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Interview: Plusmacher ("Kush Hunter", Konzerte, Weed) – Text

veröffentlicht: Donnerstag, 26.01.2017, 19:21 Uhr
Autor: kollin


Kaum ein Jahr ist vergangen, als "Die Ernte" von Plusmacher das Licht der Welt erblickte. Dies stellte nicht nur seinen bis dato größten Erfolg dar, sondern war zeitgleich auch sein Debütalbum unter Xatars Zweitlabel Kopfticker. Da seine neue Platte "Kush Hunter" bereits am 18.02 in den Handel kommt, trafen wir uns mit Plusmacher, um ein wenig über das neue Werk zu reden. Das ganze findet Ihr nun hier:



rappers.in:
Hallo Plusmacher, danke, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast! Wie geht's dir aktuell?

Plusmacher:
Mir geht es blendend. Alles super, alles gut.

rappers.in:
Wir haben uns ja getroffen, um über dein neues Album "Kush Hunter" zu reden. Die Platte erscheint knapp ein Jahr nach deinem letzten Album "Die Ernte". Wenn du ein Vergleich zwischen beiden Alben ziehst, wo liegen die Unterschiede?

Plusmacher:
Wer "Die Ernte" gefeiert hat, wird auf jeden Fall "Kush Hunter" extrem abfeiern und lieben. Das ist einfach die Steigerung von "Die Ernte". Die "Extrahierung" sag ich mal, weißt du, was ich meine?

rappers.in:
Definitiv. Ich habe das Album eben gehört und würde auf jeden Fall zustimmen. Bist du anders vorgegangen und hast du etwas an der Arbeitsweise verändert?

Plusmacher:
Nein, ich habe das eigentlich so strukturiert, wie ich eigentlich auch sonst acker. Wir haben vor Tourstart angefangen zu schreiben und auf der Tour ein paar Impressionen gesammelt und direkt danach losgelegt zu schreiben und straight aufgenommen. Wir leben halt unser Leben, beschreiben den Film, den wir fahren und nebenbei entstehen die Texte, diese Mucke. Dann gehen wir immer straight ins Studio und nehmen auf. Also nicht unbedingt alles am Stück, aber es war auf jeden Fall ähnlich wie immer.

rappers.in:
Ich finde, dass man vor allem Unterschiede bei den Beats merkt. Da ist eine riesige Steigerung nochmal vorhanden.

Plusmacher:
Ja, auf jeden Fall. Das meiste hat The Breed produziert und Mecstreem hat auf jeden Fall auch drei Produktionen drauf. Lex Barkley hat alles gemixt und gemastert und so ist dann der Sound entstanden.

rappers.in:
Thematisch ist alles wieder bei Brustbehaarung und Marihuana geblieben. Denkst du, dass du da irgendwann mal die Grenzen erreichst, oder meinst du, dir fallen unendlich viele Texte darüber ein?

Plusmacher:
(lacht) Ich glaube, ich kann da unendlich drüber rappen. Ich denke nicht, dass es da eine Grenze gibt. Die Grenzen setzen sich die Menschen sowieso immer nur selbst, aber für mich gibt es da keine. Es catcht mich immer wieder auf jeden Fall. Genau so wie das Ott, das ich rauche. Das catcht mich auch immer wieder. Also wird es auch immer wieder der Sound machen (lacht).

rappers.in:
Ich denke mir auch immer, dass da nun echt mal die Ideen ausgehen müssen, aber dann kommt da doch immer wieder was Neues.

Plusmacher:
Denke ich auch. Das ist halt Rap, weißt du, was ich meine? Es muss klingen, wie Rap zu klingen hat und wenn du diesen Ton triffst, ist es immer geil. Wir wollen da auch nichts erfinden oder etwas machen, was mir nicht liegt.

rappers.in:
Der Track "Damals" sticht thematisch ganz schön aus der Reihe und ist sehr persönlich an manchen Stellen. Unter anderem erwähnst du mit "Mein Anwalt rettete mich vor der Indizierung" dein Indizierungsverfahren letztes Jahr. Was war da eigentlich los?

Plusmacher:
"Die Ernte" sollte auf dem Index landen, da hatten wir ein großes Verfahren mit gehabt und waren dann sogar bei der Bundesprüfstelle und die wollten mich auf den Index packen. Wir haben echt Glück gehabt. Mehr Glück als Verstand, wie immer. Die Leute dort im Gremium waren gnädig und haben verstanden, was ich da rappe und haben es nicht als jugendgefährdend eingestuft. Ein Glück, das wäre sonst nicht so schön gewesen. Das ist ja auch ein sehr musikalisches Stück und es gibt meiner Meinung nach deutlich "schlimmere" Werke im deutschsprachigen Bereich. So sieht das aus.

rappers.in:
Der Track wirkt stellenweise auch ein bisschen selbstkritisch: Denkst du manchmal darüber nach, wie es so wäre, einen einfachen Bürojob auszuführen und nicht mehr zu rappen?

