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Interview: Pilz (Beef, Gegenkultur, Female Rap, Titelseiten) – Text

veröffentlicht: Mittwoch, 03.06.2015, 18:43 Uhr
Autor: Redaktion


"Beef", das Releasedebüt von Pilz, erscheint diesen Freitag, am 5. Juni. Pilz beantwortete einige Fragen zu ihrem Erstwerk, welches von LOCA, Psyk und Mason Family produziert wurde. Wir wünschen viel Spaß mit dem Interview:


rappers.in:
Du veröffentlichst in Kürze dein Debütalbum "Beef". Fangen wir gleich mit der obligatorischsten, aber eben auch interessantesten Frage an: Was erwartet deinen Hörer darauf?

Pilz:
Rohe Beats und harter Tobak. Ich spreche aus, was mir nicht passt. Und wenn meine Hörer zwischen den Zeilen lesen können, erfahren sie sogar ein ganzes Stück über mich und wie ich lebe. Das Album ist realer, als der ein oder andere vielleicht annehmen mag.

rappers.in:
Bleibst du deiner bisherigen Linie treu oder wird es auch neue Facetten zu sehen geben?

Pilz:
Sowohl als auch. Ich bleibe zu 100% meiner Linie treu. Aber wenn ich ein Album mache, dann richtig. Ich mache noch immer keine pseudodeepen Lieder. Trotzdem habe ich mit "Gert Postel" oder "Meine Fans" Lieder, die es so in der Form noch nicht von mir gegeben hat.


rappers.in:
Als Albumtitel hast du mit "Beef" ein derzeit sehr präsentes Wort in der deutschen HipHop-Szene gewählt. So ist der Terminus nicht nur stellvertretend für Streit und Auseinandersetzung, allerdings natürlich auch das Wort für Fleisch, was für dich als Veganerin (Quelle: entr Berlin Interview) durchaus ein Paradoxon darstellen dürfte. Spiegelt sich diese Widersprüchlichkeit auch in deinem Album wieder oder besteht hier keine Parallele?

Pilz:
Genau! "Beef" ist der perfekte Titel für mein erstes Album. Ich möchte Beef, ich suche Beef und bekomme Beef. Die Widersprüchlichkeit findet man direkt auf meinem Cover. Aber das ist natürlich gewollt. Ich möchte schocken und verwirren. Ich freue mich sowohl über jeden, der meine Kunst versteht, als auch über jeden, der sie nicht versteht.


rappers.in:
An wen richtet sich der Beef denn überhaupt? Und inwiefern bist du daran beteiligt?

Pilz:
Namentlich disse ich primär Kitty Kat für ihre weake Entwicklung als Rapperin. Und DAS BO bekommt auch sein Fett weg. Ich finde, der ist sowieso viel zu glimpflich davon gekommen, wenn ich an die schlechten Werbespots für die Rügenwalder Mühle denke. Ansonsten ganz gewohnt anti. Gegen die Kultur, gegen die Gesellschaft und gegen jeden, der gegen mich ist.

rappers.in:
Jüngst hast du die Berliner Rapperin Kitty Kat zu einem DLTLLY-Match herausgefordert. Wie ist es dazu gekommen und wie realistisch schätzt du es ein, dass dieses Battle tatsächlich zustande kommt?

Pilz:
Nein, auf keinen Fall. Was ich schade finde. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihre Fans das ebenfalls cool finden würden. Aber wahrscheinlich hat sie mit ihrem Money Boy Diss begriffen, dass ihr das nicht so liegt.


rappers.in:
Interessanterweise hast du unter all den MCs, die sich eventuell für ein interessantes Wortgefecht angeboten hätten, eine deiner wenigen weiblichen Kolleginnen ausgesucht. Wie kamst du zu dieser Entscheidung?

Pilz:
Wenn ich in ein Live-Battle gehe, dann nur gegen eine Frau. Einfach um für mich und für die Zuschauer den Reiz des Battles zu steigern. Und bei allen Rapperinnen kann ich mit Kitty Kat im Allgemeinen am wenigsten anfangen.


rappers.in:
Was ist deine allgemeine Position zu weiblichem Rap in Deutschland?

Pilz:
Es gibt noch nicht viele Frauen in Deutschland, die gut rappen, Style haben und authentisch sind. Aber ich denke, das wird sich automatisch mit der Zeit ändern. Ich persönlich kann zum Beispiel nichts mit der Musik von ÉSMaticx anfangen, finde sie aber trotzdem cool. Sie hat ihren eigenen Style und ist einfach super authentisch. Auch Schwesta Ewa oder Agent Olivia Orange sagen mir zu.


rappers.in:
Welche Rolle – wenn überhaupt – spielt dein Geschlecht in deiner Musik? Oder fühlst du dich als Rapperin in einer signifikant anderen Position im Gegensatz zu deinen männlichen Kollegen?

Pilz:
Ich muss weder die große Feministin geben noch mich verstecken, weil ich eine Frau bin. Ich bin Rapperin, nicht mehr und nicht weniger.


rappers.in:
Werden dir häufig Fragen dazu gestellt, dass du eine der wenigen weiblichen Rapperinnen in Deutschland bist? Und wie fühlst du dich oder was denkst du dir bei solchen Fragestellungen?

Pilz:
Man wird tatsächlich oft zu dieser Thematik befragt. Aber es ist auch aktuell und deshalb geht es auch klar für mich. Die Fragen sind ja berechtigt.



rappers.in:
Wie man an deinem bisherigen Schaffen unschwer erkennen kann, ist dein Metier eindeutig der Battle-Rap. Würdest du deine Themenpalette darauf stringent beschränken oder hältst du es für möglich, dich thematisch auch in andere Richtungen zu öffnen?

Pilz:
Battle-Rap ist einfach mein Ding und das wird es auch immer bleiben. Aber auch mein gesellschaftskritisches Weltbild wird thematisch immer wieder Platz in meiner Musik finden.


rappers.in:
Mit dem Signing bei Wolfpack Entertainment bist du als Musikerin einen großen Schritt gegangen. Wie kam das eigentlich zustande? Und wie hast du die bisherige Zusammenarbeit empfunden?

Pilz:
Ich hatte in den letzten Monaten verschiedenste Möglichkeiten zur Auswahl, doch wollte unbedingt zu D-Bo. Da bereue ich auch nichts. Der Typ bringt eine Menge an Erfahrung mit und weiß, was er da tut. Ich bin einfach hungrig auf mehr.


rappers.in:
Was können wir in Zukunft noch von dir erwarten, was sind deine Pläne nach "Beef"?

Pilz:
Es geht direkt weiter. Nach dem Album ist vor dem Album. Ich habe Blut geleckt und will unbedingt fester Bestandteil der Szene werden.


rappers.in:
Ist dein Ziel immer noch die BILD-Titelseite?

Pilz:
Definitiv. Ich freue mich, wenn ich für mein Schaffen von HipHop-Fans verstanden und respektiert werde. Ein Juice-Cover wäre ein wahr gewordener Traum. Aber die BILD-Titelseite zu zieren, wäre dann das Nonplusultra.




Pilz bei Facebook

"Beef" erscheint am 05.06.2015 bei Amazon und iTunes

"Beef"-Releasekonzert:

  • Datum: 19.06.2015
  • Ort: Comet Club, Falckensteinstraße 47, 10997 Berlin-Kreuzberg
  • Eintritt: 7,- € AK
  • Einlass: 21 Uhr
  • Beginn: 22 Uhr
  • Special-Guests: Die Säcke, Jaspa, AOR
  • Event bei Facebook


Redakteure: Cuttack, KDePa, Li, Max

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