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Interview: Laruzo (Contenance, Pedaz, Hype) – Text

veröffentlicht: Donnerstag, 24.11.2016, 18:57 Uhr
Autor: kollin



rappers.in:
Hey Laruzo! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich habe eben zur Vorbereitung mal dein Facebook-Profil gecheckt. In der Beschreibung steht, dass du auch als Ghostwriter tätig bist. Du schreibst also nicht nur für dich?

Laruzo:
Ja, sozusagen. Ich hab' zwar noch nicht so viel für andere geschrieben, aber 'n paar sind es schon. Deswegen kann man das nicht unbedingt leugnen.

rappers.in:
Darfst du auch Details verraten oder ist das alles vertraglich geregelt?

Laruzo:
Das ist komplett free. Ehrlich gesagt habe ich das damals, als ich noch keinen Labeldeal hatte, einfach mal hingeschrieben. Ich hab' da jetzt noch nicht für so riesige Labels geschrieben. Es war mal die Rede davon, dass ich das für BMG mache, das wollte mein Label klären, aber das hab' ich dann erst mal nach hinten geschoben und erstmal meine Sachen gemacht. Ich habe aber schon für andere Künstlerinnen, die noch nicht groß bekannt sind, einige Songs geschrieben. Ist jetzt noch nicht das größte Ding.

rappers.in:
Du bist beim Label Voyz gesigned. Das ist ein Sublabel von Distri. Wo liegen die Unterschiede?

Laruzo:
Ich sollte eigentlich erst zu Distri. Aber die Leute, die Distri kennen, wissen halt, was für Rapper die haben. Fast jeder, der irgendwie am Start ist, war schon mal bei Distri. Kontra K, 187ers und Co. waren ja alle schon mal da. Meine Musik hat nicht so wirklich zu dem Label Distri gepasst. Das ist ja eher so Underground, Straßen-mäßig und das hat bei meinen Sachen gar nicht gepasst, weil ich eher die Style-mäßige Schiene gehe. Deswegen haben die wegen Ado Koyo und mir dann gesagt "wir machen ein Zweitlabel, das nennen wir dann Voyz, also Stimme, dass man das halt offen halten kann." Also auch vom Genre her. Ado Kojo hat R'n'B gemacht, ich habe mein Zeug gemacht und das ganze Style-Ding mit Rap gemischt. Deswegen ist auch das Label dann gegründet worden.

rappers.in:
Wie lief das ab? Hast du Distri dein Zeug geschickt?

Laruzo:
Nein, gar nicht. Ich habe damals mit einem guten Kollegen von mir, Samu Reschke heißt er, einfach ein Video gemacht. Mit dem habe ich damals schon ein Video zum Song "Achterbahnfahrt" gemacht. Wir haben alles auf eigene Faust gedreht und gedacht "komm, wir machen das so und wenn daraus nichts wird, gehen wir es erstmal ein wenig ruhiger an". Der Song war nun auch nicht überkrass, aber für die damaligen Verhältnisse nicht schlecht. Und das haben wir dann auf Youtube gebracht. Dadurch ist dann der Timo von Distri auf mich aufmerksam geworden, das ist der Manager von denen. Er hat das wohl gefeiert und dann haben die mich angeschrieben: "Wir sind Distri, wir machen das und das, haben mit Rapper XY schon gearbeitet". Daraufhin haben sie mich nach Osnabrück zu ihnen eingeladen.

rappers.in:
Timo auf jeden Fall richtiger Ehrenmann.

Laruzo:
(lacht) Ja, richtiger Ehrenmann auf jeden Fall!

rappers.in:
Ich muss auch sagen, dass mein absoluter Lieblingsrapper bei Distri unter Vertrag ist und ebenfalls aus dem Ruhrpott kommt!

Laruzo:
Sag mal!

rappers.in:
PEDAZ!! Kennst du ihn?

Laruzo:
Ja, klar kenn' ich Pedaz!

rappers.in:
Bester Mann, ich feiere ihn richtig.

Laruzo:
Er ist ja auch so 'n richtiger Ruhrpottrapper. Der ist gar nicht schlecht, ist echt ein richtig stabiler Rapper. Es ist halt schwierig, seine Schiene durchzusetzen.

rappers.in:
Das stimmt, aber mal schauen, hoffentlich kommt das noch!

Laruzo:
Ja, hoffentlich. Ich mein', Snaga und Pillath haben es damals auch geschafft.

rappers.in:
Sorry, wir sind leicht abgekommen ... Lass uns mal ein wenig über dein Album sprechen, das heißt Contenance und steht für Gelassenheit, Bescheidenheit, ... Sind das Adjektive, die dich gut beschreiben?

