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Special: Picked That! #2

veröffentlicht: Samstag, 03.12.2016, 14:46 Uhr
Autor: Sanchyes

Das rappers.in News-Team veröffentlicht derzeit durchschnittlich knapp 8 News über neue Tracks an einem Tag, hochgerechnet auf eine Woche macht das 56 Meldungen. Spinnt man das Ganze noch weiter, kommt man in einem Monat letztendlich auf 240 neue Tracks. Erwähnenswert ist allerdings auch noch, dass unter diese Rechnung hauptsächlich Singles fallen, die vor allem für das breite Spektrum von Interesse sind. Man darf schließlich nicht vergessen, dass sich neben den Auskopplungen noch ein paar Titel mehr auf einem Langspieler befinden, die in unserer Berichterstattung regelrecht den Rahmen sprengen würden. Wer da am Ende noch den Überblick über alle nennenswerten Releases hat, hätte nicht allzu schlechte Chancen, mit seinem fotografischen Gedächtnis die Rolle vom "Mentalist" Patrick Jane einzunehmen. Während wir in unserer Digged That!-Reihe die Sachen unter dem Radius der Berichterstattung ausgraben, wollen wir uns in Picked That! nun überwiegend mit den Highlights aus der deutschen und internationalen HipHop-Landschaft beschäftigen, und zwei Spotify-Playlists präsentieren, welche zum Ende des Monats nochmal die Songs beinhalten, die für uns besondere Aufmerksamkeit verdient haben.



Im internationalen Bereich lautete das Motto in diesem Monat eher Qualität statt Quantität, weswegen es nicht verwundert, dass sich insgesamt vier Künstler gleich mehrmals in unserer Playlist wiederfinden. Zu Beginn zu nennen, ist da natürlich The Weeknd, der mit seinem neuen Album "Starboy" für Furore sorgte. Nachdem der 26-Jährige mit seinem letzten Langspieler "Beauty Behind the Madness" zum Megastar aufstieg, gilt es nun, diesen Status zu halten. Dass man dafür schwere Geschütze auffahren muss, ist nichts Neues. Deswegen überrascht es auch kaum, dass man auf "Sidewalks" einen äußerst gelungenen Feature-Part von niemand Geringerem als Kendrick Lamar zu hören bekommt. Wen das noch nicht vollends überzeugt hat, sollte sich auf jeden Fall auch noch "Party Monster" zu Gemüte führen. Spätestens dann sollte das Bedürfnis aufkommen, sich die ganze LP mal in Ruhe anzuhören.

In Ruhe sollte man auch das neue A Tribe Called Quest-Album genießen. Nach dem Tod von Phife Dawg veröffentliche die Gruppe um Q-Tip, Jarobi White und Ali Shaheed Muhammad nun nach 18 Jahren Wartezeit mit "We got it from Here ... Thank You 4 Your service" die letzte Platte des Trios. Besonders die beiden Tracks "We The People ..." und "Kids ..." zeigen dabei, dass keiner der Artists auch nur irgendwas verlernt hat und präsentieren sich allesamt in Bestform. An dieser Stelle sollte man einfach mal Danke sagen: Danke für mehr als 30 tolle Jahre!

Ob YG es auch schafft, sich 30 Jahre ganz oben im Business festzubeißen, darf doch eher bezweifelt werden. Fakt ist jedoch, dass der Rapper aus den Staaten durch seine letzten beiden Alben "My Krazy Life" und "Still Brazy" in seinem Heimatstaat Kalifornien inzwischen auch schon Kult-Status genießt. Dass sich daran erstmal nichts ändert, unterstreicht auch sein kürzlich erschienenes Mixtape "Red Friday", in welchem er konsequent den Westcoast-Stil aus "Still Brazy" fortfährt und damit die Fahne für den Westen des Landes weiter hochhält. Unterstützung erhält er dabei von 21 Savage und den beiden "Local-Heroes" Mitch und RJmrLA, wobei besonders das 21 Savage-Feature auf "I Be On" hervorzuheben ist. Ebenfalls auf dem Schirm haben sollte man "I'm A Thug Pt. 2", der in seiner Aufmachung genauso gut auf dem "Still Brazy"-Tape hätte Platz finden können.

