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Review: Post Malone - beerbongs & bentleys

veröffentlicht: Mittwoch, 02.05.2018, 15:10 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi





01. Paranoid
02. Spoil My Night
feat. Swae Lee
03. Rich & Sad
04. Zack and Codeine
05. Takin' Shots
06. Rockstar
feat. 21 Savage
07. Over Now
08. Psycho
feat. Ty Dolla $ign
09. Better Now
10. Ball for Me
feat. Nicki Minaj
11. Otherside
12. Stay
13. Blame It on Me
14. Same Bitches
feat. G-Eazy & YG
15. Jonestown (Interlude)
16. 92 Explorer
17. Candy Paint
18. Sugar Wraith

Knapp eineinhalb Jahre ist es jetzt her, dass Post Malones Debütalbum "Stoney" erschien. Schon damals hatte er mit "White Iverson", "Too Young" und "Go Flex" etliche Hits veröffentlicht und war wohl jedem bekannt, der sich auch nur ansatzweise mit der SoundCloud-Szene beschäftigte. Aber dass der Künstler aus Syracuse diese Erfolge im Zuge der Promophase von "beerbongs & bentleys" um ein Vielfaches übertrifft, war kaum abzusehen: Als "rockstar" mit 21 Savage nach vielen Monaten musikalischer Abstinenz erscheint, landet die Single für ganze acht Wochen auf dem ersten Platz der Billboard Hot 100 und sorgt dafür, dass das Album schon vor seinem Release Gold-Status in den USA erreicht. Eigentlich hätte "beerbongs & bentleys" auch schon am 1. Dezember letzten Jahres erscheinen sollen, aber in der allerletzten Minute wurde das Release verschoben, ohne ein neues, konkretes Datum anzugeben. Der Erfolg der Singles und die lange Wartezeit bedeuten natürlich auch, dass die Erwartungen an das Projekt entsprechend hoch sind.
Das Album angemacht, ertönt ein atmosphärisches Vocal-Sample, die melancholische Synthesizer-Melodie setzt ein und Post Malone fängt an, Lines über die Probleme des plötzlichen Ruhms zu singen. "Paranoid" ist ein ruhiger Intro-Song, der gerade durch seine Lyrics aus dem Rest des Albums heraus sticht. Die Beschreibung seines stressigen Alltags, des Wunsches nach innerlicher Ruhe und seiner seit dem Erfolg auftretenden paranoiden Handlungszüge wirkt zwar authentisch, aber unterscheidet sich auch nicht wirklich von anderen "Ich bin jetzt reich, aber dennoch traurig und alleine"-Tracks.

Never know when someone comes and tries to take my life/
I've been sleeping with the .45 like every night/
In the whip I pray to God I don't see flashing lights/
God damn they right behind me/

(Post Malone auf "Paranoid")

Auch wenn die allermeisten den Song in den letzten Monaten schon so oft gehört haben, dass er inzwischen wahrscheinlich eher nervt, darf "rockstar" im Albumkontext keinesfalls unerwähnt bleiben. Die Ode an die Rockstars der 70er bleibt dank des düsteren Vibes, catchigen Drumpatterns, der eingängigen triolischen Flows und des Features von 21 Savage, das kaum passender hätte sein können, ein Stand-Out-Track, der in dieser Art auf dem Album kein zweites Mal vorhanden ist. Zwar versucht "Same Bitches", der nächste Trap-Banger zu sein und daran anzuknüpfen, aber scheitert schon an den Gastbeiträgen von G-Eazy und YG, die den Song nicht nur nicht bereichen, sondern aufgrund gelangweilt wirkenden Stimmeinsatzes und altbackenen Flows im melodischen, club-orientierten Sound deplatziert wirken. "Same Bitches" bleib nicht der einzige Ausfall; "Zack & Codeine" hat zwar den lustigsten Titel auf dem Projekt und hätte eigentlich auch ein hohes Meme-Potential gehabt, aber entpuppt sich nach einem vielversprechenden Intro direkt nach dem Einsetzen der Drums als generischer, uninspirierter Trap-Song, der nur vor sich hinplätschert. Auch die Single "Psycho" schafft es nicht, an das Niveau der übrigen Tracks anzuschließen. Das simple RnB-Instrumental verlangt charismatischen Stimmeinsatz und eingängige Melodien, was sich bei Post Malone noch teilweise finden lässt, aber während Ty Dolla $igns Part gänzlich fehlt. Gerade in Anbetracht dessen, dass "beerbongs & bentleys" ganze 18 Tracks umfasst, sind die Filler-Songs ärgerlich, da es eigentlich keinen Grund gibt, die Laufzeit künstlich aufzublähen. Auch ohne diese Anspielstationen hätte man ein Projekt in Albumlänge, das von vorne bis hinten solide ist.

