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Review: Maxo Kream – Punken

veröffentlicht: Mittwoch, 21.02.2018, 20:16 Uhr
Autor: Cuttack





01. Work
02. Grannies
03. Capeesh
feat. Trippie Redd
04. Bussdown
05. Hobbies
06. Go
feat. D Flower
07. Beyoncé (Interlude)
08. Astrodome, Pt. 2
09. Love Drugs
10. Pop Another
11. Janky
12. ATW
feat. 03 Greedo
13. Roaches
14. 5200


Texas spielt eine interessante Rolle in der Entwicklung von Southern Rap. Auch wenn gerade Städte wie Houston intuitiv mit den Geto Boys und GOAT-Anwärter Scarface verbunden werden, kann man DJ Screw als Pionier eines wegweisenden Sounds und die UGK als Schlüsselfiguren in der Entwicklung von Crunk und Trap ausmachen. Interessanterweise ist die Stadt bislang trotzdem eher ungelenk in den Zweitausendzehnern angekommen, erst seit einigen Jahren entwickelt sich etwas wie ein eigenständiger Trap-Sound in der Region mit so stolzer Crunk-Tradition, der über Trittbrettfahrer wie Kirko Bangz oder Ugly God hinausgeht. Einer der vielversprechenden Vertreter dieser neuen Welle ist dabei Maxo Kream, der 2015 mit Mixtapes wie "#Maxo187" und "Persona Tape" die Aufmerksamkeit seiner Heimatstadt auf nationale Ebene heben und sich einen Namen als Generationenverständiger machen konnte, einer, der den Sound und die Attitude für die Newschool und die Bars und die Realness für die alten Heads in sich vereint. Unter Anderem dank einer Haftstrafe mussten Fans allerdings bis 2018 darauf warten, dass er mit "Punken" sein Debutalbum nachreicht, das zwar einen kleinen Einschlag in Richtung Chicago Drill und Chief Keef-sche Ästhetik mitbringt, davon abgesehen aber eine Ernsthaftigkeit und Authentizität transportiert, die weder Atlantas Magic City-Flair noch Floridas Soundclound-Punk wirklich nahekommt.

Uncle Bo was stealin' from my Granny, can't leave shit around here/
Roaches, rats, and ants inside my pantry, can't leave food around here/
Aunty Trish was sleep, I stole her car and went out servin', robbin'/
Grinding with my family through the struggle, hold 'em down regardless/
(Maxo Kream auf "Grannies")

"Punken" ist ein Trap-Album bis zum Kern. Die Tracks drehen sich von vorne bis hinten um den Drogenhandel und -Konsum, beschönigen und glorifizieren dabei aber wenig. Maxo ist ein rauer, ungestümer Protagonist, dem das Straßenleben in die Wiege gelegt scheint. Kompromisslos introspektiv legt er Erfahrungen aus seiner Kindheit und Jugend offen, die Suchtprobleme von nahen Verwandten oder das eigene unausweichliche Abschweifen auf die schiefe Bahn, den Rausch scheint er zuletzt mehr als ein notwendiges Ventil als ein hedonistisches Luxusgut zu stilisieren. Interessanterweise spricht er nicht nur ungeschönt von Erlebnissen auf der Straße, sondern präsentiert auch ein klares Wertesystem. Loyalität steht an der Spitze der notwendigen Eigenschaften, die Paranoia, sich auf niemanden verlassen zu können kontrastiert er mit Bildern von Familien, die durch deren Mangel zerrissen wurden. Es ist hypermaskulin und hat etwas archaisches, wie Maxo die Trap beschreibt. Seine Delivery trägt indes viel zum stummen Ton der Platte bei. Tief, donnernd, aber selten kommandierend oder aggressiv rappt er Parts und Hooks, nur zwischenzeitlich kommen Autotune oder Melodien ins Spiel. Der Stimmeinsatz hat etwas desillusioniertes, müdes, das besonders in den berauschten Tracks fantastisch in den hypnotischen Hook-Repetitionen zum Tragen kommt. Inhaltliches Highlight stellt der Titel "Roaches" dar, dessen zweiter Verse mit einer ernüchternd schwermütigen Beschreibung der Auswirkungen von Hurricane Harvey auf Maxos Familie unerwartet nahe geht. Es ist weder sentimental noch triumphal, "Punken" fühlt sich in Maxos tonlosem Charisma nahezu dokumentarisch an.

Nowhere near sober, it was fuckin' up my night/
Like, 'They gon' be alright. Tomorrow, book a flight'/
Woke up, 40 missed calls, she was callin' all night/
Said there's no more food and lights and she been fightin' for her life/

(Maxo Kream auf "Roaches")

Auch instrumental entsteht eine Welt, die irgendwo zwischen Trap-Banger und Come-Down-Musik stattfindet. Ein überraschend dynamisches Wechselspiel zwischen jungen (Widerness, Ethereal) und gefestigten (Sonny Digital, Honorable C-Note) Produzenten sorgt für einen wenig imaginativen, aber grundsoliden Teppich, um Maxos Vibe lebendig werden zu lassen. Manch ein Sample kommt bekannter daher ("Hobbies"), manchmal wird man auch ernsthaft überrascht ("Pop Another" samplet Tame Impala). Gastbeiträge nehmen wenig Raum ein, trotzdem gefallen die kurzen, melodischen Intermezzo von Trippie Redd und 03 Greedo, denen übrigens Beiden eine rosige Zukunft bevorsteht. Über Trippie sollte man ja inzwischen Bescheid wissen, aber trotzdem hier eine gute Gelegenheit, auch schon einmal provisorisch auf den Hypetrain für 03 aufzuspringen. Dessen entspannter alternativer RnB-Vibe wird allerdings strategisch klug eingespannt, so dass auch trotz charismatischer Gäste nie der Fokus von Maxos Vision abgelenkt wird.

"Punken", das ist übrigens der Spitzname, dem Maxos familiäres Umfeld einem jungen Hustler gegeben hat. Entsprechend authentisch, nah und ungekünstelt fühlt sich auch das Debutalbum des Texaners an. Maxo Kream kommt ohne Kitsch oder überbordernde Dramatik aus, knapp ein Dutzend Tracks zeichnen die Trap unromantisch und doch ästhetisch ab. Da kommt dann mancher Banger, manch interessante Geschichte und ein verdammt eindringlicher Vibe zustande, der sich ziemlich passend für die bisherige Geschichte von Houston anfühlt.


(Yannik Gölz)



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