Von der Westküste geht es direkt weiter zur Ostküste, wo schon Post Malone auf uns wartet. Knapp eine Woche dauert es noch, bis das Republic-Member mit "Stoney" sein Debüt-Album an den Start bringt. Um die Zeit bis dahin zu versüßen, veröffentlichte der Künstler im November zwei Tracks, die schon einen kleinen Einblick liefern, wie das Soundbild des Albums am Ende aussehen wird. Sowohl auf "Patient" als auch auf "Congratulations" präsentiert sich der "White Iverson"-Star wie gewohnt von seiner ruhigen Seite, weswegen es schon ein wenig überrascht, dass sein Feature-Gast Quavo sich so gut in dieser Atmosphäre einfindet. Man darf gespannt sein, ob sich die gesamte LP von Post Malone auf diesem hohen Niveau bewegen wird. Seine Europa-Tour, und dadurch auch einige Gigs in Deutschland, sagte der New Yorker zwar vor kurzem erst ab, wenn dies allerdings dazu gehört, dass der 21-Jährige in seiner gewohnten Umgebung "Stoney" so kurz vor Release noch den letzten Feinschliff verpassen will, kann man ihm wohl oder übel noch verzeihen.

Besonders hervorheben möchte ich dieses Mal KAMI aus dem jungen Chicagoer Künstlerkollektiv SAVEMONEY, das dafür bekannt ist, MCs wie Chance The Rapper, Vic Mensa oder Joey Purp hervorgebracht zu haben. Wer KAMIs neuen Track "Foundation" gehört hat, weiß, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, bis auch dessen Name gleichwertig neben den eben genannten stehen wird. Auf einem Beat von Knox Fortune reißt der Newcomer ordentlich ab, representet dabei seine Crew und teilt zugleich auch noch Rundumschläge gegen die Musikindustrie aus. Hoffentlich behält er den Hunger bei, wenn er Anfang des nächsten Jahres sein Debüt-Projekt auf Albumlänge an den Start bringt.

Das war natürlich noch nicht alles! Neben den genannten Artists finden sich dieses Mal auch noch Future, Lupe Fiasco, G Herbo, Run The Jewels und viele mehr in der dieswöchigen "Picked That"-Playlist:



(Wossap)

Auch national setzt sich die Devise "Qualität statt Quantität" fort. So ist die Anzahl der hörenswerten Releases zwar überschaubar gehalten, doch dafür überzeugen die wenigen, denen diese Bezeichnung gebührt, nur umso mehr: Am stärksten ist in unserer Playlist dabei der Österreicher Crack Ignaz vertreten, der mit gleich drei Tracks aus seinem aktuellen Werk "Marmelade" zugegen ist. Und das nicht zu Unrecht, denn mit seinem neuen Release lieferte er nicht nur ein Mixtape mit erfrischend echtem Mixtape-Charakter – sogar der Verkauf aus dem Kofferraum heraus erinnert an den stereotypischen Strugglerapper – sondern auch eine weitere musikalische Glanzleistung durch seinen gewohnt eingängigen Trapsound verbunden mit dem wohlklingenden Wiener Dialekt.

Bleiben wir noch kurz im deutschsprachigen Ausland, denn von Wien aus ist der Weg zu RAF Camora nicht weit, der in diesem Jahr zusammen mit Bonez MC einen unglaublichen Hype auslöste: So konnten die beiden Rapper nicht nur ihr sommerliches Dancehallalbum "Palmen aus Plastik" als Erfolg verbuchen, vielmehr platzierten sie sich auch mit einigen Singles in den deutschen Charts und staubten für diese sogar Goldauszeichnungen ab. Mit dem Track "Palmen aus Gold" zelebrierten die Künstler genau das – und das musikalisch so gekonnt, dass sie ihren Weg in unsere Playlist finden.