Laruzo:
Es ist so, dass das Album keinen krassen roten Faden hat. Es wirkt und ist echt noch ein wenig experimentell, wenn man es hört. Aber dennoch passt es irgendwie. Ich habe da einen Sound gemacht, der noch nicht so in Deutschland etabliert ist: R'n'Base. Ich war der erste, der dieses R'n'Base-Ding gebracht hat in Deutschland. Das war mit dem Song "Tight". Nur leider ist es nicht so bekannt geworden, weil ich nicht so Reichweite habe, wie zum Beispiel ein Shindy, der dann den Sound zum Durchbruch gebracht hat. Ich war auf jeden Fall der Erste, der es ausprobiert hat, und das habe ich dann auch auf meinem Album gebracht. Ich wollte mit dem Titel einfach sagen, ich bewahre die Ruhe, ich mache die Musik und ich weiß, dass es erst mal neu sein wird und nicht direkt Anklang finden wird. Aber ich bleibe entspannt und denke, dass es dann irgendwann ankommen wird und die Leute es feiern werden.


rappers.in:
In deinem Pressetext steht, es kommt bald schon mehr?

Laruzo:
Auf jeden Fall! Das Album ist draußen, was mit dem Album passiert, passiert, und was nicht, das nicht. Aber ich bleib' am Ball und mach' mein Ding, ich ziehe es durch. Es ist halt so, wie du wahrscheinlich auch bemerkst, dass momentan viel über Hype läuft. Die Newcomer, die kommen, müssen Hype haben. Sonst wird es schwierig heutzutage. Ich spreche das jetzt an, weil es irgendwie so ein Thema ist, was viel in meinem Umfeld in letzter Zeit besprochen wurde. Zum Beispiel Miami Yacine. Das ist ein guter Homie von mir.

rappers.in:
Verdammt. Jetzt hast du mir meine nächste Frage vorweggenommen. Ich wollt' das gerade ansprechen, wenn wir bei Hype sind.

Laruzo:
Deswegen! Das ist so mit das größte Thema, worüber man aktuell mit mir reden kann. Auf jeden Fall, das ist halt verrückt so. Ich war am Tag, bevor der Song von ihm gedroppt wurde, mit ihm im Studio. Er hat mir den gezeigt und wir dachten so, 500.000 Aufrufe wird er locker bekommen. Aber dass das so durch die Decke geht, hätten wir nicht gedacht. Ich weiß nicht, was da passiert ist! Es ist so, dass mich viele Leute aus meinem Umfeld fragen, warum das bei mir nicht so abgeht und die Medien ankommen. Ich sag' dann auch immer, das läuft halt alles nicht mehr so, wie es damals lief, und es dreht sich einfach alles um Hype. Entweder du hast ihn und gehst durch die Decke oder du musst dir das wie ein Raf Camora, Kool Savas oder Sido hart erarbeiten, bis du mal an den Punkt kommst. Diesen Rappern muss man auch mal Respekt zollen. Gerade Raf, den ich früher schon krass gefeiert habe, der jetzt erst so wirklich sein Hak dafür bekommt für das, was er getan hat. Finde ich gut.

rappers.in:
Hat er sich wirklich richtig verdient. Der Kerl ist nur am Arbeiten und gönnt sich kaum eine Pause im Moment.

Laruzo:
Voll! Deswegen, entweder gehst du den langen, steinigen Weg und du ziehst es durch wie ein Raf oder du gibst auf. Oder du hast Glück. Ich mein, Miami ist mein Bruder, der ist ein krasser Rapper, aber es hat auch ein wenig mit Glück zu tun. Auch bei Cro damals.

rappers.in:
Du musst einfach den richtigen Song zur richtigen Zeit droppen.

Laruzo:
Genau, so ist es halt. Entweder du hast diese Skills oder nicht. Er hatte richtig Glück und ich freue mich für ihn. Ich hoffe, er macht was Großes draus! Ich hoffe, es wird bei mir auch mal so kommen, ich arbeite hart dran. Es kommt noch mehr, ich bin dabei!

rappers.in:
Du machst auch die Beats vom Album selbst, oder?

