann in Deutschland behaupten: "Jaja, wir haben jetzt die Schlager und Popszene übernommen" - einen Scheißdreck habt ihr, alter! Ihr habt euch einfach in den Arsch ficken lassen und im ersten Moment, in dem euer Arsch offen war, habt ihr ihn einfach anal ficken lassen.
Und ja, Rap zu dem Sta macht das natürlich nicht. Ich mache einfach Rap und das technisch einfach auf einem ultra hohen Niveau. Dass die, die auch auf einem hohen Niveau sind, wissen: "Ok, der ist wirklich nochmal eine Schippe krasser als wir aktuell" – was also die Aktualität der Flows angeht. Da kann man sich ruhig mal "Jason Park" und "D.I.P." reinpfeifen. Dann kann man doch auch mal einen Vergleich aufstellen in Deutschland. Also wer schwimmt da überhaupt auf diesem Niveau mit, was Technik angeht. Und damit meine ich saubere Technik. Nicht, dass jemand schneller oder langsamer rappt oder zwei, drei Punchlines mehr oder weniger hat. Ich meine wirklich nur, wer rappt so sauber und krass so ein Ding durch.

rappers.in: Also kann man sagen, dass das, was dich an Deutschrap am meisten stört, ist, dass die Szene sich deiner Meinung nach verkauft hat? Für Klicks und den Mainstream, Hauptsache möglichst viel Profit?

Rapsta: Ja, also im Endeffekt hat sich auch die Zeit geändert. Von daher, wenn man das jetzt so sieht, dann höre ich mich ja an wie ein Oldschooler, der sich darüber aufregt, dass sich die Welt ändert - wie so ein Opa. Aber so ist es auch nicht. Ich feier aber halt trotzdem die Ästhetik von einem Album oder wenn man so ein Ding einfach in der Hand hat. Dieses Feeling, es ist einfach ein Unterschied, wenn du dir eine Casio-Uhr holst oder halt eben eine Richard-Mille-Uhr, wo dann 100 Mitarbeiter dran sitzen und jeder Einzelne 80 Einzelteile da einbaut und du dir das Ding anguckst und es mehr Einzelteile als ein Ferrarimotor hat. Ja man! Es ist dann einfach die Frage vom Konsumenten. Was will er haben?! Willst du jetzt Fastfood? Dann gibʼs dir, alter, geh auf "Modus Mio" und gib dir Fastfood. Aber wenn du wirklich sagst: "Ich beschäftige mich mit Musik"... ich finde das nice. Ich gucke, dass ich mich mit Leuten auseinandersetze, die nicht einfach jeden Beat picken und sagen: "Jo, ich rappe jetzt darauf, die Leute fressen das schon." Sondern Leute, die wirklich da sitzen und sagen: "Ey, der Beat ist einfach wack. Ich kann nicht auf so einem Beat rappen. Iʼm so sorry".

rappers.in: Was ist mit der MRG? Es war lange sehr still um das Label. Der Kanal hat bisher deine beiden Singles veröffentlicht, stehen denn noch zukünftige Projekte zusammen an?

Rapsta: Also ich kann nur für mich persönlich sprechen. Ich bin mit allen, die bei MACHT Rap rein- oder rausspaziert sind, nach wie vor cool und würde auch rein theoretisch mit jedem noch Musik machen, wenn es sich ergibt. Aber aktuell ist es eher so, dass ich den MACHT-Rap-Channel nutze, weil ich der Meinung bin, dass ich dort meine Grund-Fanbase habe. Daher kann es im Winde verwehen, wenn ich jetzt auf einmal über ganz andere Kanäle laufe. Dass dann die, die vor drei Jahren da waren, überhaupt nicht mitbekommen, dass ich jetzt zwei, drei neue Singles habe. Und daher nutze ich den Channel. Ich bin ja eigentlich bei Warner Music. Aber MRG, Costa – mein Manager – und ich sind nach wie vor cool miteinander.

rappers.in: Auf welchen Song von dir bist du besonders stolz und warum?

Rapsta: Also ganz, ganz besonders stolz bin ich auf die dritte Single ("Surf"; Anm. d. Redaktion), die jetzt nach "D.I.P." und "Jason Park" kommt. Dieser Part ist so unfassbar ignorant, aber trotzdem sauber gerappt. Ich finde, das ist immer so eine Balance-Sache, ob man das hinkriegt. Dass man hart ignorant ist, aber trotzdem sagt: "Okay, es ist aber trotzdem fresh gerappt". Und meiner Meinung nach ist es mir bei dem Song übertrieben gelungen. Ich weiß aber auf jeden Fall, dass meine Fans den Track ultra haten werden. Ich muss den aber bringen, einfach nur aus Ignoranzgründen. Es ist einfach die Ignoranz des Jahres.

rappers.in: Hast du noch letzte Worte?

Rapsta: Geht mal alle auf Spotify, guckt euch alle Features an, die ich bisher in meinen drei, vier Jahren Karriere gemacht habe. Guckt, wo diese ganzen Features jetzt alle stehen, dann guckt noch mal, wo sie standen, als sie mit mir die Features gemacht haben – also wirklich alle. Und dann soll noch einmal jemand behaupten, dass ich nicht der Trapgod in Deutschland bin.

(Calvin Kray)

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