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Interview: Prinz Pi & Casper

veröffentlicht: Sonntag, 04.01.2009, 15:44 Uhr
Autor: lupa





Dass ein bestimmter (Life-) Style Teil jeder Kultur und jeder Jugendbewegung ist, ist allseits bekannt. So auch in der HipHop-Kultur. Doch auch der Style der "Hiphopper" geht mit der Zeit und ist schon lange nicht mehr "nur" Baggy Sneakers Kappe, sondern ebenso innovativ und vielfältig wie ihre Musik. Ob es nun die Wanduhrkette, Skibrille, die klassische Baggy oder Röhrenjeans und Karohemd ist - Style hat viele Facetten. Und so fanden wir es an der Zeit, uns einmal mit zwei für ihren persönlichen Style bekannten Rappern über dieses Thema zu unterhalten. Auf einem Konzert im Rahmen der Neopunktour trafen wir Prinz Pi und Casper in Hamburg, wo sie uns Rede und Antwort standen. Warum Casper gerne in der HipHop-Disko im Karohemd stampfend tanzt und Pi es großartig findet, dass Streetware salonfähig geworden ist, erfahrt ihr im folgenden Interview.


Rappers.in: Wie definiert ihr "Lifestyle"?

Prinz Pi: Das ist jetzt 'ne tierisch lange Antwort.

Casper: Das ist jetzt 'ne ziemlich kurze Antwort. (Gelächter)

Prinz Pi: Dann mach!

Casper: Keine Ahnung. (Gelächter) Also. Lifestyle definiert sich, glaube ich, darüber, in was für Szenen man sich bewegt, was man für Musik hört, wie man das miteinander in sein eigenes Leben überträgt, verknüpft und nach außen hin präsentiert. Und für sich vielleicht auswertet!

Prinz Pi: Das war jetzt 'ne lange Antwort. Also, meine Antwort. Für mich ist Lifestyle die Art, für die man sich entscheidet, sein Leben zu leben. Ob man sich entscheidet, Karriere zu machen, oder ob man 'ne Familie gründen will, ob man eher so nach materiellen Dingen strebt, oder ob man nach geistigen Meriten giert. Das ist für mich Lifestyle.

Casper: (euphorisch) Das wäre dann die Metaebene! (Gelächter)

Rappers.in: Wie würdet ihr euren aktuellen Lifestyle beschreiben?

Casper:
(zu Pi) Ich fange an und du legst dann nach?

Prinz Pi: Ja, jeder ein Wort.

Casper: Also, mein momentaner Lifestyle... (Gelächter) Was denn?!

Prinz Pi: Jeder ein Wort!

Casper: Okay.

Prinz Pi: Also. Wir ... - Du musst jetzt leben sagen.

Casper: ... leben ...

Prinz Pi: ... zur Zeit ...

Casper: ... pleite ...

Prinz Pi: ... aber warm ...

Casper: ... fordernd ...

Prinz Pi: ... in Deutschland ...

Casper: ... verbittert.

Prinz Pi: Daraus kann man jetzt ein ganzes Album machen. Also, unser aktueller Lifestyle: Wir sind gerade auf Tour. Unser ganz aktueller Lifestyle: Wir machen halt den ganzen Tag Musik oder haben zumindest mit Musik zu tun. Also für uns beide gesagt: Man könnte sagen, dass wir zur Zeit mehr oder weniger Vollzeitmusiker sind. (zu Casper) Achso, du studierst noch. Aber eigentlich machst du schon mehr für die Musik als fürs Studium. (Gelächter)

Casper: Wenn ich nicht gerade irgendwelche Ekeljobs verrichte!

Rappers.in: Was denn?

Casper:
In der Brauerei Kisten wuchten. Eklig. Aber doch. Zur Zeit schon Vollzeitmusiker. Und ambitioniert hoffend!

Prinz Pi: Nach vorne blickend.

Casper: Zuversichtlich!

Rappers.in: Wie schön! Wie würdet ihr den Lifestyle, den ihr persönlich feiert, zum Beispiel anhand eines Labels oder einer Klamottenmarke beschreiben?

Casper:
Also ich bin ja momentan ziemlich hart auf diesem ganzen Indie-Elektrotrip. Zum Beispiel hör ich momentan viel MGMT, the Klaxons und es gibt so 'ne neue Gruppe, die sich "Frittenbude" nennt. Und so Singer/ Songwriterkram. Und enge Jeans und Karohemd. Und dann in der HipHop-Disko stampfend tanzen, finde ich gut. Doch.