Laruzo:
Jein. Normalerweise produziere ich mich immer selber, aber dieses Mal war ein wenig Zeitdruck dabei, das hätte ich alleine nicht geschafft. Deswegen habe ich beim Album noch den Maxe dazugeholt, der ist auf meinem Album sehr oft vertreten und hat fast alles produziert. Bis auf "Feuer & Eis", das ist so ein Reggae-Dancehall-Popsong, der auf meinem Album drauf ist: Der ist mit von mir produziert. Ich hab' da alles eingespielt und er hat nur nochmal drübergeschaut. Ich hab' ihm aber immer genaue Anweisung gegeben, wie ich den Beat am Ende haben wollte, wie es immer so läuft. Von Grund auf habe ich leider aber nicht alles produziert von der Zeit her. Vorher habe ich immer alles selbst produziert.

rappers.in:
Nochmal kurz zu Klicks: Gerade beiläufig Youtube gecheckt, deine Aufrufe sind doch eigentlich recht stabil für das erste Album.

Laruzo:
Ich muss auch sagen, wir waren erst ohne viele Erwartungen. Ich weiß nicht, wie der Stand gerade von den Verkäufen her ist, aber so krass war es bisher jetzt auch nicht. Ist aber verständlich, wenn da nun ein Newcomer ohne einen großen Namen was rausbringt. Ich hatte keine KMN-Jungs oder Xatar oder Celo und Abdi, die mich noch pushen.

rappers.in:
Genau, das meine ich. Du hast nun kein Label, das selbst von einem großen Rapper geführt wird. So wirst du nicht so stark unterstützt durch eine große Person. Aber so, wie es jetzt ist, hat es auch einige Vorteile.

Laruzo:
Richtig, das ist es halt. In dem Sinne könnt' ich schon sagen, dass Miami der einzige ist, der mich ein wenig supportet hat. Er hat zwar auch nichts gepostet, aber wir haben einen Song zusammen gemacht, der aber noch lange bevor seinem Hype entstanden ist. "Hennessy" heißt er, der geht momentan gut rum durch ihn. Es ist für mich schon ein wenig vorteilhaft gewesen, weil dadurch auch einige auf mich aufmerksam geworden sind. Ich hab' echt viele Mails dadurch von KNM-Fans bekommen, in denen drin stand "guter Song, ist ja auch geil, was du machst!". Und das ist der springende Punkt, um irgendwie Anklang zu finden. Vielleicht liegt es auch daran, dass die HipHop-Welt mich noch nicht so sehr mit meinem Style angenommen hat. Fler ist da auch ein gutes Beispiel, der hat damals schon Autotune und Trap gemacht und alle meinten "was ist das für 'n Scheiß!". Und jetzt feiern es alle.

rappers.in:
Wobei du ja kaum in die Traprichtung gehst, oder?

Laruzo:
Doch, auch. Ich hab' auf dem Album jetzt nicht so viel harten Trap, weil ich das noch nicht machen wollte, sondern erst mal dieses R'n'Bass-Ding. Da wollte ich mal schauen, wie die Leute das aufnehmen. Ich muss sagen, es gibt einen Song, auf den die Leute sehr gut anspringen, das ist "247". Ich habe zwar überall ein wenig Trapelemente drin, aber jetzt nicht so hart.

rappers.in:
Eher so Clubsound, oder?

Laruzo:
Ich muss auch sagen, "Hennessy", "Ein Mann ein Wort" und "Humphry Bogart" sind so die einzigen drei trappigen Sachen, die ich gemacht hab'. Es ist halt erst mal ein komplett gemischtes Album geworden, da ist auch 'n deeper Song drauf und paar Club-Songs. Ich sehe mich gerade als Künstler, der einfach alles machen will momentan und auch Einiges machen kann, weil ich neben dem Rappen auch singen kann.

rappers.in:
Und produzieren.

Laruzo:
Und das, ja. Vielleicht ist es für die Leute auch zu viel, da habe ich auch schon mal drüber nachgedacht. Was denn jetzt? Rappen, singen? Bei Jonesmann war es auch so eine Sache, soll er nun lieber singen oder rappen? Das war immer so die Frage. Aber ich zieh' das nun straight durch! Vielleicht verstehen das eines Tages ein paar Leute und man baut sich eine Fanbase auf.

rappers.in:
Das ist doch mal ein guter Abschluss. Danke dir für das Interview! Hast du noch ein paar letzte Worte an die Leser?

Laruzo:
Zieht euch "Contenance" rein, würd' ich sagen. Haltet die Ohren und Augen offen, da kommt auf jeden Fall noch was. Ich bin dabei, ich mache meine Musik und schaue, was passiert!



Facebook: Laruzo

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Autor: Lukas Kollin

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