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Review: Lance Butters – futureshit

veröffentlicht: Samstag, 27.07.2013, 20:26 Uhr
Autor: Die Robbe





01. futureshit
02. Verschätzt
03. Kitty Pitty
04. Locals
05. Marshmellow
06. Alles Goody


Den so oft kolportierten Weg vom einstigen VBT-Battle-Rapper hin zum ersten Album, ersten Plattenvertrag, ausverkauften Konzert, ersten Splash!-Auftritt – ja, hin zum ersten Interview, in dem der ehemalige Teilnehmer nicht gefragt wird, ob er gerne auf das VBT reduziert wird – was für eine überflüssige Frage ist das eigentlich? –, hat neben Weekend und Konsorten auch Lance beziehungsweise "Lääänce" hinter sich. Moment mal. Dabei sticht ins Auge, dass sich der Maskenmann im Vorfeld seiner neuen "futureshit"-EP mit keinem einzigen Interview plagte. Ist der Medien-Boykott ein weiterer Beweis für seine unvergleichbare Arroganz, die man von seinen Tracks und den bisherigen Interviews unlängst schätzt? Eine Antwort im Stile von "Was sollen wir machen, wenn wir keine Lust haben?", wie er ohnehin schon seine Absage für das HipHop-Open im letzten Jahr begründete, könnte ich mir jedenfalls bildhaft vorstellen. Nichtsdestotrotz wollen wir einen Blick in den zukunftsträchtigen Sound des Ulmers – so preist es der Name der EP an – auf "futureshit" wagen. Kaum überraschend hatte auch diesmal dessen Partner am Drumcomputer, Bennett On, für die Beatproduktionen am Regler gedreht.

Der Iron Man-Maskenträger, der schon mal von sich behauptet, mit dem größten Fortpflanzungsorgan der Nation gesegnet worden zu sein, nimmt sich nicht mehr Themen zur Brust, wie er das auf "Selfish" tat. Das entschuldigt er in unnachahmlicher Manier: "Während Kritiker nach Messages suchen, mach' ich Geld mit dem Movement und fick' gelenkige Hoes". Ja, schon recht, viel mehr erwarte ich auch gar nicht. Das klingt zynisch, ist aber meine persönliche Messlatte, nachdem ich festgestellt habe, dass Lance nur über das grüne Pflänzchen, den Koitus und Cash stacken erzählen möchte. Es ist ja nicht so, dass er es nötig hätte, ein breit gefächertes Themenfeld zu erschließen, gerade weil Lance' vor Arroganz strotzender Style mit den überwiegend synthetischen, elektronisch aufgeladenen und vollkommen abgedrehten Instrumentals seines Hausproduzenten Bennett On hervorragend harmoniert – great minds think alike. That's it – "isn't it"?

"Es geht um Geld, Drogen, Groupies und Sex/
Bis zum Tag, an dem ich verreck'/
Dreht sich mein Kopf nur um Autos/
Und die Frage, wie kann man nur so viel kaufen, was man gar nicht braucht/
"
(Lance Butters auf "futureshit")

Nicht ganz, die Obsession auf den verhassten Lokal-Patrioten ("Locals") ist mir neu. Kann nicht gerade der Ulmer von einer steilen Karriere, vom lang gehandelten Geheimtipp bis zur Unterschrift bei einem angesehen Label, berichten? Obwohl er "keine Zeit für ein Battle" hat, bearbeitet er imaginäre Gegner zuhauf, neben dem bereits erwähnten Hinterhof-MC werden auch die Teilnehmer der VBT-Splash!-Edition abgewatscht ("Verschätzt"), die Szene als Rummelplatz falscher 50er abgetan ("Alles Goody"), daraufhin kräftig sich und Ben auf die Schulter geklopft, um wiederum Frauen zu penetrieren und Grünes "mit 'nem THC-Gehalt im dreistelligen Bereich" ("Kitty Pitty") zu inhalieren. Wut, Drogen, Frauen, Eigenlob. Das kann man sich anhören, nur nicht 24/7. Nebenbei bemerkt tut sich der Verdacht auf, neues Studioequipment könnte an der Stimme des grünen Dauerkonsumenten, an der persönlichen, eigentümlichen Note gekratzt haben. Langgezogene Silben, wie auf "futureshit" etwa die Zeile "und schreib' mit diesen Lines auch nicht den Frust von meinem Leib", klingen so dermaßen daneben, dass man auch mutmaßen könnte, dass nach all den Exzessen schlichtweg der Style minimal vernachlässigt wurde.

"Scheiß Locals, euch kennt man nur in der City/
Außerhalb kein Stück bekannt oder wichtig/
Innheralb dürft ihr zwar ein paar Shows spielen – doch kommt nicht drüber hinaus/
Fucking scheiß Locals/
"
(Lance Butters auf "Locals")

Fazit:
Und wieder sind wir etwas schlauer geworden, denn: Was bitte hätte der Maskenmann in Interviews erzählen können? Halten wir fest: Die zweifellos außergewöhnlichen Synthie-Streiche sind für kaum einen anderen besser geeignet als für Lance. Sein Style beansprucht eine mindestens genauso große Ausnahmestellung für sich wie sein Partner und dessen geübter Finger am Regler ihrerseits. Doch Hand aufs Herz: Es gibt keine bedeutsame Veränderung zu "Selfish". Und so ist in der Summe "futureshit" nicht mehr als ein weiteres Kapitel der ersten Platte, nur, dass die Erwartungshaltung eine andere war; ich für meinen Teil habe nicht mehr erhofft, als geliefert wurde. Zwischen Bennetts klatschenden Claps und peitschenden Snares auf wummernden Synthieflächen und Lance' lässig geflowter Überheblichkeit passt kein Blatt Papier, selbst wenn er sich – vielleicht wurde beim Abmischen gepfuscht, man weiß es nicht – dann und wann bei einzelnen Betonungen verhaspelt, stylet er sich gekonnt über thematische Eintönigkeit hinweg. In diesem Sinne auch von meiner Seite: "Glückwunsch an FOUR für das Signing".


(Die Robbe)



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