Prinz Pi: Also ich finde momentan so einen Lifestyle cool, der sich nicht in eine Schublade einordnet. Früher war man entweder auf dem Rockerfilm oder war der Poptyp, der nur Chartmusik gehört hat. Oder eben der HipHop-Typ. Inzwischen sind die Grenzen ein bisschen fließender. Zum Beispiel so Typen wie Casper. Die sehen nicht so aus wie diese krassen stereotypen Rapper, aber trotzdem gibt es an ihm Sachen, die typisch HipHop sind.
(zu Casper) Zum Beispiel die Caps, die du trägst. Und ich trage viel Sneaker. Sonst tragen wir ja oft diese Holzfällerhemden, die ja mit dem Rapding eigentlich nicht viel zu tun hatten bis vor kurzem. Wenn man jetzt nach Companys geht, finde ich zum Beispiel Zoo York gut. Das sind ja so Skatertypen aus New York, die das über 20 Jahre von ganz klein an aufgebaut haben und Videos gemacht haben und darunter dann Klamotten. Die haben dieses Skaterding zu einem Erwachsenenstyle entwickelt, den man auch mal abends beim Essen tragen kann und nicht schief angeschaut wird. Heutzutage ist ja auch Streetware, sage ich jetzt mal, okay, wenn man das außerhalb der eigentlichen Szene trägt. Ich finde das eine ziemlich gute Entwicklung. Ich kenne das noch anders. Als ich zur Schule gegangen bin, durfte man zum Beispiel keine Mütze aufhaben. Das galt als total unhöflich. Und so vor 20, 30 Jahren galt es als total unschicklich, wenn man als Mann draußen auf der Straße keinen Hut aufhatte. Mittlerweile ist es halt scheißegal. Ich finde es gut, dass alles so tolerant geworden ist.

Casper: Was ich ja momentan gut finde, ist, dass diese ganzen neuen Modesachen irgendwie Straße aber auch irgendwie schick sind. Wenn man sich jetzt zum Beispiel Brandon Flowers anschaut. Der ist schick, aber wenn man den in der Disko sehen würde, würde man sagen, der ist krass gut angezogen, modisch auch in der Zeit. Aber eigentlich sind das ja so 70er-Jahre-Anzüge, die man jetzt aber theoretisch auch bei H&M kaufen kann. Das sind so Sachen, bei denen man sagen kann, man kann die sowohl auf der Straße, aber auch abends in schickeren Clubs tragen. Es gibt da so 'ne Marke, die ich momentan gut finde: Altamont. Das ist so 'ne neue Marke von Andrew Reynolds. Die könntest du jetzt auch zu 'nem besonderen Anlass tragen, wie zum Beispiel Muttis Geburtstag und wärst jetzt nicht so der kleine Junge, Sohn oder Enkel, der da am Tisch sitz, könntest aber auch in einen dreckigeren Club gehen und es wäre trotzdem noch das angesagte Ding.

Prinz Pi: Was ich cool finde, ist, dass sich die Mode gerade demokratisiert. Früher war's zum Beispiel so, wenn du einen bestimmten Stil von Anzug tragen wolltest, konntest du den halt nur bei einem bestimmten Designer kaufen, der sehr, sehr teuer war. Heutzutage kriegst du halt bei H&M oder bei Zara vom Schnitt her genau die gleichen Klamotten. So können halt auch die Leute, die nicht soviel Kohle haben, den gleichen Style tragen. Das ist halt 'ne Entscheidung, die Leute für sich treffen müssen. Du findest 'ne gewisse Sache, beispielsweise eine gewisse Form von Hose, cool. Und dann die Entscheidung: Scheißt du halt auf die Marke, kaufst du dir die Zarajeans, die im Gegensatz zur Dieseljeans viel weniger kostet? Das kann genauso gut aussehen! Ich finde es sehr geil, dass sich das mittlerweile so entwickelt hat. Das Bewusstsein für Mode, das wir hier in Deutschland haben, ist ja sehr gering. Gerade wenn man mal nach Schweden, Dänemark oder auch Frankreich oder England schaut. Die Leute da geben einfach viel mehr Geld für ihre Outfits aus, als wir das in Deutschland machen. In Deutschland geben die Leute viel mehr Geld für Autos oder sowas aus. Ich finde es nicht cool, wenn Leute nur konsumieren, aber ich finde, dass Klamotten eigentlich ein sehr schöner Weg sind, seinen eigenen Style auszudrücken.

