Angemeldet bleiben?

Review: PA Sports – Eiskalter Engel

veröffentlicht: Donnerstag, 13.08.2015, 11:34 Uhr
Autor: Felixxl





01. Intro feat. Amir der Sänger
02. Auf dem Weg
03. All Day
feat. Donell Lewis
04. Meine Werte
05. Scherbenpuzzle
06. Karma is' ne Bitch
07. Rap Heavy Weight
08. Azizam
09. Zendegi
10. Verblendung
feat. Kianush & Amir der Sänger
11. Fernglas
12. Sommer
feat. KC Rebell & Kurdo
13. Kille mit den Lines
14. Battlefield Life
feat. Boz
15. Alemania Westside feat. Manuellsen
16. Rap Heavy Weight 2
17. Am Ziel
feat. RAF Camora

Für einen 25-jährigen blickt PA Sports auf einen durchaus beeindruckenden Werdegang zurück: Ein erstes Mixtape wurde 2006 veröffentlicht, es folgten zwei weitere Alben mit der Crew SAW und anschließend eine Solokarriere, die 2014 in Platz 7 der Charts für das Vorgängeralbum "H.A.Z.E." mündete. Zwar konnten die Kritiker nicht gänzlich überzeugt werden, oftmals wurde von leichtfertig vergeudetem Talent gesprochen, dennoch ist hier klar ein Achtungserfolg zu verbuchen. Nun gilt es für den Essener, die selbst gelegte Messlatte zu übertreffen, was zumindest in Sachen Charts gelungen ist, konnte es sich "Eiskalter Engel" doch nach der ersten Verkaufswoche auf Platz 6 gemütlich machen. Das sagt natürlich noch nichts über gesteigerte Qualitäten am Mikrofon aus, deutet aber darauf hin, dass zumindest seine Fans mit dem neuen Album durchaus glücklich zu sein scheinen. Die Frage an das neue Album lautet demnach schlicht, ob sich "Eiskalter Engel" endlich seinem Talent gerecht aus dem Sumpf der mittelmäßigen Straßenrapper erheben kann oder ob die neu erworbenen Flügel dafür zu schwach sind.

"Wir sind getarnt für den Krieg, die Lage wird mies/
Wenn der schwarze Maserati einbiegt/
Meine Kugeln sind bereit, überflute deinen Hype/
Ihr seid kleine Hurensöhne, du und deine Rhymes/
"
(PA Sports auf "Kille mit den Lines")

In gewisser Weise entspricht das Gehörte teilweise den Erwartungen, die man an den Künstler hat: Pumpende Beats und harte Ansagen, Straßenrap auf einem technisch vernünftigen Level eben. PA weiß durchaus, wo seine Stärken liegen und spielt seinen energischen Flow oftmals gekonnt aus ("Rap Heavy Weight 1&2"), wobei er Unterstützung durch die druckvollen Instrumentals samt orientalisch anmutender Samples erhält. Klar wird hier textlich sicherlich nicht das Rapgame revolutioniert, solide bis gute Hausmannskost ist das aber definitiv. Ob an der Seite von Boz auf dem Beziehungs-Storyteller "Battlefield Life" oder beim gemeinsamen Representen der Hood mit Manuellsen auf "Alemania Westside", was mit angenehmem Retrofeeling daher kommt: Immer dann, wenn das Instrumental genug Druck hat, macht der Essener darauf eine gute Figur. Man mag vielleicht vermuten, dass gute Beats hier dem Rapper zu Gute kommen und das ist auch teilweise der Fall, jedoch fügt er sich mit seiner rauen Stimme und den druckvollen Flows stets gut in das Soundbild ein und sorgt so für Homogenität.

