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Special: Picked That! #3

veröffentlicht: Samstag, 07.01.2017, 14:02 Uhr
Autor: Wossap

Das rappers.in News-Team veröffentlicht derzeit durchschnittlich knapp 8 News über neue Tracks an einem Tag, hochgerechnet auf eine Woche macht das 56 Meldungen. Spinnt man das Ganze noch weiter, kommt man in einem Monat letztendlich auf 240 neue Tracks. Erwähnenswert ist allerdings auch noch, dass unter diese Rechnung hauptsächlich Singles fallen, die vor allem für das breite Spektrum von Interesse sind. Man darf schließlich nicht vergessen, dass sich neben den Auskopplungen noch ein paar Titel mehr auf einem Langspieler befinden, die in unserer Berichterstattung regelrecht den Rahmen sprengen würden. Wer da am Ende noch den Überblick über alle nennenswerten Releases hat, hätte nicht allzu schlechte Chancen, mit seinem fotografischen Gedächtnis die Rolle vom "Mentalist" Patrick Jane einzunehmen. Während wir in unserer Digged That!-Reihe die Sachen unter dem Radius der Berichterstattung ausgraben, wollen wir uns in Picked That! nun überwiegend mit den Highlights aus der deutschen und internationalen HipHop-Landschaft beschäftigen, und zwei Spotify-Playlists präsentieren, welche zum Ende des Monats nochmal die Songs beinhalten, die für uns besondere Aufmerksamkeit verdient haben.



2016 war für den internationalen, insbesondere amerikanischen, französischen und britischen HipHop ein grandioses Jahr. Das zeigt sich auch dadurch, dass hier im Dezember eine riesige Auswahl vorhanden war, was zu einigen Streitigkeiten führte, welche Songs letztendlich in die "Picked That!"-Playlist müssen. Allerdings gab es natürlich auch den ein oder anderen Artist, welcher über jeden Zweifel erhaben war. Einer von diesen ein oder anderen Artists ist J. Cole, der zu Beginn des Monats mit überraschend kurzer Vorankündigung sein "4 Your Eyez Only" an den Start brachte. Während der letzte Longplayer "2014 Forest Hills Drive" noch ein wenig hitlastiger war, setzte der 31-Jährige jetzt mehr auf ein stimmiges Gesamtwerk, was natürlich nichts an der Tatsache ändert, dass auch auf "4 Your Eyez Only" so mancher Track herausstechen kann. Zu nennen ist hier auf jeden Fall "Deja Vu", dessen Sample-Beat (von KPs & Envyis "Swing my Way") für einige Diskussionen sorgte, da sich unter anderem auch schon Bryson Tiller, B.o.B und Charles Hamilton an dem Sample bedienten. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist der Track "Immortal", auf dem sich Cole mit dem Tod beschäftigt. Einmal aus der Sicht eines befreundeten Drogendealers und dann nochmal aus seiner eigenen Sicht, beziehungsweise aus der Sicht eines Artists. Man darf gespannt sein, was demnächst noch von J. Cole folgt. Ein Kollabo-Album mit Kendrick Lamar als nächstes Projekt scheint inzwischen nicht mehr allzu unwahrscheinlich.

Wenn wir schon beim Namen Kendrick Lamar sind, können wir auch gleich beim Label "Top Dawg Entertainment" bleiben, das nicht nur K-Dot, sondern auch Ab-Soul unter Vertrag hat, der mit "Do What Thou Wilt." im Dezember ein neues Album auf den Markt brachte. Nicht nur auf dem Track "RAW (backwards)" zusammen mit Zacari, sondern auch auf "Beat That Case /// Straight Crooked" zeigt er im direkten Vergleich mit seinem "TDE"-Kollegen ScHoolboy Q, dass sich der 29-Jährige MC aus Los Angeles nicht hinter seinen Label-Partnern verstecken muss. Besonders auf "Beat That Case /// Straight Crooked" zeigen sowohl Q als auch Soul, warum sie derzeit zu den besten MCs der Staaten gehören.

