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Interview: Masta Ace im Interview: „Warum können wir nicht einfach real sein?“

veröffentlicht: Dienstag, 15.01.2019, 17:20 Uhr
Autor: Wossap


Masta Ace ist eine Ikone. Zwar hat er nie die meisten Platten verkauft oder - auch aufgrund fehlender Publicity - neue Styles und Trends gesetzt, allerdings ist er einer der ganz wenigen, die seit Anfang der 1990er relevant und keineswegs „played out“ sind. Wir haben Ace im Laufe seiner Europa-Tour in München getroffen und mit ihm über sein letztes Album „A Breukelen Story“, die Zusammenarbeit mit seinem Producer Marco Polo und die heutige Hip Hop-Szene gesprochen.



rappers.in: Hallo Masta Ace, erstmal eine allgemeine Frage zum Einstieg: Du bist ja schon wahnsinnig lange im HipHop-Business. Sind Interviews eher Dinge, die dich inzwischen nerven oder macht es dir Spaß, rauszugehen und ein bisschen Promo zu machen?

Masta Ace: Interviews stören mich nicht. Ich finde sie eher interessant, weil du immer andere Fragen gestellt bekommst und verschiedene Persönlichkeiten triffst. Manchmal entwickeln sich die Gespräche auch in Richtungen, die man nicht erwartet, was eigentlich jeden Termin irgendwie besonders und abwechslungsreich macht. Es gehört einfach zum Business dazu und gestört hat es mich zum Glück noch nie. Solange man uns auch Zeit für uns selbst lässt und wir nicht von Pressetermin zu Pressetermin hetzen müssen, ist doch alles cool. Auch im eigentlich stressigsten Teil der Promophase habe ich eigentlich nie mehr als zwei oder drei Interviews in der Woche, was das alles entspannt macht.

rappers.in: Dein neuestes Album "A Breukelen Story" ist inzwischen, sofern ich richtig informiert bin, dein 13. Album. Wie findest du immer wieder Motivation dazu, am Morgen aufzustehen und an einem neuen Album zu arbeiten?

Masta Ace: Bei meinem neuesten Album entstand eigentlich der Großteil meiner Motivation durch meinen Producer Marco Polo, der mir wirklich gute Beats zukommen ließ. Immer wenn ich coole Musik höre, werde ich gleich dazu motiviert, auch wieder einen coolen Song zu schreiben. Es ist schon manchmal hart, Song-Konzepte zu entwickeln oder generell Texte zu schreiben, wenn du nur Beats hast, die dir nicht komplett zusagen. Für "A Breukelen Story" war es allerdings recht einfach, weil Marco mir sehr gute Beats schickte, bei denen ich sofort anfangen konnte, Texte zu schreiben. Und wenn in der Hinsicht alles stimmt, kann ich selbst auch einfacher mein Bestes liefern.

rappers.in: Also geht es für dich in deiner Musik eher weniger darum, groß Geschichten zu erzählen und irgendwelche Lehren zu vermitteln, sondern eher darum, einfach Tracks zu machen, die gut ins Ohr gehen?

Masta Ace: Ja, beim Projekt mit Marco Polo war das absolut der Fall. Auf meinem letzten Album "The Falling Season" war das noch anders. Da wollte ich einfach Storys aus meinen High-School-Jahren erzählen und was ich in dieser Zeit generell so durchgemacht habe. Da hatte ich von Anfang ein Konzept, was ich erzählen wollte. Vor diesem Album jetzt hatte ich aber das Gefühl, dass ich den Großteil meiner Geschichte bereits erzählt habe, wodurch ich wirklich neue Inspiration brauchte. Diese zog ich dann zum Teil aus dem Lebensweg von Marco Polo, der ja von Kanada nach New York kam und zum anderen Teil, wie bereits erwähnt, aus seinen Beats.

rappers.in: Kannst du dann von dir behaupten, dass es dir wichtig ist, sich nicht auf einer Schiene festzufahren, sondern immer wieder etwas Neues zu machen und sich zu ändern?

Masta Ace: Darüber mache ich mir eigentlich wenig Gedanken, zum Beispiel hab ich mich auch noch nicht damit beschäftigt, ob überhaupt ein nächstes Album kommt. Ich arbeite zurzeit an einem eigenen Musical. In dieses Projekt stecke ich jetzt und für die nächsten paar Monate meine ganze Energie. Natürlich mache ich auch noch Musik, aber hauptsächlich eben für das Musical. Also würde ich schon sagen, dass es mir wichtig ist, nicht immer das Gleiche zu machen.

rappers.in: Das mit dem Musical überrascht mich jetzt schon ein wenig. Was darf ich mir darunter genauer vorstellen?

