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Interview: Mach One

veröffentlicht: Montag, 14.03.2011, 20:45 Uhr
Autor: ProRipper




Er ist ein wahres Berliner Rap-Urgestein, seine Biographie weist unzählige Zusammenarbeiten im vergangenen Jahrzehnt auf und zuletzt konnte er mit einer Kollaboration mit King Orgasmus One wieder von sich reden machen, nachdem er wenige Jahre zuvor zu seiner "Freakshow" einlud und gemeinsam mit Bassboxxx den Untergrund verwüstete. Die Rede ist natürlich von Mach One, der seit gefühlten Jahrhunderten an der Fortsetzung von seinem "Meisterstück" arbeitet – aber gut Ding will bekanntlich Weile haben. Und dass "Meisterstück 2" nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird, ist spätestens seit unserem Gespräch mit dem Berliner so sicher wie das Amen in der Kirche – oder die Tatsache, dass Orgi keine Hooks schreiben kann.

rappers.in: Wir haben 2011. Du bist nun bereits seit über einem Jahrzehnt aktiv als Rapper, Producer und Writer, aber viele werden deinen Namen bis vor kurzem dennoch nicht gekannt haben – und das, obwohl gerade du wirklich einen Großteil der typischen HipHop-Elemente in deiner Person vereinst. Willst du unseren Lesern vielleicht kurz mal die wichtigsten Stationen wiedergeben, die du in diesem einen Jahrzehnt nach und nach abgeklappert hast?

Mach One: Ich habe im letzten Jahrzehnt bereits an den Produktionen verschiedener Bassboxxx-Releases teilgehabt. 2000 kam dann das erste Tape raus, das man als "Mach One-Projekt" betiteln könnte: "(R)evolution". Das ist ein 100-minütiges Tape von AkteOne und mir. Danach hab' ich verschiedene andere Projekte vorangebracht: Basstards "Obscuritas Eterna". MOKs "Fick M.O.R.". MC Bogys "Lyrischer Hooligan". Meine EP "Jung & Kaputt". Den "Bassboxxx Clique Sampler". Das Verpailas-Album. Aktes "Overkill". Meine erste Soloscheibe "Das Meisterstück Vol.1". Das Kollabo-Projekt "Lil Mach änze Nordzeitboys" mit Vork und Darn. Isars Album "Berliner Bär". Mein Kollabo-Album "Freakshow" mit Darn. Und zuletzt "Rap aus Berlin" mit Orgi.

rappers.in: Das ist ja jetzt mal eine erstaunliche Auflistung von Projekten. Gibt's darunter welche, die dir ganz besonders am Herzen lagen oder steckt in jeder Zusammenarbeit gleich viel Herzblut?

Mach One: Herzblut steckt schon immer drin. Mir is' eigentlich egal, ob das nun in erster Linie mein Projekt ist oder ob ich da jemand anderen produziere. Ich nehme immer stark Anteil und versuche, meine Kreativität einfließen zu lassen, um am Ende das Bestmögliche rauszuholen. "Rap aus Berlin" war bisher das Projekt, das mehr oder weniger am wenigsten Liebe bekommen hat. Weil es aber auch so angelegt war, in zwei Wochen fertig zu sein. Is' trotzdem das Bestmögliche bei rausgekommen, find' ich.

rappers.in: Okay. Reden wir doch mal über genau dieses Projekt, also, das Kollabo-Album "Rap aus Berlin". Die Zusammenarbeit mit einem Künstler wie Orgasmus gestaltet sich doch bestimmt auch nicht so einfach – gerade Orgi ist ja für seine recht eigene, unkonventionellere Art und Weise bekannt, Musik zu machen. Wie verlief die Zusammenarbeit denn so und wie zufrieden bist du persönlich mit dem Endergebnis?

Mach One: Als wir angefangen haben, dachte ich wirklich, das geht voll in die Hose. Mit Orgi zu arbeiten, ist eigentlich ganz cool. Er kommt, macht seinen Part – wenn man ihn ein bisschen antreibt, sogar den ganzen – nimmt den auf und is' fertig. Bei "Rap aus Berlin" ist sehr viel an mir hängen geblieben. Orgi ist ja eher nicht so der Produzent... Mit den Refrains war's auch ein bisschen komplizierter. Wenn Orgi welche geschrieben hatte... na ja... dann hab' ich die meist später noch mal neu schreiben müssen. Durch die ganzen Tonaufnahmen, die ich zwischendurch beim Feiern gemacht habe, hat sich die Atmosphäre auch gut einfangen lassen und ich bin schon sehr zufrieden mit dem Teil. Dafür, dass das so chaotisch entstanden ist, ist es doch ein sehr rundes Album geworden.

rappers.in: Was hat mit den alten Refrains von Orgi denn nicht gestimmt?