Casper: Vor allem kann sich ja jetzt auch jeder alles leisten. Ich weiß noch, als ich so 16, 17 war, war H&M halt richtig scheiße. Da war das einfach nur so ein Basiclager. Inzwischen ist es halt so: Du guckst MTV und siehst dieses krasse Kings of Leon-Video und wie die darin rumlaufen. Und du kannst das gleiche Outfit für sehr wenig Geld theoretisch haben. Und das war früher halt nicht so. Und das ist gut. Für die armen Schlucker. (lacht)

Rappers.in: Was für einen Lebensstandart wollt ihr erreichen?

Casper:
Abermillionen!

Prinz Pi: Der ultimative Luxus, den du haben kannst, ist der, dass du immer tun und lassen kannst, was du willst. Wenn du soviel materielle Sicherheit hast, dass du dir leisten kannst, ein Jahr oder zwei wirklich nur das zu machen, worauf du wirklich Lust hast. Das ist auf jeden Fall der größte Luxus, finde ich, den man hier heutzutage haben kann. Und es ist natürlich wirklich cool, wenn du Kinder hast, dass du denen 'ne gute Ausbildung ermöglichen kannst und dass die vielleicht auch mal ins Ausland gehen können und sich die Welt angucken können. Ja, das ist so das einzige an Luxus, was ich mir so wünschen würde.
Ich finde, so Sachen wie krasses Bling oder Autos behindert. Das kannst du doch nicht mit in dein Grab nehmen. Du kannst es aber mit in dein Grab nehmen, wenn du auf 'ner geilen Reise warst und krasse Sachen erlebt hast und geile Sachen selber gemacht hast.

Casper: Das sehe ich genauso. Wenn Musik oder das, worauf man halt grad Bock hat, dafür reicht, dass man nicht ständig jeden Euro umdrehen müsste und das essen könnte, worauf man grade Lust hat. Ohne im Reichtum zu schwimmen. Das reicht schon. Das wär groß!

Rappers.in: Seid ihr eitel? Und wenn ja, inwiefern?

Prinz Pi:
Ich bin nicht richtig eitel, aber ich hab so komische Haare, die stehen immer in alle Richtungen ab und ich hasse das! Ich hab ein Problem mit meinen Haaren, aber ich bin nicht wirklich eitel. (lacht)

Casper: Ich glaube, ich wirke eitel, weil ich wirklich in jeden Spiegel oder in jedes Schaufenster gezielt reingucke. Aber ich glaube, das liegt daran, dass ich doch eigentlich ein ziemlich unsicherer Mensch bin. Dass ich dann doch kontrolliere und gucke, ob alles sitzt.

Prinz Pi: Ich glaube, Klamotten und Äußerlichkeiten sind immer ein Übertünchen von Unsicherheiten. Als ich jetzt in Afrika war, Anfang des Jahres, da waren halt die Kids auf der Straße, die hatten halt überhaupt gar keine Klamotten, nur so Drecksklamotten, Sachen die andere Leute weggeworfen haben, aber die hatten so 'nen krassen Style dort. Die sahen alle so gut aus! Das waren nicht die Klamotten, die sie anhatten, sondern es war die Art wie sie die getragen haben, die sie stylisch gemacht hat. Und irgendwann, wenn du 'n cooler Typ bist, ist es egal, was du anhast. Du kannst auch ein Clownskostüm anhaben, du bist halt cool.

Rappers.in: Casper, wie ist das bei dir? Hast du dem noch was hinzuzufügen oder siehst du das genauso?

