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Interview: Mavi Phoenix: "Es gibt nichts Schwierigeres, als einen coolen Popsong zu schreiben"

veröffentlicht: Mittwoch, 18.07.2018, 19:13 Uhr
Autor: InsertPointlessName


Österreich hat sich in den vergangenen Monaten genreübergreifend zu einem der spannendsten Musikexporteure entwickelt und Mavi Phoenix ist das perfekte Beispiel, warum. Auf ihrer "Young Prophet"-EP ließ sie im vergangenen Jahr Pop, HipHop und R'n'B zu einem eingängigen, kosmopolitischen Soundbild verschmelzen und eroberte nicht nur den deutschsprachigen Raum, sondern gleich halb Europa. Mit zwei neuen Singles läutet die junge Linzerin nun den nächsten Abschnitt ihrer Karriere ein.




rappers.in: Seit deiner "Young Prophet"-EP geht es für dich steil bergauf. Uploads bei Majestic Casual, Features im ZEIT Magazin und der Vogue sowie Toursupport für Bilderbuch. Wie hast du die letzten Monate erlebt?

Mavi Phoenix: Es ist halt so … dankbar irgendwie. Ich hab' da letztens mit Alex ("Alex the Flipper", Produzent, d.Red.) drüber geredet. Man arbeitet so viel und für die Leute ist das so – "boah, bei der geht‘s grad voll bergauf" – es ist halt auch bissel so! –, aber für mich hat es sich nie so angefühlt, als hätte ich mehr bekommen, als ich reingesteckt hab‘. Also ich verstehe irgendwie, warum es so ist, wie es ist. Weißt du, was ich meine? (lacht) Es macht mich auf jeden Fall selbstbewusst, wenn die Sachen so gut funktionieren.

rappers.in: Kannst du denn einen Punkt benennen, an dem du gemerkt hast, dass jetzt richtig was möglich ist?

Mavi Phoenix: Als wir 2015 "Love Longtime" und "Aventura" gemacht haben, hab ich schon an die Songs geglaubt, weil ich irgendwie gewusst hab, dass das in Österreich oder generell Mitteleuropa keiner so macht. Man hat plötzlich gemerkt, dass das Interesse der Leute und von der Presse immer größer geworden ist. Aber der Moment, an dem ich richtig gespürt hab, dass jetzt was passiert, war, als "Aventura" für den Desigual-Werbespot genommen worden ist. Der ist dann echt in Spanien, Frankreich und Italien im Fernsehen gelaufen. Da hab ich gemerkt, dass das Ganze auch international funktionieren kann.

rappers.in: Hast du direkt nach deiner Matura entschieden, dass du erstmal versuchen willst, mit der Musik durchzustarten?

Mavi Phoenix: Ich hab eigentlich davor auch schon die ganze Zeit Musik gemacht, ich habe auch mal an so einem oberösterreichischen Song-Contest teilgenommen – und gewonnen –, aber das war alles so … so irgendwas. Meine erste EP ("My Fault", Anm. d. Red.) hab ich in der siebten Klasse gemacht und da schon beschlossen, dass ich das jetzt professionell probieren will. Ich hatte aber kein Management und daher alles alleine gemacht, meine Sachen irgendwo hingeschickt und nix zurückbekommen. Das war dann schon erstmal ein Dämpfer. Ich hab dann zum Glück zur richtigen Zeit mein jetziges Management getroffen. Irgendwann schrieben die mir, dass FM4 "Green Green" von meiner EP gespielt hat. Der Song war zu dem Zeitpunkt schon ein Jahr alt. Man muss eben echt geduldig sein.

rappers.in: Du hast mal gesagt, dass du so gut wie keine Musik aus Österreich hörst. Siehst du dich denn trotzdem als Teil der Musikszene dort?

Mavi Phoenix: Ich bin ja nie über irgendeine Szene großgeworden. Ich hab ja damals auf eigene Faust das Internet mit Free-Downloads zugespült und nie gecheckt, dass es überhaupt eine Musikszene in Österreich gibt. Erst mit der "Young Prophet"-EP hab ich dann gemerkt, dass ich eigentlich schon mittendrin bin. Natürlich bin ich Österreicherin, aber dadurch, dass das gerade alles so international wird, wächst man da auch schnell raus.



rappers.in: Jetzt wirst du auch auf Events wie dem Pitchfork Festival in Paris gebucht oder findest in der Vogue und im ZEIT Magazin statt; Plattformen, die schon etwas von Avantgarde haben. Ist das etwas, wo du dich wohlfühlst oder bist du da mehr oder weniger reingerutscht?