Mach One: Na, das waren einfach keine Refrains. Er hat Sachen geschrieben, die hat man dann auch aufgenommen... Man hat auch 'ne Weile drüber gelacht und so... Aber als es dann darum ging, dass das jetzt tatsächlich das Lied mit DER Hook sein sollte, war das dann meistens so: "Nee, geht gar nicht! Neu!"

rappers.in: Jetzt möchte ich aber ein Beispiel!

Mach One: Kennst du den Part mit seinem wegoperierten Zwillingsbruder?

rappers.in: Ich hab' da was im Hinterkopf... Erzähl!

Mach One: Na, stell dir mal vor, das wäre jetzt der Refrain... so ungefähr.

rappers.in: Okay, ich verstehe den Standpunkt. (lacht) Also hast du insgesamt für "Rap aus Berlin" schon deutlich mehr gemacht als Orgi, oder?

Mach One: Fast alle Beats sind von mir, der Mix is' von mir, die meisten Refrains sind wohl auch von mir... Am Ende hab' ich dann noch das ganze Arrangement gemacht. Aus all diesen Puzzlestückchen musste ja 'n Album werden. Gar nicht so leicht – bei 'ner Platte mit 25 Leuten.

rappers.in: Nach "Freakshow" mit Darn vor einigen Jahren und dem featurelastigen "Rap aus Berlin" vor wenigen Wochen lassen weitere Solowerke von dir ja nach wie vor auf sich warten. Arbeitest du auf Albumlänge generell lieber mit anderen Künstlern zusammen, als nur auf dich allein gestellt zu sein?

Mach One: Nö, nicht unbedingt. Ich arbeite jetzt aktuell mehr oder weniger ausschließlich an meiner nächsten Platte. Natürlich hat man schneller fertige Tracks, wenn man mit jemandem zusammenarbeitet. Ist auch immer gut, wenn noch jemand da ist, der einem in den Arsch tritt und so. Ich glaube, meine Solosachen schleifen immer ein bisschen, weil ich auf DIE Idee warte und so... Einfach mal irgendeinen Track machen... Keine Ahnung, da steh' ich irgendwie nicht so drauf. Kommt dann aber auch schon mal vor.

rappers.in: Also hast du in Sachen Soloproduktionen eher eine perfektionistische Einstellung, während du in Zusammenarbeiten mit anderen etwas lockerer drauf bist? Wie du ja vorher gesagt hast, entstand das Album mit Orgi in wenigen Wochen.

Mach One: Nee... eigentlich nicht. Bei dem "Rap aus Berlin"-Album mit Orgi war genau das der Plan. Ursprünglich war sogar angesagt, wir schaffen das in einer Woche – völlig unrealistisch, aber 'ne nette Idee. Ich bin immer recht perfektionsgeil. Bei meinen Solosachen fällt mir nur immer noch was und noch was ein. Oft Sachen, die ich anderen Künstlern dann nicht mehr zumuten möchte. Die wollen ja irgendwann auch 'nen fertigen Track hören. Ich mach' das dann für mich aber immer noch alles fertig und feier' mich.



rappers.in: Normalerweise erschafft jeder große Künstler im Verlauf seiner Karriere irgendwann sein "größtes" oder "bestes" Werk, sprich: Sein Meisterstück, das ab dem Punkt an jeder mit seinem Namen assoziieren wird. So hatte beispielsweise Da Vinci seine "Mona Lisa" oder Michael Jackson seinen "Thriller". Du hast dein "Meisterstück" bereits relativ am Anfang deiner Karriere auf den Markt geworfen, arbeitest nun jedoch an einem zweiten Teil – aber warum braucht ein "Meisterstück" eine Fortsetzung? Bist du mit deinem unzufrieden, weil du denkst, dass du das doch noch besser hinkriegst?