Casper:
Ich denke schon, dass es im Grunde so ist, dass die Ausstrahlung einen Raum füllen kann. Es gibt ja manche Menschen, die scheinen und es gibt manche Menschen, die leuchten. Die halt wirklich einen Raum füllen und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Aber ich glaube dennoch, dass wir nach wie vor in so 'ner Gesellschaft leben, in der der erste Eindruck zählt. Daraus resultiert natürlich, da kann ich für mich halt jetzt sprechen, dass ich versuche, Sachen immer gut zu tragen, kombiniert zu tragen, passend zu tragen, und immer zu gucken - so blöd das jetzt klingt: Liegen die Haare richtig?!
Und ich würde jetzt sagen, ich bin jetzt nicht so 'n Typ, den man nicht mögen können, sollte, dürfte. Aber wenn ich hier jetzt auflaufen würde, in den schlimmsten Klamotten, mit Löchern unter den Achseln und ich würde stinken wie die Pest, würde trotzdem jeder vom ersten Augenblick an sagen, der sieht jetzt schon eher aus wie ein Penner...

Prinz Pi: Was jetzt ja interessant ist... Wenn man sich das Wort "Penner" mal auf der Zunge zergehen lässt und sich überlegt: Wie sieht so ein Penner aus, wie stellt man sich den vor? So alte Army-Parkajacke, alles so ein bisschen kaputt. Diese Jacke zum Beispiel ist so ein krasses Styleessential, das zur Zeit jeder Typ, der gut angezogen ist, zu Hause hat. Das gehört halt dazu, aber eigentlich ist es so ein Pennerlook. Genauso wie Vivienne Westwood halt auf die Straße gegangen ist und den Punks und den Pennern ihren Look abgeguckt hat und irgendwann war das High Fashion.
Früher war das halt so: Der, der reich war, sah auch reich aus. Früher war die Kleidung auch gleichzeitig der gesellschaftliche Status. Das gibt es heutzutage auch noch in einigen Berufen wie im Bankwesen oder sowas. Und das gibt es natürlich auch gerade in so Subgruppen, wie jetzt Punker oder Emos oder diese Technoleute in den 90er Jahren, die sich halt ganz krass darüber definieren. Aber ich finde es voll schön, dass heutzutage einfach alles sehr offen ist.





Rappers.in: Was ist denn für euch klamottentechnisch die Erfindung überhaupt?

Prinz Pi:
Das ist schon auf jeden Fall der Turnschuh! Bevor es Sneaker gab, da gab es eigentlich nur Lederschuhe. Der Turnschuh ist der Schuh, der so entwickelt wurde, dass dein Fuß auch richtig bequem geht. Ich würde sagen, es ist nicht nur 'ne Fashionentwicklung, es ist auch gesundheitlich eine Entwicklung. Und mit dem Turnschuh wird halt ein komplettes Image transportiert. Nimm mal die Chucks. Die ersten Rockerjugendlichen, diese James-Dean-Generation, da waren das halt die Schuhe, die gesagt haben: Wir sind jetzt voll die Rebellen. Dann nimm die Doc Martens... Okay, das ist kein Turnschuh, aber das ist ein Schuh, der sozusagen gewisse Gruppen repräsentiert. Oder man nimmt jetzt die Air Force oder die Nike Dunk oder so Skaterschuhe, DC, Vans oder so, das ist schon auf jeden Fall ein Kulturding.

Casper: Also ich würde noch mehr Basic gehen und sagen: Die wichtigste Erfindung ist das T-Shirt. Ich würde fast sagen, dass man an einem T-Shirt erkennen kann, was das für ein Typ ist. Vielleicht auch an der Art, wie mans trägt. Du kannst es halt von S bis 3Xl tragen. Und dann natürlich noch der Druck! Ich finde, an nem T-Shirt kann man schon erkennen, was ein Mensch denkt, wo er hingehört. Ist ja einfach perfekt so!
Ich arbeite ja auch an der Theke und wenn dann wirklich Leute an die Theke kommen, die ein Shirt von ner Band anhaben, die man richtig krass findet, sagt man ja auch so: "Krasses Shirt!" Und kommt dann auch ins Gespräch. Ich glaub, das ist auch ein sehr wichtiges Utensil, um sich selbst nach außen hin zu präsentieren.

Prinz Pi: Ja, ich bekomme auch immer Komplimente, wenn ich eigene Label-T-Shirts anhabe. (lacht)

Rappers.in: Welches Kleidungsstück würdet ihr aus einem brennenden Haus retten?

Casper: (zu Pi) Bei dir wären das dann wohl echt die Schuhe, wa?!

Prinz Pi: Ich hab so viel Schuhe, die könnte ich gar nicht alle auf einmal tragen.

Rappers.in: Wie viele Paar hast du denn?