I hit your DM baby/
Took the screenshot, yeah, you tried to play me/
I bet this shit was good for your reputation/
I just let it go so I could see you naked/

(Post Malone auf "Same Bitches")

Post Malone ist kein Rapper – zumindest sagt er das jedes Mal, wenn er auf das Genre angesprochen wird. Kein Rapper zu sein, bedeutet aber auch, Musik zu machen, die sich von Rap unterscheidet. Genau das soll "beerbongs & bentleys" laut ihm sein, ein bunter Mix verschiedenster Genres. Als bestes Beispiel hierfür ist wohl "Over Now" zu nennen – nachdem im Intro durch ein Gitarren-Riff die Aufmerksamkeit des Hörers geweckt wurde, setzt ein träumerischer, trap-lastiger Teil ein. Die Hook hingegen kommt deutlich rock-orienterter daher (nicht verwunderlich, denn die Drums wurden von Tommy Lee eingespielt) und im Hintergrund ertönt Geschrei des Interpreten. Alles in allem ist "Over Now" ein kreativer, unkonventioneller Song, auf dem man Austin Posts unterschiedliche Inspirationen am deutlichsten heraushört und er nicht seine typische Hit-Formel anwendet. Auch "Stay" bricht aus dem sonst eher einheitlichen Soundbild des Projektes heraus, schadet dafür aber der Kohärenz des Albums. Zwischen Songs wie "rockstar" oder "Paranoid" wirkt eine ruhige, akustische Folk-Ballade über Beziehungsprobleme zwar erfrischend, aber auch deplatziert. Von diesem Track abgesehen wird beim Hören des Projektes deutlich, dass man keine bunte Zusammenstellung von Songs wie auf einem Mixtape, sondern ein zusammenhängendes Album hört, was wohl vor allem daran liegt, dass auf fast allen Songs Austin Posts Haus-Produzenten Louis Bell und Frank Dukes oder der Interpret selbst mitproduzierten. Dadurch punktet das Album mit einem recht homogenen Soundbild, das dennoch nicht repetitiv und monoton wirkt. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass er nur wenige Versuche gibt, auf denen Post Malone wirklich über den musikalischen Horizont des Raps oder teilweise noch RnBs hinausgeht. Er will vielleicht kein Rapper sein; "beerbongs & bentleys" lässt sich aber unter HipHop einordnen.
Ein weiteres Highlight des Albums ist "Takin' Shots": Auf einem minimalistischen Trap-Instrumental, das von vielen Breaks dominiert wird, schafft Post Malone es, mit ständig wechselnden Flows und eingängigen Melodien (auch das "Grrrrrah" darf natürlich nicht vergessen werden; definitiv ein Anwärter auf das AdLib des Jahres) einen Club-Hit zu kreieren, den man ohne Vorwissen für eine Zusammenarbeit mit DJ Mustard halten könnte. In den Lyrics beschreibt er minutiös sein aufregendes, party-lastiges Nachtleben, was zwar zum Vibe passt, aber ein Déjà-vu hervorruft – jede Line klingt wie tausendmal gehört. Der Song bleibt in dieser Hinsicht keine Ausnahme, mit wenigen Ausnahmen wie "Paranoid" oder den Rock-Referenzen auf "rockstar" gibt es keine lyrischen Highlights; eher hat man beim Hören das Gefühl, dass Post Malone die Texte aller Nummer-1-Hits des vergangenen Jahres recyclet. Klar, wer auf der Suche nach einem lyrisch anspruchsvollen und kreativen Album ist, wird sowieso nicht zu "beerbongs & bentleys" greifen und darauf liegt beim Rapper gar nicht der Fokus, aber ein bisschen mehr als der hundertste Break-Up-Song, der tausendste Track übers Feiern oder der zehntausendste Song über den eigenen Lifestyle, der sich in keinem Punkt von dem eines jeden beliebigen Rappers aus den USA unterscheidet, sollte es schon sein.

See me in a 'Rari goin' vroom-vroom (skrrt skrrt)/
Sexy motherfucker in a cartoon/
Saint Laurent, 40, on a new suit/
Sippin' Bud Light, that's a new cruise/

(Post Malone auf "Takin' Shots")

Kann Post Malone also die hohen Erwartungen seiner Fans zufrieden erfüllen? Auf jeden Fall, das Album reiht sich nahtlos in die Diskographie des Künstlers ein. "Es ist der logische Nachfolger vom erfolgreichen "Stoney". Genau das ist aber auch enttäuschend – alles klingt ein bisschen polierter, routinierter und gefestigter als der Vorgänger, aber die versprochene Steigerung lässt weiter auf sich warten. Bis auf neue Facetats hat sich seit Ende 2016 leider kaum etwas an Austin Post geändert. Das Album klingt so, als hätte der Rapper seinen Crossover-Stil doch nicht weiterentwickelt und stattdessen stur an seiner altbekannten Hit-Formel festgehalten. "beerbongs & bentleys" hätte alternativ auch "Stoney 2" heißen können, die vom Künstler angekündigte Weiterentwicklung wäre so oder so niemandem aufgefallen.


(Maximilian Krupp)



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