Mach One: Das war von Anfang an als Trilogie geplant. Und ich sehe den Titel so 'n bisschen wie das "Meisterstück" zur Meisterprüfung. Wenn das beendet ist und im Ganzen dasteht... Dann hab' ich meinen Meistertitel. Hieß ja auch "Das Meisterstück Vol.1", ne?

rappers.in: Guter Einwand! (lacht) Viele betiteln das kommende Release von dir ja sogar schon als deutsches Pendant zu Dr. Dres "Detox" – kannst du uns inzwischen vielleicht schon Näheres über das Album verraten und peilst du bereits ein Releasedate an?

Mach One: Na, "Detox" kommt ja nu' im April, oder? Ich hoffe ja ein bisschen, dass es mir gefallen wird. Aber gut, mein nächstes Album mit "Detox" zu vergleichen, ist ein bisschen größenwahnsinnig, oder? Ich bin nicht Dre. Ich hab' auf jeden Fall schon was angepeilt, releasetechnisch... Aber darüber reden wir gern noch mal, wenn's soweit ist.

rappers.in: Der Vergleich mit Dres "Detox" kam ja eher deshalb zustande, weil du uns so lange zappeln lässt!

Mach One: Von mir kam aber zwischendurch immer mal was. "Freakshow" zum Beispiel... Und das ist mein Lieblingsalbum von mir!

rappers.in: Stimmt schon. Dre war da etwas fieser, einfach gar nichts zu machen.

Mach One: Jetzt ist bei Dre aber auch entweder – oder... Wenn "Detox" floppt... Hmm...

rappers.in: Denkst du denn, dass es floppen wird? Ich glaube ja sowieso, dass er durch die ständigen Verschiebungen die Erwartungen derart erhöht hat, dass er sie gar nicht mehr erfüllen KANN.

Mach One: Das artet hier aber langsam zur "Detox"-Werbung aus... Kauft "Detox"!!! Rettet Dr. Dre!!!

rappers.in: ... und gleich dazu noch "Meisterstück Vol. 2", oder?!

Mach One: Nee, is' nicht so wichtig! Kauft "Detox"! Schnell!

rappers.in: (lacht) Okay, sehr gut! Wechseln wir mal wieder das Thema, oder?

Mach One: Wir können auch gerne noch kurz die gute alte Zeit Revue passieren lassen... Weißte noch damals? NWA?! Alter!

rappers.in: Ice Cube gefällt mir heute leider gar nicht mehr.

Mach One: Der Schauspieler?

rappers.in: Ach, stimmt, er hat ja sogar mal in irgendwelchen Filmen mitgespielt... Ähem, jetzt schweifen wir aber echt ab!

Mach One: Noch sind wir bei "Detox", oder?

rappers.in: NEIN! Wir kehren jetzt zurück nach Berlin! Was ist deiner Meinung nach denn faktisch gesehen das wichtigste Kriterium, das Rap aus Berlin etwa von Rap aus Frankfurt oder Rap aus Stuttgart unterscheidet? Und was zeichnet Rap aus Berlin für dich persönlich ganz besonders aus?

Mach One: Ich finde, die Zeiten, in denen man da ganz klar Unterschiede machen kann, sind vorbei. Es gibt inzwischen in allen großen Städten ernstzunehmenden Gangsterrap. Und es gibt überall Leute, die da keinen Bock drauf haben. Es gibt überall Idioten. Es geht überall ums Geld, es... blabla. Wo man da Unterschiede machen kann? Ähm... beim Dialekt eventuell? Ganz im Ernst: Berlin hat 'nen guten Anfang gemacht, was den härteren Ton angeht – inzwischen ist das aber rum.

rappers.in: Also kann man deiner Meinung nach nicht mehr so kategorisieren, dass Berlin jetzt für den Gangsterrap steht, Frankfurt für den "Blockrap" und Stuttgart etwa für Freundeskreis?

Mach One: In Stuttgart rappt noch jemand? Ich dachte, die sind jetzt alle hier?!

rappers.in: Also, wir wollen ja mal nicht die Herkunft vergessen!

Mach One: Ach so... Ja, gut. Nee. Ich denke, man kann langsam aufhören, Rap in Städte zu unterscheiden. Es gibt ja nun inzwischen diverse "etablierte" Stilrichtungen. Da könnte man jetzt doch mal drüber reden.

rappers.in: Na, wenn du möchtest! In welcher Stilrichtung liegt deiner Meinung nach denn die Zukunft für deutschen Rap?