Masta Ace: Das Ganze soll so ein Mix aus Storys von meinen bisherigen Alben "Disposable Arts", "A Long Hot Summer" und "The Falling Season" sein. Das, was ich da erzählt habe, will ich jetzt in ein rundes Musical verpacken.

rappers.in: Okay, das klingt interessant. War es eigentlich von Anfang an der Plan, so lange Zeit im Musik-Business zu verbringen? Auf dem Track "Corporal Punishments" auf deinem aktuellen Album sagst du ja folgendes: "There is a good chance that Iʼma do this when Iʼm old"

Masta Ace: Auf keinen Fall. Wenn du mir, als ich 18 Jahre alt war, gesagt hättest, dass daraus eine Karriere entsteht und ich das auch in meinen Fünfzigern noch mache, hätte ich das niemals geglaubt. An sowas hat man aber damals generell nicht gedacht. Als wir noch jung waren, waren auch alle Rapper, die wir kannten, in ihren jungen Jahren. Damals gab es niemanden, der so alt war wie ich jetzt und HipHop gemacht hat, weil HipHop einfach ein frisches Genre zu diesem Zeitpunkt war. Das konnte man gar nicht vorhersehen. Damals hätte ich dir gesagt, dass damit wahrscheinlich bald Schluss ist und mich mir einen "richtigen" Job suchen werde (lacht). Ich finde, dass es aber nicht besser hätte kommen können, weil ich mein ganzes Leben schon mit der Sache, die ich am meisten liebe, Geld verdiene. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du nie die Leidenschaft für das verlierst, was du machst.

rappers.in: Auf "A Breukelen Story" hast du ein breitgefächertes Themen-Spektrum. Willst du mit deiner Musik eigentlich eine bestimmte Zielgruppe ansprechen oder ist dir das ziemlich egal?

Masta Ace: Meine Musik ist für alle, die HipHop lieben. Wenn dir meine Musik und die Art, wie ich meine Songs darbiete, gefällt, bist du bei mir an der richtigen Stelle. Ich freue mich über jeden Hörer, egal ob der mich jetzt schon seit 20 Jahren kennt oder mich gerade erst entdeckt hat.

rappers.in: Was bedeutet HipHop für dich?

Masta Ace: Ich würde schon sagen, dass HipHop mein Leben oder zumindest der Soundtrack zu meinem Leben ist. Es ist das Genre, das ich mir am meisten anhöre. Ich beschäftige mich viel damit, ich versuche, mich in die Storys der MCs reinzuversetzen und lerne täglich Neues dazu, was Texte und Styles betrifft. HipHop ist für mich der Beat, der mein Leben seit langem begleitet.

rappers.in: Wenn man die heutige HipHop-Szene mit der Szene zu der Zeit, als du angefangen hast zu rappen, vergleicht, stellt man fest, dass sich so manches im HipHop ziemlich geändert hat. Was ist deiner Meinung nach besser und was ist schlechter, wenn du die Zeiten vergleichst?

Masta Ace: Nun gut, man kann auf jeden Fall sagen, dass Rapper sich heutzutage einfach viel besser vermarkten können. Durch Social Media können sie sich einem breiteren Markt zugänglich machen und so eine größere Hörerschaft einfangen. Als ich angefangen habe, gab es den Begriff "branding" in der Musik eigentlich noch gar nicht. Die jungen Rapper heutzutage wissen einfach, an wen sie sich zu richten haben: Sie treffen die Zielgruppe der 16- bis 19-jährigen sehr gut. Das Problem ist allerdings bei manchen, dass sie bei weitem nicht das Talent haben, um sich auch außerhalb dieser Zielgruppe Respekt zu verschaffen. Sie vermarkten sich zwar gut und bekommen einen Haufen Fans und Follower auf den Social-Media-Plattformen, aber das macht die Musik, die sie letztendlich produzieren, keinen Deut besser. Mich freut es immer, zu sehen, wenn ein junger Rapper weiß, wie er sich gut vermarktet und zugleich gute Musik macht. Auf solche Jungs kommt es an.

rappers.in: Gibt es Rapper aus dem heutigen Mainstream-HipHop, mit dem du gerne mal ein Feature aufnehmen würdest?

