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Special: Picked That! #4

veröffentlicht: Samstag, 04.02.2017, 15:17 Uhr
Autor: Sanchyes

Das rappers.in News-Team veröffentlicht derzeit durchschnittlich knapp 8 News über neue Tracks an einem Tag, hochgerechnet auf eine Woche macht das 56 Meldungen. Spinnt man das Ganze noch weiter, kommt man in einem Monat letztendlich auf 240 neue Tracks. Erwähnenswert ist zusätzlich allerdings auch noch, dass unter diese Rechnung hauptsächlich Singles fallen, die vor allem für das breite Spektrum von Interesse sind. Man darf schließlich nicht vergessen, dass sich neben den Auskopplungen noch ein paar Titel mehr auf einem Langspieler befinden, die in unserer Berichterstattung allerdings regelrecht den Rahmen sprengen würden. Wer da am Ende noch den Überblick über alle nennenswerten Releases hat, hätte nicht allzu schlechte Chancen mit seinem fotografischen Gedächtnis die Rolle vom "Mentalist" Patrick Jane einzunehmen. Während wir in unserer Digged That!-Reihe die Sachen unter dem Radius der Berichterstattung ausgraben, wollen wir uns in Picked That! nun überwiegend mit den Highlights aus der deutschen und internationalen HipHop-Landschaft beschäftigen, und zwei Spotify-Playlists präsentieren, welche zum Ende des Monats nochmal die Songs beinhalten, die für uns besondere Aufmerksamkeit verdient haben.



Nachdem man sich im Dezember des vergangenen Jahres immerhin in den ersten Wochen noch über einige relevante und teils mehr, teils weniger gute, Releases hatte freuen dürfen, begab sich Deutschrap über die Feiertage in einen kleinen Winterschlaf, der auch im Januar, zumindest mit Blick auf den Releasekalender, nicht so recht enden wollte. So waren relevante Alben rar gesät, gute umso mehr. Auch die Feuilletonlieblinge der Antilopen Gang konnten nicht auf voller Linie überzeugen. Dennoch finden sich auch von "Anarchie und Alltag" zwei Titel in unserer aktuellen Playlist wieder, auf denen die Gang, einmal zusammen mit Fatoni, ihre Stärken ausspielen kann. In die gleiche Kerbe – also teils gefallen, aber nicht vollends überzeugen – fallen auch die meisten anderen Januarveröffentlichungen, weshalb sich auch Sido-Schützling Estikay und das schrille Generation-Azzlack-Signing Soufian hier wiederfinden dürfen. Witten Untouchable wussten hingegen schon mehr zu gefallen und präsentierten mit ihrem zweiten Langspieler "Republic of Untouchable" gelungenen, klassischen HipHop, der auch von uns gewürdigt wird. Die einzige, die neben den Ruhrpottlern auf Releaselänge überzeugen konnte, ist Picked-That!-Dauergast Haiyti, die in Kollaboration mit dem Produzentenduo Die Achse alle Freunde des modernen, abgedrehten Trapfilms glücklich machen konnte.

Wer sich nach dem einleitenden Absatz nun dachte, dass uns die monatliche Auswahl so schwer wie selten zuvor gefallen sein muss, irrt, denn trotz fehlender Alben bot der Jahresbeginn einige kleine Highlights. Dauergast ist da schon ein gutes Stichwort, so versorgte auch der junge und inzwischen verdientermaßen hochgeschätzte Chima Ede seine Fans wieder mit mehreren Tracks, von denen sich auch zwei in unserer neuen Playlist wiederfinden. Anders als der Berliner ließ RIN lange Zeit wenig von sich hören, zuletzt bereicherte der Rapper Shindys "Dreams" mit der wohl hitverdächtigsten Hook des Langspielers, jetzt legte er auch mit eigenen Tracks nach. So überzeugt der Süddeutsche auf "Blackout" und "Dizzee Rascal Type Beat" durch lässigen Lifestylerap und darf deswegen gleich beide Titel in Picked That! platzieren. Auch Bausa zählt spätestens seit seinen Gastbeiträgen auf "Unzensiert" in Expertenkreisen zu den vielversprechendsten Newcomern unserer Szene, mit "Baron" unterstrich der Künstler gleich einmal, warum.

Natürlich finden sich neben diesen vergleichsweise neuen Künstlern auch einige mehr oder weniger alteingesessene Artists in der aktuellen Picked-That!-Ausgabe wieder. Da ist zum Beispiel Private Paul, der in Untergrund- und Onlinekreisen schon seit Jahren zu den (Geheim-)Favoriten gehört. Im vergangenen Jahr konnte der MC die bislang größten Erfolge seiner Karriere einfahren. Genau das und alles, was 2016 sonst noch um ihn herum geschehen ist, lässt er in seinem neuesten "Statusbericht" noch einmal Revue passieren. Auch Mädness und Döll dürften für deutsche Untergrundheads keine neuen Namen sein, im März veröffentlicht das Brüderpaar ein neues Album, im frisch abgelaufenen Monat gab es einen ersten Vorboten, der genau das hält, was diese Konstellation verspricht und deshalb auch wenig überraschend in unserer Playlist auftaucht. Einen Ausblick auf sein kommendes Album gab auch Kopfticker-Signing Plusmacher: "Hunnies" dreht sich natürlich wie üblich um den Verkauf und Konsum von Gras, versprüht dabei aber eine angenehme Soundästhetik, weshalb der Song trotz dieses ewigen Themas nicht verbraucht wirkt. Zu guter Letzt ließ auch Sentino, nach einigen Tracks auf polnisch, wieder in deutscher Sprache von sich hören und kündigte gleich ein neues Werk an. "Milieu" ist der erste Vorgeschmack auf dieses, mit dem der Rapper zeigt, dass er trotz seines häufig eher peinlichen Verhaltens durchaus in der Lage dazu ist, brauchbare Rapsongs abzuliefern.

