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Review: Meller & Royal Black – Zwischen Städten & Pyramiden

veröffentlicht: Sonntag, 18.08.2013, 18:24 Uhr
Autor: Florginal





01. Einleitung
02. Roll den roten Teppich
03. Schöne neue Welt
04. Fliegen
feat. Bashar
05. Träume
06. My Way
feat. Tony Jazzu
07. Adel verpflichtet feat. Mo'Narch
08. Die letzten Könige
09. In Orwell's Reality
10. Die Spitze vom Eisberg
feat. Terence Chill
11. Das letzte Kapitel feat. P. Hightower & Proton
12. Zwischen Städten & Pyramiden
13. Jahr 0 Tag 1


Was befindet sich "zwischen Städten & Pyramiden"? Der Titel des Albums von Meller & Royal Black macht mich stutzig. So richtig etwas darunter vorstellen kann ich mir nicht. Das Cover des Werks zeigt zwei Gestalten mit leuchtenden Köpfen, die sich auf einem Pfad bewegen. Rechts neben ihnen die Großstadt mit modernen Wolkenkratzern, links neben ihnen die altehrwürdigen Pyramiden im Staub. Am Himmel dunkle Wolken und der Vollmond. Handelt es sich bei all dem um die gewitzte Symbolik? Ich starte die Wiedergabe, um herauszufinden, was denn nun dort liegt – "zwischen Städten & Pyramiden".

Die "Einleitung" des Albums zeigt sich in Gestalt eines einfachen Beats mit ein paar gescratchten Lines. Thematisch soll das auf das Grundkonzept des Albums hindeuten, wirklich elementar erscheint der Track aber nicht. Erst ab dem zweiten Titel, der den Namen "Roll den roten Teppich" trägt, geht es richtig los. Ähnlich der "Einleitung", will dieser Track die Grundpfeiler des Albums aufstellen. Hier geht es grundsätzlich um Verschwörungstheorien. Nebenbei gibt es dann noch die ein oder andere Punchline, die klar macht, dass auch der HipHop-Aspekt nicht zu kurz kommen darf. Meller & Royal Black halten ihren Rap oldschool. So gibt es auch hier statt einer Hook wieder Scratches zur Untermalung des Tracks. Inhaltlich wirklich etwas mitnehmen lässt sich aus dem Lied aber nicht. Geht es im einen Satz noch um umgedrehte Pyramiden, werden im nächsten "Rappertunten" erwürgt. Der Zusammenhang zwischen Oldschool-Battlerap und Verschwörungstheorien will sich mir nicht erschließen. Und auch der darauffolgende Track "Schöne neue Welt" lässt bereits durch den Titel vermuten, dass es in eine ähnlich verschwörerische Richtung geht. Auch hier gibt es wieder einen Refrain, der komplett an Plattentellern drehend entstanden ist. Royal Black & Meller rappen von ihrer Weltauffassung, dem Überwachungsstaat, Krieg und, dass es überhaupt eh nur "Lügen in den Medien" gibt, wie es der reingescratchte Haftbefehl in der Hook feststellt.

"Vorhang auf für die Alienshow/
Der nächste Level für die nächste Generation/
Wir generieren den genetischen Code/
Spielen Gott und entscheiden über Leben und Tod/
Science Fiction – in Zukunft werden Babys geklont/
Und wie im dritten Reich schwimmt keiner mehr hier gegen den Strom/
"
(Royal Black auf "Schöne neue Welt")

