Angemeldet bleiben?

Review: Olson – Oh wow

veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 20:51 Uhr
Autor: Laureyglorey





01. Wie gewohnt
02. Apollo
03. Schon gut
04. LMD
05. Nakla
06. Drama
07. Hallo
08. High
09. Phasen
10. Oh wow
11. Okay fein
12. Safe
13. Persil
14. Familie
15. Bei dir
16. Blumen vorm Haus (Bonus)


Der notorische Clubgänger, Aufreißer und Wahl-Berliner Olson ist zurück und hat seinen Fans bereits vorab mit seinem teaserartigen Song "Apollo" und dem danach erschienenen Song ''Nakla'' einen kleinen Einblick in das kommende Album gegeben. Auch in den sozialen Netzwerken hat er sich zurückgemeldet und mit Live-Videos seine treuen Fans schon vorab in die neuen Songs hören lassen. Mit klarer Ansage:

Ich bin wieder da, da/
War paar Jahre frag nicht wo/

(Olson auf "Nakla")

Vier Jahre nach seinem letzten Album "Ballonherz" kehrt Olson jedoch mit seinem neuen Album nicht zurück zum Straßenrap, sondern widmet sich weiter einer Mischung aus verträumtem Teenie-Pop-Rap und modernem Hipster-Autotune-Trap mit tanzbaren Hooks. Olson schafft es auch auf "Oh wow", Brücken zu bauen und die verschiedensten Stile melodisch zu vereinen.
Für das von Universal Music veröffentlichte Album hat sich der gebürtige Düsseldorfer komplett selbst hinter die Regler gestellt. Auch Features sind auf ''Oh wow'' nicht zu finden. Eine komplette Eigenproduktion, was dafür spricht, dass er dem Hörer ganz klar zeigen möchte, wer er ist, was er denkt und was er fühlt. Musikalisch entführt Olson den Hörer in eine ganz neue Klangwelt. Seine Beats wirken vollendet, abgestimmt und erzeugen immer die passende Stimmung zum Song. Klavierelemente, Trommeln, Rasseln, Orgel – Olson experimentiert mit Klängen und schafft somit einen neuen, wirklich nicht vergleichbaren Sound. Im Song "High'' erinnert das instrumentale Intro beispielsweise eher an ein afrikanisches Stammlied als an einen Rap-Song und hebt sich so klar hervor, während der Beat vom Song "Persil" mit seiner elektronischen Monotonität auch auf einem Rave um 6 Uhr morgens zum Runterkommen gespielt werden könnte. Diese Diversität im Klang macht das Album experimentell und hervorstechend, doch ein abwechslungsreicher Klang allein macht noch kein stimmiges Album aus.

Frauenprobleme, Überarbeitung, Drogen, durchzechte Nächte im Club und das damit verbundene verdammte Badboy-Image, das er doch eigentlich gar nicht will. Thematisch ist Olson sich generell beim Text treu geblieben und somit träumen auch beim neuen Album die "Girls" weiter, genau die Eine zu sein, die er gerade besingt. Es wird immer wieder deutlich, dass sich Olson nach der Traumfrau sehnt und die Clubtheken regelmäßig nach der nächsten Liebe seines Lebens absucht, somit erobert er die Herzen der naiven, weiblichen Mittzwanziger, welches durch sein hilfesuchendes Badboy-Image wunderbar funktioniert, die Probleme, welche er besingt jedoch nicht schmälert. Doch auch für die Jungs ist was dabei, denn Olson begleitet auf seinem neuen Album den Studenten, der im Club zu viel gefeiert hat, morgens um 9 herausstolpert, sich fragt, was er eigentlich gerade tut und sich unendlich leer fühlt, behutsam ins Bett. Beim Hören seiner Songs schweifen die Gedanken leicht ab, vielleicht auch wegen der vielen Drogen, die in fast jedem Track eine Rolle spielen? Alles klingt ein bisschen high, vernebelt und vor allem voller Sehnsucht.
Olson bewegt sich somit auf ''Oh wow'' zunächst in einer textlichen Dauerschleife, in der er sich seinen mittlerweile besorgniserregenden Lebensstil und seinen Frauenverschleiß in leicht selbstverliebter Manier selbst schön zu reden versucht. Während der anspruchsvolle Hörer gespannt auf die nächste, neue Idee wartet, so wird er textlich meist enttäuscht und von einem Einheitsbrei aus den bestehenden Themen eingelullt.