Das alles und noch einiges mehr könnt Ihr Euch nun hier anhören:



Nicht nur Deutschrap war im Januar im Winterschlaf, auch die weltweite Hip Hop-Szene geizte ziemlich mit neuer Musik. Durch ein paar Releases gegen Ende des Monats kann man jedoch glücklicherweise festhalten: Das Motto lautete auch dieses Mal wieder "Qualität statt Quantität"! Angefangen mit dem neuen Migos-Album "Culture", das die teilweise immensen Erwartungen der meisten Rap-Fans durchaus erfüllen konnte. Neben dem gehypten "Bad and Boujee" wissen auch viele weitere Tracks zu überzeugen. Angefangen bei "T-Shirt", das Anfang Januar sogar mit einem Video versehen wurde, herrschte in der Redaktion vor allem Begeisterung über die Tracks "Slippery" und "Culture". Während beim erstgenannten Song neben dem bass-lastigen Instrumental von OG Parker und Deko vor allem der Feature-Part von Gucci Mane für den Wow-Effekt sorgte, war es bei "Culture" die herausragende Ansage von DJ Khaled, die als Intro perfekt funktioniert und hervorragend auf alles einstimmt, was dem Intro folgt. Einen ähnlichen Swag-Level besitzt sonst wohl nur Riff Raff, der sich nicht nur dank seines neuen Mixtapes "Aqauberry Aquarius" und einer hörenswerten Wiz Khalifa-Hook auf "Test Drive" mit demselben Track in der dieswöchigen Picked-That!-Ausgabe wiederfindet. Auch sonst kann man das Tape des "Butterscotch Bosses" jedem ans Herz legen, der nicht allzu sehr auf durchdachte und tiefgründige Lyrics wert legt.

Nicht auf demselben Swag-Level, dennoch aber ein wenig durchgedreht (und das ist noch untertrieben), ist niemand geringeres als Lupe Fiasco. Nachdem dem MC aus Chicago im Dezember 2016 antisemitische Äußerungen zur Last gelegt worden waren, kündigte er auf Twitter seinen Rücktritt an, woraufhin er beim nächsten Konzert einen Rant losließ und nochmals seine Rücktritt-Pläne kundtat, nur um zwei Tage später wiederum mit "Drogas Light" ein neues Album anzukündigen. Im Februar soll es so weit sein, wobei sich das nach ein paar Ausrastern schnell mal wieder ändern kann. Gewiss ist nur, dass der 34-Jährige durchaus ein begnadeter MC ist und auch im Januar mit "Jump" und "Tranquillo" zwei hervorragende Auskopplungen, in welchen sicherlich nicht nur die Features (unter anderem von Rick Ross) zu gefallen wissen, an den Start brachte. Da keimt doch die Hoffnung auf, dass es tatsächlich was mit dem Release wird. Doch nicht nur die Fans von Lupe Fiasco sind in reger Erwartung: So langsam wollen auch J. Cole-Fans Gewissheit, ob und wann es zu einem Kollabo-Album mit Kendrick Lamar kommt. Um ein wenig Wind aus dem Segel zu nehmen, kommt der Gute mit dem Solo-Track "High for Hours" um die Ecke und zeigt, dass derartige Hektik gar nicht nötig ist.

Neben den bereits genannten und gestandenen Artists wussten auch einige Sprechgesangskünstler unter dem Radar der Mainstream-Medien zu überzeugen. Da wären zum Beispiel Ayo & Teo, die mit ihrem Hit "Rolex" einen neuen Trend ausrufen wollen. Unter den Hashtags #rolexchallenge und #rolexdance kann man beobachten, wie das Ganze so aussieht. Weniger um virale Hits bemüht ist der 29-Jährige SiR. Nachdem der MC aus Inglewood, Kalifornien im letzten Jahr seine "HER"-EP herausbrachte, wurde er nach großartigen Resonanzen auch entsprechend belohnt, indem er dieses Jahr einen Vertrag mit Top Dawg Entertainment ergattern konnte. Um das zu feiern, veröffentlichte SiR nun mit "W$ Boys" einen Song, der an die Stimmung von "HER" anknüpft und durchaus Lust auf mehr macht. Ebenso eine große Zukunft hat auch Maxo Kream vor sich, der mit dem Song "Grannies" auf unterhaltsame Art und Weise auf eine Begebenheit aus seiner Teenager-Zeit zurückblickt, um nach eigener Aussage seinen Fans deutlich zu machen, wer er überhaupt ist und warum er das macht.

Warum sie das machen, kann man bei der folgenden Aufzählung nicht von jedem mit Gewissheit sagen, sicher ist jedoch, dass wir einfach froh sein dürfen, dass sie das machen. Ebenfalls in unserer internationalen Picked-That!-Playlist befinden sich neben den bereits genannten Artists unter anderem auch noch Joey Bada$$, Jazz Cartier, IAMSU!, Jefe, Wale, Lil Wayne und viele mehr:



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