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Review: Leikeli47 – Wash & Set

veröffentlicht: Montag, 25.09.2017, 13:28 Uhr
Autor: Cuttack





01. 2nd fiddle
02. Miss Me
03. Attitude
04. Bags
05. O.M.C.
06. Money
07. M I L K
08. Don’t do it
09. Bubblegum
10. Look
11. Ho
12. Elian’s Revenge
13. Braids tuh’da flo(w)
14. Wash & Set

Masken im HipHop sind ein interessantes Phänomen. In Deutschland haben wir eine halbe Maskeninflation hinter uns und reagieren auf vermummte MCs eher mit einem Augenrollen, zu oft zeugte Plastik vor der Visage eher vor einer halbherzigen Last-Minute-Imagekampagne, um uninteressanten Rappern ein Gimmick zu geben ("Guck mal, jetzt bin ich eine Ente!"). In den Staaten taucht das jedoch vergleichsweise selten auf: MF Doom drängt sich als Beispiel natürlich auf, ansonsten muss man schon zweimal nachdenken. Persönlichkeit und Authentizität haben hier durch die Bank wohl mehr Bedeutung, könnte man argumentieren, das Statement des verborgenen Gesichts ist dementsprechend auch anders besetzt.

Leikeli47 unterstreicht dieses Argument. Denn die in Brooklyn geborene Rapperin muss sich kaum darum sorgen, nicht genug einschlägige Charaktereigenschaften mitzubringen: Neben klar feministischer Positionierung gibt sich Leikeli trotz sehr partytauglichem Sound auch nah an modernen schwarzen Bürgerrechtsbewegungen, kann durchaus mit politischen Gruppen assoziiert werden und spielte dementsprechend auch als Headliner auf dem Afropunk-Festival. Mit "Wash & Set" bringt sie zwei Jahre nach ihrem Durchstarter-Hit "Fuck Up The Summer" in 2015 nun ein Debüt-Album an den Mann.

Bitch I gotta attitude/
I'm gonna have an attitude/
Bitch I gotta attitude/
So what I gotta attitude/

(Leikeli47 auf "Attitude")

Zu akut politisch, als dass sie ihr Gesicht der Außenwelt unkenntlich machen müsste geriet die Platte dabei aber mitnichten. Anhand der 14 Tracks vervollständigt die Maskierung vielmehr eine radikalisierte Hyperpersona, die gleichzeitig auch mit einer gewissen Ordinarität im HipHop-Kosmos funktionieren kann. Heißt grob gesagt: Der Scheiß ist gar nicht so deep. Die meiste Zeit gibt Leikeli dem Hörer einfach geradlinig aufs Maul, verlässt sich dabei aus fast schon New-York-House inspirierte Drumbeats, die simpel, rhythmisch und ziemlich temporeich von statten gehen. Ihre Lyrics beeindrucken eher selten, zwar sind die ein oder anderen interessanten Perspektiven in der Musik versteckt, aber meistens bekommen wir einfach nur typisches Geflexe auf Beats, die klingen, als hätte der Funk einen DJ Mustard gepackt. Simplistisch, aber brutal eingängig brettern Instrumentals mit Einflüssen zwischen Trap, Funk, Dancehall und New Yorker House vor sich hin und geben der Rapperin Raum, Attitude zu kicken. Da wird dann darüber philosophiert, dass Juvenile ihr Lieblingsrapper ist, dass Beyoncé eine Göttin ist ("Attitude") oder wie sie auf all ihre Konkurrenten stuntet ("Flex").

Die musikalische Textur lebt neben der lebhaften Instrumentierung dabei aber auch von ihrer vibranten, treibenden Stimme. Fast immer umgibt sie ein Gefühl des Kommandos, eine Dominanz auf dem Beat, den aber ein gewisser Feinsinn unterläuft, der dafür sorgt, dass sie sich doch mit melodischem und rhythmischen Gespür bewegt. Oftmals variieren die verschiedenen Parts der einzelnen Songs auch weit über ein klassisches Verse-Hook-Schema hinaus, weswegen ihre Anpassungsfähigkeit ironischerweise in verschiedenen Facetten von wiederholten Phrasen oder Mantras sichtbar wird. Viele Songs wirken auf den ersten Hördurchgang simpel und geradlinig, entpuppen sich dann aber bei etwas genauerer Betrachtung doch als detailliert ausgearbeitete Stücke, die den tanzbaren Minimalismus zu ihrem Vorteil ausspielen.

Brooklyn, home of the cutthroat/
Notorious, ya'll know how the rest go/

(Leikeli47 auf "Money")

Simple Empowerment-Hymnen, keine Features, verschiedene Ausführungen davon. Nach all der Einleitung vielleicht auch gar nicht so wichtig, Leikeli47 unbedingt in eine bestimmte Schublade einzurodnen. Ihr einen großen Feminismus oder Antirassismus zu unterstellen, übersteigt meistens den eigentlichen Spaßfaktor der Musik. Es ist mehr Persönlichkeit und Auftreten, wodurch diese Statements transportiert und impliziert werden. "Wash & Set" lässt sich da vielleicht am Besten einfach als klanglich eigenwillige und doch facettenreiche Sammlung von Bangern verstehen. Leikeli ist selbstbewusst, latent reflektiert und bewegt sich mit einer ganze Menge Swagger über die Produktion. Wer sich also für ein wenig authentischen Brooklyn-Zeitgeist und Party-Rap auf bockstarken Beats interessiert, ist mit einem Blick bei Leikeli47 definitiv nicht schlecht beraten.


(Yannik Gölz)



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