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Review: Plusmacher – Kush Hunter

veröffentlicht: Donnerstag, 16.02.2017, 17:45 Uhr
Autor: Antagonist





01. Machen Plus
02. Dampflampen
feat. Botanikker
03. Erste Blüte
04. Kushpaffer
05. Hart erdealtes Geld
feat. Olexesh
06. Hunnies feat. Botanikker
07. Bankberater
08. Maria
09. Zuhälterbart
10. Schnellfuckerhose
11. Dopedealer
feat. Botanikker
12. Heuschnupfen
13. Nightliner
14. Medizin im Paper
feat. Herzog
15. Damals

"Mit Plus kann man kein Minus machen" – die simple Gleichung, die der Berliner Rapper mit seinem Labeldebüt "Die Ernte" aufstellte, ging für Kopfticker-Oberhaupt Xatar auf, denn die Platte seines Schützlings konnte mit Platz 12 in den Charts durchaus einen Achtungserfolg feiern. Auf die Essenz reduziert wie Cannabisöl widmet sich der Lichtenberger Charakterkopf lediglich ein Jahr nach seinem jüngsten Streich erneut den "Blättern, die die Welt bedeuten" und versucht mit "Kush Hunter" direkt da anzuknüpfen, wo im vergangenen Jahr der Weg endete. Schon in der Promotionsphase ließ sich eine fortschreitende Professionalisierung bemerken, hervorzuheben ist hier besonders die Einheitlichkeit aus Persona, Musik und daraus folgenden Marketingmaßnahmen, die Label und Künstler zu generieren vermögen. Deshalb soll in der folgenden Bewertung im Mittelpunkt stehen, ob sich die Akribie in der Präsentation auch in der musikalische Entwicklung widerspiegelt und im Vergleich zum Vorgänger ein Weiterentwicklungsprozess stattgefunden hat.

Brusthaare wie ein Mann, bring das Gold nicht zur Bank/
Lieferant Rotterdam, rühr die Ware nicht an/
Kripobeamten platzt langsam der Kopf/
Kein Fingerabruck auf dem gottverdammten Stoff/

(Plusmacher auf "Die erste Blüte")

Wie der Titel "Kush Hunter" erahnen lässt, zeigt sich Maryson Ford auf sämtlichen Anspielstationen zielsicher als "Jäger des verlorenen Buds". Die grüne Knospe ist stets thematischer Fixpunkt, wovon der Rapper allerdings die unterschiedlichsten Fäden spannt, um textlicher Monotonie vorzubeugen. Den größten Batzen wird hier sicherlich dem Representer eingeräumt, bei welchem der Drogenschieber eifrig an seinem Personenkult strickt. Mit "Platte, hinter der die Sonne Schutz sucht" und dem kultivierten Zuhälterbart verfügt er über augenscheinliche Erkennungsmerkmale, deren lyrischer Verarbeitung ordentlich Zeit eingeräumt wird. Neben dem Drogenverticken ist der Anbau ein weiteres Steckenpferd des Berufsbotanikers, der mit Dampflampen ausgestattet das Gras zum Glänzen bringt. Mit dem gleichnamigen Track enthält das Album ein frühes Highlight, welches ein Feature von Botanikker beinhaltet und enorm durch den treibenden Beat von The Breed profitiert. War der Sound des Vorgängers deutlicher dem klassischen BoomBap zuzuordnen, fordert die Dynamik der Produktion hier einen größeren Anspruch an den Flow des Künstlers, der seine Stärke der markanten Betonung hier gewinnbringend einsetzen kann. Hooks geraten zwar sehr simpel, wie etwa bei der ersten Single-Auskopplung "Die erste Blüte", doch wirken sie wie geschaffen für die kommende Tour des Berliners. Enorm zur Kurzweiligkeit tragen auch die Feature-Gäste wie Plusis schon genannter "Brother in Haze" Botanikker oder der deutlich weniger erwartete Olexesh bei. Die gelungenste Kooperation entsteht allerdings zweifellos mit Herzog, der auf "Medizin im Paper" sein Bewerbungsschreiben für das Amt des Agrarministers abliefert und mit einem im Rap häufig vernachlässigten Rechtfertigungsform, nämlich Argumenten, auffährt. Ob dieses harmonischen Zusammenspiels fällt die Abwesenheit Karate Andis deutlich weniger ins Gewicht, dessen Beitrag auf vorherigen Veröffentlichungen immer eine besondere Stellung einnahm. Die Chemie mit dem Bombenprodukt-Oberhaupt fußt nicht nur auf der ähnlichen Themensetzung, sondern man spürt förmlich, dass der Track nicht durch das flüchtige Schicken von Audiofiles zustande gekommen ist, sondern die Künstler zusammen im Studio gebastelt haben.