Prinz Pi:
Also, so zur engen Sammlung gehören bestimmt hundert Paar Sneaker, aber ich hab bestimmt noch mal hundert Paar, die so ab und an aus der Sammlung weggehen, die ich Kumpels gebe, oder die im Keller sind oder so was. Keine Ahnung, 'ne Zeitlang habe ich mal Clarks gesammelt. Ich trag meine Schuhe halt auch und stelle mir meine Sneaker nicht künstlich in den Schrank. Schuhe sind zum tragen da, dafür sind sie gemacht worden.
Ich glaube aber, wenn ich aus 'nem brennenden Haus rausrenne, würde ich keine Klamotten mitnehmen. Ich würde meinen USB-Stick mitnehmen, da sind meine ganzen Texte drauf.

Rappers.in: Casper, was würdest du mitnehmen?

Casper:
Ich hab jetzt nichts so krass wertvolles oder so. Aber es gibt zum Beispiel so 'ne Fakelederjacke. Die finde ich gut, die trage ich öfter. Diese Jacke ist eigentlich richtig scheiße, die hab ich mal beim New Yorker zufällig für 9 Euro oder so gekauft. Aber wenn ich wirklich was rausretten müsste, dann wär's wahrscheinlich auch echt kein Kleidungsstück.

Rappers.in: Was ist die größte Modesünde eures Lebens?

Casper:
Boah! Ich hatte, als ich so 14 war, das war die Zeit, in der diese ganzen Scheißravemarken in waren, einen knallorangenen Bad&Mad-Pulli! Aber das war so einer... Kennst du die Pullis, die noch keine Bündchen hatten? Das war zwar ein Pulli, aber der hatte an den Ärmeln und unten noch keine Bündchen. Ich wollte unbedingt einen Bad&Mad-Pulli zu der Zeit, das war damals "The Thing". Wir hatten so einen Laden im Dorf und die hatten nur den einen Pullover. Der war halt knallorange, aber scheiß drauf, ich musste ihn haben. Und ich hab ihn auch getragen. Und das sah richtig hässlich aus!

Prinz Pi: Meine krasseste Modesünde war, als ich anfangen wollte, so HipHop-Hosen zu tragen. Da habe ich mir so eine gekauft, die war aber nicht "baggy" - die war breit, aber nicht "baggy".

Casper: Das hab ich auch gemacht! (Gelächter) Meine Mutter wollte mir damals nicht diese krassen Markenhosen kaufen und dann hat man damals einfach eine Jeans in 38 gekauft, das sah total scheiße aus!

Affenboss: So trage ich meine Hosen heute noch! 501!

Casper: Echt?! Also momentan die krasseste Modesünde: Ed Hardy! Da flipp ich aus. Das weckt in mir Aggressionen.

Prinz Pi:
Ed Hardy muss man auf jeden Fall verbrennen. Das ist das Lächerlichste und Hässlichste, das ich je gesehen habe!

Casper:
Es ist wirklich so. Ich könnte jetzt meine Traumfrau treffen, sie könnte auch vom Mensch her Traumfrau sein. Man könnte abends was haben, es könnte wunderschön sein. Wenn sie am nächsten Morgen aufstehen würde und hätte ein Ed Hardy-Shirt an, ich würde sofort rennen! Das ist einfach zuviel! Und ich finde diese "mein-Leben-ist- ein-Beyoncé-Video"-Stiefelmode schrecklich!

Prinz Pi: Wenn Mädels da die Figur zu haben, sieht das auf jeden Fall hübsch aus...

Casper: (schreit) Das ist 0/8/15!

Prinz Pi: ...aber ich finde, bei den meisten geht das echt nicht klar.

Casper: Und dann dazu meistens noch das Ed Hardy-Shirt!

Prinz Pi: Was ich persönlich auch total unsexy finde: Wenn Frauen so bauchfreie Shirts tragen und dann Jeans dazu, die zu tief sind. Die kann so schlank sein, wie sie will, das sieht nicht cool aus. Da ist immer 'ne Speckrolle. Und die hat sie eigentlich gar nicht! Die Jeans hängt zu tief und das T-Shirt ist oben zu kurz, das sieht einfach kacke aus! Was aber cool ist: Wenn Frauen Männershirts anhaben...

Casper: (begeistert) Frauen in Männerkarohemden! Und dazu enge Denimhosen. Und diese grauen Indiestiefeletten!