"Du willst die Wahrheit kennen? Dann lass uns reden/
Dieser Trümmerhaufen, der hier vor mir liegt, ist mein Leben/
Ich habe Geduld mit dieser Welt/
Ab heute suche ich die Schulden bei mir selbst/
"
(PA Sports auf "Scherbenpuzzle")

Leider gibt sich ein "Eiskalter Engel" anscheinend nicht mit dem zufrieden, was er wirklich kann, sondern strebt höher zur Sonne, nur um sich dann zu verbrennen. Immer da, wo versucht wird, eine gefühlvolle Seite zu offenbaren, driften Sound und Texte derartig schnell in Richtung Kitsch ab, dass es die Glaubwürdigkeit der Representer untergräbt, eine Falle, die sich PA Sports mit seinen textlichen Widersprüchen selbst stellt. "All' die Scheine machen farbenblind" lautet die Weisheit, die der Essener "Auf dem Weg" für uns parat hat, nur um dann anschließend mit "All Day" einen Song nachzuschieben, der durch eine geradezu unangenehm anbiedernde R'n'B Hook von Donell Lewis auch ohne die Wiederholung der Phrase "All about the money" eine gegenläufige, chartorientierte Geldmacherei aus jeder Pore ausschwitzen würde. Auch die Beats beginnen an dieser Stelle zu schwächeln: Das Sample von "Fernglas" wurde für das einzige Soloalbum eines gewissen Wieners schon besser verarbeitet und bei "Zendegi" fühle ich mich ob des gepitchten Vocalsamples darin bestätigt, dass wir dieses Kapitel des deutschen Hiphop 2005 nicht ohne Grund geschlossen haben. "Du bist am brennen wie der Erdkern" ist auch eine Line, die man nicht unbedingt in einem Liebeslied wie "Azizam" bringen sollte und auch sonst bitte nicht. Leider scheitert "Eiskalter Engel" also immer da, wo der Versuch besteht, sich selbst zu offenbaren und Gefühle zuzulassen. Es wirkt schnell konfus und verwirrend, so kommt "Meine Werte" mit Parts über Statussymbole und Erfolg daher, nur um in der Hook dann klar zu machen, dass man dennoch fest an den eigenen Werten hält. Wäre sicherlich interessant gewesen zu erfahren, was es damit auf sich hat. Nur um an dieser Stelle mal eine der besten Punchlines aus der Grundschule zu zitieren: "Hätte hätte, Fahrradkette!"

"Sie werden kommen und deine Träume für sich nutzen/
Du musst egoistisch sein und auf dich gucken/
Deine Schule raubt dir die Nerven und du willst abgehen/
Doch eines Tages wirst du merken wie dir das fehlt/
"
(PA Sports auf "Fernglas")

Fazit:
"Schuster bleib bei deinen Leisten" – manchmal steckt in alten Sprüchen so viel Wahrheit, dass man die paar Groschen ins Phrasenschwein für ein gut angebrachtes Zitat in Kauf nimmt. Seltener passte diese Aussage besser als bei der neuen Platte von PA Sports. So schafft es der Essener durchgehend, mit seinen energischen Representer- und Battletracks zu überzeugen, auch die musikalische Untermalung zwischen gut platzierten Samples und düsteren Synthiebrettern zeugt hier von vernünftigem Sachverstand. Leider hält man es dann für nötig, auf dem durchaus gelungenen Fundament derartig viele Widersprüche aufzubauen, dass das Haus nicht anders kann als einzustürzen. Immer da, wo der Fuß vom Gas genommen wird, schimmern die lyrischen Unzulänglichkeiten deutlich durch und auch die Produzenten greifen an dieser Stelle oftmals zu tief in die pathosbehaftete Kitschkiste. So bekommt man Beats serviert, die vom Klang her sicherlich auch eine Dekade früher, als gepitchte Vocalsamples noch in waren, nur mittelmäßig gewesen wären und heute gänzlich am Gehörgang vorbeischießen. Schade bleibt es insgesamt um die Fähigkeiten von PA, denn er kann sich durch seine eigenwillige Stimme und den dynamischen Flow durchaus von großen Teilen der Straßenrapszene absetzen. Leider setzt er auf dieser Platte nicht durchgehend auf seine Stärken, sondern verliert sich in nichtigen Geschichten. Blöd gelaufen, dass sich so ein "Eiskalter Engel" nicht auch eiskalt präsentiert und einfach mal auf Albumlänge alles zu Kleinholz schlägt, denn da wäre der Unterhaltungswert und vor allem auch die Authentizität gewahrt und garantiert gewesen. Ja, ich weiß, hätte hätte ...


Felix Bartsch




Bewerte diese CD:

Diese Review wurde 5749 mal gelesen
6 Kommentare zu dieser Review im Forum