Plusmacher:
Ich kann auf jeden Fall jedem da draußen sagen, der denkt, entweder kriminell zu sein oder diesen Musikerweg einschlagen, wäre der einfachere und leichtere Weg, genau wie nicht zur Schule zu gehen. Ich glaube gerade, dass es wesentlich schwieriger ist, nicht den typischen Weg zu gehen, welcher uns das System und die Gesellschaft vorschreibt und vorlebt. Dieses "Man muss das und dies unbedingt machen". Ich kann das alles mit der Musik nicht jedem empfehlen, man muss sich auf jeden Fall ein dickes Fell wachsen lassen und das ist definitiv nicht der einfache Weg, was auch nicht schlimm ist und was ich nun nicht verurteile, aber ich kann nur sagen, dass es der schwierige Weg war, den ich da gegangen bin und definitiv all diese Kopfkrisen mehr durchgemacht habe als "manch anderer" beziehungsweise als jemand, der gesagt hat "Ich habe jetzt kein Bock auf dieses Risiko, ich gehe einfach dem nach, was mir meine Eltern sagen und was mir in der Schule gesagt wird". Solange man damit zufrieden ist, denn jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Was ich damit sagen will: Es ist nicht unbedingt einfacher alles.

rappers.in:
MC Bomber meinte auch mal in einem Interview, dass wenn du Erfolg im Rap haben willst, du einfach alles auf eine Karte setzen musst.



Plusmacher:
Mein ich, man kann nicht so einfach sagen "Ich mach nun dieses und jenes und nebenbei mach ich Rap". Dann bist du vielleicht Musiker und du hast es dennoch im Herzen, so hat das bei mir ja auch angefangen. Ich mache das ja nicht erst seit gestern, das hat alles ewig gedauert, bis es so gekommen ist. Das hat alles seine Zeit gebraucht. Man muss auch genau das leben, was man rappt, und dran bleiben. Den Film fahren, den du fährst, an deinem Image arbeiten, immer dran bleiben und konsequent abliefern. Dann wird es schon funken irgendwann. Aber ich denke mal, was Bomber damit meinte, ist auf jeden Fall auch, dass man das machen muss. Und wenn du das machen willst, kannst du nicht nebenbei noch etwas Anderes machen.

rappers.in:
Der Song lag dir schon länger auf dem Herzen?

Plusmacher:
Um das ganze auf jeden Fall auch mal aufzurunden und zu sagen, wie alles so ist. Wie soll ich das am besten erklären?

rappers.in:
Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es richtig real ist. So ein nachdenklicher Track auf einem schönen, typischen Plusmacher-Beat.

Plusmacher:
Ja, auf jeden Fall, auch mal die Seite zeigen. Natürlich rappe ich hauptsächlich über Gras und Brusthaare, wie man vorhin schon mitbekommen hat, aber ich muss auf jeden Fall auch mal so einen Track machen.

rappers.in:
Das einzige, was ich auf der Platte vermisst habe, war übrigens Karate Andi. Hat dieses mal einfach nicht gepasst, oder?

Plusmacher:
Echt? Ja, wir dachten nun, zweimal hintereinander, wir sind ja nicht aus der Welt und es ist nicht der letzte Tonträger, den ich veröffentlichen werde und genau so sieht es bei Andi auch aus. Wer weiß, was die Zukunft noch mit sich bringt. Jetzt hatten wir zwei hintereinander und mal gucken, was so kommt. Dafür haben wir aber jemand anderen dabei.

rappers.in:
Dein Album wirkt auch so, als hättest du es ein wenig auf Liveauftritte angepasst. Die Songs gehen mehr "nach vorne". Hast du da speziell drauf geachtet?

Plusmacher:
Wir sind Liverapper, das ist mein Game. Mit Botanikker, Access und meinen Jungs, wir haben da einfach Bock drauf und leben das einfach. Deswegen haben wir auch in die Richtung produziert, dass es Live abgeht.

rappers.in:
"Dampflampen" stelle ich mir Live übrigens auch echt gut vor.

Plusmacher:
Das sind alles dicke Nummern, die auf der Scheibe drauf sind. Die werden den ein oder anderen auf der Tour bestimmt wegscheppern.

rappers.in:
Beim letzten Interview meintest du, dass du für "Die Ernte" viel mehr geschrieben hast, als es nötig war und die besten Tracks dann letztendlich gepickt hast. War das dieses Mal wieder so oder hast du genau die Anzahl an Songs produziert, die auf dem Album letztendlich gelandet sind?

Plusmacher:
Dieses Mal war es doch anders. Ich habe auf jeden Fall so 16 oder 17 Songs gemacht und 15 sind dann auf der Scheibe gelandet. Letztes Mal waren es eindeutig mehr, aber wir hatten dieses Mal auch weniger Zeit. Ich wurde ja von Xatar und Kopfticker unter Vertrag genommen und zwischen der Bekanntgabe und dem Signing sind einige Monate vergangen, weil dann noch "Baba aller Babas" kam und die Promophase dort lief. Da hatte ich viel mehr Zeit zum Schreiben.

rappers.in:
Hast du eigentlich auch mal vor, so nebenbei die Musik von deinen Jungs rauszubringen?

Plusmacher:
Ja, wir managen ja das meiste sowieso von Berlin aus und haben fast nur telefonisch und online Kontakt zum Label nach Köln. Meine anderen Alben habe ich auch alle im Alleingang rausgebracht und deswegen habe ich da auf jeden Fall Plan, wie das alles so abläuft in der Industrie. Nun kommt aber erst mal meine Platte, ich würde das Ganze aber nicht ausschlagen. Nicht jetzt und nicht morgen.

rappers.in:
Danke dir für das Interview! Hast du noch Abschlussworte für unsere Leser?

Plusmacher:
Kauft Euch das Album und bestellt Euch die Tickerhandy-Box vor. Es wird auf jeden Fall 'ne große Geschichte. Wer "Die Ernte" pumpt, muss sich "Kush Hunter" auf jeden Fall schnell besorgen.



Facebook: Plusmacher

"Kush Hunter" vorbestellen: Amazon Box

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