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Review: PA Sports – H.A.Z.E.

veröffentlicht: Sonntag, 23.02.2014, 20:52 Uhr
Autor: GameofMo





01. H.A.Z.E.
02. Die Reise geht los
03. Hoch
04. Nicht verstanden
feat. Manuellsen
05. Alles ist gut
06. W.Z.L.L.A.B.
feat. KC Rebell
07. Medina
08. Unsere Taten
09. Kamagra
feat. KC Rebell & Summer Cem
10. 1 Stunde Ruhm feat. Hamad 45
11. Iranis feat. Fard & Mosh36
12. Unbekannter Teilnehmer
13. Letzte Nacht
14. Warum
feat. Kianush
15. Falken 2
16. Für immer loyal
17. Lass los
feat. Mehrzad Marashi
18. Outro

Wie bei kaum einem anderen Rapper fiel es mir bei dem Essener PA Sports immer schon schwer zu entscheiden, was ich von seiner Musik halten soll. Irgendwie war mein Bild von ihm etwas zwiegespalten. Daher bestand die Hoffnung, dass die neue Soloplatte helfen würde, mir eine differenziertere Meinung über ihn zu bilden. Besagtes Release "H.A.Z.E." ist entgegen der ersten Vermutung kein Album, das sich mit dem Konsum gewisser Substanzen beschäftigt, der Name steht vielmehr als Abkürzung für "Hoffnung. Anfang. Zerstörung. Ende." Aus diesem Titel leitet sich laut Aussagen des Künstlers auch der Aufbau des Albums ab: Das "H" und das "A" werden durch die ersten neun Tracks, "Z" und "E" dementsprechend durch die neun Titel danach repräsentiert. Es bietet sich an, diese Aufteilung als Leitfaden für eine Review zu nehmen, da sich doch gravierende Unterschiede zwischen den beiden Albumhälften zeigen.

"Menschen sind daran gewohnt, zu hassen/
Immer dann, wenn die anderen was Großes schaffen/
Aber, Bruder, mittlerweile ist mein Fokus Lachen/
Ich sitz' im Benz und ich kann über dein' Focus lachen/
"
(PA Sports auf "Alles ist gut")

