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Review: Prince Kay One – Rich Kidz (Deluxe Edition)

veröffentlicht: Freitag, 15.11.2013, 22:18 Uhr
Autor: Maxkulin





01. Intro
02. Keep Calm (F**k U) feat. Emory
03. Pushen
04. Mittelfinger feat. Melody Thornton
05. Rockstar feat. Timati & Emory
06. Ich hass es dich zu lieben feat. Emory
07. V.I.P. feat. The Product G&B
08. Rich Kidz feat. Juh-Dee
09. ONS feat. Emory
10. Wiedersehen feat. Emory
11. Helal Money feat. Farid Bang
12. Prince Kay One
13. Beauty Queen feat. The Product G&B
14. Hollister Girl feat. Emory
15. Karma
16. Früher feat. KNS Tha Engineer & Emory
17. My First Love feat. Emory

Bonus-Tracks:
18. Belstaff feat. KNS Tha Engineer
19. Dieses Leben
20. Bad Girl feat. Emory
21. Welcome 2 the Good Life feat. Cindy Johnson

Um den Namen Prince Kay One kommt man in diesen Tagen nur schwer herum. Der ehemalige Schützling Bushidos sorgt fast täglich für Schlagzeilen – sei es durch sein Engagement als Juror bei DSDS, den Beef mit Shindy und seinem Ex-Mentor oder Enthüllungsgeschichten über einen Mafia-Clan, aus dessen Abhängigkeit er sich durch seine Flucht aus Berlin angeblich befreien konnte. Dass Kenneth Glöckler, so sein richtiger Name, nebenbei sein drittes Soloalbum "Rich Kidz" veröffentlicht, geht dabei fast schon ein bisschen unter – trotz einigen namhaften Featuregästen, die er zuvor unzählige Male ankündigte. Es ist sein erstes Album ohne Mitwirkung von Bushido und ersguterjunge, mit denen es im Vorfeld immer wieder zu Sticheleien und Disstracks gekommen ist. Daher stellt sich die Frage, inwiefern ihn diese Umstellung beeinflusst hat und welche neuen Wege er mit "Rich Kidz" einschlagen wird. Wird der selbsternannte Prince ein königliches Produkt abliefern und mit seinen großspurigen Ankündigungen "nichts als die Wahrheit" gesagt haben, oder werden seine Kontrahenten damit Recht behalten, dass seine Worte meist nicht mehr als heiße Luft sind?

"Grenzen gab's nicht, als Kids schon Rebell'n/
Uns're Denkweise war zu oft: 'Fick diese Welt'/
AP, von HipHop-Jam zu HipHop-Jam/
Ich saß im Zug und lernte HipHop kenn'/
Kein Geld, broke, früh aus dem Elternhaus raus/
Mein Plan war: Ich komm' zurück und bau' ein Traumhaus/
"
(Prince Kay One auf "Früher")

Wer sich wie ich die Frage gestellt hat, wie jemand sein Album äußerst unkreativ "Rich Kidz" nennen kann, wird im "Intro" aufgeklärt. Schon als Schuljunge träumte der kleine Kenneth von einem Leben als reicher Rapper, der mit seinem "schwarz-matten Lambo den Opel Corsa seiner ehemaligen Lehrerin rasieren" wird. Wenn er mal nicht seinen Träumen hinterherhängt, wird über Luxus-Modemarken, teuren Champagner, Topmodels und seine erste Liebe philosophiert. Rein von der Thematik des Albums klingt "Rich Kidz" nicht sonderlich vielversprechend. Allerdings kommt jetzt ein großes Aber, denn der gebürtige Friedrichshafener schafft es, das Ganze trotz mangelndem Inhalt gut zu verpacken. Großen Anteil daran haben die überwiegend starken Beats, die hauptsächlich von Swamijee produziert wurden, der eher für den Party-Sound und die ruhigeren, gefühlvolleren Klänge zuständig ist. Wenn der Prince genug von den zahlreichen Partys und Frauengeschichten hat, sorgt Juh-Dee mit seinen Produktionen dafür, dass alle Köpfe zu nicken beginnen, sobald die ersten Töne aus den Boxen knallen. Meiner Meinung nach hätte das Album ruhig reicher an Tracks wie "Pushen", "Helal Money" oder "Prince Kay One" sein können. Bei diesen Songs besinnt sich Kay auf seine alten Stärken, flowt mit sauberen Doubletime-Parts oder rappt dermaßen arrogant, dass sich alle seine Neider wohl am liebsten übergeben würden. Zwar sind diese Lieder wenig innovativ, man kann aber definitiv nicht abstreiten, dass Kay nach wie vor ein guter Rapper mit einer tadellosen Technik ist.