Ich glaub, da draußen wird es langsam hell/
Ich glaub, ich hab vergessen, wo ich wohn/
Du fragst mich nach der Zeit, ich sag unendlich/
Weiß ich, wie viel wir hatten, glaub Millionen/
Ich glaub, dass wir uns irgendwoher kennen/
Glaub, du bist meine bessere Version

(Olson auf "High")

Doch plötzlich, mitten zwischen dem nächsten One-Night -tand und dem letzten Joint, crashen die mit diesem Lifestyle gezwungenermaßen verbundenen wirklich ernsten Themen in das Album. Selbstzweifel. Der Rapper zeigt seine tiefgründige Seite. Auch der Stil ändert sich im spätestens im Track "Oh Wow" und zum Teil auch in "Okay fein" im Vergleich zu den vorherigen Tracks und erinnert zumindest vom Rapstil her in den Parts an Olsons vergangene Rapperzeit, als er sich noch "Olson Rough" nannte. Die Beats werden härter, ehrlicher. Autotune hält für einen kurzen Moment inne, die Stimme kratzt mehr und alles wird ein bisschen weniger Regenbogen, ein bisschen mehr Verzweiflung und Zukunftsangst, denn auch das beschäftigt die rastlose Generation Y. Hiermit kommt endlich die lang ersehnte Rettung aus dem vorigen Einheitsbrei und es ist doch zu bestätigen, dass sich bei Olson in den letzten vier Jahren etwas getan hat. Alles, was zuvor wie oberflächliches Kommerz-Songwriting gewirkt hat, bekommt Tiefgang. Es wirkt, als würde Olson auf diesen beiden Tracks wirklich aus tiefster Seele ehrlich zu dem Hörer sprechen. Es ist kontrovers, denn durch den ehrlichen Gefühlsausbruch mitten im Album wirken die vorherigen Songs, in denen er genau den Lebensstil beschönigt, unter welchem er nun zu zu leiden scheint, noch flacher und unglaubwürdiger. Das Herz des Albums spricht eine völlig andere Sprache.

Du fragst, wie lang ich bleib, ich sag unendlich/
Vergiss das Auto, das Haus und die Frauen/
Vielleicht Morgen sind wir tot, wow/
So fühl'n sich also Depressionen an

Olson auf ''Oh wow''

Doch mit dem anschließenden, kurzen Song "Safe'' begleitet er den Hörer genau aus diesem nachdenklichen Tief wieder behutsam heraus, flüchtet gemeinsam mit ihm zurück in die Berliner Clubwelt, in der man sich mit ein bisschen Koks geborgen fühlt und vom perfekten Leben und dem Ausbruch aus dem Alltag träumt. Hier wird es wieder tanzbar, die sehr gut produzierten, melodischen und leicht exotischen Beats ziehen den Hörer mit, dafür werden die Texte wieder flacher und inhaltsloser. Drogen werden glorifiziert, Frauen gehen ein und aus. Pseudo-Tiefgründigkeit herrscht vor. Es wirkt Kommerz, als hätte Olson die Texte mit dem Hintergrund geschrieben, ein Radioalbum zu machen. Spätestens im Track ''Familie'' schießen dann jedoch Fragezeichen in die Augen. Olson besingt hier ein Mädchen, welches ihm so viel bedeutet, das er es als Familie bezeichnet und welches sein Lebensmittelpunkt ist. Dies führt er auch in ''Bei dir'' weiter. Nur noch softer, noch kitschiger. Totaler Widerspruch zu seinem Image, welches er im ersten Teil seines Albums aufbaut. Doch im Großen und Ganzen ist es kein wirklicher Bruch, denn auf Drogen sind wohl alle Emotionen ein bisschen ausgeprägter. In seinem Bonustrack "Blumen vorm Haus'' rundet Olson das Album ab und nimmt in Teilen sogar noch die Themen seines vorherigen Albums "Ballonherz" wieder auf. Hollywood, James Dean, Drogen. Irgendwie ist doch alles geblieben, wie es ist. Genau so schürt er aber die Erwartung, dass draußen noch viel mehr wartet und setzt damit auch eine Verknüpfung für kommende Alben, denn seine Fans warten sicher auch auf mehr von ihm. Zusammenfassend lässt sich vermuten, dass Olson den Hörer auf seinem Album durch die Erlebnisse seiner letzten vier Jahre nimmt. Vom Badboy-Clublife über den Zusammenbruch in die nächste große Liebe und wieder zurück zum Anfang. Im November gibt es das Album dann live auf der Tour.

Fazit:
Für alle Fans von "Ballonherz" ist auch "Oh Wow" ein absoluter Ohrwurmgarant, der Teenie-Mädchen zum Träumen verleitet und zumindest ein bisschen Tiefgründigkeit in den Deutschrap bringt. Aber eben nur ein bisschen. Thematisch ist es sehr einseitig und für alle Fans, die in der vierjährigen Schaffenspause eine Veränderung erwartet haben, wohl mehr eine Enttäuschung als ein "Oh Wow". Die Reise durch die letzten vier Jahre, auf die Olson den Hörer mitnimmt, ist nicht von überraschenden Ereignissen geprägt. Klar hat er viele Mädchen getroffen, sich vielleicht verliebt, klar wird der Lifestyle irgendwann auch mal zu viel. Alles sehr absehbar. Dennoch ist der Klang des Albums vollkommen, melodisch und teilweise mutig. Zumindest hier ist also eine klare Entwicklung zu sehen, die es sich lohnt, anzuhören und gern mal über die flachen Texte hinwegsehen lässt.


Laureyglorey




Bewerte diese CD:

Diese Review wurde 3723 mal gelesen
Noch keine Kommentare zu dieser Review im Forum