Masta Ace: Ehrlich gesagt, nicht wirklich. Immer wenn ich ein Feature für mein Album suche, überlege ich mir genau, wer gut zu diesem bestimmten Song-Konzept passen würde. Da geht es weniger um bloße Namen, nur damit ich die auf meiner persönlichen Wunschliste abgehakt habe. Und so läuft das schon, seitdem ich angefangen habe, weil alles schon seinen Sinn ergeben muss. Alles andere würde in meinen Augen nur deplatziert wirken. Auf meinem Album "A Long Hot Summer" hab ich zum Beispiel den Song "Do It Man" mit Big Noyd. Bis ich den Beat von Marco Polo bekommen habe und das Song Konzept fertig hatte, habe ich nie darüber nachgedacht, mal einen Track mit Noyd zu machen. Als ich meinen Part für den Track fertig hatte, überlegte ich recht lange zusammen mit Marco, wer da einen guten Part beisteuern könnte. Marco und ich waren uns dann schnell einig, dass Noyd einfach ein perfekter Fit wäre, wodurch das dann zustande kam. Und so ist das immer bei mir, ich mache mir, bis ich einzelne Parts fertig habe, in der Hinsicht eigentlich gar keine Gedanken.

rappers.in: Wenn du dir erst, nachdem du deine Parts bereits geschrieben hast, darüber Gedanken machst, wer auf den Track kommt; wie sieht es in davor in deinem Kopf aus? Wer oder was sind hauptsächlich deine musikalischen Einflüsse?

Masta Ace: Ich versuch mir zwar, was HipHop betrifft, alles anzuhören, aber ich weiß nicht so recht, ob ich mich letztlich davon beeinflussen lasse. Ich würde fast sagen, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr von der Musik anderer Leute beeinflussen lasse. Als ich angefangen habe, war das natürlich anders. Da hab ich mir was von Leuten wie LL Cool J, Big Daddy Kane, Slick Rick, Rakim und weiteren abgeschaut. Aber jetzt höre ich mir einfach nur Sachen von den anderen Artists an und entscheide für mich, ob es mir gefällt oder nicht und dann schaue ich natürlich schon ein wenig, inwiefern meine Vorstellung von Musik in die derzeitige Szene passt. Ich bin jetzt in einem Alter, wo es für mich nur darauf ankommt, das zu machen, woran ich glaube und was für mich dope klingt.

rappers.in: Auf dem Track "Labyrinth" von deinem letzten Album "The Falling Season" sind folgende Zeilen von dir: "Tell me why would you wanna die for a fake chain? // Shit, why you wanna die for a real one? Cause real bullets they kill when they fly from a real gun". Du sagst ja, dass du auch aktuellen HipHop hörst. Glaubst du, dass der "Bling-Bling-Lifestyle" der heutigen HipHop-Szene ein größeres Problem darstellt, weil die Musik an sich dadurch in den Hintergrund gerät?

Masta Ace: Der "Bling-Bling-Lifestyle" war schon immer da. Weißt du, HipHop ist so etwas wie der Spiegel der Gesellschaft. Schon in den 1980er-Jahren hat jeder, der auch nur ein bisschen was mit HipHop am Hut hatte, mit seinen Ketten, Ringen und Juwelen angegeben. So gesehen hat sich vielleicht nur der Style innerhalb der "Bling-Bling-Szene" verändert. Heute trägt man vielleicht mehr Diamanten an sich, weil einfach mehr Geld im Umlauf ist, aber im Hip-Hop ging es schon immer darum, anzugeben und aufzufallen. Du musst dir das so vorstellen: Angenommen, du kommst, wie kein kleiner Teil der Rapper, aus armen Verhältnissen; natürlich zeigst du dann, was du hast, wenn du das zuvor immer nur bei Anderen gesehen hast. Ich glaube nicht, dass die Musik mehr im Hintergrund steht, nur weil immer mehr Rapper zeigen, was sie haben. Das eine schließt das andere nicht aus. Sicher gibt es da draußen nicht wenige MCs, die auf die Musik scheißen, sofern sie mal ein bisschen was erreicht haben, aber ich glaube nicht, dass das derzeit überhand nimmt. Was mich eher stört, ist, dass dieser ganze "Fake Stuff" eine immer größere Rolle spielt. Ich meine, warum können wir nicht einfach "real" sein? Alle paar Tage schreibt mir zum Beispiel irgendeine komische Gestalt auf Instagram "Hey, ich könnte dir mehr Follower besorgen". Social Media ist als Marketing-Werkzeug ja ganz legitim, weil du dich dadurch selbst vermarktest. Aber wen interessiert denn die Follower-Zahl, wenn du sie dir erkauft oder erschwindelt hast? Sicher generierst du so schneller Aufmerksamkeit, aber dieses ganze Social-Media-Game ist wirklich nur noch wack.

rappers.in: Kommen mir wieder zurück zu dir: Was unterscheidet den Masta Ace von heute vom Masta Ace aus den Neunzigern?