Von Hamburg aus geht es in die nächste Deutschrapmetropole: Auch aus Berlin gab es in diesem Monat natürlich einige neue Musik, besonders begeistert hat uns da zum einen Sido mit seinem Track "Masafaka", der in Kollaboration mit Kool Savas entstanden ist und eine oldschool angehauchte Hymne für HipHop und gegen den Mainstream darstellt, der nach Sicht der beiden Urgesteine Deutschrap immer noch verkenne. Als Gegenstück zu diesem recht klassischen HipHop-Entwurf präsentieren wir Euch mit "Dis is wo ich herkomm" von Takt32 einen recht modern klingenden Song mit Gasparts von Chima Ede und Lü Rique, der jedoch in seiner Themenwahl – der Repräsentation seines Heimatblocks und dem Aufarbeiten der Vergangenheit in Armut – ebenfalls recht klassisch gehalten ist. Doch auch Freunde der lyrischen oder inhaltsstarken Rapergüsse gehen diese Woche nicht leer aus: Da wären zum Beispiel die Feuilletonlieblinge Danger Dan, Koljah und Panik Panzer, zusammen bekannt als Antilopen Gang, die im November nicht nur ein neues Album ankündigten, sondern mit "Das Trojanische Pferd" auch einen ersten Vorgeschmack auf dieses liefern. Dieser fällt zwar wie gewohnt gesellschaftskritisch und politisch aus, doch diesmal arbeiten die Künstler auch die eigene Rolle in der deutschen HipHop- und Medienwelt auf. Cr7z hingegen liefert weniger Kritik, dafür mehr Einblicke in sein Seelenleben, woraus sich auch schnell sowas wie Lebensphilosophien herauslesen lassen. Dass der Rosenheimer aber auch ganz anders kann, beweist er selbst mit "Ikarus Down", seinem zweiten Song in unserer Novemberplaylist, der sehr viel battlelastiger ausfällt und sehr viele Schüsse Richtung Rapszene enthält.

Nach diesen lyrischen Ergüssen tut eine kleine Pause dem ein oder anderen vielleicht gut. Dafür sei Euch Nugat ans Herz gelegt: Zum Ende des Monats veröffentlichte der junge Produzent, der teils als das geheime Wunderkind unserer Szene gehypt wurde, seine EP "Ward 8", die durch atmosphärische, teils hypnotische Instrumentals, welche in ihrer Wirkung ein wenig an die Werke Clams Casinos erinnern, und den darauf angepassten, leichten Gesang überzeugen können und somit für ein entspanntes Hörerlebnis sorgen und eine Atmosphäre liefern, in der man sich wunderbar verlieren kann.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal Haiyti hervorheben: Die junge Hamburgerin, die jüngst den Hamburger Musikpreis als beste Nachwuchskünstlerin gewann, veröffentlichte im vergangenen Monat mit "Nightliner" ihr nächstes Mixtape und zeigte damit erneut, warum sie zurecht von einigen als großer Deutschraplichtblick gesehen wird. So bietet das neueste Release sowohl die vorantreibenden Trapbanger, die in gewohnter Genremanier Lifestylethemen abhandeln, bei denen sie ihren männlichen Sprechgesangskollegen in nichts nachsteht, als auch sanftere Dancehallanleihen, die gut zur Auflockerung und Vielfalt des Mixtapes beitragen. Mit beiden Stilen findet sich die Rapperin mit dem markanten Stimmeinsatz in unserer Playlist wieder. "Geld, Taxis, Hotel" ist ein mitreißender Trapsong, der sofort Lust auf Party und Action macht, während "Mon Cheri" eine Art Liebeshymne darstellt, wofür die Künstlerin erneut Unterstützung von Joey Bargeld erhält.

Neben den genannten Künstlern ist auch noch einiges mehr mit dabei! Auch 3Plusss, Veedel Kaztro und Tua schafften den Sprung in unsere Novemberhighlights, viel Spaß damit:



(Sanchyes)

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