Auch einer, der das Potenzial hat, zu den besten MCs der Staaten zu gehören, dies aber in den letzten Jahren zu wenig zeigte, ist Kid Cudi. Nach seinen letzten beiden eher misslungenen Alben "Speedin Bullet 2 Heaven" und "Satellite Flight: The Journey to Mother Moon" deutete das Multitalent in diesem Jahr mit einigen Feature-Parts, unter anderem auf dem Travis Scott-Album "Birds In The Trap Sing McKnight" sein Können wieder einmal an. Nachdem er sein Album "Passion, Pain & Demon Slayin" ankündigte, durfte man sich Hoffnungen machen, dass der Cudder wieder zurück zur alte Stärke findet. Jetzt, knapp zwei Wochen nach Release, kann man sagen, dass die Hoffnungen zur Realität wurden und der 32-Jährige tatsächlich einen "Album of the Year"-Kandidaten an den Start bringen konnte. Gerade auf den beiden Tracks "By Design" und "Dance 4 Eternity" legt Kid Cudi dar, dass er nie etwas verlernt hat und knüpft grandios an den ruhigen Stil von seinen ersten beiden Alben "Man on the Moon: The End of the Day" und "Man on the Moon II: The Legend of Mr. Rager" an. Durch "By Design" kommt auch noch eine weitere Erkenntnis hervor: Es wäre wirklich mal an der Zeit für ein Solo-Album von André 3000!

Auch beim folgenden Gast, der auch schon in "Picked That! #2" doppelt vertreten war, war ein Solo-Album auch mal langsam fällig. Und zwar handelt es sich um niemand geringeres als Post Malone. Nach vielen Auskopplungen und unzähligen Features war es dann am 9. Dezember endlich soweit! Nachdem verschiedenste Komplikationen überwunden worden waren, konnte der Mann aus dem Süden der USA nun sein Debüt-Album "Stoney" an den Start bringen, wobei man schlussendlich sagen kann, dass sich die lange Wartezeit gelohnt hat. Neben vorher bekannten Tracks wie "Congratulations" (feat. Quavo) oder "Go Flex" sind auch die beiden Tracks "Broken Whiskey Glass" und "I Fall Apart" auf jeden Fall eine eigenständige Erwähnung wert, da sie zeigen, dass Post Malone mit ein wenig mehr Kontinuität das Potential hat, zu den ganz Großen in seiner Riege aufzusteigen.

Weihnachtsgeschenke sind was tolles! Besonders, wenn man eigentlich gar nicht mit etwas rechnet und überrascht wird, ist die Freude am größten. Dieses Gefühl wollten Run The Jewels wohl vermitteln, da sie ihr Album "RTJ 3" schon am ersten Weihnachtsfeiertag und nicht wie zuerst angekündigt, am 13. Januar, veröffentlichten. Und was will man noch groß dazu sagen? Die Jungs überzeugen mal wieder durch ihre vielseitigen und auch etwas ungewöhnlichen Produktionen. Wem die Sachen des Duos bisher zugesagt haben, der kann eigentlich mit dem neuen Longplayer auch nichts falsch machen. Wer einen kurzen Einblick erlangen will, kann dies am besten über die beiden Tracks "Hey Kids (Bumaye)" (feat. Danny Brown) und "Thursday in the Danger Room" (feat. Kamasi Washington).

Das war aber natürlich noch nicht alles! Neben den genannten Artists finden sich dieses Mal auch noch Childish Gambino, Kodak Black, Yung Lean, Wale und noch ein paar mehr in der internationalen "Picked That!"-Playlist aus diesem Monat.



(Wossap)

Während man sich international zum Jahresende noch über zahlreiche hörenswerte Alben freuen durfte, sah das in der deutschsprachigen Szene schon ganz anders aus. So veröffentlichten zwar mit Kollegah und MoTrip zwei der kommerziell erfolgreichsten und medial relevantesten Rappern neue Releases, wirklich überzeugen konnten uns die beiden aber damit nicht, weshalb sie in unserer monatlichen Auswahl komplett fehlen. Gerade ersterer stach eher durch ungewollt amüsante, überproduzierte Videos und dazu passenden, ungelenken Rap hervor, als durch hochwertige oder auch nur interessante Musik. Genetikk zeigten hingegen schon eher, wie das aussehen sollte. Zwar kann man auch den Videoprojekten der Saarbrückener Gruppe Überproduktion attestieren, mit "Fukk Genetikk" lieferten diese aber immerhin ein solides Album ab, von dem sich der Track "Diamant" in unserer Picked That!-Playlist findet.