Die Atmosphäre, die der erste Teil vermittelt, ist geprägt von einer Stimmung zwischen Aufbruch und Zufriedenheit, zwischen Motivation und vielleicht sogar guter Laune. Eine fundamentale Rolle spielen hierbei die treibenden Beats, die durchweg elektro- und synthielastig sind. Dass es sich bei PA Sports um einen begnadeten Techniker handelt, lässt sich schon nach wenigen Minuten nicht leugnen. Ausgefeilte Reime und vor allem sein solider Flow, gepaart mit der unverkennbaren Stimme, kennzeichnen seinen Stil. Doch ab und an klingt eine in thematischer Hinsicht nachdenkliche Note durch ("Denn all das Gerede über Gerechtigkeit und Perspektive war ein Witz" – PA Sports auf "Nicht verstanden“). Die Themen Integration und kritische Gesellschaftbetrachtung werden gelungen präsentiert, denn PA beweist die Fähigkeit, seine offenbar scharfe Beobachtungsgabe auch lyrisch umzusetzen und seine Meinung authentisch zu vermitteln. Was dem Track "Nicht verstanden" einen Abbruch tut, ist die von Manuellsen eingesungene Hook, die beim ersten Hören noch einigermaßen gut ins Ohr geht, beim zweiten Mal aber schon stark an den Nerven zehrt und zumindest bei mir mittlerweile für einen Skip sorgt. Schuld daran ist, dass sie zum einen außergewöhnlich oft wiederholt wird und zum anderen Manuellsens Stimme sehr hoch eingesungen wurde und wenig melodische Vielfalt zeigt. Die Features auf "H.A.Z.E." sind generell so eine Sache. Bis auf den Gastauftritt des ebenfalls aus Essen stammenden Hamad 45 und vielleicht noch der von Kianush bleiben die Feature allesamt hinter dem Hauptkünstler zurück und schaffen es nicht, dieses Album zu bereichern. Es entsteht einfach nicht die Harmonie, die erforderlich ist, wenn eine Kollaboration auf den Hörer gelungen wirken soll. Dies liegt an dem eigentlich ja sehr positiven Fakt, dass PA Sports selbst einen technisch überdurchschnittlichen Standard setzt, den die meisten seiner Gäste aber nicht erreichen. Die beiden erwähnten Ausnahmen profitieren vor allem von ihren markanten Stimmen und der Tatsache, dass ihr Flow etwas anders, aber zugleich nicht schlechter als der von PA Sports ist. Dies sorgt dafür, dass die jeweiligen Tracks im Gesamtbild sehr stimmig wirken. Besonders negativ fällt dagegen KC Rebell auf, dessen Beiträge manchmal nichts anderes als ein Kopfschütteln bei mir verursachen können. Weder inhaltlich noch in Sachen Technik oder Unterhaltungsfaktor weiß er auf dieser Platte zu überzeugen. Positiv stechen auf der ersten Hälfte des Albums in jedem Fall "Hoch" und "W.Z.L.L.A.B." hervor – zweitgenannter Track allerdings nur bis zu KC Rebells Einsatz. Beide profitieren von enorm eingängigen Beats, die stark nach vorne gehen und es schaffen, die ausgedrückte Motivation und den Ehrgeiz musikalisch umzusetzen. Sie stellen auch insofern eine Ausnahme dar, als dass die gesungenen Hooks, die auf "H.A.Z.E." praktisch Standard sind, hier passender klingen als bei den anderen Anspielpunkten. Nicht selten wünsche ich mir eine klassisch gerappte Hook, die wahrscheinlich in den meisten Fällen die Atmosphäre besser hätte weitertragen können. Generell sind die ersten neun Tracks in technischer Hinsicht absolut solide, doch leider geht es auch nur selten über solide hinaus. Hin und wieder bringt PA zwar außergewöhnlich starke Passagen, die sind allerdings nicht die Regel. Man merkt somit zugegebenermaßen, wie viel Potenzial in ihm als Rapper steckt, doch er schafft es nicht, dieses dauerhaft zu entfalten. Er bleibt große Strecken hinter seinen eigenen Möglichkeiten zurück und es zeigt sich keine signifikante Steigerung im Vergleich zu den Vorgänger-Releases. Es entsteht zudem der Eindruck, als passe es einfach nicht so wirklich zu PA Sports, davon zu rappen, wie toll sein Leben als mittlerweile vermögender Mann ist und andauernd mit seinem Benz anzugeben, wenn man bedenkt, dass er auf früheren Releases noch davon gerappt hat, dass er nie wie die anderen Rapper sein wolle.

"Guck, ich bring' den Sound, der meine Straße fliegen lässt/
So viele Hunde haben sich verkauft in dem Musikgeschäft/
Ich wollte weg von hier, doch ich bin immer noch da/
Ich bin für immer loyal, für immer loyal/
"
(PA Sports auf "Für immer loyal")