Rappers.in: Ihr wisst aber jetzt schon, wie die ersten Reihen auf euren Konzerten in Zukunft aussehen...

Prinz Pi: (lacht) Fans nur noch in Karohemden! Super!

Rappers.in: Wart ihr denn schon mal auf einer Bad-Taste-Party? Wenn ja, in welchem Outfit?

Prinz Pi:
Ähm ja, war ich. Ich hatte ein ganz krasses Outfit an. Wisst ihr, was Kaskadebrillen sind? Das waren in den 80ern bei Beatstreet, als HipHop angefangen hat, so riesige Brillen, die sehr weit nach unten gingen. So eine hatte ich an, eine Jeansjacke, eine Jeanshose und weiße Tennissocken.

Casper: Ich war noch nie auf 'ner Bad-Taste-Party! Weil, als ich Bock auf 'ne Bad-Taste-Party hatte, waren die schon wieder out und dann kamen diese Pimp'n'Hoes-Parties, die fand ich dann aber irgendwie blöd und dann kamen die Aerobicpartys und ich wollte nie in Spandex rumrennen.

Rappers.in: Was denkt ihr, wo geht die Mode in Zukunft hin?

Prinz Pi:
Du kannst ja durch Musik, durch Plattenverkäufe immer weniger Geld verdienen, aber die Musik und die Mode beeinflussen sich halt immer stark. Es war zum Beispiel bei MGMT so, glaube ich, dass die letzte Gucci-Kampagne oder Kollektion nach ihrer Musik gestaltet wurde. Es wird viel öfter so sein, dass Musik und Kunst und Mode aufeinander Einfluss nehmen. Es gibt ja auch immer mehr Klamottenfirmen, die mit Künstlern Kooperationen machen, sei's jetzt mit Musikern oder Malern. Zum Beispiel gab's ja gerade mit Levis die David-Hurst-Kooperation. Vielleicht wird's auch irgendwann mal so sein, dass 'ne Klamottenfirma Musiker unterstützt und bezahlt, so wie das früher ein Label gemacht hat, weil eben der Lifestyle, den er repräsentiert und die Musik, die er macht, den Spirit von der Firma transportiert. Und vielleicht wird dann der Musiker die Ideen und die Sachen, die er aus nächster Nähe vom Publikum oder so bekommt, wieder auf die Klamotten übertragen. Ich denke, das wird alles sicher sehr eng Hand in Hand gehen.

Casper: Das hätte ich jetzt auch gesagt. Dass so, wie du es jetzt mit Neopunk gemacht hast, der erste Schritt gesetzt wurde, dass das jetzt noch krasser vollzogen wird. Dass man erst das Album macht und dann so 'ne komplette Blase drumrum aufbaut, komplett eigene Kampagnen gemacht werden und nicht die Kampagne durch ein Album getragen wird, sondern dass die Kampagne die Kampagnen trägt.

Prinz Pi: Früher hat man halt nur das Album gemacht, Wir haben jetzt zum Beispiel bei Neopunk so 'ne Aktion mit grünen Affen gemacht, die in der Stadt rumgerannt sind, wir haben Streetartleute, die was gemacht haben, wir haben Künstler gehabt, die haben Grafiken gestaltet, wir haben diese Ausstellung gehabt, wo ich Skulpturen gemacht habe, wir haben verschiedene Video gemacht, wir haben 'ne Lifeshow gemacht, wir haben Lichtkünstler dabei, wir haben Bühnenbildner dabei. Es sind halt ganz viele Künstler am Start gewesen, sagen wir mal so 15, 20 Leute, die mitgearbeitet haben. Und wirklich jeder hat seinen Teil reingegeben und das ist das Interessante an diesem Konzept. Du hast jetzt nicht mehr nur die CD und Prinz Pi ist so der Star, sondern du hast so 20 Künstler, die irgendwie an diesem Neopunk-Kosmos mitgearbeitet haben. Du kannst es jetzt noch gar nicht so richtig erfassen, weil die Klammer noch nicht geschlossen ist. Aber wir werden am Ende ein Buch machen, wo man dann alles nachlesen kann, was wir gemacht haben. Da werden die Leute dann sagen: "Krass das gab's auch noch! Das gehört alles zusammen!" Wenn man das alles so als Ganzes sieht, dann ist das schon sehr geil und 'ne einzigartige Sache.





