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Review: Machine Gun Kelly- Binge EP

veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 13:59 Uhr
Autor: Vincentbl3003





01. LONG TIME COMING
02. LOCO
03. GTS
04. RAP DEVIL
05. NYLON
06. LATELY

07. SIGNS feat. 24hours
08. GET THE BROOM
09. LIVEFASTDIEYOUNG


Wenn du mit 28 Jahren plötzlich in der Sternstunde deiner Karriere stehst und für eine kurze Zeit die ganze Rap-Welt auf dich blickt, musst du so schnell wie möglich Geld verdienen. Das dachte sich vermutlich Machine Gun Kelly, der drei Wochen nach seinem Eminem-Disstrack, der inzwischen die 100 Millionen Views-Marke geknackt hat, mit "BINGE" ein Tape rausbringt. Kann MGK mit seinem sehr eigenen rockig, aggressivem Rapstil die Aufmerksamkeit nutzen und sich ganz oben im HipHop-Kosmos einordnen? Oder enttäuscht er wie letztes Jahr, als er nach dem Überraschungshit "Bad Things" mit seinem Album gefloppt ist.

Was einem sofort auffällt, ist, dass sich die kurze Produktionszeit des Tapes in der Quantität der EP niederschlägt. Magere sieben neue Songs kriegt man zu hören, die durch den auf die Platte gepackten Disstrack und ein Instrumental, das als Intro herhalten muss, präsentiert werden. Los geht es mit "LOCO", das das Album in vielen Hinsichten schmackhaft macht. Mit dem Aufbau des düsteren Basses spürt man gleich, dass MGK von seinem Stil kein Stück abrückt, nur weil er jetzt im Rampenlicht steht. Der roughe, druckvolle Rap wird auf "BINGE" ebenso kompromisslos erhalten, wie die synthetische Seite in der Produktion. Was man der EP auch über die ganze Lauflänge anhört, ist die Verbindung zwischen Rock und Rap. MGK ist als einer der einzigen populären Rapper regelmäßig auf Rock-Konzerten und Voract von diversen Rockbands und das beeinflusst die musikalische Seite sehr. Durch die Verwendung von E-Gitarren mit Drums in den Instrumentals und teilweise geschriene Parts des Künstlers wird das verdeutlicht und gibt dem Ganzen eine interessante Mischung, die sich deutlich vom Zeitgeist abgrenzt. Er bleibt bei dem was ihn auszeichnet und gibt der Platte Wiedererkennungswert. "GTS" arbeitet neben diesen Elementen auch mit emotionalem Storytelling. Das Szenario in dem der Rapper erzählt, dass er schlimme Zeiten hinter sich hat, in denen die Drogen ihn kaputt machten, ist zwar nicht das Sonderbarste, aber wird hier musikalisch authentisch präsentiert. Die Schrei-Einlagen ergänzen das abgefuckte Soundbild perfekt und werten die nicht sehr innovativen Text auf. Nachdem man auch als jemand, der MGK davor nicht hörte, nun aber verstanden hat wie seine Musik funktioniert, lernt man auch die Vorteile der kurzen Lauflänge zu schätzen, denn Abwechslung sucht man vergeblich. "Nylon" wird zwar leicht aggressiver und auch inhaltlich zeigt sich spätestens hier MGKs Macho-Seite deutlich, dennoch schafft er es nicht, der EP etwas neues hinzuzufügen. Die Sprüche wirken flach und oft schon oft in besserer Form verwendet und die Aussagen dahinter völlig stupide.

Two Nines in my waist/
My gun and my dick

(Machine Gun Kelly auf "NYLON")

"LATELY" ist der schwächste Track der EP, weil der Künstler völlig daran scheitert, einen massentauglichen Lovesong zu schustern. Die Hook ist kein Ohrwurm, sondern wirkt mit dem Einsatz von Autotune viel zu gewollt, der Text ist belanglos und eine Atmosphäre wird durch den Rap auch nicht kreiert. Ein ähnliches Soundproblem hat er auf "SIGNS", auf dem der Einsatz von Autotune genauso misslungen ist. Der Song verdirbt sich das bislang schnörkellose Soundbild, indem er sich für etwas verbiegt, das er nicht ansatzweise so gut hinbekommt wie die Künstler, die seiner Inspiration dienen. Mit "GET THE BROOM" kehrt das Tape wieder auf den anfangs eingeschlagenen Weg zurück und gerade der ignorante Teil MGKs kommt auf dem trockenen Instrumental sehr gut zur Geltung. Zum Abschluss der Platte kommt mit "LIVEFASTDIEYOUNG" nochmal genau der beschriebene Sound, der einerseits auf ihn zugeschnitten ist und ihn zu dem einzigartigen Rapper macht, der diese Nische stilsicher vertritt, der andererseits aber nach ein paar Tracks anstrengend wirkt, wenn man nicht Fan von dieser Art Musik ist. Leider verdeutlicht es auch die lyrische Einfallslosigkeit, da Themen wie aus der Bahn geratener Drogenmissbrauch, die stereotypisch für Rapper sind, gepickt werden, ohne dem irgendeinen interessanten Aspekt hinzuzufügen. Kreative Punchlines oder beeindruckende Reime, die fehlende textliche Substanz rechtfertigen könnten, kommen auf "BINGE" auch nicht vor.

Fazit:
Machine Gun Kelly hat mit "BINGE" sein kommerziell wahrscheinlich erfolgreichstes Werk veröffentlicht, da Slim Shady die Promophase für ihn übernommen hat. Die Quantität der Songs lässt zu wünschen übrig, jedoch muss man dem Künstler zugute halten, dass er mit "BINGE" eine musikalische Visitenkarte abgegeben hat, die ihn soundtechnisch klar definiert. Das macht und Leuten, die durch den Beef auf ihn aufmerksam geworden sind und sich vor dem Stil nicht verschließen Hunger auf mehr Musik. Dass er diesen auf die Dauer jedoch anstrengenden Stil klanglich nicht variieren kann ist etwas, dass sich MGK auf dieser EP durchaus ankreiden lassen muss. Textliche Eintönigkeit in den Thematiken gleichen die passende Produktion, der absolut stilsichere Rap und die gute Delivery somit nur solange aus, bis sie das gleiche Problem haben. Zusammenfassend lässt sich sagen das MGK den Höhepunkt seiner Karriere genutzt hat und es nicht schlimm wäre, wenn er sich mit diesem Stil auch langfristig in der Szene etablieren kann.


Vincent Busche



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