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Review: LGoony - Lightcore

veröffentlicht: Mittwoch, 13.03.2019, 22:44 Uhr
Autor: derBernhard





01. Start Over
02. Zeit
03. Eiskalter Sommer
04. Grünweiße Scheine
05. Steve Austin
06. Paradise Bay
07. Hobby
08. Oh Mein Gott
09. Nacht
10. Check
11. Sicher
12. All Star Game
13. Droptop Music
14. Neu Geboren


Mit "Dreh den Swag auf" landete Money Boy 2011 seinen ersten Hit und löste damit einen Cringe-Hype in den nächsten Jahren aus. Drei Jahre später releaste der junge LGoony, der damals noch mit dem Boy in der Glo Up Dinero Gang aktiv war, mit ihm den Song "Ich bin nice". Der Rapper mit dem bürgerlichen Namen Ludwig Langer wurde damals ähnlich belächelt. Nun – knapp fünf Jahre später – bringt der Rapper mit "Lightcore" sein drittes Soloalbum auf den Markt. Hinzu kommen immer mehr positive Kritiken, Splashauftritte und relevante Features. Trotzdem sehen viele aus der Rap-Szene LGoony und seine Lichtgang um Crack Ignaz und Harry Quintana als die Reiter der Hip-Hop-Apokalypse. Doch wohin hat sich der junge Cloud-Rapper hinentwickelt?

Produziert ist das Album unter anderem von DJ Heroin und Drunken Massters. Sie schaffen hierbei den Spagat, dass man einen eigenen durchgängigen Stil hört, ohne, dass es dabei zu monoton wird. Der Sound ist amerikanisch angehaucht futuristisch. Das bedeutet: viele Synthesizer, haufenweise Adlibs und viel Autotune. Damit reiht sich der Klang von "Lightcore" direkt neben Lil Uzi Vert und Lil Yachty in die Cloud-Rap-Wolke ein. Neben "Auf-die-Fresse-Beats" wie bei "Steve Austin" oder "Zeit" gibt es auch Tracks, die mehr laid-back sind, zum Beispiel „Eiskalter Sommer“. Dabei passt der Sound so gut zum amerikanisch angehauchten LGoony wie Makkaroni und Käse zusammengehören.

LGoony versucht, sich möglichst viel von seinen US-Kollegen abzuschauen. Was er klanglich abliefert, ist sogar sehr solide, wenn man auf Autotune steht. In vielen Songs hat man Hooks, die ins Ohr gehen und perfekt auf den Beat abgestimmt sind – wie auf "Zeit" oder "Steve Austin". Im Gegensatz zum anfangs erwähnten "Ich bin nice" rappt LGoony deutlich routinierter. Dann setzt der Autotune aus und man hört die hohe, leicht schrille Stimme des Rappers, die an einen angestrengten 14-Jährigen erinnert. Jedoch schafft er es, seine Stimme durch einen guten Flow auf ein Minimum an Nervigkeit zu reduzieren. Die Ausnahme hier ist der Track "Sicher", auf dem der gute Ludwig ganz ohne Autotune auskommt und sogar die Hook atmosphärisch rappt. Wenn dann der Autotune wieder einsetzt, ist die Stimme nicht wiederzuerkennen. Am Ende kommt dabei ein ordentlicher Sound bei raus, in dem sich auch die Entwicklung von LGoony über die letzten Jahre hin zu einem ernstzunehmenden, starken Rapper.

„Mein ganzes Team ist am flexen und stunten, doch ich übertreib' es/
Kauf' mir den edelsten Hengst, ich geh' nie mehr zu Fuß, Mann, ich reite“

(LGoony auf "Hobby")

Auch thematisch ist "Lightcore" deutlich an die US-Vorbilder angelehnt. Mit "Chains", "Ice" und der "Rolex" wird ordentlich geflext, jedoch hält er sich bei Gangster-Themen wie Gewalt und Drogen zurück. Gegen das zweite spricht er sich sogar aktiv aus: "Immer mit den gleichen, ich zieh' keine Lines". Anstelle dieser Themensegmente gibt es mehr Angeberei. Das ganze Bragging ist anfangs noch recht unterhaltsam und teilweise mit dumm-lustigen Pointen witzig, jedoch kann das ganze auch in die andere Richtung schlagen, wenn sein Feature-Gast Yung Isvvc im Song "Eiskalter Sommer" damit angibt, dass er "fly wie ein Taubsi" ist. Für einen kurzen Moment ordnet sich das ganze Album in die Cringe-Zeit im Jahr 2014 ein. Das ganze Geprahle wirkt irgendwann so überspitzt und monoton, dass man sich die Frage nach dem Sinn hinter dem ganzen stellt. Über das ganze Album hinweg erwischt man sich jedoch auch in Momenten, in denen man ihm die Persona abnimmt. Dann ist LGoony wirklich der superreiche Rapper, der nur mit diamantüberzogenen Ketten rausgeht. In anderen Momenten zerbricht dann das Bild wieder.

„Sieh die Watch, wie sie tropft/
Ich trag' Ice um den Hals/
Sieh die Watch, wie sie tropft/
Oh mein Gott, oh mein Gott“

(LGoony in „Oh Mein Gott“)

Zum Ende des Albums gibt es auf "Neu Geboren" sogar ein wenig Realtalk. Goony kratzt für eine kurze Zeit seine Außenseiterposition im Rap-Game an und es heißt auf einmal nicht mehr "In der Gang mehr gute Rapper als in den gesamten Staaten", sondern „Anti Hype/ Anti Industrie, ich mach alles allein“. Hier merkt man, dass LGoony nicht gleich Ludwig Langer ist, der normale Junge, der einfach nur Bock auf Rap hat und immer versucht, sich technisch weiterzuentwickeln.

„Ein paar Jahre sind wir schon/
Auf dieser riesengroßen Reise/
Ich fühl' mich wie neugebor'n/
Doch ich bin immer noch der Gleiche“

(LGoony in "Neu Geboren")

Insgesamt ist "Lightcore" ein solides Album. Schon bei "Intergalactica" konnte man merken, wie LGoony seinen Flow mehr und mehr verbessert. Hier hat er noch eine Schippe draufgelegt und einen musikalischen Stil präsentiert, der eingängig und sogar stellenweise vielseitig ist. Für Rap-Puristen bleibt der Cloud-Rapper für immer der Antichrist des Hip-Hops: Ein peinlicher Imagerapper, der hauptsächlich mit der Hilfe von Autotune hörbare Musik liefert. Kann man über diese Aspekte hinwegsehen, ist es relativ einfach, Gefallen an "Lightcore" zu finden.



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