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Review: Prezident – Zehnte EP

veröffentlicht: Donnerstag, 19.08.2010, 14:46 Uhr
Autor: Akk-_-





01. Karneval
02. Hezekiel
03. Stecksnichdrin Remix
04. Hundesteuer
05. Backgammon
feat. Antagonist
06. Hörensagen feat. Mythos

"Gib mir einfach ein Dach, vier Wände/ zwei bis vier Bierkästen/ drei Flaschen Bourbon, die das Hirn vorm Gefrieren schützen". Passender könnte der selbsternannte Whiskeyrapper Prezident seine "Zehnte EP" wohl kaum einläuten. Der Wuppertaler liefert uns sechs Tracks, voraussichtlich wieder mit gewohnter Philosophie unter Alkoholeinfluss. Ob die EP "klein, aber oho" oder einfach nur zu kurz ist, fragt sich wohl jeder vor dem Hören.

Stark depressiv stellt Prezident auf "Karneval" das Leben dar, welches nüchtern auch nicht viel besser sei. Doch egal wie "verhunzt" sein Alltag auch ist, so kommt der "schwergestörte Schwerenöter" zum Schluss, dass durch sein Künstlerdasein wenigstens etwas Produktives daraus entsteht. Auch ohne gläubig zu sein, brachte der Geschichtsstudent in früheren Releases Luther unter, dieses Mal predigt er wie "Hezekiel", um zu erklären, was einen guten Rapper ausmacht:

"Punkt zwei: Unterschätz deine Hörer nicht/
Sie sind wie Muskeln und wachsen durch Überforderung, wenn's nötig ist/
Versuch es ihnen Recht zu machen und du wirst untergehen/
Ist immer besser, wenn sie dich nich' kommen sehen
/"

Das düstere Schema der EP setzt sich sowohl thematisch als auch musikalisch weiter fort. Für die Produktion waren Dizztorted Views und Bojangles zuständig, für die Cuts Epic Infantry. Generell sind die Instrumentals unaufdringlich und gehen ein bisschen Richtung alte Schule, was mir persönlich gut gefällt und natürlich hervorragend zu Prezidents Stil passt. "Stecksnichdrin" geht als Battlerap durch und beinhaltet einige amüsante Lines ("Ich bring euch bleifrei Drive-By/ deine Kinnlade gibt dem Asphalt High Five"). Der Track mit dem ungewöhnlichen Titel "Hundesteuer" hingegen beteuert einmal mehr, dass Prezident sich selbst als künstlerisches Unikat ansieht. Neben besagtem Battletrack darf natürlich auch Stortytelling nicht fehlen; "Backgammon" finde ich trotzdem eher langweilig, was aber keinesfalls die Schuld des Featuregasts Antagonist ist. "Hörensagen" macht diesen kleinen Tiefpunkt der CD allerdings wieder wett:

"Stell dir ganz kurz einmal vor, wie du dein Leben verlierst/
Und irgendwer, der es gefunden hat, trägt es her hinter dir/
Und er erreicht dich und dein Leben ist dir so dermaßen peinlich/
Dass du einfach nicht bereit bist, zuzugeben, dass es deins ist/
"

Der Prototypalkoholiker Prezident hat mit "Zehnte EP" ein durchaus souveränes Werk entworfen. Düster, depressiv, aber auch – und das ist es, was mich stört – enorm selbstdarstellend. Diese teils selbstmitleidigen Lyrics und das ewige Herumgereite auf Akoholkonsum und seiner Einzigartigkeit mag zwar Markenzeichen des Wuppertalers sein, geht mir aber ein wenig auf die Nerven. Trotzdessen gibt es Tracks mit Loop-Potenzial, wie beispielsweise "Hezekiel" und "Hörensagen" und für eine Free-EP haben die Songs sicherlich einen hohen Standard. Unter diesen Rahmenbedingungen erhält der "Whiskeyrapper" vier Mics.


Akk-_- (Philipp Pausewang)



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