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Review: Prinz Porno – pp=mc2

veröffentlicht: Mittwoch, 28.01.2015, 20:42 Uhr
Autor: Claude Gable





1. Für meine Feinde feat. DJ Stickle
2. Der alte Witz feat. Kamp
3. Die Löffel Parabel feat. Errdeka
4. Weisheitszene
5. Idiotensystem(Fehler)
6. Weg mit dem Curse(r)
7. Internat(ionale Verschwörung)
8. Simplizissimus (Nachts im Bett)
9. Chillig
10. Abhängen (Geschichte der Schwerkraft)
11. Spur der Steine (Alternativer Strassenrap Ansatz 1)
12. Lektion in Geduld
13. Auf Augenhöhe
feat. E-Rich
14. Massephase feat. Jonarama & Kobra
15. Parfum (Eau de Porneau)
16. Dschungelabenteuer
feat. Kollegah

Was wurde nicht alles geschrieben und diskutiert seit "Chillig", der erste Track aus Friedrich Kautz' neuem Album "pp=mc2", in den sozialen Netzwerken die Runde machte. Langjährige und alteingesessene Fans zeigten sich euphorisch angesichts der Rücktransformation von Pi zu Porno, andere zeigten sich kritisch und zweifelten daran, dass der "Mainstream gewordene" Pi dem alten Porno gerecht werden könne. Zu guter Letzt fühlten sich auch jene vor den Kopf gestoßen, die nur eben diesen "Mainstream gewordenen" Pi in den letzten Jahren gefeiert hatten. Mit dem Schritt zurück nach vorne präsentiert uns Prinz Pi zweifelsohne sein wohl kontroversestes Album seit "Neopunk".

Mit "Für meine Feinde" gibt der neue/alte Porno direkt die Antwort auf jegliche im Vorfeld geäußerte Kritik, vor allem gegen prinzipiellen Hate und Vorverurteilung. Auch auf "Der alte Witz" greift Porno diese Thematik auf, wird dabei aber konkreter und befasst sich auch mit den alten Fans, die dem neuen Pi nichts Gutes abgewinnen können.

"Dein Urteil ist schon lange klar, der neue Shit ist wack/
Es ist nichts mehr, wie es einmal war/
Ich kann rappen wie ich will, Bitch/
Du wirst es eh haten, also chill, Bitch/
"
(Prinz Porno auf "Für meine Feinde")

Eben jene dürften aber bereits nach den ersten beiden Tracks Feuer und Flamme sein. Denn was den neuen vom alten Porno an dieser Stelle unterscheidet, ist zunächst erstmal nur der Wandel der Zeit. Wo auf "Porno Privat" die Mische nicht ganz rein und der Sound etwas dumpf klang, der Bass zuweilen übersteuerte, liegt mit "pp=mc2" ein lupenreines Klangbild vor. 10 Jahre nach "geschriebene Geschichte" ist auch der Künstler selbst gealtert. Zudem klingt Pornos Stimme tiefer und reifer, doch wer sich hieran ernsthaft stößt, wird dem Album wohl in keinerlei Hinsicht eine Chance geben. Am prägnantesten fällt der Wandel wohl durch die Beats auf. Während auf Pis letzten Alben um "Kompass ohne Norden" die Instrumentierung hauptsächlich aus aufwendigen Pop-Produktionen bestand, ist "pp=mc2" eher simpel gehalten. Kick, Hat, Snare, Sample und Bass schustert Produzent Max Mostley zum ausgewogenen, warmen Sound des Albums zusammen und zieht damit außerdem eine Grenze zu den teilweise eher skizzenhaften und funkig angehauchten Beats des alten Porno. Hiermit erfindet Friedrich Kautz zwar nicht das Genre, aber sich selbst ein weiteres Mal neu, was dem Berliner mehr als gut zu Gesicht steht.
Deutlich zu hören ist auch der Wandel des thematischen Schwerpunkts. Während die letzten Alben vor allem vom älter Werden und Problemen des Erwachsenenalters handelten und seit jeher Verschwörungstheorien, Illuminaten und Freimaurer einen Großteil der Releases ausmachten, nimmt der Prinz seinen alten Kampf gegen Wack MCs wieder auf und scheint sich fast vollständig auf die Zerstörung seiner Feinde zu konzentrieren. Mal mehr, mal weniger intensiv geht er dabei vor. So gibt sich Porno zunächst mit der Einordung der Konkurrenz in sein eigenes "Idiotensystem" zufrieden, steigert sich aber durchaus zur Diskreditierung der Freundinnen seiner Kollegen, bis hin zum Mord anderer Rapper mit Worten. Dauerbrenner auf "pp=mc2" ist dabei die Auseinandersetzung mit seinen Kritikern. In Anbetracht der über die Jahre herangewachsenen Konkurrenz im Battlerap kommt Porno dabei allerdings weder technisch noch lyrisch über das Mittelmaß hinaus. Im schlimmsten Fall bitet der Prinz sogar Farid Bang – "Ich war nie ein Traummann wie Freddy Krueger"(Prinz Porno auf "Die Löffel Parabel"). Doch Friedrich Kautz hat sich wohl wie Prinz Charles damit abgefunden, dass er vermutlich nie zum König aufsteigen wird. Seinen Defiziten in Sachen Technik begegnet er deshalb mit Humor.