Der zweite Teil des Albums geht mit einem radikalen Bruch weg von der optimistischen, positiven Stimmung der vorherigen Tracks und ist letztlich eher das, was man von dem Essener kennt. Eingeläutet wird diese zweite Hälfte mit dem Track "Kamagra". Die Frage, die sich beim Hören stellt, ist schlicht und ergreifend: Was soll das? Es handelt sich um größtenteils stumpfes, belangloses Gerappe über erigierte Körperteile. KC Rebell schafft es erneut aus den bereits oben erwähnten Gründen, nicht zu überzeugen; auch Summer Cems Part fügt der Darbietung nichts wirklich Neues hinzu und fällt dadurch wenig bis gar nicht auf. Bis auf manche Stellen, die PA vorträgt, ist der Track einfach nicht unterhaltsam – und das ist ja eigentlich genau das, was ein Track dieser Art sein muss. Denn warum sonst sollte man sich anhören, wie mehrere Rapper ihre Glieder in den Himmel loben? Auf diesem Tiefpunkt des Albums folgt dann zum Glück das hörenswerte "1 Stunde Ruhm", auf dem mit dem Beitrag des bei Ruhrpott Illegal unter Vertrag stehenden und durch Fard bekannt gewordenen Hamad 45 das beste Feature der Platte zu finden ist. PA Sports selbst ist mindestens ebenso stark und beide harmonieren sehr gut auf dem eher zurückhaltenden, im Hintergrund agierenden Beat, der dem Rap der beiden viel Raum gibt. Besonders der Flow der Künstler weiß zu überzeugen. Man merkt wieder einmal, dass PA Sports wirklich Potenzial hat, es ihm aber auch hier nicht gelingt, das sonst konstant hohe Niveau zu halten. Zurück in altbekannten Gefilden demonstriert der Künstler dann jedoch endlich wieder seine Stärken: Natürlich kann es kein Album des Esseners ohne Tracks über Probleme mit Frauen geben. Was man ihm schon immer anrechnen musste, war, dass er es schafft, diese Art von Track nicht in schnulzigen Standard abdriften zu lassen. Das gelingt ihm auch auf diesem Release. Der Rap wirkt authentisch, Aussage und Stimmung werden gut transportiert. Eine Harmonie zwischen Rap und Atmosphäre durch Auswahl des passendsten Flows zu kreieren, ist eines seiner überzeugendsten Talente. An "Warum" zeigt sich dann aber das generelle Problem der zweiten Albumhälfte. Es ist zwar inhaltlich eher das Terrain, auf dem sich der Künstler früher heimisch fühlte, dafür ist aber die Umsetzung nicht so überzeugend. Im Gegensatz zu älteren Arbeiten gelingt es PA Sports nicht, den Hörer in seinen Bann zu ziehen und zu fesseln. Vielleicht sorgen auch gerade die hohen Erwartungen, die an einen wirklich talentierten Rapper bei seinem nunmehr vierten Solo-Album gestellt werden, dafür, dass sich stellenweise Enttäuschung breit macht. Denn: Es fehlt einfach dieser bleibende Eindruck. Es fehlt der Grund, sich das Album wieder und wieder anzuhören. Hin und wieder finden sich einzelne Perlen, doch auf "H.A.Z.E." überwiegt leider das Durchschnittliche.

Sich von den bewährten Pfaden zu entfernen, erfordert Mut und kann sich auszahlen. In diesem Fall ist es aber so, dass mehr von PAs altem Stil dem Album gut getan hätte: Mehr von der Kämpfer-Attitüde, mehr von der "Ich wollte nie sein wie ihr"-Einstellung. Das Klangbild hat sich nicht grundlegend geändert, wieder einmal spielt Joshimixu eine entscheidende Rolle im Hintergrund. Doch das Gesamtprodukt wirkt auf der musikalischen Ebene stringenter umgesetzt und ausgefeilter produziert, das muss man "H.A.Z.E." in jedem Fall anrechnen. Die musikalische Weiterentwicklung manifestiert sich vor allem in den gesungenen Hooks, die dem Release in den meisten Fällen jedoch leider nicht gut tun. An der Raptechnik des Künstlers lässt sich grundsätzlich wenig kritisieren, auch wenn er zu mehr fähig ist, als er auf diesem Release zeigt. Dass der Flow des Esseners variationsreich ist und sich positiv vom Durchschnitt abhebt, zeigt sich regelmäßig, aber eben nicht häufig. Die geänderte Herangehensweise an das Album, nicht von einem gegebenen Thema auszugehen, sondern das Musikmachen voranzustellen, war eventuell einfach nicht die beste Wahl.

Fazit:
PA Sports' Fähigkeiten als Rapper haben sich auch auf diesem Album wieder einmal gezeigt und unterstreichen, warum es sich bei ihm um einen Künstler handelt, dessen Musik man schon einmal gehört haben sollte. Doch Tracks, die in all den Aspekten, die guten Rap ausmachen, überzeugen können, sind auf diesem Release leider nur in sehr limitierter Zahl zu finden. Es handelt sich ohne Frage um wirklich gut produzierten und musikalischen Rap. Und es ist immer zu bedauern, wenn man die Veränderungen, die ein Künstler in seiner Musik vornimmt – hier seien vor allem noch einmal die gesungenen Hooks erwähnt –, kritisiert und sich von ihm wünscht, zu dem zurückzukehren, was ihn eigentlich ausmacht. Aber genau das ist das, was mir nach mehrmaligem Hören von "H.A.Z.E." in den Sinn kommt. Wenige der Tracks bleiben im Kopf hängen. Man erinnert sich zwar im Nachhinein daran, dass PA Sports ein talentierter Rapper ist und ein paar wirklich schöne Beats dabei waren, aber das war es dann leider auch schon fast. Meine Meinung zum Essener ist also immer noch zweigeteilt – daran hat auch "H.A.Z.E." nichts geändert.


(GameofMo)



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