"Früher Prince, heute König, aus dem Kind wurde ein Schönling/
Und auf meinem Schweizer Konto liegt bestimmt ein Vermögen/
Hatet mich, aber ich lasse Taten sprechen/
Ich chill' in Miami, geht mal weiter eure Nasen brechen/"
(Prince Kay One auf "Pushen")

Betrachtet man die Tracklist, sticht einem sofort ins Auge, dass es für ein Soloalbum ungewöhnlich viele Features gibt. Emory, seines Zeichens engster Freund an Kays Seite, ist alleine acht Mal auf dem Album vertreten, was für mich eines der größten Mankos der Platte ist. Der laut Kay One "beste Sänger Deutschlands" liefert teilweise so schmalzige und schief gesungene Hooks ab, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen. Einzig durch die Hooks von "Früher" und "Keep Calm" kann er überzeugen, da sie die Lieder abrunden, nicht so schnulzig klingen und in das jeweilige Song-Konzept passen.
"Rich Kidz" bietet ungefähr genauso viele Höhe- wie Tiefpunkte und ansonsten viel Durchschnitt. Meist folgt auf ein gutes Lied, wie zum Beispiel "Mittelfinger" mit einer herausragenden Melody Thornton, ein Track wie "Ich hass es dich zu lieben", bei dem man sich fragt, was mit dem alten Kay One passiert ist, der noch vor wenigen Jahren deutlich mehr Emotionen auf den Hörer übertragen konnte. Während ich mich bei ersterem Lied auf die nächsten freue und im Takt nicke, weil ich überrascht bin, wie die beiden Künstler den genialen Beat, welcher von einer afrikanischen Trommel begleitet wird, bändigen, kann ich ein paar Minuten später nur den Kopf schütteln, da letztere Nummer sehr klischeehaft und abgedroschen klingt. Im Laufe des Albums merkt man nach und nach, dass sich Kay immer mehr von den reinen Rapsongs, in denen er ordentlich auf die Kacke haut, wegbewegt, was oft nicht unbedingt schlecht ist, teilweise jedoch sehr in die Hose geht. So kann man sich jetzt schon ganz sicher sein, in den nächsten Wochen nicht um Lieder wie "Keep Calm", "V.I.P." oder "Früher" herumzukommen, wenn man Gast in einer Diskothek ist. Für mich durchaus zu Recht, da es sich um echte Ohrwürmer handelt, die zum Mitsingen beziehungsweise -rappen einladen. Es wird mit Sicherheit viele Kenner geben, die sich über fehlenden Inhalt oder nicht vorhandene achtfache Reime aufregen; ist man aber mal ganz ehrlich, braucht solch ein "Party-Song" so etwas nicht, im Gegensatz zu oben genannten Liebesliedern. Ziel ist es, die Leute von ihren Sitzen auf die Tanzfläche zu befördern und gute Laune zu verbreiten – und das schafft er definitiv, obwohl er keine lyrischen Meisterwerke abliefert. Leider gibt es auf "Rich Kidz" auch gescheiterte Pop-Versuche von dem Kaliber wie "Hollister Girl", für das wohl 12-Jährige Mädchen als Zielgruppe auserkoren wurden. Hätte man Kay One solch ein Lied zu seiner German-Dream-Zeit oder seinen Anfängen bei ersguterjunge vorgespielt, wäre er möglicherweise in Gelächter ausgebrochen. In der Zeit hat sich aber viel geändert, aus "Kenneth allein zu Haus" wurde der "Prince of Belvedair", aus einem einst kontroversen Untergrund-Rapper wurde ein Rapstar, dessen Werbung täglich im Fernsehen läuft.

"Oh Baby, ich lieb' dein strahlend weißes Lächeln/
Ich kann dich nicht vergessen/
Lass uns endlich essen/
Oh Baby, ich hab' schon lange nur gewartet/
Verbring mit mir den Abend/
Keiner wird's erfahren/
Mein Hollister Girl, Hollister Girl, Hollister Girl, Hollister Girl/"
(Emory auf "Hollister Girl")

Fazit:
Mit "Rich Kidz" führt Prince Kay One seine Entwicklung zum Party-Rapper konsequent fort, seine neue Situation macht sich stark bemerkbar. Ob man das positiv oder negativ findet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich kann durchaus etwas mit dem Sound von seinem dritten Soloalbum anfangen, jedoch fand ich den alten, aufmüpfigen Kay besser. Durch neue Umfelder und Einflüsse ändern sich Menschen aber nun mal und so wurde aus dem einstigen "New Kid on the Block" ein Prince, der mit "Rich Kidz" noch nicht beweisen konnte, dass er das Zeug zum König hat.


Maximilian Lipp (Maxkulin)



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