"P zu dem gottverdammten O, mein gut abgehangener Flow/
Ändert nichts an dem Fakt, dass deine stadtbekannte Hoe/
Dick suckt und wie meine Kritiker bemerken werden, das war nur ein Zweckreim/
Doch damit wird der 16er geschlossen, wie die Mauer von einem Eckstein/
"
(Prinz Porno auf "Weisheitszene")

Wirklich konkret wird Porno beim Dissen der Konkurrenz aber nie. Wie er selbst feststellt, hießen seine Feindbilder "einst Deichkind und Freundeskreis. Doch heute ist es halt der neue Scheiß"(Prinz Porno auf "Der alte Witz"). So kommt der Prinz "Nachts im Bett" zu der Erkenntnis, dass sie unterm Strich doch alle wack sind. Ausnahmen stellen dabei wohl die sechs Featuregäste dar, die sich der Zehlendorfer auf sein Album geholt hat. Neben den altbekannten MCs aus dem direkten Pi-Kosmos wie Kamp, E-Rich, Jonarama und Kobra sowie Labelzögling Errdeka, gibt sich auch Kollegah auf "pp=mc2" die Ehre und hilft dem Prinzen über 15 Minuten, die Erlebnisse einer Safari zu verarbeiten. "Dschungelabenteuer"(nein, nicht "Massephase"!) stellt somit nicht nur einen atmosphärisch großartig aufgebauten Track dar, sondern auch eines der wahrscheinlich aufwendigsten Outros der Rapgeschichte. Daneben erwartet den Hörer aber nicht viel Inhalt. Außer, dass Porno zurück ist und alle anderen Rapper scheiße sind, werden hier und da mal die Rothschilds und die Illuminaten erwähnt – das war's dann aber auch. Wer Tiefgang und Aussagen zur weltpolitischen Lage und zum Status Quo sucht, wird enttäuscht. Wirklich relevante Themen berührt Prinz Porno auf "pp=mc2" nicht, dafür wird fast über die gesamte Spielzeit des Albums in alter Pornomanier represented. Leider wurde hiermit das Potential des Albums nur gering ausgeschöpft. Denn wie Pi bereits in der Vergangenheit bewiesen hat, beispielsweise auf "Donnerwetter" oder aktuell durch "Dschungelabenteuer", besitzt er die Fähigkeit, sehr lebendige Texte zu kreieren und Geschichten zu erzählen. Da den Hörer auf "pp=mc2" aber fast ausschließlich Battletracks gegen Gott und die Welt erwarten, gehen diese in der Masse unter und hinterlassen nicht wirklich einen bleibenden Eindruck.

Fazit:
"pp=mc2" markiert die Rückkehr des alten Prinz Porno in einem neuen, strahlenden Gewand. Der Prinz kokettiert auf dem Release mit der ihm gegenüber gebrachten Kritik und teilt in mehrere Richtungen aus. Spannend ist vor allem die Betrachtung der Entwicklung des Künstlers Friedrich Kautz, der sich einmal mehr um 180 Grad gedreht hat und wahrscheinlich einige Fans sprachlos und viele andere begeistert zurück lässt. Mit "pp=mc2" bekommen Deutschrapfans ein weiteres battlelastiges Album, bei dem vor allem die sehr gute Instrumentierung hängen bleibt. Als logische Konsequenz fehlt es dem Release an Tiefe und thematischer Relevanz, was Porno durch seinen ganz eigenen Stil und Humor wieder wettmacht. Nicht das ganz große Kino, aber gute Samstagabendunterhaltung.


(Claude Gable)



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