Hier lassen einen die aneinandergereihten Verschwörungstheorien ebenso mit einem befremdlichen Gefühl zurück. Teils nachvollziehbare, teils total irrwitzige Geschichten werden erzählt und zum Schluss fragt man sich, was genau die Ruhrpotter davon ernst meinen. Denn irgendwo zwischen einem Drittes-Reich-Vergleich und dem Gerede von irgendwelchen Mutanten bleibt die eigentliche Gesellschaftskritik auf der Strecke und mündet in Kopfschütteln. Falls hier das Stilmittel der Übertreibung genutzt wurde, verfehlt es leider die Wirkung. Das wäre halb so wild, wäre das nur auf diesen beiden Tracks der Fall. Doch der Großteil von "Zwischen Städten & Pyramiden" funktioniert genau nach diesem Prinzip. Auf beinahe jedem Lied paaren sich traurige Wahrheit und utopische Vorstellungen in teilweise sehr skurrilen Lines mit dem Ziel, die wahre Welt nach Ansicht der beiden Interpreten zu entlarven. Wirklich emotional berühren kann diese Mischung aber nicht. Genauso wenig regt sie zum Nachdenken an, denn durch ihre gnadenlosen Übertreibungen wirken Meller & Royal Black wie diese Leute, die in den Straßen per Pappschild das Ende der Welt ankündigen, statt wie die ernstzunehmenden Weltverbesserer, die sie sein möchten.
Inhaltlich verläuft sich das Album also etwas, dafür kann es aber musikalisch noch punkten. Man merkt, dass die beiden MCs nicht erst seit gestern rappen. Sie beherrschen das Texten und Flowen ebenso gut, wie das Verschwörungstheorien schmieden. Durch ausgefeilte Flowpassagen und lange Reimketten können sie beeindrucken. Nur leider ist das Kräfteverhältnis zwischen den beiden nicht ganz ausgeglichen. Während Royal Black auch mit kräfitgem Stimmeinsatz überzeugt, scheint Meller fast nicht mehr als ein Hauchen aus sich herauszubekommen. Und auch reim- und flowtechnisch bleibt er etwas hinter seinem Partner zurück.

"Ich bin geboren zum Fliegen, hab' große Ziele/
Aber droh' unter den Füßen den Boden zu verlieren/
Denn fliegen ist ohne Drogen sehr schwierig/
Und Drogen leicht zu kriegen, so wie Tote auf dem Friedhof/
"
(Meller auf "Fliegen")

Neben all den thematisch ähnlichen Liedern stechen auch einige heraus, die in eine andere Richtung gehen. "Fliegen" ist eines davon. Hier geht es um das klassische Motiv der Freiheit durch die Fähigkeit des Fliegens. Der minimalistische und lockere Beat und die harmonische Hook von Sänger Bashar verleihen dem Track eine gewisse Leichtigkeit, die wirklich gut zur Thematik passt. Die Idee zu dieser ist natürlich nicht neu und so fühlt sich auch "Fliegen" nicht wirklich besonders, sondern eher durchschnittlich an, bringt aber eine nette Abwechslung in das Gesamtwerk. Ein weiterer Kandidat hierfür ist auch "Träume", der auch thematisch etwas spezieller ist. Auf einem sehr düsteren Beat wird sich mit Träumen und deren Realitätsanspruch auseinandergesetzt. Auch hier passt das Instrumental wirklich außerordentlich gut zum Thema und erzeugt eine fast albtraumhafte Atmosphäre. Von solchen, eher experimentelleren Ansätzen hätte es auf "Zwischen Städten & Pyramiden" ruhig etwas mehr geben können.

Fazit:
"Zwischen Städten & Pyramiden" gibt es scheinbar nicht allzu viel Abwechslung. Nahezu die gesamte Laufzeit über werden verrückte Verschwörungstheorien und uninspiriert verpackte Gesellschaftskritik vorgetragen. Das sorgt nicht nur für wenig Abwechslung, sondern raubt den einzelnen Tracks auch ihre Eigenständigkeit und Identität. Das Album meint es gut mit seiner Aussage und möchte gerne zum Nachdenken anregen. Jedoch verfehlen Meller & Royal Black durch ihre radikale Vortragsweise dabei das Ziel aus den Augen und driften in das Komische ab. Dennoch gibt es ein paar inhaltliche Lichtblicke hier und da, die jedoch die Ausnahme bilden. Darüber hinaus ist "Zwischen Städten & Pyramiden" aber musikalisch grundsolide und der Hörer bekommt technisch anständigen Rap auf klassischen Beats.


Florian Peking (Florginal)



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