Sativa und Indica, war Dealer dann in die Charts/
High 'til I die, ich war niemals zufriedener/
Jetzt will ich Coffeeshops, THC Lollipops/
Nicht mehr GHB-Woddie-Shots/

(Herzog auf "Medizin im Paper")

Diese Stimmigkeit, die hier perfekt eingefangen wird, ist Im Vergleich zum Vorgänger ein Pfund auf der Waage: Raptechnisch stellt der Hörer eine weitere Entwicklung beim Plusmacher fest, die Reime etwa sind bisweilen immer noch schmutzig wie auf den Vorgängeralben, wirken aber durch das höhere Maß an Routine deutlich besser gesetzt. Auch die Straffung auf lediglich 15 Anspielstationen tut dem Release durchaus gut und so fällt kaum ein Track durchs Qualitätsraster. Lediglich die häufige Verweiblichung von "Maria", hauptsächlich natürlich auf dem gleichnamigen Titel, wirken inzwischen doch mehr als ausgelutscht, obwohl selbst dieser Track klanglich überzeugt. Attitude und starke Oneliner ("Die Geister, die ich rief, kommen in Zivil") auf klassischen Representer sind zwar weiterhin Kernkompetenz des Schnauzbartträgers, doch ein erfolgreiches Bemühen, diese Grenzen zu erweitern, sind durchaus spürbar. So ist "Damals" ein ehrliches Resümee des steinigen Werdegangs mit dem klaren Appell, dass nicht für Jedermann am Ende des Weges ein mit Gold gefüllter Topf stehen wird. Zwar inhaltlich wenig spektakulär, doch stilistisch variabel gerät "Schnellfuckerhose": Hier verarbeitet Plusmacher den Trap-Beat auf seine eigene Art und Weise und wirkt deutlich weniger anbiedernd als der ein oder andere Trendparasit.

Fazit:
Nach dem wirklich guten "Die Ernte" schafft es Magnum-MC, sich in sämtlichen relevanten Kriterien nochmal zu steigern und liefert ein wahres Subgenrejuwel. Die Grundaggressivität, die im Straßen- oder präziser Tickerrap erforderlich ist, sind ebenso auf seiner Klaviatur wie sein trockener, bisweilen plumper Humor. The Breed, die sich klar federführend der Produktion zeigt, liefert hier ein exzellentes Kit, das sitzt wie ein Maßanzug und dem Magdeburger die Möglichkeit gibt, ein Album abzuliefern, das sich auch nach etlichen Durchgängen weniger abnutzt als der Vorgänger. Zeitgemäß und dennoch eigenständig sind Attribute, die den Instrumentals zuzuordnen sind, die durch ihren treibenden Charakter auch bei Live-Auftritten ordentlich zum Tragen kommen werden. So steigert sich der Plusmacher auf hohem Niveau und bietet lediglich marginale Kritikpunkte, etwa die Überrepräsentation genannter Ausdrücke. Wer "Die Ernte" mochte, wird "Kush Hunter" lieben, selten war diese Werbephrase angemessener.


Lennart Gerhardt



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