Rappers.in: Spiegeln denn eure Wohnungen euren Lifestyle wieder?

Casper:
Also meine Wohnung ist eher ein Sammelsurium an Leben. Bei mir passt eigentlich nichts wirklich zusammen und ist auch alles ein bisschen kaputt und zusammengeclashet, aber man kann halt drin wohnen.

Prinz Pi: Ich kann meine Wohnung nicht beschreiben.

Casper: Ich kann deine Wohnung beschreiben! Ich fand deine Wohnung sehr gemütlich, sehr herzlich, sehr einladend, aber auch sehr bestimmt eingerichtet.

Rappers.in: Wir kommen so langsam zum Ende. Stellt euch die Titelseite einer Zeitung vor. "Pi und Casper setzen einen neuen Trend und ganz Deutschland rennt hinterher." Wie könnte dieser Trend aussehen?

Casper:
Erstmal muss man klären, was für ein Cover man haben wollen würde. Ich fänd die Vice gut.

Prinz Pi: Aber das Vicecover ist immer...

Casper:
Neon! Genau, die Neon wärs!

Prinz Pi: Ja, Neon. Die haben auch immer gute Fotos.

Casper: Aber was würde man denn erfunden haben?

Prinz Pi: Für mich ist Neopunk schon so das Stichwort. Ich finde das, was wir machen, aber auch das, was du machst (zu Casper), ist die neue Punkmusik. Bei Punkmusik hast du Folgendes: Du hast halt 'ne Band und die hat 'ne ungeheure Wut in sich. Und diese Wut kommt von denen und geht ins Publikum rein. Die Leute nehmen eben viele Emotionen mit. Das ist so das, was Casper macht und das, was ich mache. Wir geben den Leuten bei den Livekonzerten eine Empfindung mit. Die nehmen was mit nach Hause. Es ist jetzt nicht immer Punk, es ist Lebensfreude und manchmal auch Traurigkeit und Melancholie.

Casper: Ich finde teilweise auch, um auf Neopunk zurückzukommen, dass Neopunk teilweise mehr Punk ist - ganz einfach, weil es aus Konventionen herausgebrochen ist. Der Punk, der heute stattfindet, ist schon wieder in diese Szene reingepresst. Die aktuellen Punkbands sind schon Punk von der Musik, aber nicht wirklich Punk, weil sie halt nicht mehr auf alles scheißen. Da fand ich dann Neopunk doch auch sehr mutig. So den eigenen Fans ein Stück weit vor den Kopf zu stoßen...

Rappers.in: Die allerletzte Frage gehört euch. Habt ihr noch abschließende Wort für die Rappers.in-User?

Casper: Ich sag ja immer schon fast sehr zeigefingermäßig, vor allem an diese ganze No-homo-ich-fick-deine-Mutter-HipHop-Bewegung gerichtet, dass Leute sich einfach wirklich trauen sollen, sie selbst zu sein. Ich glaube, dass das, was man selber ist, das Interessanteste ist, was man sein kann. Und wenn man dann interessant ist, oder nicht interessant ist, hat man sich immer noch auf bestem und ehrlichstem Wege aus der Sache rausgerettet. Und das ist genau das, was ich immer versucht habe, was natürlich auch immer sehr viel Gegenwind bringt. Und das ist auch das, was Pi jetzt gerade krass macht, mit Neopunk.
Ich glaube, wenn ich tatsächlich in der Lage oder in der Position wäre, einen Ratschlag zu geben, wäre das, dass ich tatsächlich jedem sagen würde, er soll nicht das machen, was er glaubt machen zu müssen, um irgendwas zu erreichen oder irgendwo akzeptiert zu werden. Sondern ich glaube, der beste Weg anerkannt zu werden oder respektiert zu werden, ist trotz allem was einem entgegen kommt, sein eigenes Ding durchzuziehen. Und das hat mich trotz allem auf die große Neopunktour gebracht!

Prinz Pi: Ich will auch noch einen Rat loswerden! Der Rat ist auf jeden Fall, dass wenn ihr noch nicht da wart und die Tour noch läuft, hinzukommen und euch das Ding anzuschauen. Und ihr müsst euch natürlich für das, was kommt bereithalten! Und da wird einiges kommen!

Rappers.in: Vielen Dank für das Interview und die abschließenden Worte!


Interview: pollyssima & lupa (Florence Bader)

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