Masta Ace: Ouh, da gibt es einige Unterschiede. Ich bin heute ohne Zweifel ein besserer MC, weil man einfach mit der Zeit erfahrener wird und kleine Mängel Tag für Tag weiter abstellt. Ich glaube, dass ich heutzutage auch einfach weniger "preachy" bin. Als ich angefangen habe, HipHop zu machen, so meine Message an die Leute, die mich gehört haben, bestand hauptsächlich darin, ihnen zu sagen, was sie zu tun und was sie zu lassen haben. Mit der Zeit würde ich aber schon behaupten, dass ich gelernt habe, wie ich mich meiner Hörerschaft immer weiter annähere. Heute rappe ich einfach, stelle verschiedene Szenarien vor und lasse die Leute selbst ihre Meinung dazu bilden. Und ach ja, die Falten und grauen Haare werden auch nicht weniger (lacht)
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rappers.in: Graue Haare und Falten kennzeichnen doch nur einen weisen Mann.

Masta Ace: (lacht)

rappers.in: Wie du ja jetzt selbst bereits erwähnt hast, bist du schon wirklich lange im Business. Spürst du immer noch Druck, wenn du neue Alben machst, weil du dir denkst "Hoffentlich fällt die Resonanz gut aus und meine Fans mögen das"?

Masta Ace: Ich verspüre schon seit ein paar Alben keinen Druck mehr. Ich denke, dass ich genug Selbstvertrauen habe, um zu wissen, was ich da jetzt genau anstelle. Anders wäre es, wenn ich mich unnötig dazu zwingen würde, mal was ganz Neues, wie zum Beispiel einen Trap-Song auszuprobieren. Da wäre ich schon nervöser, weil ich in neue Gefilde aufbrechen würde und keine Ahnung hätte, inwiefern das ankommt. Bei dem Zeug, was ich jetzt mache, fällt es mir eigentlich recht leicht. Ich würde von mir behaupten, dass ich einen guten Beat erkenne und weiß, ob das jetzt ein Kopfnicker ist, oder nicht. Auf guten Beats fällt mir dann das Schreiben leicht und dann wird das Ganze schon so eine Art Selbstläufer.

rappers.in: Wenn du da mit so einem Selbstbewusstsein rangehst, liest du am Ende überhaupt Reviews zu deinen Alben, wenn du dich davon eh nicht beeinflussen lässt?

Masta Ace: Reviews zu meinen Alben lese ich eigentlich gar nicht, Artikel über meine Person allerdings schon ein bisschen häufiger. Ich hatte schon immer wenig Bock auf Reviews, egal ob positiv oder negativ. Wenn du zu viel Positives von dir liest, glaubst du am Ende nur, dass du der Größte und Beste bist. Wenn du zu viel Negatives liest, treibt dich das schnell in die andere Richtung. Ab und zu krieg ich Reviews von Freunden zugesandt, die dann sagen "Hey, das ist echt gut geschrieben! Lies das doch mal", aber ich selbst mache mich eigentlich nie auf die Suche nach neuen Stimmen zu meinen Alben. Wichtiger ist eher, was ich auf Shows von meinen Fans höre. Und solange die kommen und meine CDs, Vinyls und Merch kaufen, weiß ich, dass ich auf keinem falschen Weg sein kann.

rappers.in: Du sprichst jetzt explizit CDs und Vinyls an. Achtest du auch auf deine Streaming-Zahlen bei Diensten wie Spotify oder Apple Music und was hältst du von der heutigen Streaming-Kultur?