Mach One: In allen.

rappers.in: In allen? Das musst du jetzt aber mal erläutern!

Mach One: Rap und HipHop wird weltweit immer älter. Man kann das nicht mehr auf die Jugend beschränken. Das Publikum wird älter und die Ansprüche ändern sich. Gangsterrap ist immer gern in den Medien, da passiert immer so schön viel und der rebellischen Jugend gefällt das. Aber es gibt auch jede Menge Menschen, die mit dem Gangsterkram gar nichts anfangen können. HipHop und Rap ist meiner Meinung nach einfach schon lange, lange nicht mehr wegzudenken und beeinflusst alles. Und natürlich entwickelt sich das auch alles. Die Zukunft deutschen Raps liegt hoffentlich in der Qualität und der Neuerung. Ich hör' mir gerne guten, innovativen Gangsterrap an. Hab' dann aber auch Bock, mal was Deepes zu hören. Oder was Durchgeknalltes. Ab und zu muss man dann aber auch mal tanzen. Wäre also schön, wenn es das auch alles weiterhin gibt. Und am schönsten wär's, wenn das alles einfach immer besser und innovativer werden würde...

rappers.in: Das kann man doch so stehen lassen! Welche Künstler favorisierst du da denn zurzeit?

Mach One: Ich persönlich feier' K.I.Z., JAW und Favorite. Aber am besten ist eh immer die Mucke von Freunden.



rappers.in: "Rap aus Berlin" provoziert ja auch recht gerne – gerade Alben von Berliner Künstlern stehen immer ganz oben auf der Rangliste, wenn es mal wieder um das Thema "jugendgefährdend" und "zu indizieren" geht. Was, denkst du, ist dafür verantwortlich, dass gerade die Berliner Rapszene als besonders "hart" und in den Medien oftmals auch als gesellschaftsschädigend betitelt wird?

Mach One: Na ja... Wir haben halt Blokkmonsta. Und Orgi und Arzt als "Pornomafia". Da kann man doch immer schnell was rausholen. Außerdem waren Aggro Berlin ja nun auch ziemlich erfolgreich. Je größer die Sachen werden, desto schärfer die Kritik. Apropos: Eventuell sollten die Leute sich mal fragen, wie die Kinder, die sie so perfekt erzogen haben, dazu kommen, sich zum Beispiel Blokk anzuhören. Is' natürlich immer schön einfach, da den Finger auf den Künstler zu richten, anstatt den Fehler mal zu Hause zu suchen.

rappers.in: Nun gut... Blokkmonsta zu hören, ist ja jetzt kein Verbrechen. Aber ich verstehe, worauf du hinauswillst!

Mach One: Nee, natürlich nicht! Versteh mich nicht falsch!

rappers.in: Ich hab's jetzt so verstanden: Von den Medien kommen allerlei Vorwürfe gegen zu harte Texte von Rappern wie Blokkmonsta oder auch mal Bushido. Aber niemand zwingt die Jugend dazu, sich diese Sachen anzuhören. Richtig?

Mach One: Die Kids suchen sich die Musik aus, die sie sich anhören, und die Eltern sind dann soo überrascht. Aber das sind doch deren Kinder, oder nicht?! Wie kann man denn da so überrascht sein?! Heißt ja nicht mal, dass das nun schlechte Kinder sind. Darum geht's mir nicht. Aber das sind Kinder, die unter ihren Eltern gelebt haben, wie sie nun mal gelebt haben. Und die haben da Bock drauf! Da sollte man einfach eher bei den Eltern nachfragen, was los ist, und nicht mit dem ekligen Finger auf die Künstler zeigen, die einfach machen, worauf sie Bock haben.

rappers.in: Was hier von der Gegenseite immer als Argument kommt, ist natürlich die Tatsache, dass jeder Künstler auch eine gewisse Vorbildfunktion hat. Wie siehst du das?

Mach One: Ich mach' einfach Musik, hinter der ich stehen kann. Mir ist komplett egal, wer das jetzt wie versteht. Guckst du manchmal Filme? Oder siehst du manchmal Nachrichten?

rappers.in: Klar!