Doch das womöglich relevanteste Release des Jahresendes wurde ja noch gar nicht erwähnt: Denn während ein Kollegah immer noch gut verkauft, war in diesem Jahr schon ein gewisser Rückgang der Relevanz und Einbruch seines Vormachtsstatus sichtbar, was auch bereits von unserem Chefredakteur Max dargelegt wurde. Im Gegensatz dazu bauten Bonez MC und RAF Camora 2016 mit ihrer Vereinigung von Dancehall und HipHop in einer zeitgenössischen Interpration eine selten gesehene Hypewelle auf. Diese sollte auch adäquat genutzt werden, weshalb das Erfolgsalbum "Palmen aus Plastik" knapp drei Monate nach der Veröffentlichung bereits rereleast wurde. Als kleines obendrauf gab es noch drei EPs, die uns alle auf ihre Weise zu gefallen wussten. So gab es mit "Tannen aus Plastik" eine Fortsetzung des Erfolgssounds zu hören, zudem präsentierte Maxwell seine ganz eigenen, sommerlichen Dancehallanleihen und dank der "Allstars EP" gingen auch Freunde des klassischen 187-Stils nicht leer aus. Aus all diesen drei Veröffentlichungen pickten wir uns kleine Schmuckstücke heraus, die wir für besonders hörenswert halten.

Wenn wir gerade schon bei Veränderungen in der Deutschraplandschaft waren: In den USA stirbt die Mixtapekultur ja bekanntlich langsam aus und die Grenze zwischen Album, Mixtape und EP geht immer weiter auf inexistent zu. In Deutschland hat sich in den letzten Jahren, trotz Deluxeboxwahnsinns, ewigen Promophasen und einer gefühlten Überkommerzialisierung, eine kleine Subszene gebildet, für die kostenlose Releases nicht nur Mittel zum Zweck sind, also spätere Albumverkäufe, sondern eben eine bewusste Entscheidung. Zu dieser gehört auch LGoony, der mit "Intergalactica" sein drittes Mixtape veröffentlichte, das vor allem durch das moderne, trappige Soundbild, welches von DJ Heroin und hnrk angefertigt wurde und teils an Bones erinnert, sowie die autotunelastigen Flows des Kölners überzeugen kann. Genau deshalb finden sich auch der Solotrack "Heilig" und "Kanye West" mit Haiyti in unserer Playlist wieder.

Haiyti ist ein gutes Stichwort. Denn obwohl die Künstlerin erst im vergangenen Monat ein neues Mixtape releast hatte, welches in dieser Rubrik auch entsprechend gewürdigt wurde, kennt sie anscheinend keine Pause. So kündigte sie bereits eine neue EP in Zusammenarbeit mit Die Achse an, und lieferte als ersten Vorboten eine schrille, überdrehte Hymne ans Singledasein, die die Grenze von "großartig" zu "too much" beinahe überschreitet. Wie gesagt, beinahe. Doch die Hamburgerin ist nicht der einzige Newcomer, der sich in unserer Playlist wiederfindet, denn dank einem aggressiven Chima Ede und einem gewohnt vertrappten Ufo361 befindet sich das halbe Juicecover in der aktuellen Picked That!-Ausgabe. Neben diesen mehr oder weniger etablierten Neulingen schickt auch das Immer-Ready-Camp einige ihrer Künstler ins Rennen, weshalb auch morten, Mauli, Marvin Game, Robo und Al Kareem einen Platz finden.

Doch auch Freunde der alten Schule gehen nicht leer aus und auch da ist Al Kareem ein passender Name. Denn genau wie Chima Ede beherrscht auch der Wittener den Spagat zwischen neuzeitlichen Soundentwicklungen und klassichem HipHop. Die letztere Vorliebe lebt er am liebsten mit seinen beiden Heimatstadtkollegen Lakmann One und Magic Mess als Witten Untouchable aus. Mit "Wenn ich fall" präsentieren die drei Rapper einen weiteren Vorgeschmack auf ihren kommenden Langspieler, auf dem sie Themen wie Realness oder den aktuellen Status des Rapgames im klassischen Stil mit Bars aufarbeiten. Während die Ruhrpottler sich also mit anderen beschäftigen, schaut Megaloh lieber auf sein eigenes Jahr zurück. Zurecht, denn so erfolgreich wie 2016 war der Moabiter noch nie.

Wir wollen hingegen schon mal einen Blick in die nahe Zukunft wagen, weshalb ein Großteil der verbleibenden Playlist aus Singles zukünftiger Veröffentlichungen besteht. So gab Generation Azzlack-Signing Soufian einen weiteren Einblick in sein kommendes Mixtape, zu dem es selbstverständlich auch eine Deluxebox gibt, und sicherte sich für diesen die Unterstützung seines Labelchefs Haftbefehl. Ein weiterer Name, den man fürs nächste Jahr im Hinterkopf behalten sollte, ist Schote, der vielen von Euch sicherlich schon durch Teilnahme am VBT oder anschließende Releases bekannt sein könnte. Mit "Schuss" gab es einen ersten Einblick in das kommende Debütalbum, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

All das und noch einiges mehr findet sich in unserer nationalen Picked-That!-Playlist, die Ihr Euch nun hier anhören könnt:



(Sanchyes)

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