Masta Ace: Die Streaming-Zahlen sind mir komplett egal, weil du damit eh kaum Einnahmen generierst. Vor zwei Jahren hab ich ja mein Album "The Falling Season" veröffentlicht und da hab ich mich geweigert, es auf irgendwelchen Streaming-Diensten anzubieten. Ich wollte ein Jahr warten, bevor ich es dann hochlade. Ich finde es einfach ungerecht, dass diese ganzen Anbieter uns bei weitem nicht genug bezahlen, wenn sie ihr ganzes Geld nur dank uns machen. Ich glaube, für jeden Stream kriege ich nur ca. ein Achtel eines Cents. Und das ist eine verrückte Zahl. Eigentlich habe ich gar keinen Bock mehr darauf, irgendwas auf solchen Plattformen zur Verfügung zu stellen. Diesmal war es ein bisschen schwieriger, das zu boykottieren. "A Breukelen Story" ist ja ein Kollabo-Projekt mit meinem Producer Marco Polo. Und weil wir Partner sind, höre ich natürlich auch auf ihn. Er wollte, dass das Album möglichst viel Aufmerksamkeit generiert und da kommst du um die Streams einfach nicht mehr herum. Letztendlich ist es so: Die meisten Leute, die Sachen streamen, kaufen sich keine Alben mehr. Und wenn du die Sachen nicht hochlädst, ändert sich daran gar nichts. Nur weil jetzt ein Masta Ace-Album nicht auf Spotify ist, werden sie nicht plötzlich anfangen, dieses eine Album zu kaufen. Sie warten einfach so lange, bis das Tape irgendwann mal online ist. Deswegen ist das so ein Teufelskreislauf und am schlausten ist es wohl, das bisschen Geld, was Spotify und Apple Music dir anbieten, mitzunehmen. Und das geht mir unglaublich auf den Sack! Ich hab keine Ahnung davon, wie hoch der Gewinn von Unternehmen wie Spotify oder Apple Music ist. Aber egal, wie viel es ist: Es muss einfach einen Weg geben, die Artists besser und angemessener zu bezahlen. Für Artists wie Drake lohnt sich das Ganze schon, weil sie milliardenfach gestreamt werden. Aber sollte es nicht der Sinn von solchen Plattformen sein, allen Musikern wieder was zurückzugeben?

rappers.in: Lass uns wieder über schönere Dinge reden: Dein 2004 erschienenes Album "A Hot Summer" kam vor allem in Europa überragend an, weswegen du ja auch öfters durch Europa tourst. Gefällt dir das oder wäre es dir lieber, mehr in den Staaten unterwegs zu sein?

Masta Ace: Ich liebe das Touren durch Europa. Ganz ehrlich, ohne den Support hier würde ich höchstwahrscheinlich keine Musik mehr machen. Ich hab ja schon einen guten Überblick über meine Einnahmen und woher diese kommen. Ohne die Hörer aus Europa könnte ich wahrscheinlich nicht hauptberuflich Musik machen. Ich wäre wirklich gezwungen dazu, mir einen anderen Job zu suchen. Es gibt wenig Dinge, die mir mehr Spaß machen als die Europa-Touren und sobald meine letzte Show hier jeweils gespielt ist, freue ich mich umso mehr auf das nächste Mal. In den USA habe ich zwar auch ab und an noch Gigs und kleiner Touren, aber bei weitem nicht in diesem Ausmaß.

rappers.in: Sind die Shows dann hauptsächlich in deiner Heimatstadt Brooklyn, New York oder erstreckt sich das über das ganze Land?

Masta Ace: Ich spiele eigentlich so gut wie gar keine Shows in Brooklyn. Wenn mich Leute aus den Staaten feiern, sind das eher Leute von der West Coast. Shows in San Diego, Los Angeles oder San Francisco kommen eigentlich immer gut an. Meine bekanntesten Sachen "Born To Roll" und "Sittin on Chrome" waren eher vom Westcoast-Style und -Sound angehaucht. Ich hatte auch nie diesen Eastcoast-Banger, den man groß in New York, Boston oder Philadelphia gepumpt hätte.

rappers.in: Was ist der Unterschied, wenn du ein Album allein machst oder so wie jetzt auf "A Breukelen Story" zusammen mit deinem Producer Marco Polo arbeitest?

Masta Ace: Viel ändert sich nicht, weil ich ja nicht mit einem anderen Artist, sondern mit einem Producer zusammengearbeitet habe. Schreiben musste ich also alles selbst (lacht). Allerdings macht die Tatsache, dass du einen einzigen Producer hast, das Drumherum viel einfacher. Normalerweise musste ich mich mit sechs, sieben Producern für jedes Album herumschlagen, von dem jeder anders ist. Da musst du dann mit verschiedenen Persönlichkeiten umgehen und andere Arbeitsweisen akzeptieren. Jeder hat dann seine eigenen Vorstellungen, wie das Gesamtbild letztendlich aussehen soll. Die Projekte mit Marco Polo sind eigentlich die Projekte, die mir auch am meisten Spaß bereitet haben, weil man sich besser aufeinander einlassen kann und die Kompromisse nicht zu stark einengend waren.

rappers.in: Danke für das Interview! Hast du noch irgendwelche Worte an deine Fans aus Deutschland?

Masta Ace: Ich freue mich wirklich riesig darüber, wieder in Deutschland zu sein und Shows hier spielen zu dürfen. Shoutouts gehen raus an Marco Polo und Stricklin, Steve aka "The angry Merch-Guy" und auch sonst alle, die mich supporten!


David Doblinger

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