Mach One: Wenn ich mir was Perverses vorstellen kann, dann ist das längst nich so pervers wie die Wirklichkeit. Und Filme... Da hat doch im letzten Rodriguez-Film tatsächlich jemand 'ner schwangeren Frau in den Bauch geschossen?! Ich hab' herzlich gelacht. Warum? Weil das "Machete" war! Wenn in diesem Film nicht 'ner Schwangeren in den Bauch geschossen worden wäre... Da wär' ich doch schon ein bisschen enttäuscht gewesen. Das ist Entertainment und Kunst.

lupa: Du Ekel!

rappers.in: Ach, lupa auch mal da! (lacht)

Mach One: Da wird sie wach!

lupa: Spaß! Ich wollte nur kurz was Konstruktives beitragen.

Mach One: Schwanger?

lupa: Gott sei Dank nicht. Ich bin ein Zwerg.

Mach One: Komm her, ich werf' dich!

rappers.in: ...lupa kommt und stellt alles auf den Kopf! Herrlich, solche Interviews!

lupa: (lacht) Du wirfst mich? Wenn man das zum Thema Schwangerschaft mal so in den Raum wirft... kommt das ein bisschen komisch.

Mach One: War eher zum Thema Zwergewerfen! Aber ich werfe auch schwangere Zwerge!

lupa: Ist das 'ne Königsdisziplin in dieser Szene? Du bist ganz schön versaut.

Mach One: (verwundert)

lupa: (lacht) Vergiss es! Arbeitet!

rappers.in: Okay, alles klar... Also: Musik ist gleich Entertainment und jeder sucht sich – wie auch bei Filmen – ein Genre aus. Man schaut sich auch keinen Horrorfilm an, wenn man sich nicht dabei gruseln will. So war das Letzte gemeint, oder?

Mach One: Joah... Okay.

rappers.in: Ich finde meine Metapher gut!

Mach One: Okay...

rappers.in: ...na danke!

Mach One: (lacht)

rappers.in: Der deutsche Musikmarkt hat, was HipHop angeht, seinen Zenit wohl bereits überschritten und die Verkaufszahlen gehen von Jahr zu Jahr bergab. Ärgerst du dich nicht ein wenig darüber, dass gerade du, der ja eigentlich schon fast zu den Pionieren des deutschen Raps zählt, nicht mehr für dich mitnehmen konntest?

Mach One: Ach... Natürlich hätte man die Kuh melken können und so, aber ich mache, was ich mache, wie ich das mache. Da gibt's nix zu bereuen. Jetzt is' es halt so, dass man was raushauen muss, um im Gespräch zu bleiben. Und dann muss man möglichst touren und Merch verkaufen, um sich über Wasser zu halten. Ich bin erst mal froh, dass ich trotz meines minimalen Outputs immer noch nicht ganz vergessen bin.

rappers.in: Soweit wir wissen, ist dein Vater Lyriker. Hat dich dieser Umstand, insbesondere auf deine Rapkarriere bezogen, sehr beeinflusst und denkst du, dass dir dein literarisches Talent demnach quasi direkt in die Wiege gelegt wurde?

Mach One: Keine Ahnung... Ich bin nicht bei meinem Vater aufgewachsen. Hab' ihn auch erst mit circa zwölf Jahren kennen gelernt. Inzwischen haben wir guten Kontakt und stellen fest, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. Die Gene sind schon was Starkes.

rappers.in: Was denkst du, worin dann die Einflüsse lagen, dass du letztlich Texte verfasst hast?

Mach One: Es war tatsächlich so, dass ich an meinem 18. Geburtstag mit ein paar Writerkollegen gefreestylet habe, mir das Ganze dann doch ein bisschen Spaß gemacht hat und ich dann mit dem Texten angefangen hab.

rappers.in: Ach so, "ein bisschen Spaß"... Okay, hat sich ja alles positiv entwickelt! Aber bleiben wir doch noch mal beim Thema Literatur. Zum Abschluss darfst du unseren Lesern gerne eine kleine Empfehlung aussprechen! Vielleicht dein Lieblingsdrama oder -gedicht, mit dem du etwas ganz Besonderes assoziierst? Oder möchtest du noch etwas ganz anderes loswerden?

Mach One: Ich beende dann auch dieses Interview mit einem fröhlichen: "Freiheit fürs Baskenland!"

rappers.in: ...ich hätte mich ja jetzt mehr über ein Gedicht gefreut, aber nun gut...

Mach One: Janz ehrlich... Nä!


(Florence Bader & Pascal Ambros)

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