Mavi Phoenix: Eigentlich voll reingerutscht! Man kann sich ja nicht aussuchen, wer die Musik am Ende feiert. Ich find's voll cool, dass so renommierte Medien drauf abfahren, aber ich will auch vermeiden, dass ich dann "nur" der Kritikerliebling bin. Dass dann alle schreiben, das ist das "Next Big Thing" und die echten Leute, die das dann konsumieren, denken: „Yo, noch nie gehört, taugt mir eigentlich net so“. Ich glaube nicht, dass die Leute drauf stehen, wenn sie Dinge nur vorgekaut bekommen. Deswegen finde ich viel lieber bei den Leuten direkt statt.

rappers.in: Wie fühlt sich das an, wenn man von solchen Magazinen interviewet wird? Bist du dann nervöser als bei "normalen" Interviews?

Mavi Phoenix: Ach, eigentlich nicht. Ich bin aber eh so der Typ, der Nervosität komplett verdrängt, selbst wenn die Leute um mich herum schon völlig durchdrehen. Höchstens so zehn Minuten vorher geht's mal mit mir durch (lacht).

rappers.in: Du hast schon mal angesprochen, dass du es schwierig findest, dich einer Szene zuzuordnen. Wie würdest du denn selber beschreiben, was du für Musik machst?

Mavi Phoenix: Ich lese halt oft Bezeichnungen wie LoFi-Pop oder Urban-Pop. Für mich ist es eigentlich Popmusik. Ich mache das total gerne, es gibt ja auch nix Schwierigeres, als 'nen Popsong zu schreiben, der cool ist und nicht irgendwie platt wirkt. Ich nehme mir da gerne Inspirationen aus dem R‘n‘B und HipHop. Travi$ Scott, Tyler the Creator, SchoolBoy Q, Daniel Caesar und sowas.

rappers.in: Spürst du einen Unterschied, wenn du auf internationalen Festivals spielst oder auf einem Bilderbuch-Gig?

Mavi Phoenix: Voll! Bei den Bilderbuch-Fans kennt man mich schon ein bisschen, das ist dann schon was anderes. Vor allem bei so 'nem Brighton-Festival, was halt ein Showcase-Festival ist, ist das so … Ich weiß nicht, da sind dann lauter Leute aus dem Musikbusiness, die sich das anschauen, aber als Publikum nicht unbedingt dankbar sind. Die geben dann nur Props, wenn sie's auch wirklich fühlen.

rappers.in: Ist es schwieriger, vor so einem Publikum zu bestehen?

Mavi Phoenix: Nicht unbedingt schwieriger, aber anders. Du gehst da gleich mit 'nem anderen Mindset rein und sagst dir, du zeigst denen jetzt, dass du was Besonderes zu bieten hast. Irgendwie musst du die Leute in 30 Minuten überzeugen, das ist fast ein bisschen wie auf 'nem Marktplatz. Ich genieße es auf jeden Fall mehr, wenn ich auf 'nem Festival spiele und weiß, da sind Fans von mir.

rappers.in: Man könnte aber auch sagen, es motiviert dich, wenn du die Leute beeindrucken musst?

Mavi Phoenix: Ja, schon. In Brighton war's dann auch voll der gute Auftritt, weil ich so aufgeregt war und denen gesagt hab' – "hey, Alder" (lacht).

rappers.in: Was wäre ein Land oder Festival, wo du mal gerne auftreten würdest?

Mavi Phoenix: Hmmm, Amerika eigentlich. Coachella wär' cool, einfach schon deswegen, um zu sagen, dass man da mal gespielt hat. Und auf meinen Auftritt in Island im Herbst freue ich mich auch schon total!

rappers.in: Inzwischen kommst du ja auch gut rum mit deiner Musik, oder?

Mavi Phoenix: Die letzten Reisen, die ich gemacht hab, waren eigentlich nur wegen der Musik. Im Februar war ich für fünf Tage in Kapstadt, da haben wir zwei Videos gedreht, Fotos gemacht und "Aventura" in einer neuen Version mit afrikanischen Musikern aufgenommen. Und dann war ich jetzt noch in LA. Man hängt da dann in so 'ner Mansion mit vielen anderen eingeladenen Künstlern und macht Musik. Also ich bin echt viel rumgekommen in letzter Zeit und es hört halt auch nicht auf, das ist ja das Schöne.

rappers.in: Momentan veröffentlichst du schon wieder fleißig Singles: Ist für die Zukunft bereits das Debütalbum geplant?

Mavi Phoenix: Der Plan ist auf jeden Fall, Songs zu veröffentlichen – alle ein bis zwei Monate, vielleicht sogar öfter. "Yellow" und "Bite" waren jetzt der Startschuss für eine neue musikalische Ära. Mit dem Begriff Album bin ich immer ein bisschen vorsichtig. Am Ende des Jahres soll aber alles zu einem Ganzen zusammengefasst werden, ganz modern in einer Art Playlist. So hat jeder Song für sich die Chance, zu wachsen und zu glänzen.




Friedrich Steffes-lay

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