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Review: Kontra K – Labyrinth

veröffentlicht: Freitag, 17.06.2016, 15:40 Uhr
Autor: Claude Gable





01. Atme tief ein
02. Ikarus
03. Bis hierher
04. Mitleid
05. Hoffnung
06. Wie könnt ich
07. Gut Böse
feat. Bonez MC, Nizi, RAF Camora
08. Jetzt erst recht
09. Paradies
feat. Rico
10. Nie wieder
11. Kampfgeist
12. An deiner Seite
13. Labyrinth
14. Brot stapeln
feat. Fatal, Skinny Al, Rico
15. Geist
16. Tagtraum
17. Sohn
18. Bittersüß
feat. Haudegen

Etwas über ein Jahr mussten die Fans des Berliners Kontra K nach der Veröffentlichung von "Aus dem Schatten ins Licht" auf das Folgerelease warten. Mit "Labyrinth" steht das zweite Studioalbum nach dem Signing bei Four Music in den Regalen, welches im Vergleich zu den aktuellen Releases der Konkurrenz auf angenehm leisen Sohlen seinen Weg dorthin fand. Neben sechs kurzen Promovideos (verteilt auf acht Monate), die Kontra K beim Training, auf Tour oder beim Videodreh zeigten, wurden vorab gerade mal zwei Tracks veröffentlicht und die Spannung somit vergleichsweise hoch gehalten. Inzwischen hat "Labyrinth" an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen können. Was den Hörer erwarten würde, war jedoch bis zum offiziellen Releasedate nicht wirklich klar.

Schon das Intro dürfte den gespannten Fan beruhigt haben, denn mit "Atme tief ein" präsentiert sich Kontra K prototypisch mit Kampfsportmetaphern und mit "Rücken zur Wand"-Symbolik. Auf "Ikarus" thematisiert der Berliner seinen Aufstieg, der im Gegensatz zum mythologischen Namensgeber nicht durch wächserne Flügel gefährdet wird. Währenddessen packt der geneigte Fan seine Sneaker in die Trainingstasche aus der Deluxe-Edition. Denn "Bis hierher" gestaltet sich "Labyrinth" als Déjà-vu des letzten Release. Um im sportlichen Bereich zu bleiben, hat Kontra K wohl die alte Weisheit "Never change a winning team" beherzigt. Motivationale Texte, die entsprechend durch schnelle und treibende Beats untermalt werden, geben nachdenklichen Stücken die Klinke in die Hand, die dabei nicht selten monumental instrumentiert werden. Ungeachtet seines Images als Kämpfer, der durch seine Metaphorik zu physischer und psychischer Stärke gerne zum Personal Trainer für seine Hörer avanciert, gelingt es Kontra K, auch die leisen Töne anzuschlagen. Wird der Begriff "deeper Track" dabei allzu oft abwertend konnotiert, wenn es dem Künstler nicht gelingt, über die Aneinanderreihung totgehörter Phrasen philosophischer Abreißkalender hinauszugehen, so finden sich im Gegensatz dazu tatsächlich Tracks mit Tiefgang auf dem vorliegenden Release.

Denn du bist das Licht, die Kerze im Wind, die niemals erlischt/
Du bist der Fallschirm, der uns rettet, doch auch der Grund, warum man springt/
Einer der Gründe, warum mein Sound genauso klingt/
Und auch dafür, dass ich an dem schlechtesten Tag meines Lebens die beste Version von mir bin/

(Kontra K auf "Hoffnung")

Trotz dieser zweischneidigen Thematik ist es gelungen, "Labyrinth" musikalisch konsistent auszuproduzieren, wobei die Instrumentals sowohl durch qualitative Hochwertigkeit als auch zuweilen durch Raffinesse zu überzeugen wissen. Zwei weitere Punkte, die für ein Déjà-vu sorgen, sind die Instrumentals von "Jetzt erst recht" und "An deiner Seite", die die obligatorischen Ausreißer von der sonst so klaren Linie darstellen. Wurde dies auf "Aus dem Schatten in das Licht" durch rockige Beats erreicht, so dient auf "Labyrinth" drum and bass als experimentelles Feld. Gelungen sind aber auch diese beiden Instrumentals allemal. Auch Kontra K leistet seinen Beitrag zur überzeugenden Klangqualität, weiß er durchaus mit den vielseitigen Beats umzugehen und sich in Szene zu setzen. Einzig die lyrische Virtuosität wird hin und wieder hinter Zweckreimen zurückgehalten. Im schlimmsten Fall funktionieren diese Lines nicht einmal inhaltlich – "Und hier oben wird die Luft für euch knapp wie ein Kranker mit Asthma". Insgesamt verdeutlichen diese Momente aber recht exakt den Status Quo des Kontra K. Dieser liefert als passabler Durchschnittsrapper ein 18 Tracks umfassendes Album, auf dem er das zeigt, was er kann. Um erneut eine Sportmetapher zu verwenden: mit "Labyrinth" ist es zwar nicht möglich, die Championsleague zu gewinnen, der Abstieg aus der 1. Bundesliga ist allerdings auch kein Thema. Anders verhält es sich bei dem ein oder anderen Featurepart. Auf einer 18 Titel umfassenden Trackliste sind die acht Featuregäste glücklicherweise sparsam auf vier Tracks verteilt. "Brot stapeln" stellt dabei aber vor allem dank der Gäste den schwächsten Track auf dem Album dar und auch "Gut Böse" weiß nicht wirklich zu überzeugen. Im Gegensatz dazu liefert "Wie könnt ich" die stärksten Momente des Albums. Es handelt sich um einen der wenigen Tracks, auf dem Kontra K protoypisches Storytelling betreibt und weitgehend ohne Metaphorik auskommt.

Die erste Zigarette, das erste Mal draußen Schläge/
Mitternacht – kriminelle Action, dann auf der Wache zum Blutentnehmen/
Von Neukölln bis Halle gelauf'n, die Bahn verpasst, aber nur um zu reden/
Dabei eine Lunte geraucht, gesagt, wir hören auf, während wir schon den nächsten drehen/

(Kontra K auf "Wie könnt ich")

Fazit:
Was beim wiederholten Hören von "Labyrinth" auffällt, ist die Tatsache, dass es keinen extrem schlechten Track zu geben scheint, zumindest drängt sich kaum ein Song wirklich negativ auf. Andererseits bleibt vom Gehörten auch nur wenig hängen. Ein passables Album ohne Ecken und Kanten von einem souveränen Rapper mittleren Bekanntheitsgrades. Sollte Kontra K sein Potential je voll ausschöpfen, so dürfte ihm der Anschluss an die Spitzengruppe zuzutrauen sein. Bis dahin begeistert er mit "Labyrinth" seine Fans und liefert neutralen Hörern eine ideale Playlist zum Joggen.


(Claude Gable)



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