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Review: Prinz Pi – Illuminati EP

veröffentlicht: Montag, 29.03.2010, 14:39 Uhr
Autor: Phukkin





01. Grabstein (Intro)
02. Illuminati Reflux
03. Illuminati Res Medias
04. 2013
feat. Basstard
05. Mann vom Mars
06. Die letzte Frage
07. Die Party ist over
feat. Justus
08. Wenn es Nacht wird feat. Grzegorz
09. Ob ich will oder nicht
10. Unendlich sein
feat. Casper
11. BONUS Nie wieder Prinz Pi & Casper
12. BONUS Ode an den Tiger feat. Jonarama, E-Rich & Casper
13. BONUS Grund zum Feiern 333 SDK

Friedrich Kautz war geistig schon immer etwas besser betucht als der Standard-Homo-Sapiens – und als all seine Rapkollegen sowieso. Mangel an Hybris kann man ihm jedenfalls nicht vorwerfen. Überhaupt ist er so erhaben, dass man getrost behaupten kann, es läge einfach an unserem Unvermögen, ihn verstehen zu können, weshalb sein hier vorliegendes Werk "Illuminati EP" nur im Bundle mit einem T-Shirt für insgesamt 30 Euro ausgeliefert wird. Und das, obwohl wir (und Prinz Pi sowieso) doch genau wissen, dass so manche Global Player, die nicht selten wegen ihren kapitalistischen Machenschaften von ihm angeprangert werden, schon von Institutionen wie der EU-Kommission für solches Cross-Selling in Form von latenter Produktunterjubelung verklagt worden sind. Doch muss man hier unbedingt mit Rüge, Zurechtweisung und Schelte seitens der drakonischen Realnesspolizei daherkommen? Ja, man muss, denn Pi-Hörer sind streng. Ausflüge ins Majorland und Electrouniversum wie bei "Neopunk" werden von den "echten" Fans verachtet und bestraft. Man will den guten alten Prinz Porno, der sich "auf das Minimum" reduziert, theatralisch "Untergrund bis zum Tod, Nigga" ins Mic schreit, der die axiomatische Wahrheit kennt und der genau weiß, welcher Eremit ganz tief im Mittelpunkt der Erde um jene würfelt.

Und des Prinzen Gefolge darf trotz wirtschaftsethischem Fehlverhalten erleichtert ausatmen: Bei der "Illuminati EP" ist definitiv der Name Programm. Mysteriös ist bereits, dass hier eine EP vorliegt, die ganze 13 Anspielpunkte hat. Tatsächlich ist mit EP laut Infant aber nicht "Extended Player" gemeint, sondern "epos posterior". Vielleicht ist der Begriff "Epos" etwas zu hanebüchen, aber immerhin bekommt man gleich auf dem zweiten Track "Illuminati Reflux" die volle Ladung Verschwörungstheorie at its best präsentiert.

"Die Herrscher dieser Welt sind eine Gruppe Kinder/
Mit weißen Haaren und roten Augen, ihr Aufenthaltsort ist unauffindbar/
Ihr Blick kann töten, die Pupillen sind Linsen/
Ihre Haut ist keramisch, alle, die sie ansehen, erblinden/
"

So wird also gleich zu Beginn jede aufkeimende Frage nach Marionette und Fadenzieher gekonnt geklärt. Dies geschieht dabei auf dem bereits für den Song "Illuminati" des letzten Albums "Teenage Mutant Horror Show 2" verwendeten Instrumental von Bobby Johnson. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, auch nicht gegen die Adaption des Refrains. Warum aber sofort danach auf "Illuminati Res Medias" derselbe Text nochmals auf einem anderen Beat vorgetragen werden muss, mag sich mir nicht erschließen. Irgendwann ist's auch mal gut.

Bevor sich aber Tristesse einschleichen kann, werden auf den Folgetracks sämtliche Geschütze aufgefahren, die man vom Herren Pi abgefeuert gesehen haben möchte. Auf "2013" mit Basstard wird das einsame Leben in einer postapokalyptischen Welt beschrieben, als "Mann vom Mars" zeigt man sich ein Mal mehr überlegen und stempelt als Wesen vom Outta Space dem Menschen wichtige Dinge als Kleinkram ab, und auf "Die Party ist over" mit Justus belächelt man mit ignoranter Bonzendekadenz den selbstverschuldeten Weltuntergang, den die kommenden Generationen erleiden müssen. Genau das sind dann die Momente, in denen Prinz Pi voll und ganz in seinem Element ist. Sarkastische Zeigefinger – gerichtet auf die ausbeutende Bourgeoisie und ironische Wohlstandshyperbeln.

"Für jeden großen Maler hab' ich eine Wand/
Für jedes pelzliefernde Tier einen Kleiderschrank/
Für jede wichtige Währung eine Bank/
Alles Spielzeug von nur einem Mann/
"
(Prinz Pi auf "Die Party ist over")

Wenn dann noch Casper auf "Unendlich sein" Zeilen wie "In kalten Zeiten ist ein warmes Herz das treffsicherste Ziel" oder "Hinzufallen ist erst Versagen, wenn man sich weigert, aufzustehen" zum Besten gibt, darf auch bei der Kategorie "Poesiealbum-Dichtkunst" ein dickes Häkchen gemacht werden.

Also ein rundum perfektes Werk, an dem es nichts zu Meckern gibt? Nein, nicht ganz. Was wohl neben der teils etwas fragwürdigen Qualität des Abmischens am sauersten aufstößt, ist, dass das Ganze am Ende relativ innovationsarm daherkommt. Vor allem in Sachen Klangästhetik erinnert "Illuminati EP" frappierend an "Teenage Mutant Horror Show 2". Eine kreative Weiterentwicklung findet nämlich so gut wie gar nicht statt. Die Beats, zum Großteil von The Royals, Biztram und Wass Bass, hätte man auch allesamt auf dem Vorgängeralbum präsentieren können, ohne sonderlich aufzufallen. Durch den dadurch unabwendbaren Vergleich kommt man nicht umhin, festzustellen, dass die aktuelle Platte doch insgesamt ein Stück schwächer ist, als der für mich recht gelungene Vorgänger. Erführe ich, dass sogar ein Stück Resteverwertung betrieben wurde, wäre ich nicht verwundert. Dadurch geht leider die Langlebigkeit, die Eigenständigkeit und der immer wieder gerne erlebte Aha-Effekt ein entscheidendes Stück verloren. Auch auf den "Wer-kann-am-schrägsten-singen"-Contest zwischen dem Gastgeber und Grzegorz auf dem ansonsten guten Song "Wenn es Nacht wird" hätte man durchaus verzichten können.

Dass man durch Prinz Pi's neusten Streich tatsächlich zu den Erleuchteten (was "Illuminati" übersetzt bedeutet) gehört, wage ich zwar zu bezweifeln, aber die Erwartungen wurden im Großen und Ganzen erfüllt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich vermelde: Alles in Ordnung im Hause Kautz. Das nächste große Album "333 SDK" darf kommen, aber bitte mit etwas mehr Innovation und für 15 Euro ohne untergejubelte Textilien.


Phukkin (Benni Wannenmacher)



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